Apple iPad – Erklär das mal meiner Freundin

Da ist es also, das Apple iPad, das lange erwartete und mit Gerüchten und Spekulationen überhäufte Wunder-Tablet von Apple. Ich durfte mich gestern glücklich schätzen, im mobiFlip.de Live-Chat zur Keynote kaum mit fanatischen Fanboys sondern mit technikinteressierten Neutralos chatten zu dürfen, Danke dafür.

Nachdem die erste Hardcore-Welle über Twitter und meinen Feedreader abgeklungen ist, habe ich mir mal meine Gedanken gemacht und diese sogar auch handschriftlich festgehalten. Komisch das ich für solche Dinge hin und wieder einfach einen ordinären Notizzettel nutze. Irgendwie auch symbolisch für die Lücke des Tablets.

Apple will uns also eine Lücke in unserem Leben aufzeigen, in die ein iPad wie maßgeschneidert reinpasst, ich war mir bisher nicht über diese Lücke bewußt und ich brauchte auch einige Stunden um die Lücke zu finden und was soll ich sagen, ich habe diese Lücke. Der kleine Zeitabschnitt der an einem durchnittlichen Arbeitstags noch übrig bleibt, der Zeitabschnitt zwischen „am Pc sitzen und arbeiten“, einkaufen, Wohnung putzen, soziale Kontakte pflegen, Familie, ( … ),  und Essen.

Apple will in die kleinste Zelle die ich mir noch erhalten habe, die Zelle zwischen 24-Zoll Monitor und Android-Smartphone, die unvernetzte Insel nach einem stressigen Tag, meine Couch. Klingt banal, aber erklär das mal meiner Freundin. Angehende Juristin, selbst den ganzen Tag recht gut eingebunden und voller Freude in der einzigen Zeit des Tages, in der man wirklich mal abschaltet, die Zweisamkeit zu genießen. Damit will ich nicht sagen, dass das iPad ein Pärchen-Killer ist, einer gefestigten Beziehung dürfte das Teil nichts ausmachen, nein, auch Singles wird der letzte Moment der Ruhe genommen und viele freuen sich wohl darüber.

Als ob es nicht ausreicht schon dauernd mit dem Smartphone erreichbar zu sein, wir müssen es noch steigern, denkt doch mal nach, seht Ihr sie nicht, die Lücke die euer Leben hat, die unvernetzte Lücke in die ein iPad reinpasst. Sicher die Lücke ist klein, aber das iPad ist ja auch nur 13,4 mm dick, passt super rein, vernetzt euch auch noch im letzte Winkeln eures Lebens. Ermöglicht euch mit iBooks den Kauf von Ebooks, obwohl Ihr kaum noch die Zeit für ein echtes gedrucktes Buch findet, Ihr habt Kinder, Familie oder nen harten Job? Kein Problem, warum mit den Lieben etwas spielen, wenn auf dem iPad der aktuelle Lieblingsstreifen kostenpflichtig per iTunes zu haben ist, warum weiterhin den PC ausschalten, warum mit dem Partner während einer langen Autofahrt reden?

Ok, werden wir wieder sachlicher. Das iPad, mein erster Gedanke war, ein Bilderrahmen, es erinnert mich trotz hochpoliertem Promo-Video an einen digitalen Bilderrahmen. Ja, man braucht Platz um es festzuhalten, ja die Technik braucht Platz aber warum wünsche ich mir jetzt, dass das Teil wie so ein Fake-Bild aus der Gerüchteküche aussehen soll, als wie ein Bilderrahmen?

Ehrlich gesagt hatte ich vor der Keynote sogar Hoffnung, Hoffnung auf ein echtes Zwischending zwischen iPhone und MacBook, alle Defizite des iPhones ausgemerzt, geil! Darauf hätte ich mich gefreut. Irgendwie dachte ich immer, ein Tablet ist eine Art Computer, der auf die Eingabe per Finger optimiert ist. Aber Apple hat mich gestern eines Besseren belehrt. Keine Frage, die Eingabe mit Finger haben Sie raus, schicke Oberfläche und alles wirkt durchdacht, oder Moment, wirklich Alles?

Auf einem 9,7 Zoll Touchscreen mit 1020 x 768 Pixel Auflösung nur Icons? Oder habe ich mich verlesen, keine Widgets? Der Platz ist da, warum nicht nutzen? Ein weiteres portables Gerät mit festverbautem Akku, Ok, mit was Austauschbarem habe ich nicht wirklich gerechnet, aber mit einem SD-Slot habe ich gerechnet, mit einem USB-Port, einer Kamera, einem Monitor-Anschluss, mit Multitasking, mit Flash, mit Telefonie, mit System-Updates über die Luft (OTA), mit Ordnern und einem richtigen Dateisystem, ich muss verrückt sein. Ich denke einfach noch zu sehr in Computer-Strukturen. Ich habe doch tatsächlich gedacht, ein Tablet, ist etwas computerähnliches, irgendwie ein Netbook ohne Hardwaretastatur mit schicker Oberfläche. Aber nein, Apple meint nicht nur eine weitere Lücke in meinem vernetzten Leben gefunden zu haben, nein Sie definieren jetzt Tablet einfach neu, seit gestern ist ein Tablet offiziell ein großes iPhone, mit allen Vor- und Nachteilen, mit allen iPhone-Apps, nur teurer.

Erklär das mal meiner Freundin.

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