TV im ganzen Haus: Elgato EyeTV Netstream SAT Netzwerk-Tuner im Test

 

Die Aufgabe der kompakten Box, die ich für euch bereits ausgepackt habe, ist denkbar einfach. Die Netstream Sat soll das TV-Signal einer Satellitenschüssel über das heimische Netzwerk in das ganze Haus verteilen, sodass es auf allen Endgeräten verfügbar ist. Ich habe mir die kleine Kiste für einige Wochen näher angeschaut und möchte sie euch heute vorstellen.

Das Konzept und die Idee finde ich an sich ziemlich gut. So kann man z.B. einfach mit einem mobilen Endgerät ein spannendes Fußballspiel ansehen, während die Dame des Hauses ihre Seifenopern schaut, die für Männer eher nicht so das Gelbe vom Ei sind. Bevor ihr den Test lest, möchte ich noch anmerken, dass ich Bedienfehler als Ursache für etwaige Kritikpunkte nicht ausschließen möchte.

Dennoch habe ich versucht, das Gerät so gut es geht, auf Herz und Nieren zu testen. Doch fangen wir mit den obligatorischen Sachen an.

Lieferumfang und technische Daten

Die EyeTV Netstream Sat, welche auch in der DVB-T Version erhältlich ist, kommt für ca. 170 € mit folgender Ausstattung zu euch nach Hause:

  • EyeTV Netstream SAT Box
  • Netzteil
  • Ethernet-Kabel
  • Kurzanleitung
  • CD mit Betriebsanleitung und Software

Wichtig war mir von Anfang an, dass die Box schön klein und leise ist, damit man sie im Haus unauffällig platzieren kann. Daher sind die Abmessungen von 23 x 119 x 119 mm und das Gewicht von 262 g wie ein Volltreffer. Die Box ist vergleichsweise so groß wie ein AppleTV, fällt allerdings ein wenig breiter und flacher aus.

Leistungsmäßig kann die Netstream Sat mit folgenden Daten aufwarten:

  • Netzteil: Gleichstrom 12 V, 1,5 A
  • Unterstützte TV-Standards: DVB-S, DVB-S2
  • Unterstützung von bis zu vier Digital- oder Universal-LNB (Low-Band 9.75 GHz L.O. 22 KHz off, High-Band 10.60 GHz L.O. 22 KHz ein)
  • LNB & Switch Control: DiSEqC 1.0 und MiniDiSEqC (Tone Burst)
  • Eingang für USB 2.0 (für eine EyeTV Sat Free Box)
  • Eingang: F-Connector für RG-6/U Coaxial Satellitenkabel
  • 100 Base-T Ethernet RJ45

An der Hardware findet man nur einen Kritikpunkt, nämlich das fehlende WLAN, welches meinen Gesamteindruck extrem trübt. Nur damit wäre man bezüglich des Aufstellungsortes wirklich frei. Zudem hat auch nicht jeder neben der Satelliten-TV-Buchse ein LAN-Kabel zum Heimnetz liegen. Wobei man natürlich auch ein entsprechend schnelles WLAN-Netz haben müsste, um z.B. HD-Sender zu streamen. Dies führt uns zum nächsten Punkt im Test, die Clients und das Netz.

Elgato bewirbt die Netstream Sat für Windows-PC, MAC, iPhone sowie iPad. Das heißt auf all diesen Clients ist es ohne Weiteres möglich, mit der hauseigenen Software oder den hauseigenen Apps von Elgato das gestreamte TV-Signal zu empfangen. Dafür bedarf es allerdings einiger Voraussetzungen. Um ruckelfreies HD-Fernsehen genießen zu können, bedarf es entweder eines Intel-MAC mit 1 GB RAM, OSX 10.5.8 oder höher. Bei Windows ist die Anforderung konkreter und setzt einen 2 GHz Windows 7 PC mit 1 GB RAM voraus.

Die iOS Clients müssen zwingend aus der vierten Generation stammen. Lediglich beim iPad ist es egal, ob erste oder zweite Generation. Das Betriebssystem muss mindestens iOS4.3.5 heißen. Schön ist, dass man die Box recht bequem über den eignen Browser ansteuern und mit einem Webinterface konfigurieren kann. Auch für Laien funktioniert die Inbetriebnahme insgesamt recht einfach. Problematisch ist allerdings das Firmware-Update. Hat man die TV-Software am Rechner installiert, so möchte diese sofort ein Update einspielen.

An sich verläuft dies unproblematisch, aber schon nach der Fertigstellung kommt das böse Erwachen.  Ich konnte keinerlei Sender mehr empfangen und war zunächst ratlos. Ein kurzer Mailaustausch mit dem Hersteller brachte schließlich die Lösung für das Problem. Die Firmware musste über das Web-Interface der Box aktualisiert werden. Für Laien ist dies jedoch kompliziert. Besser wäre es gewesen, auch hierfür eine Client-Software zur Verfügung zu stellen.

Die Software und das Streaming

Auf MAC OS kommt bei Elgato die hauseigene Software EyeTV zum Einsatz, die ich persönlich sehr gelungen finde, wegen der einfachen Bedienung, schnellen Konfiguration, fernsehähnlichem Aufbau der Menüs und EPG/TEXT. Das alles macht die EyeTV Netstream Sat für den MAC zu einer ziemlich runden Sache. Je nach Anbindung und Hardware ist auch ruckelfreies Streamen von unverschlüsselten HD-Sendern wie “ARD HD” gut möglich, ebenso wie die Aufzeichnung und Wiedergabe der entsprechenden Programme.

Für Windows bietet Elgato eine Fremdentwicklung an. Mit der Software “Terratec Homecinema” lassen sich zwar alle Aufgaben vom Abspielen bis zum Aufnehmen abwickeln, aber wirklich gelungen ist die Software nicht. Zur Aufmunterung gibt’s aber ein kleines, cooles Geekfeature. Unter Windows könnt ihr das TV-Signal als Live-Hintergrundbild einspeisen.

Für alle iOS Clients steht eine eigene App bereit, die das Abspielen der Programme ermöglicht. HD-Inhalte zu streamen, hat im Test nicht sehr gut geklappt, denn diese ruckelten auf einem iPhone 4s ganz schön stark. Ich vermute hier allerdings mein WLAN als Übeltäter. Das Streamen an sich hat ansonsten einwandfrei auf iPad und iPhone funktioniert. Pausieren und anschließend Weiterschauen ist kein Problem.

Viele von euch haben nach meinem Unboxing gefragt, ob ein Streamen auch bei Android funktioniert. Dies geht von Haus aus nicht, aber es gibt unabhängige Entwickler, die speziell für die Netstream Sat Box Apps bereitstellen. Dazu benötigt ihr aber auch noch einen guten Player. Ich habe zwar versucht, mit der App “HeyTV” für Android ein Streaming hinzubekommen, allerdings ohne Erfolg. Dies lag aber nicht an der App, da sie meiner Meinung nach korrekt arbeitet.

Vielmehr fehlte ein passender Player für das Galaxy Nexus, der mit den gelieferten Daten etwas anfangen kann. Um das Problem zu lösen, stehe ich noch mit dem Entwickler der App in Kontakt. Elgato kann ich daher nur sagen: „Helft diesen Jungs und unterstützt auch Android!“.

Der in der App-Beschreibung genannte V-Player hat bei mir leider nicht funktioniert. Wahrscheinlich ist das eher ein kleineres Problem und das Streaming hinsichtlich Android funktioniert hoffentlich, sobald ich den passenden Player gefunden habe. Im Großen und Ganzen ist das TV-Streaming mit der Box aber klasse. Besonders wenn das zugrundeliegende Netzwerk für die anfallenden Datenmengen ausgelegt ist, zeigt sich die gesamte Leistungsstärke. Wer alle Geräte mit Kabeln vernetzt, hat auch bei HD-TV keine Probleme. Wer auf WLAN-Geräte streamt, der sollte sich ein 802.11 n WLAN zulegen, um alles ununterbrochen genießen zu können.

Freud und Leid mit Aufnahmen

Die Möglichkeit TV-Programme am PC aufzunehmen ist super und ich habe diese Funktion zumindest auf Windows einige Male getestet. Dabei kann man sehr schick vorkonfigurieren, wie und wo die Sendung anschließend auf der Festplatte landet. Auch das Programmieren der Aufnahme-Timer ist einfach genial. Ein paar Dinge stören mich aber noch. Zum einen wird unter Windows beim Aufzeichnen mehrmals ein Timeshift aufgezeichnet und abgelegt, wobei ich immer noch nicht weiß, weshalb dies geschieht und wie ich das abstelle.

Zum anderen ist das Verhalten besonders merkwürdig, wenn der Rechner im Ruhezustand ist. Zur Aufnahme sollte der PC daher aufgeweckt und erst anschließend wieder in den Ruhezustand geschickt werden. Das läuft unter Windows gar nicht, bei MAC allerdings umso besser. Die Software EyeTV unter MAC OS verdient besondere Erwähnung und Lob. So kann die Software nicht nur Aufzeichnen. Sie bringt auch einen Editor zum Bearbeiten und einige andere Features mit, um Aufnahmen so zu gestalten und zu exportieren wie man es gern hätte.

Und sonst noch?

Ein paar kleine Dinge gibt es natürlich noch zu erwähnen. Die Netstream Sat ist eine Single-Tuner Box. Das heißt, dass ihr immer nur ein Programm sehen, streamen und aufnehmen könnt. Allerdings gibt es für ca. 90 € noch die Neatstream Sat Free Box, welche aus der Box eine Twin-Tuner-Einrichtung macht. Für mich ein absolutes Muss, wenn es um TV geht. Ein weiterer Haken wird beim Umschalten von Sendern auffällig. Am PC dauert es sehr lange, bis auf den gewünschten Sender gewechselt wird, den man über die OnScreen-Fernbedienung schnell ausgewählt hat.

Auf den iOS-Clients führt dies auch ab und an zu Abstürzen der App bzw. zu einem eingefrorenen Bild. Letzter, aber für viele sicher entscheidender Mangel ist, dass beim HD-Fernsehen noch nicht die Möglichkeit gegeben ist, auch Bezahl-HD-Fernsehen zu empfangen und zu streamen. Anwender die z.B. Sky übers Netzwerk sehen wollen, sollten sich nach Alternativen zur Box umschauen, denn diese empfängt wie gesagt nur unverschlüsseltes HD-TV. Gute Kritik bescheinige ich dem Support des Herstellers. Auf mein Problem wurde angemessen und sehr schnell reagiert. Danke dafür.

Fazit

Nimmt man alle Vor- und Nachteile der Box zusammen, so ergibt sich ein einigermaßen klar umrissener Einsatzzweck der Elgato EyeTV Netstream Sat. Wer einen MAC-Rechner sein Eigen nennt und im Netzwerk TV sehen und aufzeichnen möchte, der liegt mit der EyeTV Netstream Sat-Box goldrichtig. Die EyeTV-Software ist klasse und erfüllte im Test so ziemlich alle meiner Ansprüche. Die iOS-Anbindung sehe ich eher als nettes Extra, denn von Zuverlässigkeit und ruckelfreiem Abspielen ist sie leider noch weit entfernt.

Wer diese Box unter Windows nutzen möchte, der muss sich wohl damit abfinden, dass der Rechner ununterbrochen läuft. Das Aufwecken und anschließend wieder Schlafenlegen funktioniert mit der beigelegten Software mäßig bis gar nicht. Generell empfinde ich die Terratec HomeCinema-Software als anwenderunfreundlich und träge. Zum Anschauen der Sendungen nutze ich daher nur den VLC-Player, den man dank m3u-Playliste verwenden kann.

Android-Anwender sind derzeit schlecht bedient. Ich selbst habe es nicht hinbekommen, das TV-Signal auf einen Androiden zu streamen, obwohl es laut App-Developer möglich sein soll. Es wird vom Hersteller leider gar nicht unterstützt.

Eine Kaufempfehlung kann somit nur gegeben werden, wenn die beschriebenen Gegebenheiten bei euch vorliegen. Bei Preisen von 150-170 € für die Box (zzgl. ca. 80 € für die Erweiterung zum Twin-Tuner) will der Kauf wirklich sehr gut überlegt sein. Ich persönlich bin sehr dankbar, dass Elgato mir die Box zur Verfügung gestellt hat, denn selbst gekauft hätte ich sie mir wohl wegen fehlendem Budget eher nicht.

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