Die deutsche Autoindustrie sucht ihre Rettung viel zu oft in Debatten über Löhne statt in einer besseren Produktion.
Im Handelsblatt wird berichtet, dass Mercedes seine Autos künftig modularer bauen will. Front, Heck, Seiten und Boden sollen flexibler kombinierbar werden. Das Ziel sind weniger Produktionsplattformen, geringere Kosten und kürzere Entwicklungszeiten. Eigentlich klingt das ziemlich vernünftig. Die spannende Frage lautet nur: Warum kommt diese Erkenntnis so spät?
Das eigentliche Problem ist doch längst bekannt. Tesla und chinesische Hersteller haben vorgemacht, wie konsequente Standardisierung, durchdachte Produktionskonzepte und schnellere Entwicklungsprozesse die Kosten drücken können.
Während hierzulande noch über die richtigen Antriebe, Arbeitszeiten und den vermeintlich unfairen Wettbewerb diskutiert wird, haben andere ihre industrielle Hausaufgaben gemacht.
Mercedes und die deutsche Autoindustrie müssen ihre Produktion revolutionieren
Natürlich spielen Löhne, Energiepreise und Standortkosten eine Rolle. Aber wer glaubt, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Autobauer ließe sich hauptsächlich durch längere Arbeitszeiten und niedrigere Personalkosten retten, verwechselt Ursachen mit Symptomen. Wenn die Konkurrenz ein vergleichbares Auto günstiger und schneller entwickelt und produziert, muss man sich zuerst die eigenen Prozesse ansehen. Nicht den nächsten Schuldigen suchen.
Jahrelang wurden Tesla und chinesische Hersteller belächelt, ihre Autos als minderwertig abgestempelt oder ihre Erfolge mit staatlichen Subventionen erklärt. Das mag im Einzelfall berechtigt sein. Es ändert aber nichts am Kernproblem: Wer effizienter produziert, besitzt einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil. Und dieser Vorteil verschwindet nicht, nur weil man sich über Elon Musk aufregt oder chinesische Industriepolitik kritisiert.
Allerdings ist auch Mercedes‘ neuer Baukasten kein Zauberstab. Laut Bericht zielt die Architektur vor allem auf die Fahrzeugmodelle der 2030er-Jahre. Die aktuelle Krise löst das nicht über Nacht. Wenn Absatz und Gewinne schon heute einbrechen, braucht es zusätzlich kurzfristig wirksame Maßnahmen und überzeugende Produkte.
Weniger Ausreden, mehr industrielle Effizienz
Mercedes muss seine Produktion grundlegend überprüfen, Entwicklungszeiten verkürzen und die Kostenstruktur verbessern. Dabei geht es nicht darum, jeden chinesischen Ansatz blind zu kopieren. Es geht darum, von den Erfolgreicheren zu lernen, statt ihnen reflexartig die Schuld für die eigene Misere zu geben.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie lange Beschäftigte arbeiten sollen. Sie lautet, warum unsere Autobauer für ihre Fahrzeuge so viel Aufwand betreiben müssen, während andere zunehmend schneller und günstiger ans Ziel kommen.
Wie seht ihr das? Ist die ineffiziente Produktion das zentrale Problem der deutschen Autoindustrie oder liegen die größeren Fehler bei Management, Modellpolitik und Preisen?
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