Glasfaser kommt, doch Deutschland bleibt beim DSL-Internet

Eine Erhebung von Verivox zeigt, dass DSL trotz geplanter Abschaltung weiterhin Deutschlands beliebteste Internettechnik bleibt.

Obwohl die EU-weite Abschaltung von DSL bis 2035 geplant ist, bleibt die Kupfertechnik in Deutschland stark verbreitet.

Laut einer aktuellen Analyse von Verivox buchten im Juli 2026 rund 59 Prozent der Neukunden einen DSL-Tarif. Damit entfielen mehr als die Hälfte der neuen Internetverträge auf die eigentlich veraltete Technik.

Auch bei bestehenden Anschlüssen verändert sich das Bild nur langsam. Im März 2026 nutzten 49 Prozent der Befragten DSL zu Hause. Fünf Jahre zuvor waren es noch 55 Prozent. Besonders bei Menschen über 50 Jahren ist DSL weiterhin verbreitet, während jüngere Nutzer häufiger auf alternative Technologien setzen.

Warum DSL in Deutschland weiterhin dominiert

Die wichtigsten Zahlen im Überblick:

  • 59 Prozent der Neukunden entschieden sich im Juli 2026 für DSL.
  • 94 Prozent der Haushalte können laut Bundesbreitbandatlas DSL erhalten.
  • Glasfaser ist für 49 Prozent der Haushalte zumindest im Gebäude verfügbar.
  • In acht Prozent der Gemeinden ist DSL weiterhin die einzige stationäre Technik.

Ein Grund für die hohe DSL-Nutzung ist die ausreichende Geschwindigkeit für viele Haushalte. Laut Verivox-Experte Jörg Schamberg reicht ein typischer DSL-Anschluss mit 100 Mbit/s häufig für alltägliche Online-Anwendungen aus. Viele Kunden sehen daher keinen direkten Anlass für einen Wechsel.

Hinzu kommt die bessere Verfügbarkeit. Während Glasfaser und Kabel regional unterschiedlich ausgebaut sind, erreicht DSL fast flächendeckend deutsche Haushalte. Der Wechsel auf Glasfaser wird laut Verivox zudem durch fehlende günstige Einsteigertarife gebremst.

VATM fordert Perspektive für die Abschaltung der Kupfernetze

Die „Glasfaserbranche“ sieht die geringe Wechselbereitschaft zunehmend als Herausforderung. Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) fordert deshalb eine klare Perspektive für die Abschaltung der Kupfernetze.

Nach Ansicht des Verbands fehlen vielen Kunden derzeit Anreize für den Wechsel, solange DSL weiterhin parallel genutzt werden kann. Ein verbindlicher und wettbewerbsneutraler Migrationsplan könnte laut VATM helfen, die Nachfrage nach Glasfaser zu erhöhen und bereits ausgebaute Netze besser auszulasten.

Ich sehe die Entwicklung als Zeichen dafür, dass technische Abschaltungen allein nicht automatisch für einen schnellen Wechsel sorgen. Solange DSL zuverlässig funktioniert und Alternativen nicht überall attraktiv verfügbar sind, werden viele Kunden am bekannten Anschluss festhalten. Für die Branche bleibt der Ausbau günstiger Glasfaserangebote daher entscheidend.


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  1. Ryanthusar 🪴

    Bei mir gibt es nur DSL, dabei würde ich Glasfaser oder zumindest Kabel bevorzugen

  2. P45 🔅

    Mein Problem: ich würde gerne wechseln (DSL 50Mbit), kann aber nicht, da die Telekom zwar die eine Hälfte unseres Wohnareals im Berliner Südwesten gerade erst mit FTTH ausgestattet hat, aber in unserer Hälfte keinerlei Ambitionen hat. Der Grund ist wahrscheinlich der hier vorhandene komplette Ausbau mit Vodafone Kabel. Somit ist Gbit theoretisch möglich, aber mich bekommt niemand zu Vodafone. Zumal die Kabelkunden regelmäßig über Ausfälle und Störungen berichten.

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