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DSL-Drosselung, die Telekom und offene Fragen

telekom

Derzeit kursieren einige Informationen durchs Netz, die sich um eine angeblich geplante Drosselung auf 384 KBit/s für DSL-Anschlüssel der Telekom drehen. In einem Podcast von fanboys.fm wurden diese aufgrund eines anonymen Tipps thematisiert. Heute reagiert die Telekom auf die angeblich internen Informationen im hauseigenen Blog. Bei bestehenden DSL-Verträgen sind keine Drosselungen geplant, anders schaut es wohl bei Neuverträgen aus. Genau heißt es:

Natürlich ändert sich für bestehende Verträge nichts und bei Neuabschlüssen werden Kunden selbstverständlich über die Vertragsbedingungen transparent informiert.

Bereits im Jahr 2011 schrieb die Telekom eine Obergrenze in die AGB zu ihren VDSL-Verträgen und wurde dafür vom Landgericht Bonn abgewatscht, denn geworben hatte man damals mit den Worten „ohne Zeit- oder Volumenbeschränkung“. Damals hieß es noch von Seiten der Telekom, dass die Möglichkeit der Drosselung zwar im Vertrag steht, diese aber so gut wie nie in der Praxis angewandt werde. Nach den nicht offiziell bestätigten Informationen könnten Neukunden in Zukunft folgendermaßen gedrosselt werden:

drossel_telekom

Guter Kunde, böser Kunde

Natürlich ist der Aufschrei in der Onlinewelt groß, in sämtlichen sozialen Netzwerken formt sich Kritik und Widerstand gegen solche Planungen. So lange es keine handfesten Details gibt, sollte man damit natürlich etwas vorsichtig sein. Dennoch ist klar, dass hier wie immer zwei Welten aufeinander prallen. Zum einen wären da die Kunden, die seit Jahren unbegrenzte Flatrates im DSL-Bereich gewohnt sind und zum anderen die Provider, die mit stetig steigendem Datenaufkommen zu kämpfen haben.

Eine beliebte Argumentation der Provider ist die „guter Kunde, böser Kunde“ Masche. Bei der Telekom wird das so beschrieben:

Bisher ist es so, dass sämtliche Nutzer die intensivere Nutzung einiger quersubventionieren.

Das möchte ich nicht mal in Abrede stellen, geht aber meines Erachtens zumindest in der Zukunft an der Realität vorbei. Datenintensive legale Dienste wachsen und das stärker als jemals zuvor. Hier seien nur Maxdome, Watchever und Lovefilm erwähnt, wer Filme in HD auf seinen TV streamt, der jagt ordentlich Daten durch seine DSL-Leitung, ich würde mal behaupten, irgendwann wird das ein Großteil der Nutzer machen, zumal die öffentlich rechtlichen Sender aktuell alle ihre Mediatheken und HbbTV-Apps weiter ausbauen. Von Systemupdates und aktuellen Computerspielen, die online vertrieben werden und locker mal mehrere GB groß sind, möchte ich gar nicht erst reden.

Content-Deals

Was folgt? Content-Deals, wie sie die Telekom im Mobilfunkbereich vormacht. Hier gibt es bereits Telekom-Verträge inklusive Musik-Streaming-Flat von Spotify, das heißt, das Spotify-Volumen wird nicht auf das Mindestdatenvolumen im Vertrag angerechnet. Der Aufschrei war bei der Vorstellung nicht all zu groß, denn noch wird sowas als „Bonus“ gesehen, ich sehe es eher als einen erschreckenden Startschuß für eine Entwicklung in die falsche Richtung. Wenn es irgendwann eine Video-Flat von Maxdome zum Telekom-DSL-Vertrag (mit Mindestvolumen) gibt, sollte das auch den letzen Kunden bewusst werden. Telekom-Dienste wie Entertain werden jetzt bereits vom Gesamtvolumen ausgenommen.

In diesem Zusammenhang auch erwähnenswert: Nicht umsonst hat die Telekom Anfang des Jahres bei der Bundesnetzagentur den Antrag gestellt, die Miete für die Nutzung der sogenannten „letzten Meile“ von 10,08 Euro auf 12,37 Euro im Monat erhöhen zu dürfen. Das ist die Gebühr, die andere DSL-Provider an die Telekom abdrücken müssen, um die Telekom-Leitungen für ihren DSL-Anschluss zu nutzen. Sollte das realisiert werden, wird die Konkurrenz es schwer(er) haben, die niedrigen Preise halten zu können.

Offene Fragen

Eine weitere Frage die sich mir stellt, ist die Vereinbarkeit von Volumenbeschränkungen und der Kooperation mit Fon. Die Telekom-Kunden sollen ihr DSL mit anderen Nutzern teilen, das ist ja schön und gut, aber macht das auch jemand, wenn er nur ein begrenztes Volumen zur Verfügung hat? Oder aber, wird das „Fon-Volumen“ dann wieder extra ausgenommen, um einen Anreiz zu bieten, sich zu beteiligen?

Für mich gibt es derzeit noch zu viele offene Fragen und zu wenig klare Standpunkte. Provider wie zum Beispiel 1&1 vermarkten seit längerer Zeit ein DSL Special mit 100 GB Highspeed-Volumen + Drosselung, welches dadurch günstiger zu haben ist, haben laut eigener Aussage aber keine weiteren Bestrebungen eine DSL-Drosselung einzuführen.  Die Gerüchteküche im Mobilfunk brodelt schon länger, angeblich plant auch Vodafone intern im neue kostenpflichtige Datenpakete für Poweruser, die zu stark am LTE-Netz saugen. Schöne neue Datenwelt!

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