HTC Desire 500 Testbericht

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Die Desire-Linie von HTC ist eine mit Geschichte: Das ursprüngliche Desire hat viele Nutzer erst zu Android geführt, wurde von vielen geliebt und hat bis heute positive Erinnerungen bei ihren Besitzern hinterlassen. Viele kamen erst durch die ersten Vertreter der Desire-Linie zu Android (mich eingeschlossen beim HTC Desire HD).

Hätte HTC die Desire-Linie konsequent weitergeführt, hätten sie hier definitiv eine große Marke aufbauen können – etwas, wonach sie lange händeringend gesucht und was sie schlussendlich offenbar in der One-Reihe gefunden haben. Was aber nach dem Desire HD kam, war schlicht nicht mehr der Rede wert. Zumeist waren es im Gesamtpaket nicht gelungene Smartphones, die maximal den Mittelklasse-Bereich mehr oder minder durchschnittlich abdeckten.

Auch das Desire 500 reiht sich in hier nahtlos ein, nichtsdestotrotz will HTC hier wieder einen kleinen Angriff mit der Desire-Reihe wagen. Ich sagte es bereits bei meinem ersten Eindruck: Ein Quad-Core-Prozessor in einem handlichen 4,3“-Format für unter 300 Euro sorgt erstmal für Aufmerksamkeit bei der anvisierten Kundschaft. Umso interessanter ist das Gerät für einen Test, denn hier stellt sich natürlich die Frage, ob das Gerät hält, was es zunächst verspricht. Bekommt der Käufer hier ein günstiges und trotzdem (ausreichend) performantes Smartphone zum kleinen Preis?

Technische Daten

Wie gesagt, die Spezifikationen machen zunächst einen guten Eindruck. Beim zweiten Blick gibt es zwar dadurch den ersten Dämpfer, dass hier „lediglich“ ein Snapdragon 200 mit 1,2 GHz je Kern arbeitet, was aber noch in Ordnung geht, wenn man sich den Preis anschaut. So verhält es sich auch beim Rest der technischen Spezifikationen: Für den Preis geht das Ganze durchaus in Ordnung. Einzig und allein der sehr knapp bemessene interne Speicher lässt Zweifel aufkommen, da bereits drei GB vom System belegt werden. Dazu kommen wir aber später noch.

  • 4,3-Zoll SLCD mit WVGA-Auflösung (= 480 × 800 Pixel)
  • Android OS 4.1 Jelly Bean mit HTC Sense 5
  • QUALCOMM Snapdragon 200 Quad-Core Prozessor mit 1,2GHz (MSM8225Q) (Mehr Infos)
  • 1.024MB RAM
  • 4 GB Speicher, erweiterbar per microSDXC um 64GB
  • 8-Megapixel Kamera mit ƒ/2.0-Blende und HTC ImageChip 1 (primär)
  • 1,6-Megapixel Kamera (sekundär)
  • Sprache: GSM auf Triband
  • Daten: UMTS aud Dual-Band mit 7,2 Mbit pro Sekunde
  • Maße: 131 mm hoch x 66,9 mm breit x 9,9 mm dick bei 123 Gramm
  • WLAN 802.11 bgn, Bluetooth 4.0 und DLNA
  • Akku mit 1.800mAh (austauschbar)
  • HTC BlinkFeed
  • Beats Audio
  • HTC Zoe Highlights und HTC Zoe Share

Hardware und Verarbeitung

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Das Gerät fühlt sich für den Preis recht gut an und das Polycarbonat steht dem Ganzen in nichts nach, wenngleich es nicht an die Verarbeitung der Lumia-Smartphones von Nokia heranreicht. Das Design jedoch ist mehr als gelungen, die Lautstärkeregelung sieht z.B. wirklich toll aus und wird dadurch zum Design-Element.

Weniger gefällt mir allerdings, dass der Polycarbonat-Body im Glossy-Look gehalten wurde. Zum einen fühlt sich das Gerät vergleichsweise glitschig an, zum anderen werden Fingerabdrücke, Schmutz und Fettflecken geradezu magisch angezogen. Der Power-Button ist ebenfalls nicht allzu angenehm. Der liegt nämlich sehr plan im Gehäuse, wodurch es schwieriger wird, den Button zu betätigen. Sicherlich wollte HTC überstehende Elemente bei diesem Design verhindern, allerdings geht die Kosten-/Nutzenrechnung für mich nicht auf. Es nervt mich zu sehr teilweise sogar nachgucken zu müssen, wo der Button nun genau liegt.

Alles in allem hat mich die Hardware in Relation zum Preis aber dennoch weitgehend überzeugt. Für den Preis ist die gebotene Hardware vollkommen in Ordnung

Display

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Das LC-Display des Desire 500 macht insgesamt eine ansprechende Figur. Sicherlich ist es nicht das Schärfste und im Direktvergleich mit einem HTC One merkt man natürlich den Unterschied – für sich genommen ist das aber trotzdem in Ordnung. Farben fühlen sich akkurat wiedergegeben an, der Schwarzwert ist für ein LCD ganz ansehnlich und auch verschiedene Betrachtungswinkel stellen hier kein Problem dar.

Letzten Endes muss man sich bei einem Smartphone, wie diesem, darüber bewusst werden, für welche Art Nutzer es hauptsächlich gedacht sind – die, die hier in Frage kommen, wollen ein günstiges Gerät, mit dem man es trotzdem aushalten kann. Da wird dann auch nicht mehr auf das Display geachtet – es muss günstig sein.

Unter diesen Gesichtspunkten darf man bei diesem Preis dann keine Weltwunder erwarten, irgendwo muss gespart werden. Der Kompromiss, der hier gegangen wurde, ist dabei insgesamt ein ausgewogener und ansprechender. Vielleicht wäre eine qHD-Auflösung noch drin gewesen und die hätte dem Display durchaus gut gestanden, aber auch so ist das schon in Ordnung.

Software

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Auf dem HTC Desire 500 läuft Android 4.1.2 mit Sense UI 5.0 oben drauf. Wer schon einmal ein Smartphone mit Android 4.2 nutzte, wird ein paar Funktionen vermissen. Vor allem die Wischgeste, mit der Benachrichtigungen mit einem Finger expandiert werden können, fehlte mir. Bis auf kleinere fehlende Funktionen hatte ich persönlich keine Probleme damit, eine ältere Android-Version zu nutzen.

Vor allem aber Sense UI 5.0 erzeugt offenbar einige Probleme. Zwar hat HTC die eigene Oberfläche im Vergleich zu vorigen Versionen deutlich entschlackt, allerdings gibt es noch immer einige deutliche Probleme der Oberfläche, wenn diese nicht auf potenter Hardware zum Einsatz kommt. Es dauert z.B. mehrere Sekunden, bis sich eine App öffnet, die man auf dem Lockscreen über eine Benachrichtigung starten möchte. Ebenso fehlen Quick-Toggles für die Energiesteuerung in der Benachrichtigungsleiste und die Animationen beim Wegwischen einer Benachrichtigung sieht unschön und nicht „smooth“ aus.

Interessant ist in diesem Bezug auch das Layout der kapazitiven Buttons. Es gibt keinen Menü- oder Multitasking-Button. Letzteres versteckt man hinter einem Doppel-Tap auf dem Home-Button. HTC begründete das beim One damit, dass schlicht keiner das Multitasking nutzen würde, allerdings wird das auch niemand nutzen, wenn man diese Funktion so versteckt.

Das Mulitasking-Menü hat HTC dann aber doch ganz ansprechend hinbekommen. Man sieht neun Apps gleichzeitig mit kleiner Preview. Die lassen sich dann einfach per Wischgeste nach oben entfernen. Das Layout hilft vor allem der Übersichtlichkeit innerhalb des Menüs und dürfte einigen besser zusagen, als Googles Lösung in Stock-Android.

Als nervig empfinde ich auch die Standardaufteilung im App-Drawer. DIe liegt standardmäßig bei 3 x 4, kann aber glücklicherweise auf 4 x 5 geändert werden, was ich auch empfehle, da sonst doch schon sehr viel Platz verschenkt wird.

Noch einmal zurück zum Lockscreen: Hier lassen sich vier Apps zum schnellen Start ablegen. Ebenso hat man die Auswahl aus vier Vorlagen, die beispielsweise Bilder oder Kalender-Events anzeigt. Bei letzterem lassen sich Erinnerungen auch über den Lockscreen verwerfen, was durchaus nützlich ist. Allerdings lassen sich diese Lockscreen-Benachrichtigungen leider nicht entfernen.

Ins Auge springt natürlich direkt BlinkFeed, der News-Reader auf dem Homescreen. Hierfür wählt man bei der Einrichtung verschiedene Quellen aus, deren News dann dort angezeigt werden. Das ist optisch sehr hübsch gelungen, hakelt aber immer mal wieder beim Desire 500. Letzten Endes habe ich BlinkFeed kaum genutzt – ich würde empfehlen, dass man BlinkFeed links neben dem Default-Homescreen platziert. So hat man BlinkFeed aus dem Sichtbereich, kann es aber dann nutzen, wenn man wirklich mal möchte.

Akkuleistung und Performance

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Der Punkt „Akkuleistung“ war für mich im Vorfeld ein sehr interessanter, denn man könnte ja meinen, dass eine Quad-Core-CPU mehr Strom verbraucht, als ein Dual-Core. Insgesamt bin ich mit der Akkuleistung zufrieden. Ich bin stets gut über den Arbeitstag gekommen und habe das Gerät dabei oft für Gmail, Social-Kram, Evernote, ToDos etc. genutzt und via Rdio ebenso oft Musik gehört. Bei meiner Nutzung hatte der Akku am Ende des Tages noch gut ein Drittel der Akkuladung übrig. Im WiFi hält das Desire 500 natürlich um einiges länger aus – zwei bis drei Tage sind dann durchaus sehr gut drin.

Ebenso interessant ist auch die Performance. Quad-Core-CPUs halten gerne als das Allheilmittel jeglicher Performanceprobleme her, obwohl Android mit den vier CPU-Kernen nicht vollständig umgehen kann, aber das ist eine andere Geschichte. Die Performance beim Desire 500 ist jedenfalls eine schwankende. Mal läuft es gut, mal merkt man deutlich, dass es sich langsamer durch das System navigiert. Apps brauchen auffällig lange, bis sie geladen sind, was irgendwann an den Nerven zehrt. Rdio benötigt z.B. durchaus vier bis fünf Sekunden, bis die App nach dem ersten Öffnen geladen wurde.

Generell dauert alles ein bisschen länger, als z.B. beim Nexus 4, was an sich keine Überraschung ist, aber dennoch negativ hängen bleibt. Wer kein High-End-Gerät bei sich zu Hause hat und nie eins nutzte, wird diesen Unterschied unter Umständen gar nicht kennen und wird das Desire 500 dann in Ordnung finden. Oft läuft es ja flüssig, es ist nur alles einen ganzen Ticken langsamer, ohne dabei ruckelig zu erscheinen (zumindest über die meiste Zeit).

Kamera

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Die Kamera liefert erstaunlich gute Ergebnisse. Die Qualität der Fotos wirkt dann und wann zwar etwas farblos bei guter Beleuchtung, die Schärfe ist jedoch stets einwandfrei. Vor allem beeindruckten mich aber die Nachtaufnahmen: Auffällige Farbartefakte konnte ich nicht feststellen, Fotos sind auch hier ausreichend scharf und die Szenen wirken gut eingefangen. Des Weiteren kann man noch anmerken, dass die Kamera-Software sehr schnelle Fotoaufnahmen schafft. Viele schnelle Fotos nacheinander gehen zwar offenbar auf Kosten der Schärfe, allerdings ist es gut zu wissen, dass der schnelle Schnappschuss prinzipiell funktioniert und mit diesem Smartphone alles andere als unmöglich ist.

Sicherlich gibt es Potential für Verbesserungen (Nachtaufnahmen sind generell immer ziemlich dunkel), allerdings muss man sich hier ganz einfach bewusst werden, dass das Desire 500 ein Mittelklasse-Modell ohne sonderlich angepriesene Kamerafähigkeiten ist. Berücksichtigt man dies, ist die Fotoqualität schon recht gut, worüber ich auch ein Stück weit überrascht bin.

Sonstiges

Das Desire 500 kommt auch einmal mehr mit Unterstützung für Beats Audio daher. Während ich kein Fan vom Modus bin, da dieser einfach nur die Tieftöne maximiert, muss ich sagen, dass der Sound mit aktiviertem Beats Audio um einiges besser ist. Der Grund dafür ist weniger, dass Beats Audio irgendetwas sensationell gut macht, sondern viel mehr der teilweise extrem blecherne und basslose Klang, der ohne Beats Audio aus der Kopfhörerbuchse kommt. Beats Audio bringt die Audioausgabe ungefähr auf ein Niveau, wie ich es auch von anderen Smartphones gewohnt bin.

Wie bereits oben angedeutet, ist der geringe interne Speicher eines der Hauptprobleme beim Desire 500. Vier GB stehen dem Gerät zur Verfügung, wovon aber ca. drei GB bereits für das System in Anspruch genommen werden. Somit hat man lediglich noch einen GB freien internen Speicher zur Verfügung.

Glücklicherweise erlaubt HTC die Speicherung der Apps auf der Micro-SD-Karte. Das ist aber nicht bei jeder App möglich und meistens verbleiben einige Daten trotzdem noch im internen Speicher. Als Nutzer von Streaming-Diensten hat man mit der Nutzung von externen Speichern glücklicherweise keine Probleme, da Rdio und Spotify die Speicherung der Musik auf externen Speichern zulassen. Trotzdem: Früher oder später hat man schlichtweg Probleme beim Installieren und Aktualisieren von Apps. Bei mir trat das nach nur zwei Wochen auf. Man muss sich hier tatsächlich teilweise stark einschränken, was ich nicht gerade begrüße.

Fazit

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Insgesamt ist das HTC Desire 500 ein durchaus brauchbares Gerät und für den Preis ist das Gesamtpaket in weiten Teilen akzeptabel. Man darf sich allerdings nicht davon blenden lassen, dass hier ein Quad-Core-Prozessor vor sich hinwerkelt – die Ladezeiten sind verhältnismäßig lang und generell fühlt sich das System nicht übermäßig performant an. Meiner Meinung nach wäre ein brauchbarer Dual-Core-Prozessor definitiv besser gewesen, als der doch recht schlappe Snapdragon 200.

Bedenkt man dies beim Kauf des Gerätes, kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Das Design ist sehr hübsch geworden, der glatte Polycarbonat-Body noch annehmbar (wenngleich nicht großartig), die Kamera überraschend gut und das Display erzeugt keinen Augenkrebs. Das Sense UI hat noch einen langen Weg vor sich, ist aber spürbar besser geworden im Vergleich zu älteren Versionen.

Trotzdem: Der Desire-Linie wird auch dieses Gerät wahrscheinlich keinen allzu großen Schub geben. Wie gesagt, das Design sticht ins Auge und das Gesamtpaket stimmt – jedoch fehlt es an dem „gewissen Etwas“. Das ist schade und ich würde sehr gerne sehen, dass das Desire-Branding wieder populärer wird, aber dieses Gerät wird meiner Meinung nach nicht dafür verantwortlich sein.

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