AirPods im Alltag: Mein erstes Bluetooth-Headset mit Begeisterungsfaktor

Bluetooth-Headsets sind schon viele Jahre auf dem Markt. Apples AirPods indes sind anders. Für mich sind sie tatsächlich die ersten Bluetooth-Kopfhörer, die für meine alltägliche Nutzung interessant sind, doch Apple hat für zukünftige Generationen noch einige Luft nach oben gelassen.

Nachdem ich meine sechswöchige Lieferzeit abgesessen hatte, wurden Anfang Februar schließlich meine neuen AirPods geliefert und ich hatte seitdem genug Zeit sie im Alltagseinsatz zu testen. Nachfolgend einige Worte über meine Hochs und Tiefs und offene Fragen, denen Apple sich hoffentlich noch widmet.

Apple AirPods im Preisvergleich

Warum AirPods?

Wie gesagt, Bluetooth-Headsets gibt es schon lange, aber bislang hatte man in der Regel nur die Wahl zwischen Monoknöpfen, die für Besprechungen und Telefonate gut geeignet, zum Musikhören in Stereo aber unqualifiziert waren. Bei Stereoheadsets wiederum gab es stets nur Bügelmodelle oder Knöpfe, die ihrerseits mit Kabeln oder Bändern oder sonstigen Vorrichtungen zur Signalübertragung verbunden waren.

Ich habe Kabel immer gehasst, sie aber als notwendiges Übel angesehen. Und ich wollte mich nie auf eine bestimmte Anwendung festlegen lassen.

Insofern sind die Apple AirPods eine Offenbarung für mich, denn sie bieten eine Flexibilität im Alltag, die es zuvor nicht gab: Ich kann jetzt wahlweise auf einem oder beiden Ohren Musikhören oder auf einem Ohr Telefonate führen respektive telefonisch erreichbar sein. Gleichzeitig bin ich aller Kabel ledig, ein wirklich befreiendes Gefühl. Kein Kabel mehr, das zwischen Jacken- und Hemdkragen, Umhängetasche und Rucksack klemmt und mir entweder einen Knopf aus dem Ohr zieht oder einfach irgendwann Schaden nimmt.

Für mich, der sich in der Regel den Knopf ins Ohr steckt, wenn er aus dem Haus geht und ihn erst wieder daheim herausnimmt, ein Komfortgewinn, der nicht hoch genug einzuordnen ist. Natürlich ist das eine Frage der Nutzungsgewohnheit. Menschen, die nicht so exzessiv verkabelt sind, werden meine Begeisterung nicht teilen können.

It just works

Das Verbindungsmanagement der beiden kabellosen Knöpfe mit dem iPhone oder Mac hat Apple nahezu perfekt gelöst: Das Verbinden klappt in der Regel sekundenschnell, gleichgültig wie oft man die AirPods ein- oder beidseitig ins Ohr steckt oder herausnimmt, die Konstellation verhält sich praktisch immer so wie sie soll. Sobald der letzte AirPod zurück ins Case wandert, kommt der Ton zurück aufs iPhone.

Der Energieverbrauch ist eine positive Überraschung. Am iPhone fällt es schwer die zusätzliche Konnektivität im Alltag energiebedarfstechnisch zu überschlagen. Ich konnte keine verräterisch schnell sinkende Akkuladung beobachten. Die AirPods halten ihrerseits gut durch. Dadurch, dass man sie zumeist bei Nicht-Benutzung im Case lagert, ist es exakt wie von Apple postuliert: Das Wiederaufladen dauert dort nur Minuten und auch bei langen Tagen bekommt man keine Probleme, sofern das Case voll geladen ist. Natürlich muss man die Notwendigkeit einen weiteren Verbraucher daheim regelmäßig zu laden erst ein mal in seine Routinen einpflegen.

Das Einsetzen ins Case war für mich am ersten Tag noch etwas fummelig, aber auch hier ist es, wie in diversen Erfahrungsberichten beschrieben wurde: Die Bewegung geht schnell in Fleisch und Blut über. Das häufige Hantieren mit den AirPods lässt indes eine latente Gefahr des Verlustes offenbar werden.

AirPods im Abfluss

Konventionelle Kopfhörer können zwar vom Kabel herausgezogen werden, man verliert sie aber nicht. AirPods können wiederum nicht vom Kabel, aber in anderen Situationen aus dem Ohr befördert werden, etwa beim eiligen An- und Ausziehen der Winterjacke oder auch durch einen unerwarteten Rempler. Passiert das in der Bahn kurz vor Erreichen des Ziels oder beim Aus- und Umsteigen, verwandelt sich der kabellose Komfort schlagartig ins Gegenteil. Einen verlorenen Knopf am Boden oder unter besetzten Sitzreihen zu suchen ist nichts, was man mal ausprobiert haben muss. Ich bin daher dazu übergegangen die AirPods dann und wann kurzzeitig in Sicherheit zu bringen.

Auch kann das Hantieren mit AirPods und Case auf der Straße im Gewühl schnell dazu führen, dass einer herunterfällt und davon rollt. Und nicht zuletzt auf öffentlichen Toiletten besteht die latente Gefahr einen AirPod buchstäblich runterzuspülen, glaubt es oder nicht, am Abend eines stressigen Tages ist mir das schon fast passiert. Hier kommt mir eine Angewohnheit meiner kabelgebundenen EarPods-Nutzung in die Quere: Die Knöpfe bei Nicht-Nutzung schwungvoll in den Kragen zu werfen. Das muss man sich mit den AirPods ganz schnell abgewöhnen.

Einige Nutzer erwähnten schließlich eine Möglichkeit, die es bei klassischen Kopfhörern nicht gab. Leute können dir im Vorbeigehen den Knopf aus dem Ohr pflücken und du kannst praktisch nichts dagegen tun. Aktuell sind die AirPods noch zu wenig verbreitet, um diese Gefahr manifest werden zu lassen, dennoch wurde sie in einigen amerikanischen Nutzergruppen schon diskutiert und das Szenario ist leider sehr realistisch.

Zwar bringt es dem Dieb nicht viel einen oder auch zwei AirPods zu haben, da ihm zumindest noch das Case fehlt, aber allein des Ärgerns wegen werden sicher einige Mitmenschen früher oder später genau das tun.

Die Audioqualität: Ein gemischtes Vergnügen

Das Musikhören mit den AirPods ist eine wahre Freude. Ich habe kein sehr anspruchsvolles Hifi-Gehör und für mich klingen die AirPods in etwa genau so wie Apples EarPods. Wer mit ihnen zufrieden war, wird es auch mit den AirPods sein. Artefakte oder sonstige Qualitätsminderung durch die Drahtlosverbindung treten fast nicht auf, dann und wann habe ich kurze Ruckler beobachtet, interessanterweise ausschließlich an Orten mit hoher Menschendichte. Möglich, dass hier das Frequenzspektrum teilweise zu voll ist, wie es bei der WiFi-Nutzung manchmal der Fall ist.

Beim Telefonieren sieht es anders aus: Ich höre den Gesprächspartner leicht verrauscht, etwa wie bei früheren GSM-Verbindungen. Etwaige Qualitätssprünge durch HD Voice gehen verloren. Trotzdem ist noch ein recht unbeschwertes Telefonieren möglich. Der Gesprächspartner zahlt indes den Preis für meine Bequemlichkeit: Er hat oft Mühe mich zu verstehen, berichtet über starkes Rauschen, Artefakte und allgemein eine schlechte Verständlichkeit.

Selbiges wirkt sich auch auf Sprachnachrichten in WhatsApp, Facebook und Co. aus. Diese klingen definitiv nicht schön und sind teils auch schwer verständlich. Hier kann und sollte Apple unbedingt nachbessern.

Lauter, weiter, anhalten

Dass die AirPods nur über Siri gesteuert werden können, ist ein Umstand, der anfangs witzig, später nervig ist. Man möchte nicht ständig „Lauter“, Leiser“, oder „Weiter“ sagen, während man durch die Stadt läuft. Zwar kann man alternativ den Doppeltipp auf die AirPods mit Start/Stopp belegen, das schränkt die Nutzung aber noch mehr ein.

Siri-Modus und Audioroute der AirPods - Screenshot

Siri-Modus und Audioroute der AirPods – Screenshot

Zudem ist die Steuerung über Siri etwas träge. Tippt man die AirPods zwei mal an, dauert es noch eine knappe Sekunde, bis man seinen Befehl absetzen kann und abermals einige Sekunden, bis Siri die Befehlsaufnahme beendet und zur Ausführung schreitet. Kommt während dieses Augenblicks ein lautes Umgebungsgeräusch hinzu, eine gut gelaunte Bahnansage etwa, wird der Befehl nicht verstanden. Man geht daher dazu über das iPhone dann doch häufiger wieder in der Hand zu haben.

Auch erfordert die Sprachsteuerung via Siri immer eine hinreichend stabile Internetanbindung, ist diese nicht gegeben, gibt es auch keine lautere Musik. Einzige Alternative ist hier Siri zu deaktivieren und stattdessen VoiceControll einzusetzen. Die kann einfache Musikbefehle auch offline erledigen, Siri ist dann jedoch permanent ausgeschaltet. Wieso Apple keine Minimal-Offlinefähigkeit wenigstens für AirPods-bezogene Befehle implementiert hat, bleibt unverständlich. Apple war hier eindeutig zu minimalistisch und hätte den AirPods einen Hardwareschalter spendieren können.

Das nach unten ragende Ende drehbar auszuführen wäre etwa eine sehr elegante Umsetzung der Lautstärkeregelung gewesen. Auch fragt man sich, warum Apple nicht die Drück-Kombinationen des Headsets übernommen hat, um Titel vor- und zurückzuspringen. Das wäre weniger lästig und vor allem zweckmäßig gewesen, es muss ja nicht gleich eine Mimiksteuerung sein.

Die Akkufrage

Bei Smartphones und auch Notebooks sind die Akkus die Komponenten, die zuerst verschleißen. Bei den AirPods wird es nicht anders sein. Angesichts des Preises ist das ein Umstand, der ein echtes Manko werden könnte.

Bild: iFixit

Noch ist es zu früh, um hierüber zuverlässige Aussagen zu treffen. Falls indes die AirPods nach etwa anderthalb Jahren leistungstechnisch so weit nachgelassen haben, dass eine sinnvolle Nutzung nicht mehr möglich ist, wären es ziemlich teure Kopfhörer, da es sich bekanntlich um De facto Einwegprodukte handelt. Hier wird schlicht abzuwarten sein, wie lange die AirPod-Akkus halten oder ob andere Verschleißerscheinungen vorher eintreten.

Fazit zu den Apple AirPods

Für mich sind die AirPods die ersten wirklich interessanten Bluetooth-Kopfhörer und ich merke schon nach wenigen Wochen, dass mir Tage ohne Kabel sehr zusagen. Doch perfekt ist die Nutzererfahrung noch nicht. Apple hat noch einige Luft nach oben für die nächsten AirPods-Generationen. Es wird interessant sein zu beobachten, was Cupertino daraus macht.

Apple AirPods im Preisvergleich

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