Steve Jobs Gedanken zu Flash [Update: Adobe CEO antwortet in Video]

Apple Chef Steve Jobs hat sich persönlich zum Thema Flash und Adobe zu Wort gemeldet. Auf der Webseite von Apple hat sich der Chef in einem längeren Artikel geäußert und spricht über sein empfinden der gesamten Sache und seine Begegnungen mit Adobe. Was er geschrieben hat, findet ihr im original hier und frei übersetzt von mir in den folgenden Abschnitten.Wer sich vorher noch einmal besser mit dem Thema Flash auf einem mobilen Gerät informieren möchte, dem seit unser Video von Flash auf dem Desire ans Herz gelegt, auf dem der derzeitige Stand präsentiert wird in der Entwicklung.

Apple hat eine lange Beziehung mit Adobe. Erstmals traf ich die Gründer in ihrer Garage. Apple war der erste große Kunde, indem wir ihre Postscript Sprache für den neuen Laserdrucker adaptierten. Über lange Jahre hat Apple 20% an Adobe gehalten. Beide Unternehmen arbeiteten eng und gut zusammen als Pioniere eines neuen Desktopprinzips. Seit dieser Zeit gingen die Wege auseinander. Apple ging durch die eigene Nahtoterfahrung, Adobe wurde gezogen durch die Acrobat Produkte. Auch heute noch arbeiten beide Firmen zusammen für ihre kreativen Benutzer, die Adobe’s Creative Suite kaufen. Trotzdem gibt es einige unterschiedliche Interessen.

Ich möchte ein paar meiner Gedanken darlegen, damit Nutzer und Kritiker besser verstehen, warum wir kein Flash auf iPhone, iPod und iPad zulassen. Adobe sagt, diese Entscheidung ist durch wirtschaftliche Gründe zustande gekommen, wir wollen unseren eigenen AppStore schützen. In Wirklichkeit jedoch hat das technologische Gründe. Adobe meint, wir haben ein geschlossenes System und Flash ist ein offenes System. Aber in Wirklichkeit ist es genau anders herum.

1. Offenes System

Flash ist ein 100% proprietäres Produkt. Es ist nur bei Adobe erhältlich und man hat als einzige die Autorität, wie es sich in Zukunft entwickeln soll, den Preis etc.. Nur weil Flash sehr weit verbreitet ist, heißt das noch lange nicht, dass es ein offenes System ist.  Apple hat natürlich auch geschlossene Systeme. Obgleich unser iPhone OS proprietär ist, glauben wir stark daran, dass alle Standards im Internet offen sein sollen. Im Gegensatz zu Flash nutzt Apple HTML5, CSS  und JavaScript, alles offene Standards. HTML5 ist der Standard, der von Apple, Google und vielen anderen Firmen genutzt wird, um anspruchsvolle Grafiken, Animationen etc. zu bauen, die nicht extra durch Plug-ins installiert werden müssen. HTML5 ist komplett offen und wird durch ein Komitee kontrolliert, in dem Apple Mitglied ist.

Apple hat sogar eigene offene Standards erfunden, wie WebKit. Heute wird es von Google für den Android Browser genutzt, von Palm, von Nokia. RIM will will ebenfalls für ihre BlackBerrys nutzen. Von Microsoft angesehen, nutzen alle Webbrowser von Smartphones WebKit.

2. Das gesamte Internet

Adobe ist der Meinung, dass Apples mobile Produkte nicht das gesamte Web sehen können, denn 75% der Videos nutzen Flash. Was man jedoch nicht sagt ist, dass fast alle dieser Videos auch in H.264 verfügbar sind und somit auf iPhone und Co. zu sehen sind. YouTube, die 40% aller Webvideos hosten, ist mit einem eigenen App auf allen mobilen Geräten verfügbar. Dazu noch die Videos von ABC, CBS, CNN, MSNBC, ESPN usw. und auf dem iPhone fehlen nicht viele Videos.

Eine andere Aussage ist, dass Flash Games nicht funktionieren. Das ist wahr. Glücklicherweise sind über 50.000 Spiele im AppStore und viele von diesen kostenlos. Es sind mehr Spiele für iPhone verfügbar, als für eine andere Plattform in der Welt.

3. Sicherheit, Performance und Zuverlässigkeit

Symantec hat Flash 2009 als eines der größten Sicherheitsrisiken eingestuft. Wir wissen aus erster Hand, dass Flash der größte Grund ist, warum Macs abstürzen. Wir arbeiten gemeinsam mit Adobe um das Problem zu lösen und werden noch hartnäckig weiter daran arbeiten. Wir wollen nicht die Zuverlässigkeit unserer iPhones, iPods und iPads gefährden, indem wir Flash erlauben.

Zusätzlich ist zu sagen, dass Flash nicht gut arbeitet auf mobilen Geräten. Wir haben Adobe seit Jahren gebeten, dass man uns die Arbeitsweise von Flash auf einem mobilen Gerät zeigt. Bis heute haben wir keines gesehen von Adobe. Zuerst sollte es Anfang 2009 kommen, dann Ende 2009, dann Anfang 2010 und jetzt noch später. Möglicherweise wird es erscheinen, aber wie wird es funktionieren?

4. Batterielaufzeit

Damit die Batterie lange hält, wenn man Videos sieht, müssen diese in der Hardware, nicht der Software decodiert werden. Viele Chips, die heute verbaut sind, nutzen den Decoder H.264, ein Standard der in Blu-Ray Playern genutzt wird und von vielen Firmen, wie Google, Vimeo etc. genutzt wird. Obwohl Flash H.264 supporten kann, benötigen diese Webseiten einen älteren Decoder, den es hardwareseitig nicht gibt für mobile Prozessoren. Hier muss die Software ran. Der Unterschied ist klar: Während Videos in H.264 bis zu 10 Stunden laufen auf dem iPhone, würde mit Software decodierte Videos nicht einmal 5 Stunden  gespielt werden können.

Wenn Webseiten ihre Videos in H.264 decodiert haben, benötigen sie kein Flash mehr und in den meisten Webbrowsern sind sie ohne Plug-in nutzbar. Außerdem sehen sie gut auf dem iPhone aus.

5. Touch

Flash wurde für PCs mit Mäusen entworfen, nicht für einen Touchscreen den man mit den Fingern bedient. Auf vielen Webseiten finden sich speziellen Popup Menüs, wenn man mit der Maus auf eine gewisse Stelle kommt. Apples Multitouch Konzept hat diese Funktion nicht integriert. Viele Webseiten müssen deswegen umgeschrieben werden, damit sie touchfähig werden. Warum da nicht gleich HTML5 etc. anstatt Flash einbauen? Selbst wenn iPhones Flash nutzen würden, müssten viele Webseiten trotzdem noch umgeschrieben werden für mobile Geräte.

6. Der wichtigste Grund

Neben den schon genannten Facts gibt es noch einen deutlich wichtigeren Fakt. Adobe will auch, dass Entwickler auf Flash aufgebaute Anwendung auf dem iPhone zum Laufen bringen.

Wir mussten die schmerzvolle Erfahrung machen, dass solche Apps unter dem Standard liegen und der fortlaufenden Entwicklung nicht förderlich sind. Dies liegt auch daran, dass die Entwickler auf die vorhandenen Tools zurück greifen müssen und keine neuen Elemente einfach so nutzen können. Dies wir noch schlimmer, wenn es um Crossplattform-Tools geht. Sie bilden nur den kleinsten gemeinsamsten Nenner aller Plattformen, auf denen man veröffentlichen will. Die Fortschritte einer einzelnen Plattform sind somit nicht nutzbar. Flash ist ein solches Crossplattform-Tool. Sie wollen nicht das beste App für iPhone bauen lassen, sondern für alle Plattformen gleichzeitig. Adobe ist in der Entwicklung nicht schnell genug. Zum Beispiel gibt es Mac OS X seit 10 Jahren, und Adobe hat es erst jetzt geschafft es komplett zu adaptieren. Damit waren sie der letzte große Entwickler, der dies tat.

Unsere Motivation ist einfach: Das Fortschrittlichste und innovativste Betriebssystem als Plattform für die Entwickler haben, die direkt auf dieser die besten Apps entwickeln. Entwickeln soll Spaß machen, interessant sein etc.

Schlussüberlegungen

Flash war während der PC-Ära entwickelt worden und ist eine wichtige Einnahmequelle für Adobe. Wir können verstehen, dass Adobe deswegen Flash pushen will. Aber die mobile Ära ist gekennzeichnet von Touch, wenig Energieverbrauch und offenen Web-Standards. An all diesen Punkten verliert Flash. Die derzeitige Situation zeigt, dass Flash nicht mehr nötig ist. Auch die 200.000 Apps im AppStore zeigen, dass Flash dort nicht nötig ist. Neue Standards, wie HTML5 haben sie entwickelt für mobile Geräte und Flash. Vielleicht sollte sich Adobe darauf konzentrieren, für HTML5 gute Tools zu entwickeln, anstatt Apple dafür zu kritisieren, dass man die Vergangenheit hinter sich lässt.

Inhalt: Steve Jobs, Übersetzung: Marcus Eric

Was haltet Ihr von Steve Jobs Aussagen?

[Update] Der Adobe CEO Shantanu Narayen nimmt in folgendem Video-Interview direkt Stellung zu den von Jobs angeführten Punkten, sehr interessant. [via]

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