Tizen OS vs. Android Wear: Meine Erfahrungen mit der Samsung Gear S3

Nachdem mich die Samsung Gear S3 Frontier nun einige Tage begleitet hat, möchte ich in den folgenden Zeilen ein kleines Resumé bezüglich meiner Erfahrungen vs. Android Wear schreiben.

Ich bin das Thema wirklich möglichst offen angegangen, bin aber zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich glücklich mit der Frontier – aber eins nach dem anderen…

Hardware

Über das Design der Frontier brauch ich gar nicht viel zu schreiben. Mir gefällt sie super gut! Das Bedienkonzept mit der drehbaren Lünette, dem Touchscreen und den beiden Buttons geht innerhalb weniger Tage in Fleisch und Blut über. Auch die Verarbeitungsqualität lässt in meinen Augen nichts zu wünschen über. Die Bedienung selbst fluppt wunderbar und es sind kaum große Ladezeiten oder Ruckler feststellbar.

Die Akkulaufzeit empfinde ich als (für eine Smartwatch) wirklich gut. Ich hatte die Uhr intensiv genutzt und auch ca. alle 30 Minuten die Herzfrequenz messen lassen und kam dennoch gut und gern über zwei Tage.

Der drahtlose Ladedock ist prima und umschifft Probleme mit Pogo-Pins, welche andere Hersteller gern mal mit ihren Smartwatches haben. Nachteil: Warum dieser drahtlos Dock sich nicht mit dem qi-Standard versteht, kann wohl auch nur Samsung beantworten. Wird die Uhr auf eine meiner anderen qi-Ladestationen aufgelegt, lädt sie leider nicht auf.

Eine der beiden seitlich angebrachten Tasten kann mit einem Doppel-Klick belegt werden. Hier lässt sich dann beispielsweise die Lieblings-App festlegen, die so von immer und überall auf der Uhr sofort erreichbar ist. -> Super Umsetzung und sehr gern von mir zur Heimsteuerung genutzt.

Software

Samsung setzt bei der Gear S3 natürlich auf ihren eigenen Store. Hier habe ich gleich mehrere Punkte, die mir negativ aufgefallen sind:

Zum einen finden wir in diesem Store zu gefühlt 90 % nur Watchfaces. Spezielle Apps sucht man leider sehr oft vergebens. Es gibt kleine Perlen, wie beispielsweise die Navigationslösung HERE. Aber geht es ans eingemachte werden die Suchergebnisse sehr dünn.

Von Android gewöhnt, vermisste ich auch die App-Rückgabe sehr. Ein Watchface ist so schnell heruntergeladen und fällt manchmal innerhalb von 10 Minuten schon negativ auf, weil Funktion X oder Y fehlt, oder die Schrift zu klein/groß ist usw. Ich habe in nur 2 Wochen geschätzt 20-30 EUR für Apps und Watchfaces ausgegeben, von denen ich im Grunde nur eine App und ein Watchface später auch tatsächlich genutzt hatte.

Kommen wir zur Mediensteuerung, die auf Android Wear gut umgesetzt ist. Streame ich beispielsweise unter Android Wear Musik vom Smartphone aus auf einen Bluetooth-Gerät, so kann ich auf der Uhr zum nächsten Titel springen, oder lauter/leise schalten. Das funktioniert auch ähnlich bei Videos, die vom Handy zum Chromecast gestreamt werden usw.

Update

Unter Tizen auf der Gear S3 Frontier ist das doch möglich, wie ich peinlicherweise feststellen musste. (Danke an die Kommentatoren hier!) Das Thema ist nur nicht ganz so intuitiv umgesetzt wie bei AW. Wer also unter Tizen sein via Handy gestreamtes Youtube-Video, Musik oder dergleichen auf der Uhr steuern möchte, muss dafür nur die Mediensteuerung als Widget festlegen und mit der Lünette auf die entsprechende Seite wechseln. Dann geht das auch auf der S3 bzw. unter Tizen.

Benachrichtigungen von Apps deaktivieren funktionierte in meinem Test auch nur eher verhalten. Ich habe beispielsweise so ziemlich jeden Tag die Mail-Benachrichtigung deaktiviert und natürlich auch in der Gear-App auf dem S8 selbige Anwendung blockiert. Dennoch kamen spätestens einen Tag später wieder Benachrichtigungen über neue Mails auf die Uhr.

Google Maps Navigation ist zwar möglich, aber nur mit einer extra kostenpflichtigen App. Hier sorgt immerhin die kostenlose HERE-Navigation für Abhilfe.

Watchface-Erstellung

Mit dem orig. Samsung Gear Watchface Designer bekomme ich es nicht auf die Reihe das Wetter auf einem Watchface darstellen zu lassen. Nutze ich dann meinen gewohnten Watchmaker funzt fast alles auch inkl. dem Wetter. Dafür hat der Entwickler der Watchmaker-App Probleme damit die getätigten Schritte ordentlich abgreifen zu können und man muss über die S Health-App auf dem Smartphone tricksen. :/

Schon vor dem Kauf klar, aber dennoch hier eine Erwähnung wert ist die 100 %ige Kompatibilität der Uhr, welche lediglich mit einem Samsung Smartphone wirklich gegeben ist. Auf der einen Seite verständlich, auf der anderen Seite aber im Grunde auch unnötig. Bleibt eine Entscheidung von Samsung, aber nervt.

Tizen soll laut diversen Artikeln im Netz schon seit einiger Zeit aktualisiert werden. Vielleicht werden einige dieser bisher von mir aufgezählten Punkte dann behoben. Vielleicht können wir mit einem großen Update zur IFA dieses Jahr rechnen? Noch wird maximal darüber spekuliert.

Ich bin auf jeden Fall hin- und her gerissen. Auf der einen Seite haben wir so ein tolles Stück Hardware, aber auf der anderen Seite fehlt es in meinen Augen, tatsächlich noch mehr als unter Android Wear, an der Unterstützung durch die Entwickler und Samsung.

Mal abwarten, was die Zeit bringt. Ich steige derweil wieder auf meine Huawei Watch um und rege mich dort über die Ladepins auf. 🙂

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