Google Plus: Ein Hype und die Pseudonyme

Google verbietet keinem im Netz Pseudonyme zu nutzen, im Gegenteil, bereits im März hat man sich ausdrücklich dafür ausgesprochen. Nun war es nur eine Frage der Zeit, bis dies zum Diskussionspunkt wird, denn im Netz sind bekanntlich viele Leute mit Pseudonymen unterwegs und wollen mit diesen auch Google Plus nutzen.

Google hat eine Grundregel geschaffen, welche zwar laut aktuellen Äußerungen der Entwickler nicht optimal angewandt wurde, aber im Kern richtig ist. Man will, dass hinter jedem Profil eine Person steht, eine Profil von Google Plus soll eine wirkliche virtuelle Identität werden, eine ehrliche. Bereits bei der Anmeldung zum Netzwerk wird man darauf hingewiesen, dass es unvermeidbar ist, dass der eigene Name öffentlich im Profil stehen wird. Man kann zwar jegliche Profilinfo gezielt einstellen, aber den Namen nicht.

3 Arten von Nutzernamen

Google selbst spricht von drei offiziellen Arten von Nutzernamen bzw. Angaben, welche man in seinem, Profil machen kann.

Im Hinblick auf Identifizierung werden in Google-Diensten drei verschiedene Verwendungsarten unterstützt: nicht identifiziert, mit Pseudonym, identifiziert. […] Google Profile ist ein Produkt, das am besten mit dem Status “identifiziert” funktioniert. So können Sie sicher sein, dass Sie mit der richtigen Person zu tun haben, und andere können leichter Vertrauen fassen, da sie wissen, dass sich eine echte Person hinter dem Profil verbirgt, das sie sich ansehen. Daher müssen Sie bei Google Profile den Namen verwenden, den Sie auch für gewöhnlich im Alltag benutzen.

Der letzte Teil ruft natürlich so einige Pseudonym-Träger auf den Plan, wobei hier oftmals die Agrumentationsweise wild durcheinander gewürfelt wird. Was bedeuten die drei Möglichkeiten?

nicht identifiziert

Ein Profil wie ich es zum Beispiel nutze. Mein richtiger Name, bestehend aus Vor- und Zunamen, einfach so, ohne Überprüfung. Finde ich gut, finde ich sogar besser, als Alias und Co., das ist aber meine persönliche Meinung.

mit Pseudonym

Man legt sich ein Profil an und nennt sich Michi Müller, obwohl man Otto Meier heißt. Kann jeder machen, ohne Probleme und wird auch nicht von Haus aus überprüft oder gesperrt. Dies muss Gogle laut dem Telemediengesetz sogar erlauben, denn darin heißt es:

Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.

identifiziert

Man hat ein normales Profil, welches von anderen als Fake gemeldet wurde, oder man hat ungewöhnliche Zeichen im Namen, oder man hat einen echt blöden Namen erwischt, der wie eine Comicfigur klingt, oder … Dann kann man eine Identifizierung durchführen, also irgendwie nachweisen, dass man wirklich derjenige ist, welcher man angibt zu sein. Danach kann man problemlos auch Max M. statt Max Mustermann heißen.

Wenn Sie diese Richtlinien eingehalten haben, Ihr Name von unserem System aber dennoch nicht akzeptiert wird, können Sie die Anleitung auf dem Bildschirm befolgen, um Ihren Namen überprüfen zu lassen.

Klingt erstmal logisch, zumindest wenn man bedenkt, dass es noch nicht wie bei Facebook Seiten für Unternehmen, Künstler oder Autoren gibt. Jetzt kommt aber ein Nutzer daher, der nennt sich im Netz seit 10 Jahren “Der Pseudonymverfechter” (nur ein Beispiel) und der möchte in seinem Profil nicht seinen echten Namen stehen haben, sondern es soll dick und fett “Der Pseudonymverfechter” drüber stehen. Im Grunde kann man klar sagen, das will Google nicht.

Es gibt jetzt bereits die Möglichkeit unter dem Punkt “Andere Namen” direkt im Profil diverse weitere Namen bzw. Alias-Bezeichnungen anzugeben, diese Funktion sollte man auf jeden Fall auch nutzen, wenn man denn unter mehreren Namen im Web bekannt ist. Mit weiteren Änderungen in Zukunft soll diese Möglichkeit etwas prominenter platziert werden. Wer sehr großen Wert darauf legt, kann aber jetzt bereits die zweite Zeile direkt unter dem eigentlichen Namen dafür nutzen.

Sollte man gesperrt worden sein, muss man einer Überprüfung unterzogen werden. In der Regel wird nur das Google Plus-Profil stillgelegt, es gibt aber wohl vereinzelte Fälle, in denen der gesamte Google Account gesperrt wurde. Für die Betroffenen sicher unschön, auf der anderen Seite muss man auch sehen, wie es dazu kommen kann. Ich persönlich kenne kenne keinen, der seinen gesamten Google-Account nicht mehr benutzen kann, da es aber die Möglichkeit gibt, Profile zu melden, ist es durchaus möglich, das Google Accounts komplett einfriert, wenn zu viele Nutzer darauf geklickt haben. Fakt ist: Es wird kein Profil gelöscht, sondern nur gesperrt.

Wenn Ihr Profil gesperrt wurde, können Sie Ihren Namen und Ihr Profil immer noch bearbeiten. Wenn Sie Ihren Namen bearbeiten, nachdem Ihr Profil gesperrt wurde, muss es zunächst einer Überprüfung durch unser Team unterzogen werden, bevor es wieder aktiviert werden kann.

Soweit die aktuellen Gegebenheiten auf Google Plus. Etwas zu kurz kommen leider verschiedene Aspekte, auf die ich noch eingehen möchte.

Die Konkurrenz

Bei Facebook ist die Methodik nicht viel anders, wobei man klar sagen muss, dass man mit dem Löschen von “unechten” Profilen dort kaum hinterher kommen kann. Zudem gibt es dort die Möglichkeit für diverse öffentliche Personen/Medien Seiten mit beliebigen Namen zu veröffentlichen. Im entsprechenden Artikel in der Wikipedia (CC-Lizenz) heißt es dazu:

Auf Facebook ist es möglich, sich mit einer fiktiven Identität anzumelden. Der Nutzer wird jedoch ausdrücklich dazu aufgefordert, sich mit seinem echten Vor- und Nachnamen sowie seinem Geburtsdatum anzumelden. Die Eingabe von zwei Namen (also Vor- und Nachname) ist erforderlich. Zwar findet keine Überprüfung der realen Identität eines Benutzers statt, jedoch löschte Facebook schon mehrmals in automatisierter Form ohne Vorwarnung Profile mit ungewöhnlichen Namen, hinter denen ohne Einzelrecherche unechte Identitäten vermutet wurden. Dadurch wurden auch Profile real existierender Personen gelöscht. Die Veröffentlichung von persönlichen Daten ist den Nutzern freigestellt.

Die Angebote der VZ-Netzwerke sind ähnlich bzw. noch einen Tick strenger. Dort heißt es:

Die Registrierung für das Netzwerk startet mit einem Registrierungsformular. Der Nutzer hat die dort abgefragten Daten vollständig und korrekt anzugeben, wenn und soweit diese nicht als freiwillige Angaben gekennzeichnet sind. Die Angabe von Künstlernamen, Pseudonymen oder sonstigen Phantasiebezeichnungen ist nicht gestattet. Ebenso untersagt ist es, einen Account mit fremden oder sonst unzutreffenden Angaben anzumelden. Mehr Infos zum Umgang der VZnet Netzwerke Ltd. mit Pseudonymen gibt es unter meinvz.net/l/policy/pseudonyme.

Geschlossene Phase

Wie die Verantwortlichen immer wieder sagen und betonen, befinden wir uns immer noch in einer nicht öffentlichen Phase. Jeder der jetzt im Netzwerk ist, hatte Glück oder wurde eingeladen. Wenn wir das also als Beta betrachten, bei der wir seit über drei Wochen jeden Tag mitbekommen, wie sich Dinge ändern, optimiert und verbessert werden oder gar neue Funktionen hinzukommen, sollte man auch etwas mehr Gelassenheit walten lassen, wenn es noch nicht für alle Nutzer, welche sich nicht an die aktuellen Nutzungsbedingungen halten eine Lösung gibt.

Künstlernamen

Kaum einer hat große Wellen geschlagen, als man mitbekommen hat, dass diverse Profile von Webseiten bei Google Plus deaktiviert wurden. Jeder wusste, dass es offiziell nur private Profile gibt und Google hat auch von Anfang an gesagt, man soll derzeit darauf verzichten, andere bzw. zweckentfremdete Profile anzulegen.

Jetzt kommt aber der Typ, der sich “Der Pseudonymverfechter” nennt und will nicht akzeptieren, dass sein Name ein Künstlername ist. Es liegt eigentlich auf der Hand, warum sollte man denn ein privates Profil mit einem Fantasienamen benennen können, der bereits zu einer (kleinen) Marke im Web geworden ist?

Wenn man die Chance hat, ein soziales Netzwerk von seinen Grundfesten neu aufzubauen, warum dann nicht gleich darauf achten bzw. wert darauf legen, dass Profile nicht kreuz und quer benannt werden, sondern gleich einen Mehrwert für den Nutzer schaffen. Es gibt heute noch Leute, die schnallen bei Facebook nicht, dass es auch die Seiten gibt und legen private Profile für Seiten und Vereine an. Und selbst wenn man es anders machen wollte, wo die Grenze ziehen? Betroffene wissen warum ihr Profil gesperrt wurde, weil sie einen unvollständigen oder einen Fantasienamen angegeben haben, dessen Existenz man im Grunde nicht überprüfen kann.

Betroffene wissen auch, dass dies ausdrücklich nicht von Google gewünscht ist, aber ihnen dennoch die Möglichkeit eingeräumt wird, sich anders zu nennen, als sie im echten Leben heißen. Aber nein, man will sich nicht anders nennen, man will schon der beleiben, der man ist, aber eben lustig heißen, um die eigene Marke nicht kaputt zu machen. Im Grunde eine einfache Rechnung, bist du im Netz zur Marke geworden und nicht mehr der 0815-Nutzer, dann nutze das Zusatzfeld beim Namen, damit man dich auch erkennt, oder warte auf die Seiten. Klingt hart, ist aber nicht ganz unverständlich.

Es kommt auf den Standpunkt an

Am Ende kommt es auf den eigenen Standpunkt an. Ich habe von vielen Nutzern gelesen, die es klasse finden, dass Google sich so verhält, aber es schade finden, dass gewisse Webseiten nicht mehr bei Google Plus vertreten sind. Verständlich und geht mir auch so. Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ich ausnahmslos keine der gesperrten und wohl im Web bekannteren Personen kannte bzw. keine unter dem gesperrten Namen kannte.

Ich erinnere mich noch ganz gut über den Aufschrei der durch den deutschen Teil des Internets ging, als seinerzeit Atze Schröder es durchsetzen wollte, dass er im Netz bzw. allgemein in den Medien nicht unter seinem echten Namen genannt werden darf. Wie konnte er nur? Ich habe mittlerweile einige der damaligen Kritiker gelesen, die sich jetzt über Google aufregen, nur eben in die andere Richtung. Wie der Wind weht, wie das Sommerloch tief ist und wie der eigene Stolz verletzt wurde.

Abwarten

Was uns Nutzern bleibt, ist schlicht und einfach abzuwarten. Es gibt derzeit nur private Profile, es gibt keine Profile für Firmen, für Webseiten und für Künstler. Daraus wurde nie ein Geheimnis gemacht. Man kann falsche Namen angeben ohne gesperrt zu werden, man muss nur den Eindruck erwecken, eine Person und kein Fantasiewesen zu sein.

Man kann nach einer Sperrung die Angaben ändern und eine erneute Prüfung beantragen und im Profil so viele Alias-Namen angeben wie man möchte. Für eine Beta ganz einfache Regeln, keine schlechten Ansätze und noch viel Potential noch vorne. Bessere Möglichkeiten um Pseudonyme anzugeben kommen, sie wurden bestätigt, dauern aber eben etwas in der Umsetzung.

Man hört bei Google auf die Nutzer, man gibt fast täglich Infos, was man wann und wie ändern wird, bei einem Netzwerk, welches von jetzt auf gleich über 20 Millionen Nutzer hat, sicher nicht so einfach, wie sich das einige vorstellen.

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