wikiFlip: CWM, Nandroid, Root und Co. für Einsteiger

Dieser Artikel soll ein kleines Wiki zu den am meisten im Umlauf befindlichen und in unseren Artikeln aufkommenden Begriffen rund um das Thema CustomROM, Modding, Root und dergleichen werden. Ich versuche die einzelnen Fachwörter möglichst ohne weitere Fachwörter zu umschreiben und zu erklären. Im Laufe der Zeit wird dieser Beitrag dann immer wieder durch neue Fachbegriffe erweitert. Der Einfachheit halber sind die Begriffe alphabetisch aufgelistet. 

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ADB und Android SDK

Das Kürzel ADB bedeutet im Klartext Android Debug Bridge. Mittels ADB wird der Zugriff via Datenkabel und PC auf das Handy ermöglicht. Der Installationsvorgang ist meist recht kompliziert. Erst muss das Android SDK heruntergeladen und installiert werden. Dann sollte der Treiber des Handys installiert werden (meist liegt eine PC Suite/Kies/etc. dem Handy bei, bei der auch der nötige Treiber installiert wird). Anschließend findet man im Verzeichnis <SDK>/platform-tools die ADB Anwendung, welche dann über die Konsole (CMD bei Windows PC, Terminal beim Mac oder Linux) den Zugriff auf das Handy erlaubt.

ADB Sideload zum flashen eines OTA-ZIPs

Hier folgt die Anleitung zum Thema ADB Sideload, falls ihr mal ein OTA-Zip-File auf einen Androiden ohne Root installieren möchtet. Das Beispiel dient zum Updaten des Nexus 4 von JOP40D zu JDQ39.

  • Zuerst muss das Update-Zip (Android 4.2.2 für das Nexus 4) von Google heruntergeladen werden.
  • Anschließend am besten in einen einprägsamen Namen umbenennen. Z. B: nexusudpate.zip
  • Das AndroidSDK sollte ebenfalls heruntergeladen und installiert sein (AndroidSDK)
  • Androiden ausschalten und mit der jeweiligen Tastenkombination in das Fastboot-Menü navigieren (Lautstärke minus und Power im Falle des Nexus 4)
  • Navigiert über Lautstärke +/- durch das Menü bis ihr zum Punkt Recovery mode gelangt und bestätigt diesen Punkt durch die Power-Taste
  • Nun folgt ein Druck auf die Lautstärke + Taste und das Recovery-Menü wird eingeblendet
  • Navigiert wieder über Lautstärke +/- zum Punkt apply update from ADB und bestätigt durch die Power-Taste
  • Nexus 4 über USB-Kabel mit dem PC verbinden
  • Update via ADB installieren:

adb.exe sideload nexusupdate.zip

Fertig.

APK

Installierbare Dateien wie Spiele oder Programme etwa tragen bei Android-Handys die Dateiendung .APK. Diese APK-Dateien können auf moderneren Androiden direkt mittels eines Datei-Managers oder aus dem Mailprogramm o. ä. heraus gestartet und installiert werden. Auf dem PC oder Mac können diese APK-Dateien meist mittels eines handelsüblichen Packers, wie WinZIP oder 7ZIP oder dergleichen geöffnet und betrachtet werden, da das APK-Format auf dem ZIP-Format basiert.

Bloatware

Mit Bloatware (wörtlich Blähware) wird Software bezeichnet, die gewöhnlich der Handyhersteller oder der Netzbetreiber zusätzlich auf ein Gerät installiert. Diese manchmal sinnvolle manchmal zu Werbe- bzw. Imagezwecken installierte Software blockiert teilweise vor allem bei Handys mit kleinerem Speicher wichtige Megabyte und wird oft bei sogenannten CustomROMs entfernt um das Handy durch mehr Speicher etwas schneller zu machen.

Bootloader

Der Bootloader ist ein, nennen wir es abgetrennter Bereich, der Firmware eines Handys. Dieser Bereich sollte im Normalfall auch durch das installieren eines CustomROMs bzw. einer Firmware o. ä. nicht überschrieben werden und dient dazu, auch ein Handy mit falsch/fehlerhafter installierter Firmware mittels einer PC-Software dennoch wieder mit einer funktionierenden Firmware bespielen zu können.

Branding

Als Branding bezeichnet man eine Anpassung der Handy-Software und Optik (meist ein Betreiberlogo) seitens des Netzanbieters. Dies kann im günstigsten Fall nur eine geänderte Bootanimation sein, aber auch zusätzlich installierte Apps oder dergleichen. Da diese Anpassungen manchmal auch sehr umfangreich sind, müssen neue Android-Firmwares beim Roll-Out durch den jeweiligen Netzanbieter noch einmal überprüft und teilweise angepasst werden und diese Test-Dauer kann sich auch mal auf Wochen/Monate belaufen. Im schlimmsten Fall entschließt sich der Betreiber auch das Update gar nicht erst zu unterstützen. Dies ist auch der Grund, warum Geräte ohne Branding meist für ein paar EUR mehr über den Ladentisch gehen.

Busybox

Die Busybox beinhaltet die Unix Tools und wird beispielsweise von Titanium Backup benötigt. Mit der Busybox Befehlssammlung können verschiedene Dateizustände gesteuert werden.

Bootanimation.zip

Die Datei Bootanimation.zip beinhaltet die verschiedenen einzelnen Bilder, welche nacheinander abgespielt die Animation ergeben, welche beim einschalten des Android-Smartphones zu sehen ist. Im Normalfall liegt auch diese Datei im Read-Only Bereich auf dem Androiden und kann nur mittels Root-Zugriff geändert werden.

ClockWorkMod (CWM) Recovery

Ein Recovery ist ähnlich wie ein BIOS im PC. Dieses Recovery kann nach der Installation mittels einer Tastenkombination noch vor dem eigentlichen ROM, also dem Betriebsystem eines Handys gestartet werden. Die Tastenkombination ändert sich von Hersteller zu Hesteller und so muss man beispielsweise beim Samsung Galaxy S3 die Lautstärke leiser + Home + Powertaste beim einschalten so lange drücken bis das CWM Recovery erscheint. Es dient unter anderem dazu, ein fehlerhaftes ROM bzw. die Firmware durch ein funktionierendes oder modifiziertes ROM zu ersetzen.

Hierfür hat das Recovery volle Schreib- und Leserechte und kann so beispielsweise ein CustomROM, welches in Form einer ZIP-Datei auf der SDKarte gespeichert ist über das fehlerhafte oder orig. ROM installieren. Gesteuert wird durch das Menü des CWM meistens über die Lautstärke + und – nach oben und unten. Die Power-Taste ist die Bestätigungstaste. Moderne CWM haben auch schon Touchscreen-Unterstützung und können über diesen bedient werden.

CustomROM

Ein CustomROM ist eine Firmware, also das Betriebssytem eines Handys, in einer modifizierten bzw. abgewandelten Version. Meistens werden dort diverse Korrekturen, Geschwindigkeitssteigerungen und dergleichen vorgenommen. Manchmal werden auch noch zusätzliche, nicht  auf dem Handy befindlichen Programme durch das installieren dieses CustomROMs auf das Handy aufgespielt oder sogenannte Bloatware. Cyanogemod, MIUI oder AOKP sind ein paar der bekanntesten CustomROMs.

Drawer

Der Drawer ist die Ansicht, welche die installierten App- und Spiele-Icons präsentiert. Diese Ansicht wird meist entweder horizontal oder vertikal durchblättert. Manche Drawer unterstützen diverse Sortiermöglichkeiten (Favorit, Alphabetisch, Heruntergeladene Apps, etc.). Einige Drawer können auch Ordner darstellen um einen schnelleren Zugriff auf die installierten Apps zu ermöglichen. Auch Funktionen wie beispielsweise Icons verstecken und einfacheres deinstallieren von Anwendungen sind in diverse Launcher integriert.

Fastboot

Fastboot ist wie ADB im Android SDK enthalten und ermöglicht den Zugriff auf die System-Dateien eines Androiden via USB-Datenkabel. Mittels Fastboot können z. B. diverse Modem etc. installiert werden. Ein mögliches Beispiel eines Komandos via CMD oder Terminal wäre z. B.:

fastboot flash recovery DATEI.img

Flashen

Mit flashen bezeichnet man in den meisten Fällen die Installation einer Firmware/Kernel/Modem/etc. auf das Handy. Im einfachsten Fall geschieht dies über das CWM in Form einer ZIP-Datei. Einfach CWM durch die Tastenkombination beim booten starten und im Idealfall ein Nandroid-Backup erstellen. Anschließend “Flash ZIP from SDCard” auswählen. Nun wird die vorher auf die Speicherkarte kopierte Datei ausgewählt und installiert. Danach das Handy neustarten – fertig.

GApps

Als GApps werden die sogenannten Google-Apps (Maps, GoogleMail, etc.) bezeichnet. Verschiedene CustomROMs mussten die orig. Google-Apps aus ihren ROMs entfernen und bieten diese dann in einem sog. GApps-Paket an, welches extra geflasht werden muss um anschließend wieder Google Mail oder dergleichen nutzen zu können.

Kernel

Der Kernel ist vielen von Linux-Systemen schon ein Begriff. Da Android auf Linux basiert, besitzt auch Android einen solchen Kernel. Im Kernel werden diverse Hardwarenahe Dinge wie z. B. eine etwaige Übertaktungs-Möglichkeit geregelt. Installiert man nun also einen modifizierten Kernel hat dies unter anderem Auswirkungen auf die Geschwindigkeit (CPU des Handys wird übertaktbar) oder auch auf den Akkuverbrauch des Handys.

Launcher / Homescreen

Der Launcher ist die Oberfläche, welche beim Start des Handys Widgets und Icons darstellt. Auf dem Launcher werden die favorisierten Ordner, Icons, Kalender, Energiesteuerungswidgets, etc. auf mehreren Seiten abgelegt, welche seitlich durchblättert werden können. Der Homescreen ist dann die Seite des Launchers, welche beim drücken auf den Home-Button des Handys erscheint (also praktisch die Standard-Seite). Bekannte Launcher, welche auf den Launcher von Android 4.0 Ice Cream Sandwich basieren, sind beispielsweise der NOVA- oder der APEX-Launcher.

Modem/Baseband

Das Baseband bzw. Modem ist die Schnittstelle zwischen dem Handy und dem Mobilfunknetz! Je nachdem in welcher Region du dich befindest gibt es verschiedene Versionen. Es kann also durchaus sein, dass du deinen Empfang (auch WiFi oder den Wechsel von GSM zu UMTS) verbesserst , indem du dir ein anderes (neueres?) Modem installierst.

Nandroid Backup & Restore

Im CWM Recovery gibt es auch die Option den kompletten Zustand des aktuell installierten Betriebssystems inkl. aller Apps und derer Daten (Spielestände etc.) auf den internen Speicher oder die externe SDKarte zu sichern. Hierfür wird das CWM Recovery mittels Tastenkombination beschrieben gestartet und die Option Backup & Restore mittels der Lautstärke und Powertaste ausgewählt. Nach Bestätigung des Vorgangs legt das Backup auch schon los und sichert den Zustand des Handys und erstellt damit ein Nandroid Backup.

Im Normalfall kann nun egal was man mit dem Handy anstellt (mal abgesehen von CWM löschen und internen+externen Speicher formatieren) über die selbe Funktion das Handy auch wieder in den gesicherten Zustand hergestellt werden.

Root-Zugriff

Der Root-Zugriff bedeutet, dass man Lese- und Schreibzugriff auf den eigentlich Read-Only Bereich des Betriebssystems hat. Mit ihm können dann beispielsweise diverse Dateien und Einstellungen des Handys gesichert oder auch verändert werden. Programme wie Titanium Backup beispielsweise benötigen diesen Zugriff, um installierte Anwendungen inkl. derer Einstellungen sichern zu können. Auf dem gerooteten Handy selbst gibt es auch die Möglichkeit Dateimanager (z. B. ES Datei Explorer) zu installieren, welche dann ebenfalls das ändern von Dateien innerhalb der System-Verzeichnisses erlauben.

Framework-Res.apk und SystemUI.apk

Die framework-res.apk und die SystemUI.apk liegen im Read-Only Bereich der Firmware und können normalerweise nicht verändert werden. Zugriff auf diese Dateien erhält man also nur über einen vorhandenen Root-Zugriff. Die Dateien enthalten Icons und Design-Elemente und auch diverse Vorgehensweisen des Betriebssystems des Handys. Diese Dateien müssen modifiziert werden, wenn man an der Optik des installierten Android-Systems etwas ändern möchte.

S-OFF oder S-ON

Security Off / On ist bei HTC-Geräten die Verschlüsselung des Bootloaders. Hiermit wird praktisch vor dem eigentlichen Boot-Vorgang festgelegt, ob eine Möglichkeit besteht, ein CustomROM zu installieren. S-ON bedeutet eine Werksseitige Sperrung. Je nach Handy kann dieser Schutz aber teilweise sogar mit Segen von HTC ausgehebelt werden. Ist S-OFF einmal aktiviert, kann sogar der Bootloader manipuliert werden. Dies bedeutet im schlimmsten Fall, dass das Handy nicht mehr zu retten ist, weil es nicht mehr bootfähig ist.

SuperCID / CID

Die CID ist eine Kennung, welche bei HTC-Smartphones eindeutig zuordnet, ob es ein Branding besitzt oder nicht. Mit S-OFF kann diese CID in die so genannte SuperCID mit dem Wert 111111111 abgeändert werden. Anschließend können sämtliche Firmware-Pakete installiert werden. Egal ob mit oder ohne Branding.

Terminal / Konsole

Das Terminal bzw. die Konsole wird benötigt, um Kommandos direkt einzugeben. Im Falle des Android-Handys wird die Konsole unter anderem genutzt, um mittels ADB Befehle direkt an das meist per USB-Datenkabel angeschlossene Handy zu senden.

Titanium Backup

Titanium Backup benötigt Root-Zugriff und sichert sofern dieser vorhanden ist die installierten Apps inkl. derer Daten bzw. Spielestände/SMS/etc. auf dem internen Speicher / externen Speicherkarte. Es kommen immer wieder neue Funktionen hinzu, wie aktuell das sichern auf Google Drive oder Dropbox etc. Der komplette Zustand des Handys in einer 1:1 Kopie wie beim Nandroid-Backup ist hiermit aber nicht möglich. Titanium Backup bietet sich also beispielsweise an, wenn man eine neue Firmware bzw. CustomROM installiert und nach der Installation des ROMs noch wipen/löschen soll. Somit werden einfach die Schritte der manuellen Installation jeder App einzeln abgenommen.

USB-OTG

Samsung Galaxy S3 USB-OTG und Maus

Mittels USB-OTG können moderne Smartphones und Tablets ein USB-Gerät erkennen. Meist sind hiermit Mäuse, Tastaturen und USB-Sticks gemeint. Ein kleiner Adapter wird in den MicroUSB-Anschluss des Handys gesteckt und auf der anderen Seite können dann ganz normale USB-Geräte angeschlossen werden. Je nachdem was der Hersteller erlaubt auch z. B. portable Festplatten ohne externe Stromversorgung usw.

Wipe/Factory Reset nach der Installation eines CustomROM

Dieser Schritt ist oft nach der Installation eines CustomROM nötig und löscht alle gespeicherten Einstellungen etc. Nach dem WIPE ist also im Normalfall das Handy wie im Auslieferungszustand. Allerdings bleiben die Daten der internen und externen Speicherkarte erhalten. Fotos und dergleichen sollten auch einen WIPE überleben. Für einen WIPE muss das CWM gestartet werden und dort dann die Funktion Wipe/Factory Reset ausgewählt werden.

Noch Fragen offen?

Wir hoffen, damit ein Wenig Licht in das Wirrwarr Rund um das Thema Modding, Root und dergleichen gebracht zu haben. Sollte euch etwas weiterhin unklar sein oder ihr hättet gern einen anderen Begriff erklärt, ab damit in die Kommentare! Tipps oder dergleichen könnt ihr wie immer auch gern auch über die Funktion Tipp senden oben rechts auf mobiFlip.de einreichen. Ich werde diesen Artikel dann immer wieder erweitern.

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