Motorola Milestone – Ein ROM, sie zu knechten … und ewig zu binden
In diesem Artikel bietet sich uns nun die Möglichkeit, etwas ausführlicher über diverse Ungereimtheiten an Motorolas Handyflaggschiff “Milestone” zu berichten.
Seit einiger Zeit hat Motorola begonnen, das “Milestone” offensiv und umfassend zu bewerben. Unbegrenzte Möglichkeiten werden als Hauptpunkt dieser Kampagne aufgeführt und es ist die Rede vom “Smartphone ohne Limits”.
Zugegeben, im direkten Kontakt und während der Nutzung zeigt sich, dass dieses Smartphone wirklich ein Meilenstein ist. Design und Verarbeitung sind über jeden Zweifel erhaben und insgesamt wirkt das Gerät sehr hochwertig.
Die Sachlage – Meilenstein, Root und Modder
Aber auch in anderer Hinsicht ist das Motorola “Milestone” ein Meilenstein: Android erfreut sich einer immer größer werdenden Fangemeinde – die Community ist erfreut, dass das Open Source Betriebssystem Android auf viele Arten und Weisen anpassbar ist. Beliebt sind in der Szene sogenannte Custom Roms, bei denen Teile des Betriebssystems angepasst und modifiziert werden können. Unter anderem erhält man durch Root (entspricht einem Superuser bei Linux oder dem Windows Administrator) auch die Möglichkeit, Treiber und Kernel von Android anzupassen/zu wechseln. Leistungsmerkmale und neue Funktionen wechseln so zwischen den unterschiedlichsten Handymodellen hin und her.Und oft hat sich gezeigt, dass Custom Roms stabiler und schneller laufen als die “offiziellen”.
Jedoch sind diese Funktionen mit dem Verlust der Garantie verbunden. Für die wenigsten Mitglieder dieser Szene – sog. “Modder” – stellt der Garantieverlust ein Problem dar. Vielmehr sind diese oft von dem Wunsch getrieben, Besitzer ihres eigenen Smartphones zu sein und vollkommene Kontrolle über die Software zu besitzen.
Bei allen bisher erschienen Handymodellen mit dem Android-Betriebssystem ist dies möglich, so auch beim (nur in den USA erschienenen) Schwestermodell “Droid”. Sowohl das “Milestone” als auch das Droid identifizieren sich innerhalb der Gerätespezifikation als “Sholes”, vermutlich der firmeninterne Name dieses Gerätes.
Das Problem – Signierung und Custom Rom’s
Nun jedoch der negative Aspekt: Motorola hat große Teile der Modifikationsfreiheit eingeschränkt. Man hat dafür gesorgt, dass dieses Modell nur signierte Roms laden kann. Diese Signierung ist nur mit einem passenden Schlüssel, der in der Hardware verankert ist, möglich!
Somit können auf dem deutschen “Milestone” keine Custom Rom’s gestartet werden. Keiner der europäischen Kunden hat das erwartet – wieso auch? Da ja, wie bereits vorher bekannt, das gleiche Gerät (abgesehen vom Funkmodul) in den USA erfolgreich modifiziert wurde. Natürlich ist die Internetgemeinde darüber keinesfalls erfreut. In etlichen Diskussionsforen im Motorola Customer Bereich sowie im Developer Forum und der Facebookseite von Motorola wird darüber diskutiert.
Die Lösung – Zur Konkurrenz schauen
An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, dass Motorola eigene lizenzierte Software auf dem “Milestone” installiert hat und womöglich einfach nur die firmeneigene Software schützen möchte. Natürlich sind das nur Vermutungen und solange sich Motorola nicht äußert, wird dieser Verdacht wohl weiterhin im Raum stehen. Technisch wäre es kein Problem, uns ein Update zur Verfügung zu stellen, das diese Einschränkung aufhebt, den Verlust der Garantie durch das Senden der IMEI oder Seriennummer an Motorola meldet, sämtliche lizenzierte Software vom “Milestone” löscht und dieses zukünftig als Developer-Phone ausweist.
Dies ist in ähnlicher Form bei Google’s “NexusOne” möglich: Gibt man den entsprechenden Unlock-Befehl ein, so erscheint eine Meldung in der man daraufhin gewiesen wird, dass man mit dem Bestätigen dieses Befehls seine Garantie verliert.
Die Teilerfolge und Enttäuschungen
Dank langwieriger Versuche ist es zwar gelungen, zumindest einige Anwendungen des “Milestone” durch andere zu ersetzen, jedoch wirklich elementare Teile bleiben der Szene verwehrt. Entgegen bisheriger Praktiken, den Kernel anpassen zu können, ist dies beim “Milestone” nicht möglich. Diese Tatsache nimmt der Community die Möglichkeit, auch nach der Einstellung von Updates seitens Motorola (teilweise gängige Praktik, um dann mit einem neuen, nahezu technisch identischem Gerät, die Verkaufszahlen zu erhöhen) eventuelle Probleme beseitigen zu können. Die Community wäre auch eher bereit, Nachfolger des “Milestone” zu akzeptieren und zu kaufen, wenn Motorola seinen Kunden entgegen käme.
Akzeptabel wäre das Ganze aus der Sicht vieler Besitzer, wenn dieser Umstand von Anfang an bekannt gewesen wäre. In diesem Fall hätte ein Teil der Kunden dieses Gerät nicht gekauft und wäre auf ein Konkurrenzprodukt (welches Motorola seinerseits sogar in seiner Stellungnahme als Alternative empfiehlt) ausgewichen.
Die Kunden außerhalb der USA fühlen sich benachteiligt und das, wie es scheint, zu Recht.
Links:
- Motodev Blog response: Custom ROMs and Motorola’s Android Handsets
- Motorola Press Release related to MWC 2010
- Motorola Owners’ Forum
- Facebook Gruppe: Free Motorola Milestone
- NexusOne Root-/Unlock-Vorgang
- Youtube-Video zum Thema (Im Video ist sehr gut zu sehen, wie einfach es ist und wie man auf den Garantieverlust hingewiesen wird)
Gastbeitrag von Michael Brandt, Jan-Philipp Trommershäuser, Richard Ulack und Weiteren.









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Sehr Feiner Artikel! Geniale Überschrift
Danke an die Autoren!
"Somit können auf dem deutschen “Milestone” keine Custom Rom’s gestartet werden."
Nun, was ist dann das hier?
http://is.gd/90kHx
@Simon Fleischer
das habe ich mich auch gefragt. Hab es sogar auf meinem Milestone.
klärt uns auf, vielleicht liegen wir ja falsch und das ist kein echtes Custom ROM!?
gruß
Marcus
@Simon: Das ist ein ROM, der mit Hilfe des Original-ROMs erstellt wurde. Es ist also nur ein MOD des Original-Roms (mit einigen Anpassungen seitens der Apps). Quasi ein Backup eines Milestones, auf dem einiges deinstalliert und installiert wurde. Das ist momentan das Höchste der Gefühle, was auf dem Milestone möglich ist. Mit einem echten Custom-ROM wäre sehr, SEHR viel mehr möglich. Dann könnte man nämlich direkt den Kernel & Konsorten bearbeiten.
genau so ist's ^^
Es geht hier im Prinzip aber NUR um den Kernel, ALLE ANDEREN Teile des Betriebssystems sind austauschbar.
Was keiner bisher zugeben will: Da es sich um Linux handelt, gibt es auch Möglichkeiten, den Kernel zur Laufzeit zu patchen oder sogar komplett zu ersetzen. NUR scheint sich niemand damit ernsthaft auseinandersetzen zu wollen – sonst wäre schon längst Bewegung in die ganze Sache gekommen.
Vielleicht weils zu riskant ist da dass alles nur in einer VM läuft? Des Weiteren man das Handy leicht bricken kann?
VM? Die Android-Anwendungen laufen in einer VM, aber die Start-Skripte natürlich nicht, sondern unter reinem Linux!
Und was ist riskanter: den Bootloader zu flashen, der elementarste Grundfunktionen des Smartphones beinhaltet — oder einfach mal versuchen, ob ich einen neuen Kernel in den RAM laden und starten kann?
Wenn ersteres schiefgeht habe ich tatsächlich ein gebricktes Handy, bei zweiteren muss man im schlimmsten Fall eben mal den Akku rausnehmen und schon hat man wieder einen lauffähigen Zustand.
Ich glaube hier geht es um die Grundlagen. Wenn ich dir am offenen Gehirn "zur Laufzeit" rumbasteln würde wärst du sicher auch nicht so begeistert. Die Frage ist ob man überhaupt so zur Laufzeit an den Kernel ran kommt ohne das die "Schutzmechanismen" gleich das ganze Handy abschießen. Es ist nun einmal gang und gebe das alle Updates per neuem Rom kommen und sich niemand die Arbeit machen wird jedesmal den Kernel wieder irgendwie in das Handy reinzubasteln. Aber ich möchte mich jetzt hier nicht unendlich diskutieren. Wenn du am Kernel rumbasteln möchtest dann tu es bitte und lass uns alle daran teilhaben. Ich denke du wärst der Held für alle Milestonebesitzer weltweit wenn du es schaffen solltest.
Alles nur FUD. Es gibt keine "Schutzmechanismen". Es gibt nur eine Signatur des Bootloaders. Die beim Flashen und vielleicht beim Booten geprüft wird. Kann nur >test0r< zustimmen.
Also ich glaube wenn es so einfach wäre, hätten es schon längst ein paar clevere Entwickler gemacht … Bzw. gehts bei der aktion auch mehr ums Prinzip …
Ein passender Ansatz dazu befindet sich hier:
http://and-developers.com/motorola_milestone:cust…
MfG
test0r
Das ist leider nicht ganz richtig.
Austauschbar ist nur ein großer Teil von Android (/system Partition). Geschützt ist das komplette Linux (neben dem Kernel und den Modulen, auch alle init scripte und alles was in dem Gerät Linux ist). Was eigentlich ein nonsens ist, da Linux (Kernel und Libc und alles andere im Basissystem) der strengeren GPL unterliegt. Android ist weniger geschützt, obwohl da nur die Apache Lizenz verwendet wird. Man kann also den schlechter (rechtlich) geschützten Teil modden, aber nicht den wichtigsten OSS Teil, nämlich Linux.
Um den Kernel zur Laufzeit auszutauschen (kexec) bräuchte man aber eien Eingriff in die Init Sequenz und die ist geschützt.
Super Artikel, Danke für die Infos, die Aufklärung und eure Bemühungen. Derzeit ist es nur für Modder interessant, aber was ist, wenn Motorola den Support irgendwann einstellt, weil sie Nachfolge-Geräte pushen wollen? Dann geht es uns alle was an. Hoffe da tut sich was. ^_^
Aktuelle Aussage von Motorola:
“We understand there is a community of developers interested in going beyond Android application development and experimenting with Android system development and re-flashing phones. For these developers, we highly recommend obtaining either a Google ADP1 developer phone or a Nexus One, both of which are intended for these purposes. At this time, Motorola Android-based handsets are intended for use by consumers and Android application developers, and we have currently chosen not to go into the business of providing fully unlocked developer phones.
Securing the software on our handsets, thereby preventing a non-Motorola ROM image from being loaded, has been our common practice for many years. This practice is driven by a number of different business factors. When we do deviate from our normal practice, such as we did with the DROID, there is a specific business reason for doing so. We understand this can result in some confusion, and apologize for any frustration.”