Hands-On: Erste Eindrücke der Samsung Gear S3

Samsung Gear S3

Im Rahmen des Unpacked-Events hat Samsung gestern die Hüllen der Gear S3 fallen lassen. Wir haben sie für euch angetestet.

Obwohl sie bereits zu 80 Prozent mit durch Teleprompter abgesicherte Lobeshymnen innerhalb der „Diskussionsrunden“ aufgefüllt wurde, nahm die gestrige Samsung-Präsentation nicht einmal 30 Minuten in Anspruch. Zeit genug für Samsung, gleich zwei Versionen der mittlerweile siebten Smartwatch-Generation vorzustellen.

Anschließend folgte noch eine längere Hands-On-Session, innerhalb welcher auch wir einige Eindrücke von der Gear S3 in Verbindung mit dem Galaxy Note 7 gewinnen konnten. Bevor es ins Detail geht, sei jedoch auf unseren Artikel zur Vorstellung hingewiesen, welcher auch alle technischen Daten der neuesten Samsung-Smartwatch beinhaltet.

Gehäuse und Verarbeitung: Die Gear S3 Classic

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Samsung bietet die Gear S3 einmal als „Classic“-Variante an und ergänzt das Sortiment durch eine Gear S3 Frontier. Ersteres Modell kommt dem Vorgängermodell noch am nächsten und dürfte zumindest auf den ersten Blick recht schwer von diesem zu unterscheiden sein. Das passt zum Motto der Neuvorstellungen, „timeless outside“ heißt es dort immerhin.

Besitzer des Vorgängermodells dürfte die Unterscheidung hingegen leicht fallen. Das liegt auch am deutlichen Zuwachs der neuen Uhr(en) an Gewicht und Größe. Mit 57 Gramm bringt die Gear S3 Classic satte 15 Gramm mehr auf die Wage als die Gear S2 Classic. „Schuld“ daran dürfte auch das gewachsenes Display sein, statt 1,2 gibt es nun 1,3 Zoll in Diagonale und Durchmesser.

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Die beiden Bedientasten zur Rückkehr auf den letzten Bildschirm oder das Hauptmenü erheben sich deutlich aus dem Korpus und besitzen einen angenehmen Druckpunkt. Durch das blankpolierte Gehäuse aus 316L-Edelstahl macht das Gehäuse der Gear S2 optisch einiges her und wirkt erwachsener als jenes der Gear S2 Classic. Da das nicht jedermanns Sache sein dürfte, bleibt die Gear S2 weiter im Handel und das ist auch gut so.

Die aus Metall geformte Lünette der Uhr dreht sich gefühlt etwas schwergängiger, kann durch eine nochmals verstärkte Riffelung nach außen hin aber an Ergonomie zulegen. Erfreulich ist das standardisierte 22mm-Aufnahme für das Armband. Zwar hat Samsung selbst bereits Kooperationen mit verschiedenen Unternehmen zur Armband-Produktion angekündigt, mehr Auswahl ist aber auch aus preislichen Aspekten zu begrüßen.

Abgesehen davon wirkt auch das schwarze Echtleder des Testmodells durchaus ansehnlich.

Wie es um die Robustheit steht, kann bislang nur abgeschätzt werden. Bereits das nur wenige Stunden benutzte Ausstellungsexemplar konnte an den Gehäuseseiten und der Lünette zumindest kleinere Kratzerchen aufweisen. Durch die Edelstahl-Ausführung dürften solche Gebrauchsspuren aber tendenziell weniger auffallen als bei meiner lädierten Sport-Version der S2.

Gehäuse und Verarbeitung: Die Gear S3 Frontier

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Wer sich dagegen absichern möchte, greift am besten aber direkt zur Gear S3 Frontier. Diese kommt unter anderem mit einer leicht gummierten Lünette daher, welche so zusätzlich an Griffigkeit gewinnt. Gleichzeitig befinden sich darauf Markierungen für jede Minute, dafür fällt die Bedruckung des Bereiches zwischen Lünette und Display anders aus.

Anstatt des edlen Lederarmbandes wird bei der Gear S3 Frontier auf ein solches aus robustem Kunststoff mitgeliefert. Nach nervenaufreibenden Outdoor-Aktivitäten dürften eventuelle Verschmutzungen so deutlich leichter entfernt werden können. Auch bei der Frontier besteht andernfalls die Möglichkeit, das Band durch handelsübliche 22mm-Variationen zu ersetzen.

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Als dritter großer Unterschied zur S3 Classic bleiben die beiden Hardware-Bedientasten auf der rechten Gehäuseseite hervorzuheben. Diese fallen deutlich breiter aus und stehen gleichzeitig kaum hervor. Auch hier findet sich wieder eine gummierte Oberfläche vor, welche durch starke Riffelung auch mit feuchten Fingern zusätzlichen Halt bietet.

Ansonsten bleiben noch ein um fünf Gramm höheres Gewicht zu erwähnen, die Ausmaße gleichen allerdings dem Classic-Modell. Ebenso wie bei der S3 Classic gibt Samsung auch für die Frontier die Schutzklasse IP68 an. Fraglich bleibt, wieso Samsung lediglich von Tauchvorgängen bis zu 30 Minuten spricht, wenn die zweite Zahl „8“ eigentlich ein dauerhaftes Untertauchen garantieren sollte.

Gemeinsamkeiten: Hard- und Software

Bei den Innereien unterscheiden sich beide Varianten der Gear S3 nicht voneinander. Das bedeutet ein Wachstum des Arbeitsspeichers von 512 auf nun 768 MB und eine deutliche Steigerung der Akkukapazität auf nun 380 mAh. Ebenfalls interessant sind allerdings die neu dazugekommenen Sensoren für Umgebungslicht, Luftdruck und GPS-Signale.

Das GPS-Modul wird unter anderem das genaue Tracking der Fitnessaktivitäten ermöglichen, ohne dabei das Smartphone mitschleppen zu müssen. Begrenzt werden die Möglichkeiten durch die hierzulande voraussichtlich nicht gegebene Verfügbarkeit der LTE-Variante. Eine Uber-App ist beispielsweise mit an Bord und veranschaulicht die GPS-Ortungsmöglichkeiten, im heimischen WLAN kann der Nutzer jedoch auch gleich zum Smartphone greifen.

Genaurerer Blick auf die Pixelstrukturen der Gear S3

Genaurerer Blick auf die Pixelstrukturen der Gear S3

In der Praxis sorgt der gewachsene Durchmesser für eine etwas bessere Bedienung des Touch-Displays, wobei viele Funktionen sowieso über die drehbare Lünette gesteuert werden. Was die Anzeige angeht, scheint Samsung sich auf die gelungenen Technologien des Vorjahres zu verlassen. Das überzeugt in Hinsicht auf Schwarzwert und Farbwiedergabe, bei genauerem Hinsehen wird die etwas geringere Pixeldichte aber deutlich.

Als Betriebssystem kommt das bekannte Tizen-System zum Einsatz, hier in Version 2.3.2 speziell für Wearables. Optische Unterschiede zu bekannten Installationen werden dabei kaum sichtbar, auch beim App-Auswahl-Menü bleibt alles beim alten. Überarbeitet hat man dafür die Always-On-Funktion. Bislang blieb diese auf schwarz-weiß-Abbildungen beschränkt, nun können auch farbige Watchfaces dauerhaft angezeigt werden.

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Neu eingeführt wurde die SOS-Funktion, um Kontakte im Notfall zu benachrichtigen. Dazu genügt dann ein dreifacher Klick auf den Zurück-Button, die Einstellungen können in der Gear-Manager-App am Smartphone vorgenommen werden. Intelligente Antwortvorschläge kennen wir bereits vom Vorgänger, die (nicht sonderlich praktische) Möglichkeit, Text auch per Handschrift einzugeben, hingegen nicht.

Weitere Veränderungen am System sind zum Großteil auf die neue Hardware zurückzuführen. Die direkt in die Uhr integrierten Lautsprecher ermöglichen die Musikwiedergabe mit grausiger Tonqualität ebenso wie die Tonwiedergabe bei Telefonaten über die Uhr. Unverändert bleibt die extrem schnelle Reaktionszeit des Systems trotz vergleichsweise schwacher Hardware.

Eigene Aussagen zur Akkulaufzeit lassen sich noch nicht treffen, während der Keynote war allerdings die Rede von drei bis vier Tagen. Mit der Gear S2 und einigen Benachrichtigungen pro Tag komme ich aktuell auf knapp zwei Tage, sodass ich bei meinem persönlichen Nutzungsverhalten gut zwei Tage mit Active Display als realistisch ansehe.

von links: Gear S2 Sport, Gear S2 Classic, Gear S3 Classic, Gear S3 Frontier

von links nach rechts: Gear S2 Sport, Gear S2 Classic, Gear S3 Classic, Gear S3 Frontier

Im Vergleich zu S2 Sport und S2 Classic wirken die gestern präsentierten Uhren beide recht klobig. 12,9 statt 11,4 Millimetern misst das Gehäuse nun in der Dicke, ein für mich deutlich spürbarer Unterschied – vor allem in Verbindung mit dem gesteigerten Gewicht.

Ein erstes Fazit

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Klar ist: Bedeutete die Gear S2 einen Neuanfang für Samsungs Smartwatch-Sparte, fällt das diesjährige Update deutlich kleiner aus. Statt das bewährte Design wieder über den Haufen zu schmeißen, ergänzt die Gear S3 das Portfolio lediglich. Besitzer der Vorgängergeneration S2 dürften auf ein Upgrade gut verzichten können, dennoch hätte gerade für Neueinsteiger und GPS-Nutzer sicher auch eine neue Sport-Version ihren Reiz.

Der Spruch „Revolutionary inside“ wirkt aktuell etwas überzogen, dennoch stellt die Gear S3 ein im wahrsten Sinne des Wortes rundes Gesamtpaket dar. Die Bedienung geht flott von der Hand, einige sinnvolle Features sind mit an Bord und ich halte Tizen weiterhin für das gelungenste Smartwatch-Betriebssystem.

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