Heimkino-Bluetooth-Kopfhörer „Hammo TV“ von Noontec im Test

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Von der Firma Noontec wurde uns Anfang September der Over-Ear-Bluetooth-Kopfhörer „Hammo TV“ mit Basisstation zum Testen kostenfrei und dauerhaft zur Verfügung gestellt. Wie der Name schon erahnen lässt, wurde er primär für den Film- und Fernsehbereich konzipiert. Nichtsdestotrotz nutzt der Hersteller, im Gegensatz zu klassischen Home-Cinema-Funkkopfhörern, die bei den mobilen Pendants vorherrschende Bluetooth-Technologie.

Wie sich der potentielle Allrounder für zuhause und unterwegs schlägt, erfahrt ihr in diesem Test.

Inhalt und Produktdaten

Der Noontec Hammo TV kommt in einer gelungen designten Verpackung, mit allerlei Zubehör daher.

Die für einen Heimkino-Kopfhörer obligatorische Basisstation dient sowohl als Ständer, als auch als Sende- und Ladestation. Die zum Anschluss an den Fernseher oder Receiver benötigten Kabel und Adapter liefert der Hersteller gleich mit und lässt dabei kaum Wünsche offen:

  • Zwei 3,5mm Klinkenkabel
  • Cinch-(RCA)-auf-Klinke-Adapter
  • Stromversorgung der Basis: Micro-USB-auf-USB-A-Kabel mit EU- und UK-Netzadapter
  • Ladekabel für den Kopfhörer: USB-A-auf-Klinke – dazu später mehr

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Sehr erfreulich finde ich auch, dass eine passende Transporttasche gleich mitgeliefert wird. Diese ist aus einem neoprenartigen Stoff gefertigt und macht verarbeitungstechnisch einen guten Eindruck.

Eine kurze, aber durchdachte und gut verständliche, deutschsprachige Anleitung liegt ebenfalls bei.

Im Anschluss gebe ich euch noch die wichtigsten technischen Daten zum Hammo TV:

  • Bluetooth 4.1
  • Übertragungsdistanz: 10m
  • Kopfhörer-Lautsprecher: Votrik HD500
  • Widerstand: 32Ω
  • Akkulaufzeit: 50 Stunden
  • Akku integriert, nicht ersetzbar
  • Ladezeit: 5 Stunden

Aufbau und Komfort

Der faltbare Kopfhörer wirkt stabil und ziemlich gut verarbeitet. Auffällige Spaltmaße oder scharfe Kanten sucht man vergeblich.

Der Korpus ist in einem dunklen Anthrazit gehalten. Dabei kommt überwiegend Kunststoff zum Einsatz und der knarzt leider selbst bei leichten Verwindungen deutlich hörbar. Die Scharniere, die mit einem präzisen Knacken einrasten, sind ebenso aus Aluminium gefertigt, wie der innere, flexible Teil des Kopfbügels.

Die Ohrpolster sind ausreichend weich und mit einem angenehm anmutenden Lederimitat überzogen. Auch die Polsterung des Kopfbügels wurde damit ausgestattet.

Die Ohrmuscheln sind nicht starr am Bügel befestigt, sondern durch Gelenke in allen Dimensionen beweglich, wodurch sie sich der jeweiligen, gottgegebenen Kopfform sehr gut anpassen können.

Selbst nach längeren Sessions fangen sie nicht an zu drücken, was unter anderem auch dem gut gewählten Flexibilitätgrad des Kopfbügels zu verdanken ist, der für mein Empfinden einen lobenswerten Kompromiss zwischen sicherem Halt und angenehmem Tragekomfort bietet. Wie bei den meisten Kunstleder-Ohrpolstern, bekommt man aber auch hier nach einiger Zeit doch ziemlich warme Ohren, was dazu führt, dass man ab und an kurz „lüften“ muss.

Technik und Anschlüsse

Verbunden wird der Hammo TV via Bluetooth 4.1 oder per 3,5mm Klinke. Letztgenannter Anschluss ist auch schon der einzige, den der Kopfhörer besitzt. Geladen wird nämlich ebenfalls über die Buchse. Die Lösung finde ich persönlich ziemlich ungeschickt, da man zum Füllen des Akkus zwangsläufig das eingangs schon erwähnte USB-A-auf-Klinke-Kabel benötigt. Ein zusätzlicher Micro-USB- oder USB-C-Port wäre da weitaus sinniger gewesen.

Die Anschlussmöglichkeiten der Basisstation sind ebenfalls überschaubar: eine Micro-USB-Buchse für die Stromversorgung, ein USB-A-Port zum Anstöpseln des Kopfhörer-Ladekabels, sowie ein analoger Aux-Eingang (3,5mm Klinke). Dazu kommt natürlich noch die intern verbaute, drahtlose Sendeeinheit mit Bluetooth 4.1 Standard.

Für den Betrieb reicht ein gewöhnlicher, 500mA liefernder USB 2.0 Port des Fernsehers oder des PCs aus. Es muss also nicht zwangsläufig der beiliegende Netzadapter genutzt werden.

Die Basis schaltet sich bei anliegender Spannung jedoch nicht selbstständig ein. Es muss immer erst der Power-Button gedrückt werden. Das stellt für mich persönlich kein Problem dar, mag für andere aber schon ein K.O.-Kriterium sein.

Bedienung

Gesteuert wird der Kopfhörer über die an der linken Ohrmuschel angebrachten Druckknöpfe. Weshalb sich Noontec entgegen jeder Regel nicht für die rechte Seite entschieden hat, bleibt wohl ein Rätsel. Ich greife jedenfalls gewohnheitsbedingt oft zuerst ans falsche Ohr, wenn ich etwas umstellen möchte.

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Die drei Knöpfe (Power, Volume +, Volume -) haben einen sehr guten Druckpunkt und lassen sich weder zu leicht, noch zu schwer drücken. Bei der Bedienung hält sich der Hersteller nicht an die gängigen Quasi-Standards. Anstatt den Powerbutton mehrfach zu belegen, nutzt Noontec die Lautstärketasten, um mit einem Longpress (+/-) durch die Playlist zu wandern. Daran gewöhnt man sich jedoch relativ schnell.

Ob die Variante nun besser oder einfach nur anders ist, darf jeder für sich entscheiden.

Bei der Bedienung meines Android Smartphones gab es jedenfalls keinerlei Probleme, die Steuerung funktionierte immer prompt und zuverlässig.

Die Basis besitzt lediglich einen Knopf zum Ein- und Ausschalten. Einmal gepairt, finden sich Sender und Empfänger bei Inbetriebnahme innerhalb weniger Sekunden automatisch wieder. Über einen kleinen Resetknopf an der Rückseite, den man nur mit einer Büroklammer erreicht, lässt sich die „Paarung“ wieder aufheben.

Da es die letzten Jahre irgendwie zur Mode wurde, allen neuen Bluetooth-Audiogeräten eine mehr oder weniger albern klingende Computerstimme zu verpassen, kommt natürlich auch der Hammo TV nicht um eine Sprachausgabe herum. Glücklicherweise hält diese sich angenehm zurück und klingt, im Gegensatz zu so mancher Konkurrenz, nicht wie die Parodie auf einen britischen Earl, sondern halbwegs natürlich.

Klang und Einsatzgebiete

Kommen wir nun zum wahrscheinlich wichtigsten Punkt dieses Tests, dem Klang.

Als Referenz nehme ich meinen in allen Belangen überragenden Sennheiser Momentum Wireless 2, den ich nach diversen Vergleichen und Tests zum aktuellen König der Bluetooth-Kopfhörer küren würde.

Ich werde hier nicht mit Begriffen wie Frequenzgang und Klangfarbe um mich werfen, da mein physikalisch-technisches Wissen in dem Bereich nur recht oberflächlich ist. Meine Meinung fußt aber auf der Erfahrung mit einem guten, halben Dutzend Bluetooth-Kopfhörern, die ich die letzten Jahre mehr oder wenig lang mein eigen nannte.

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Genug des Vorgeplänkels; kommen wir zur Beurteilung:

Die Grundabstimmung des Hammo TVs würde ich als recht basslastig beschreiben, wobei das Level hier keine Beats- oder Sony „Extra-Bass“-Verhältnisse erreicht. Der Bass ist auch nicht wirklich druckvoll und präzise, sondern eher schwammig und diffus.

Stimmen heben sich gut vom Grundton ab. Sie sind jederzeit aus der übrigen Tonkulisse heraus wahrnehmbar und werden gut verständlich wiedergegeben. Gerade bei Kopfhörern, die grundsätzlich für den Film- und Fernsehkonsum konstruiert wurden, ist das ein wichtiges Kriterium.

Nichtsdestotrotz wirkt alles oberhalb der tiefen Mitten recht dumpf und gedrückt. Das fällt vor allem bei dialoglastigen Filmen oder Talkrunden und Nachrichten auf.

Filme mit vielen Special Effects, Explosionen und Kugelhagel machen mit dem Kopfhörer durchaus Laune. Gerade nachts, wenn im Mehrparteienhaus der Subwoofer ruhen muss, sind die Kopfhörer eine ganz passable Alternative zur 5.1-Anlage.

Hinsichtlich getesteter Musikgenres gefällt mir der Kopfhörer bei Rock & Pop am besten. Dort fallen die etwas unklaren Mitten nicht so stark ins Gewicht. Auch der dominante Bass kann hier punkten. Weniger gefallen hat mir der Hammo TV bei orchestraler, klassischer Musik. Hierfür ist der Kopfhörer werkseitig nicht richtig (neutral) abgestimmt und es fehlt an Präzision, vor allem im mittleren und höheren Klangbereich. Der Unterschied zu meinem Sennheiser Momentum Wireless 2 oder gar großen Standlautsprechern wird hier besonders deutlich.

Mittels manueller Equalizeranpassung lässt sich allerdings noch einiges aus dem Kopfhörer herausholen. Eine Verstärkung der höheren Frequenzen und eine leichte Anhebung der Tiefen verbessern das Klangbild beispielsweise im zuvor erwähnten Rock & Pop Bereich erheblich.

Drahtlosübertragung und Akkulaufzeit

Sowohl der Kopfhörer, als auch die Basisstation funken über den Bluetooth-Standard in der Version 4.1. Der Hammo TV lässt sich dabei nicht nur mit der zugehörigen Basis, sondern mit jedem beliebigen bluetoothfähigen Audiowiedergabegerät, wie einem Smartphone oder einem Tablet verbinden.

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Auch die Basis ist, was die Partnerwahl anbelangt, offen für andere Geräte und Marken. Mein bereits erwähnter Sennheiser Kopfhörer und auch mein Bose Soundlink Mini ließen sich problemlos mit der Station pairen. Dass Noontec hier keine künstliche, firmwareseitige Sperre eingebaut hat, ist auf jeden Fall sehr lobenswert.

Laut Anleitung sollen sich auch mehrere Geräte gleichzeitig verbinden lassen. Das funktioniert zwar grundsätzlich, der Ton wird bei mir jedoch, trotz mehrmaliger Versuche, immer nur auf dem zuerst verbundenen Kopfhörer wiedergegeben.

Äußerst erfreulich ist das sehr geringe Grundrauschen, das sich selbst in stillen Passagen auf einem kaum hörbaren Level befindet. Auch die Latenz der Bluetooth-Übertragung ist nicht wirklich wahrnehmbar. Dadurch eignet sich der Hammo TV hervorragend zum Zocken. Die basslastige Abstimmung und die gute räumliche Ortbarkeit prädestinieren ihn dafür.

Etwas kurios wird es bei der vermeintlichen Unterstützung von aptX. In der Anleitung und auf der Verpackung gibt es keinerlei Hinweis darauf. Merkwürdigerweise wird auf der Website von Noontec jedoch großflächig damit geworben. Auf aptx.com steht der Kopfhörer hingegen nicht auf der Kompatibilitätsliste. Mangels eines entsprechenden USB-Dongles kann ich das aber leider nicht überprüfen.

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Hinsichtlich der Übertragung gab es keinerlei störende Aussetzer. Die Reichweite hängt dabei natürlich stark von der Beschaffenheit eurer Wände und Decken ab – 10 Meter und eine Wand dürften aber generell kein Problem sein.

Telefonate lassen sich mit dem Kopfhörer ebenfalls führen. Das unterhalb der linken Ohrmuschel verbaute Mikrofon liefert, zumindest in ruhiger Umgebung, durchaus gute Ergebnisse.

Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit 50 Stunden an. Das klingt erst einmal nach einer ziemlich hochgegriffenen Zahl, die scheinbar nur unter Laborbedingungen erreicht wird.

Ich habe den einmal vollgeladenen Akku während meines Tests jedoch nicht leer bekommen – bei rund 20-30 Stunden Betriebszeit. Wohlgemerkt läuft der Kopfhörer noch immer, ohne ein Zeichen von Schwäche zu zeigen. Die genaue Kapazität gibt Noontec leider nicht an. Die effektive Laufzeit kann sich aber absolut sehen lassen.

Fazit zum Noontec Hammo TV

Noontec liefert mit dem Hammo TV ein gutes Allroundpaket mit viel Zubehör ab. Die Verarbeitung ist auf einem hohen Niveau, auch wenn durch den Einsatz von viel knarzendem Kunststoff kein wirkliches Premium-Feeling aufkommt.

Die weichen Ohrpolster und der gelenkige, äußerst anpassungsfähige Aufbau des Kopfhörers ermöglichen einen bequemen Langzeittragekomfort.

Beim Klang muss man Abstriche machen. Der basslastig abgestimmte Kopfhörer wirkt in den Mitten recht dumpf, was besonders bei Dialogen deutlich wird. Das soll aber nicht heißen, dass Stimmen undeutlich oder gar störend verzerrt wären.

Im Hinblick auf die Musikwiedergabe ist es kaum möglich, ein für alle Nutzer gültiges Gesamturteil zu bilden, da die Geschmäcker und Ansprüche sehr unterschiedlich sind. Abseits der persönlichen Präferenzen kann man jedoch sagen, dass der Hammo TV klanglich irgendwo in der (unteren) Mittelklasse anzusiedeln ist. Eine manuelle Anpassung des Equalizers ist allerdings Pflicht. Andernfalls kommt nicht wirklich viel Freude beim Musikhören auf – nach der Adjustierung dafür umso mehr.

Verzögerungen oder Aussetzer bei der Übertragung gibt es keine, die Reichweite und vor allem die Akkulaufzeit sind sehr gut.

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Kann man den Hammo TV nun empfehlen oder nicht?

Die Frage ist pauschal schwer zu beantworten. Der Normalpreis von 130 Euro ist in meinen Augen eher grenzwertig. Glücklicherweise gibt es den Hammo TV jedoch regelmäßig für 90-100 Euro bei Amazon als Blitzangebot. Für den Preis ist er auf jeden Fall empfehlenswert, sofern ihr auf der Suche nach einem Kopfhörer seid, der primär zum Filmschauen, aber eben auch für unterwegs, zum Musikhören genutzt werden soll.

Wenn ihr bereits einen guten Bluetooth-Kopfhörer besitzt, könnt ihr diesen auch mit Hilfe eines separat erhältlichen Transmitters mit dem Fernseher bzw. Receiver verbinden. Aus persönlicher Erfahrung heraus kann ich beispielsweise den von TaoTronics für 35 Euro (30 Euro als Blitzangebot) empfehlen – inkl. aptX und optischem Ein- und Ausgang.

Ist der Einsatzort auf die eigenen vier Wände beschränkt, würde ich eher zu einem klassischen, großen Heimkino-Funkkopfhörer von Sennheiser oder Sony raten.

Wertung des Autors

Patrick Jaus bewertet Noontec Hammo TV mit 3.6 von 5 Punkten.

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