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Fanboys 2011 – Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit?

Eigentlich könnte ich mir das Schreiben der folgenden Zeilen sparen, denn das obige Bild wird ziemlich genauso in vielen Köpfen existieren. Fanboys 2011, ferngesteuerte Zombies, einer Marke oder einem System unterlegen und vollkommen abhängig, nicht mehr in der Lage klar und logisch zu denken. Aber ist das wirklich so, oder ist das Fanboytum nur die transportiere Jugendclique unserer Zeit, die Sehnsucht nach Zugehörigkeit?

Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem die Fanboys (gefühlt) täglich mehr werden. Waren es vor ein paar Jahren nur die Apple-Jünger, welche ihrem Messias Steve Jobs hinterherhechelten, so reihen sich mittlerweile auch Android-, Symbian-, Blackberry- und Windows Phone 7- Nutzer ein. Gerade in einem Blog wie mobiFlip.de, der über verschiedene Hersteller und Systeme schreibt, merke ich das jeden Tag extrem.

Wer sich im Netz nur auf ein Thema beschränkt, der wird bis auf wenige Ausnahmen, vom typischen Fanboy verschont, oder besser gesagt, wird von ihm nicht negativ „gestört“. Besser noch, wer heutzutage themenspezifisch arbeitet, bedient gerade zu solche Menschengruppen und fördert somit das Fanboytum. Was also machen, wenn man sich selbst nicht festlegen will. Was wenn man wie hier im Blog über jeden mobilen Popel schreiben möchte? Nicht weil man selber von einer Präferenz überzeugt ist, sondern einfach, weil man es interessant findet?

Tja, dann ist Vorsicht angesagt. Ich persönlich nutze Android aus Überzeugung und merke wie stark das Interesse einiger Leser an diesem Thema ist. Ich nutze allerdings auch ein iPad und ab und an schaue ich mir sogar Windows Phone 7 an. Trotzdem merke selbst ich, dass es ein nettes Gefühl ist, nach einem Bekenntnis zum System auf Gleichgesinnte zu treffen. Auch wenn ich nicht mehr zur ganz jungen Generation gehöre, so verbringe ich doch den Großteil meines Tages vor dem Computer und im Internet. Soziale Kontakte im echten Leben sind zwar vorhanden, beschränken sich aber zumeist auf das Wochenende. Da kommt einem eine Gruppenzugehörigkeit im Netz natürlich gelegen. Ich logge mich ein und schaue mal, was in meinem virtuellen Kiez alles abgeht. Ich disse mal die von der anderen Straßenseite, bin hier mal der nette Typ und trolle beim nächsten Blog. Weiß ja keiner, wer ich wirklich bin.

Ja, das ist leicht und verlockt auch. Wer von uns hat sich nicht schon mal gedacht, am liebsten würde ich jetzt was ganz Unanständiges in die Kommentarfunktion knallen und am besten auch unter anderem Namen, damit das wenigstens mal jemand gesagt hat, aber keiner weiß, dass es von mir kommt. Auch ich kenne das Gefühl, weiß aber durch diesen Blog hier, dass es nur fair gegenüber dem Autor ist, Kritikpunkte klar zu benennen, anstatt einfach zu motzen. Zudem schafft es immer eine bessere Gesprächsgrundlage, wenn man nicht vollkommen anonym auftritt.

Im Grunde sind die Fanboys nichts weiter, als virtuelle Schulhofgruppen. Man gesellt sich zusammen, man tauscht sich aus, man findet Gemeinsamkeiten, man gehört eben einfach dazu. Besser als am Rand zu stehen und blöd angeschaut zu werden. Die Frage ist eher, wann und vor allem warum wird der typische Fanboy unsympathisch fanatisch?

Ich erlebe hier täglich Leser in den Kommentaren, die könnten sich stundenlang und nicht wenig aggressiv über mobile Systeme auslassen, welche sie nicht mögen. Aber es geht noch weiter. Bei meinem Testbericht zum Nokia N8 musste ich feststellen, ups, es gibt nicht nur Apple- und Android-Fanboys, nein, es gibt auch noch Symbian-Fanboys. Das Gleiche geschah beim Testbericht zum HTC 7 Mozart. In letzter Zeit geht das Ganze noch ein Stück weiter. Jetzt kommen schon die ersten Fans anderer Blogs und lassen sich über diese Seite aus. Das muss man sich mal überlegen, man fühlt sich einer Webseite zugehörig, welche man regelmäßig verfolgt. Eigentlich krank, wenn man bedenkt wie viele Webseiten es gibt. Ich meine, ich freue mich, denn unter euch gibt es ja auch mobiFlip.de-Fans, wobei ich natürlich hoffe, dass ihr nicht auf anderen Seiten kommentieren geht, dass dieser Blog besser wäre, als ein anderer.

Wie soll das nun weitergehen? Sind wir irgendwann alle in Gruppen aufgespalten, nicht mehr fähig offen für Neues und anders Denkende zu sein? Wird es in Zukunft einen Zwang der Community geben, sich festlegen zu müssen? Manchmal fühlt es sich so an. Eventuell müssten auch einfach nur die stillen Leser, welche sich fast nie bemühen ihre Meinung im Netz kundzutun, mal den Mund aufmachen. Denn gerade die sind es, bei denen die gedankliche Gelassenheit noch schlummert. Eine Gelassenheit nicht zu jedem Thema, welches nicht meiner Überzeugung entspricht andere anzumotzen. Das Internet fordert wohl auch manchmal neutrale Meinungen.

Ich für meinen Teil werde es handhaben wie bisher. Ich bestelle mir Android-Fanfiguren weil ich den kleinen Roboter so putzig finde, kann aber dennoch mit gutem Gewissen abends mit meinem iPad auf der Couch sitzen. Und warum? Weil es keinen Grund gibt sich zu entscheiden. Es gibt viele Wege die individuellen Bedürfnisse jedes Nutzers zu stillen. Es ist klar, dass ich hier im Blog von mir schreibe, von meinen Bedürfnissen, Einschätzungen und Ansprüchen, es ist aber ebenso klar, dass jeder von euch  das um 180 Grad anders sehen kann, weil er eben vollkommen andere Anforderungen hat.

Wen wir in Zukunft an diesen Punkt kommen, haben wir die Wahl uns zu entscheiden, entweder wir sagen Dinge wie: „Krass, ich würde damit nie im Leben klar kommen, von der Idee her aber witzig„, oder aber man zeigt seine beschränkte Denkweise so: „Wie kannst du das toll finden, das ist der letzte Rotz, mir fällt eh auf das hier immer alles schlechter wird und sowieso passt es mir nicht wie du schreibst„. Ich persönlich kann mit beidem ganz gut leben, denn ich will keinen bekehren, habe mir bereits ein dickes Fell angelegt und von mir aus kann auch jeder Fanboy sein bis zum Umfallen. Ich wünsche mir nur, dass man sich als Fanboy zwar in Gruppen organisiert, aber dennoch die anderen respektiert. Mögen muss ich generell gar nichts, aber Respekt und Akzeptanz würde vieles erleichtern. Was denkt ihr?

Bild von YOOicons

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