Volkswagen: „Die Lage ist mehr als kritisch“

Die Zahlen der Volkswagen Group waren in den letzten Jahren immer noch gut, es wurde aber immer mal wieder gewarnt, dass das nicht so bleibt. Jetzt ist die Krise bei vielen VW-Marken angekommen und der Ton hat sich 2026 weiter verschärft.

Audi strauchelt, Porsche ist abgestürzt und Seat kann man bald dichtmachen. In einer Pressemitteilung hat man betont, dass „die Volkswagen Group (…) vor den größten Herausforderungen seiner Geschichte“ steht. Oliver Blume hat sich einem „Interview“ (mit VW selbst, also keinem unabhängigen Medium) im Intranet gestellt.

Volkswagen ist (noch) handlungsfähig

Viele Mitarbeiter des VW-Konzerns sind mit negativen Schlagzeilen in den Urlaub gefahren, aber der „Volkswagen Konzern ist handlungsfähig“, das hat Oliver Blume klar betont. Und er hat betont, dass dies „keine VW-Krise“ sei, sondern „eine Krise der gesamten Automobilbranche“. Diese Aussage stimmt allerdings nur zum Teil.

Es gibt Dinge, auf die Volkswagen keinen Einfluss hat, das meistverkaufte Auto der Welt hätte in den letzten Jahren aber auch ein vollelektrischer VW Tiguan und nicht das Tesla Model Y sein können. Man hat sich auf der Vergangenheit ausgeruht.

Noch sehen die Zahlen im Konzern solide aus, wie der VW-Chef betont, aber es geht um die „Herausforderungen, die wir heute und zukünftig meistern müssen“.

Und „die Lage ist mehr als kritisch“, denn die operative Rendite (von 3,8 Prozent) ist in dieser anspruchsvollen Situation zwar „solide“, doch sie reicht „bei weitem nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel zu erwirtschaften“. Wer neue Technologien und Produkte entwickeln möchte, der benötigt langfristig mehr Geld, so Blume.

Volkswagen sieht akuten Handlungsbedarf

Im VW-Konzern gibt es daher „akuten Handlungsbedarf“, denn China ist in diesem Jahr eingebrochen und das macht nicht nur die Lage vor Ort schwierig, das sorgt im Moment auch dafür, dass noch mehr Modelle aus China global starten. Und die Autos aus China sind teilweise besser und gleichzeitig günstiger als die der VW AG.

Wichtig ist daher, dass man nicht nur kurzfristig darauf reagiert, denn die Lage wird nicht besser. Ganz „im Gegenteil“, so Oliver Blume, man rechnet damit, dass „sich Risiken weiter verschärfen“. Das Management will das unter Kontrolle bekommen.

Wir haben jeden Stein umgedreht, eine umfassende Strategie entwickelt und einen klaren Plan aufgestellt. Jetzt geht es darum, entschlossen zu handeln.

Dieses „Interview“ ist überraschend hart, niemand will in der Urlaubszeit hören, dass die Lage „kritisch“ ist, wenn man mit der Familie am Stand liegt und entspannt. Aber es ist kein Zufall, denn nach der Sommerpause geht es an die Details und an die Frage, welche Werke wegfallen und wo man noch mehr Geld einsparen kann.

Oliver Blume wirbt auch indirekt damit, dass sein „Zukunftsplan“ nicht wieder im Aufsichtsrat durchfällt, denn er versteht die Sorgen der Kollegen, aber es sei jetzt nötig, dass die Volkswagen Group den Gürtel noch etwas enger schnallen kann.

Im „Gespräch“ gibt Oliver Blume auch an, dass „Entscheidungen über konkrete Werksschließungen noch nicht getroffen wurden“. Aber die deutschen Werke sind nicht mehr wettbewerbsfähig und kann man das nicht ändern, ist das die Folge.

VW-Chef gibt sich am Ende zuversichtlich

Aber der „Volkswagen Konzern hat immer wieder herausfordernde Situationen gemeistert“ und daher ist auch der aktuelle VW-Chef zuversichtlich. Ich verstehe aber nie, wie ein Argument wie „früher lief das auch immer gut“ beruhigend für die Zukunft sein kann, denn die Vergangenheit hat keinen Einfluss auf die Zukunft.

Doch bei Volkswagen hat man „die Herausforderungen analysiert und klar benannt“ und weiß „was zu tun ist“. In den kommenden Monaten geht es jetzt darum, dass alle mitziehen. Wenn nicht, dann sieht die Zukunft vielleicht noch schlechter aus.

Das Problem, welches ich seit Jahren bei Volkswagen sehe (man will sich ja nicht erst seit 2026 neu aufstellen), ist die Struktur. Da sind zu viele und vor allem auch zu unterschiedliche Interessen. In einer Disruption tun sich alte Unternehmen ja schon ohne so eine Struktur schwer, das macht die Lage bei VW besonders hart.

Es werden spannende Wochen, Monate und Jahre. Ich tippe aber vor allem auf einen heißen Herbst, der womöglich auch bald von einigen Streiks begleitet wird.


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  1. Philipp 🔆

    Zieht Er eigentlich selbst auch mit und schnallt seine Gürtel enger?

  2. Dom 🌀

    Hauptsache, die Aktionäre werden zufriedengestellt 🤡

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