Brasilien: WhatsApp für 48 Stunden gesperrt

In Brasilien hat ein Gericht beschlossen, dass WhatsApp ab sofort für genau 48 Stunden von den Netzanbietern gesperrt werden muss. Diese freuen sich.

Wer in Brasilien wohnt und WhatsApp nutzt, wird sich ab heute wundern, denn die Netzbetreiber mussten den Dienst ab sofort für 48 Stunden sperren. Der Grund ist eine unbekannte Gruppe, die gegen WhatsApp vor Gericht geklagt hat. Es geht wohl darum, dass WhatsApp die Telefonnummer für die Aktivierung eines Accounts auf dem Smartphone nutzt und dafür aber keine Steuern an den Staat zahlt. Diese werden jedoch fällig, wenn man SMS und Telefonate über das Netz anbietet.

Die Netzbetreiber tun dies. Dabei wurde aber anscheinend vergessen, dass man bei WhatsApp Nachrichten und Telefonate über eine Internetverbindung verschickt und führt und nicht über die Netzbetreiber. Die Gründe sind wohl nebensächlich, es geht hier um viel Geld und die Netzbetreiber sehen in WhatsApp einen Grund für den Rückgang ihrer Einnahmen. Dagegen gehen sie natürlich aktiv vor.

Mit Erfolg, denn in den nächsten zwei Tagen wird man WhatsApp erst mal nicht in Brasilien nutzen können. Was danach passiert, ist noch offen, Facebook dürfte aber mit Sicherheit schon einige Anwälte nach Brasilien geschickt haben, die das Problem jetzt lösen sollen. WhatsApp-Nutzern bringt das aber erst mal wenig, daher schauen sich diese nach einer Alternative um. Aktuell sehr beliebt: Telegram.

Ich glaube nicht, dass WhatsApp dauerhaft ausgeschlossen wird, aber es ist schon eine, in meinen Augen, verrückte Entscheidung den Dienst einfach mal für genau 48 Stunden zu sperren. Andere Dienste freuen sich da natürlich, ich glaube aber nicht, dass die Netzbetreiber, oder wer auch immer hinter der Klage steckt, das ist nicht bekannt, hier gewinnen werden. Die Zeiten von teuren SMS sind einfach vorbei.

WhatsApp-Gründer Jan Koum ist nicht begeistert, verständlich. Er hat sich dazu auf Facebook geäußert. Ich finde die Entscheidung ebenfalls sehr engstirnig, da man so nicht nur WhatsApp, sondern auch den Millionen Nutzern schadet, die sich auf den Dienst verlassen und mit Freunden und Familie kommunizieren. Die Mobilfunknetze in Brasilien sind übrigens erst mal überlastet. Wer hätte es gedacht.

Wie Teltarif aktuell meldet wurde die Sperre nach 14 Stunden schon wieder aufgehoben. Sie sei unverhältnismäßig, eine Geldstrafe hätte vollkommen ausgereicht, so die Begründung.

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