Falcon Pro und die Twitter-Community

falocon pro

Falcon Pro für Android ist laut Meinung der Android-Onlinecommunity eine der besten Apps für das soziale Netzwerk Twitter, doch das Programm steht vor dem Aus, denn die Schnittstelle zu Twitter ist beschränkt und hielt dem Nutzerandrang nicht mehr stand.

Vom Widget zur App

Im August 2012 erblickte mit Falcon for Twitter ein brauchbares Twitter-Widget das Licht des Softwareshops Google Play, das bei Twitter-Nutzern so gut ankam, dass schnell der Wunsch nach einer kompletten App auf Basis des Widgets reifte. Im November 2012 stand es dann fest, das Twitter-Widget wird zur App und auch eine Beta-Version folgte recht schnell.

Bereits vor der finalen Version von Falcon Pro war hinlänglich bekannt, dass die Twitter-API den Erfolg der App irgendwann ausbremsen könnte, denn diese ist auf 100.000 Token (1 Account = 1 Token) limitiert. Der Entwickler nahm dies in Kauf, eventuell hat er den Erfolg seiner App anfänglich etwas unterschätzt. Für 0,79 Euro landete Falcon pro Anfang Dezember 2012 bei Google Play.

Von der Veröffentlichung der finalen Version bis zum knacken des Token-Limits dauert es dann nur bis zum Februar dieses Jahres, eine vorübergehende Lösung war schnell gefunden, die nun bis zur letzten Woche anhielt. Jetzt ist allerdings endgültig Schluss, den wie der Entwickler aktuell mitteilt, lässt Twitter keine Ausnahmeregelung für die API zu.

Miese Bewertungen als Gegenmaßnahme

Seit einigen Tagen tobt nun der Onlinemob bei Google Play, um Twitter vor Augen zu führen, was lange bekannt und nicht mehr neu ist, die Beschränkungen der API sind für eine gewisse Nutzergruppe ärgerlich. Die offizielle Twitter-App für Android hat innerhalb weniger Tage über 50.000 Bewertungen mit einem Stern erhalten. Ob das nun das richtige Mittel ist, um seinen Ärger Luft zu machen, sei mal dahingestellt, dass Twitter sich unter Druck setzen lässt bezweifle ich noch, wenngleich ich es in diesem konkreten Fall dem Entwickler wünschen würde.

Twitter hat derzeit 200 Millionen aktive Nutzer (Accounts ein vielfaches mehr) und muss seinen Dienst refinanzieren, aus diesem Grund verkauft man Werbung, die aktuell nur in den hauseigenen Apps bzw. der eigenen Webseite eingeblendet wird. Die offiziellen Twitter-Apps sind gerade für “Power-User” nach eigener Aussage nicht ausreichend, hier sei zumindest Twitter zu Gute gehalten, dass man die Apps für alle Plattformen gerade im letzten halben Jahr immer weiter verbessert hat. Das reicht vielen nicht, daher sind gute Alternativen begehrt und so richtig gute Alternativen gibt es gar nicht so viele.

Was also tun?

Lösungsvorschläge liest man an jeder Ecke, meist sind diese “nutzermotiviert”, lassen also außer Acht, was man eventuell als Betreiber eines sozialen Netzwerkes mit 200 aktiven Millionen Nutzern beachten müsste. Oft liest man “Werbung in die API” einbinden, klingt erstmal plausibel, eine Kontrolle wird dann aber wohl auch nicht so einfach, wie man sich das im ersten Moment denkt. Eine kostenpflichtige API, die sich durch App-Verkäufe der Drittanbieter refinanziert klingt in diesem Zusammenhang realitätsnaher, aber auch nicht perfekt. Am Ende lässt es sich darauf reduzieren, dass irgendwie auch mit Drittanbieterapps bzw. der API-Nutzung über 100.000 Token Geld reinkommen soll.

Auch nicht selten wird gesagt, Twitter macht Apps kaputt, die es groß gemacht haben. Hier will ich zumindest anmerken, dass das so nicht stimmt. In diesem Fall kam Falcon Pro (leider) zu spät, um Twitter mit groß gemacht zu haben, alle älteren Apps die das einst gemacht haben, haben von Twitter ihre aktuelle Token-Nutzung verdoppelt bekommen. Heißt also, hatte eine Twitter-App vor der API-Umstellung 400.000 Token-Nutzer, hat sie danach ein Limit von 800.000. Nicht perfekt, aber auch nicht gerade unfair.

Falcon Pro hat also nun die 100.000er-Marke geknackt, das wären in Nutzern gerechnet 0,05 Prozent aller aktiven Twitter-Nutzer, da es durch die Unterstützung durch Multiaccounts nochmal einen Schub gab, dürfte die Anzahl der einzelnen Personen dahinter noch kleiner sein. Rechnet man das herunter, haben also aktuell 0,025 Prozent aller aktiven Twitter-Nutzer eine miese Bewertung im Play Store abgegeben. Ich erachte es als mehr als fraglich, ob das Twitter zu einem Umdenken zwingt. Eine irgendwie geartete Reaktion darauf, könnte ich mir dennoch vorstellen.

Unschön aber Realität

Schön ist die ganze Situation sicher nicht, jetzt so zu tun, als wäre ein Großteil der Twitter-Nutzer unzufrieden mit den offiziellen Clients scheint allerdings auch nicht den Kern zu treffen. Schließlich hat alleine die offizielle Android-App deutlich über 100 Millionen Installationen.

Twitter will möglichst viele Nutzer an sich und die offiziellen Apps binden. Ich gehe davon aus, dass das durchgezogen wird. Das einzig klare Zeichen und meines Erachtens nur konsequent wäre die Nichtnutzung des Dienstes. Eventuell gehen sogar ein paar Nutzer so weit. Am Ende muss ich mich einfach nochmal selbst zitieren, denn als Fazit der ganzen Geschichte fällt mir nicht mehr ein als zu sagen:

Willkommen im verdammten Kapitalismus, in dem keiner dem anderen etwas schenkt – “Überraschung”.

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