Motorola One Vision im Test: Überzeugende Mittelklasse trotz ungewöhnlichem Display

Motorola One Vision Header

Vergangenes Jahr brachte Motorola mit dem Motorola One eine neue Smartphone-Serie in der Mittelklasse an den Start. 2019 soll sie nun ausgebaut werden und mit dem Motorola One Vision wurde bereits das erste neue Modell mit einem Fokus auf die Kamera vorgestellt.

Wir haben das Motorola One Vision ausführlich getestet und verraten euch in diesem Testbericht, ob das Smartphone seinen Preis in Höhe von 299 Euro wert ist.

Technische Daten des Motorola One Vision

  • 6,3 Zoll IPS-Display im 21:9-Format mit 2.520 x 1.080 Pixeln
  • Samsung Exynos 9609 Octa-Core-Prozessor
  • 4 GB RAM
  • 128 GB interner Speicher, erweiterbar per microSD-Karte
  • 48 Megapixel Dual-Kamera mit f/1.7 und sekundärem 5-Megapixel-Sensor
  • 25-Megapixel-Frontkamera mit f/2.0
  • 3.500 mAh Akku mit 18 Watt TurboPower Fast-Charging
  • Android 9.0 Pie
  • WLAN b/g/n/ac, Bluetooth 5.0
  • 160,1 x 71,2 x 8,7 mm
  • 181 Gramm

Design und Verarbeitung des Motorola One Vision

Motorola One Vision Display 2

Bereits auf den ersten Blick unterscheidet sich das Motorola One Vision von anderen Smartphones. Es wirkt deutlich länger und schmaler, was dem verbauten CinemaVision-Display im 21:9-Format geschuldet ist. Zwar ist der neue Formfaktor beim ersten in die Hand Nehmen noch ungewohnt, letztendlich kommt man aber doch recht schnell damit klar.

Denn mit seiner angenehm abgerundeten Glas-Rückseite liegt das Motorola One Vision durchaus gut in der Hand. Da es besonders schmal ist, können es auch Personen mit eher kleineren Händen gut umfassen und die andere Seite des Displays erreichen.

Der Weg nach oben ist hier selbstverständlich länger als bei anderen Geräten. Muss man das obere Drittel gelegentlich mal erreichen, gelingt das jedoch auch noch, indem man etwas umgreift und seine Finger verrenkt. Das ist heutzutage ehrlich gesagt aber auch schon bei anderen größeren Modellen nötig.

Motorola One Vision Android One

Das Motorola One Vision schmiegt sich aber nicht nur angenehm in die Hand, sondern schaut auch noch ziemlich gut aus. Das von uns getestete Modell kommt in einem hübschen Blau daher, dessen Helligkeit sich je nach Lichteinfall verändert. Mag man es etwas schlichter, ist alternativ auch noch eine braune Variante des Smartphones erhältlich.

Allgemein ist das Design des Mittelklasse-Smartphones aber relativ unauffällig gehalten – zumindest solange, wie man seine Rückseite betrachtet. Abgesehen von der leicht hervorstehenden Dual-Kamera sticht hier lediglich das Motorola-Logo ins Auge, welches auf dem angenehm zu erreichenden Fingerabdrucksensor platziert wurde. Die Front wirkt mit ihrer Punch-Hole-Kamera schon etwas interessanter, doch dazu gleich mehr.

Zu guter Letzt ist das Motorola One Vision auch noch sehr gut verarbeitet. Die Power- und Lautstärketasten besitzen einen angenehmen Druckpunkt und Spaltmaße sind nicht vorhanden. Außerdem kann das Smartphone eine IP52-Zertifizierung vorweisen, die zumindest minimalen Schutz gegen Wasser und Staub garantiert.

Display des Motorola One Vision

Motorola One Vision Display

Bevor wir zur Qualität des verbauten Displays kommen, muss an dieser Stelle erst einmal das ungewöhnliche Format angeschnitten werden. Denn Motorola setzt im Motorola One Vision auf ein CinemaVision-Display im Kino-typischen 21:9-Format.

Filme, Serien und Co. sollen darauf besonders gut aussehen, außerdem fällt das Smartphone damit schmaler als vergleichbare Geräte aus. Displayränder sind dennoch auf allen Seiten vorhanden, von einem FullView-Display kann somit nicht gesprochen werden.

Im Alltag fällt das ungewöhnliche Display-Format nach einer kurzen Eingewöhnungszeit gar nicht mehr besonders auf. Sieht man sich Inhalte an, die tatsächlich im 21:9-Format vorliegen, schaut das ziemlich beeindruckend aus. Störend ist hierbei lediglich, dass die Punch-Hole-Notch der Frontkamera das Bild in der Mitte durchbricht und nicht gerade klein ausfällt – doch auch daran kann man sich gewöhnen.

Problematisch wird es eher, wenn man 16:9-Inhalte auf dem Display betrachtet. In Apps wie YouTube kann man sich zwar dazu entscheiden, ins Bild hineinzuzoomen, dann gehen oben und unten allerdings oftmals wichtige Bildinhalte verloren.

Möchte man das nicht, muss man breite schwarze Balken links und rechts akzeptieren. Im alltäglichen Gebrauch, beispielsweise beim Surfen oder Chatten, fällt das Display-Format hingegen keinesfalls negativ auf, sondern überzeugt mit einer einfachen Handhabung.

Auch qualitativ kann das im Motorola One Vision eingesetzte IPS-Panel überzeugen. Mit einer Auflösung von 2.520 x 1.080 Pixeln bei einer Diagonalen von 6,3 Zoll weist es eine angenehme Schärfe auf. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung reicht die Helligkeit aus, um Inhalte problemlos abzulesen, und die Blickwinkelstabilität ist IPS-typisch exzellent.

Des Weiteren kann die Farbdarstellung in den Einstellungen reguliert werden – je nachdem, ob man ein natürliches oder kontrastreiches Bild bevorzugt.

Performance des Motorola One Vision

Motorola One Vision Software 2

Als Prozessor kommt im Motorola One Vision erstaunlicherweise ein Exynos 9609 Octa-Core von Samsung zum Einsatz. Zusammen mit 4 GB Arbeitsspeicher bringt es der SoC auf eine überaus flüssige Systemperformance, zu der sicherlich auch das beinahe unberührte Vanilla Android beiträgt. Obwohl wir es hier nicht mit einem Flaggschiff-Prozessor zu tun haben, treten bei der alltäglichen Nutzung nicht einmal kleine Ruckler auf und Apps starten angenehm schnell.

Etwas deutlicher wird der Unterschied zu aktuellen Top-Smartphones dann schon eher beim Gaming. Zwar kann das Motorola One Vision selbst grafisch anspruchsvollere Spiele wie PUBG Mobile flüssig wiedergeben, dabei muss man jedoch kleinere Kompromisse bei den Grafikeinstellungen eingehen. Das ist momentan nicht weiter tragisch und fällt kaum auf. Spiele, die erst in 1-2 Jahren erscheinen, dürften dann aber auf neueren Smartphones deutlich hübscher aussehen.

Insgesamt kann das Motorola One Vision mit seiner Performance aber überzeugen. Im Alltag läuft es butterweich und flotter als viele Mittelklasse-Modelle der Konkurrenz. Die mittelmäßige Grafikperformance kann da verziehen werden – insbesondere, wenn man bedenkt, dass das in der Preisklasse eigentlich Standard ist.

Kamera des Motorola One Vision

Motorola One Vision Camera

Glänzen soll das Motorola One Vision vor allem mit seiner Kamera. Dafür wurde ihm eine hochauflösende 48-Megapixel-Hauptkamera verpasst, die allerdings stets vier Pixel zusammenfasst, um eine höhere Lichtausbeute zu erzielen. Fotos besitzen als Endprodukt daher stets eine Auflösung von 12 Megapixeln, was aber immer noch scharf genug ist, um die meisten Details zu erkennen.

Bilder, die man mit dem Motorola One Vision bei Tag aufnimmt, sehen so gut wie immer gut aus. Hier stimmt nicht nur die Schärfe, auch Dynamikumfang und Farbwiedergabe können überzueugen. Mit an Bord sind außerdem natürlich auch Zusatz-Features wie ein Portrait-Modus und eine assistierende KI, die beispielsweise passende Bild-Modi vorschlägt oder gar den automatischen Zuschnitt der Fotos übernimmt.

Alle Testfotos vom Motorola One Vision

Da die meisten Mittelklasse-Smartphones heutzutag in der Lage sind, bei Tag schicke Fotos zu schießen, ist es natürlich spannender, wie sich das Motorola One Vision bei schwierigieren Lichtverhältnissen schlägt. Damit auch dann noch gute Bilder gelingen, wurde extra ein besonderer Nachtmodus namens Night-Vision implementiert. Ist es nicht gerade stockfinster, wird dieser aber gar nicht mal unbedingt benötigt.

Denn dank der offenen f/1.7er-Blende, der großen 1,6μm-Pixel und dem optischen Bildstabilisator nimmt die Kamera des Motorola One Vision auch im normalen Kamera-Modus noch ziemlich viel Licht auf. Natürlich stellt sich hier irgendwann ein gewisses Bildrauschen ein, dämmert es erst, sind die Fotos aber auch so durchaus zu gebrauchen.

Ist es dann doch einmal dunkler oder gar Nacht, sollte man aber auf jeden Fall auf den Night Vision-Modus zurückgreifen. Wie die Nachtmodi anderer Hersteller sorgt er für eine längere Belichtungszeit und gleicht Ruckler während der Aufnahme aus, damit kein verwackeltes Bild ensteht. Das Ergebnis ist dann stets ein deutlich helleres Foto, das qualitativ auch in Ordnung geht. Hier ist aber nicht jeder Schuss ein Treffer – gelegentlich liegt der Fokus daneben oder Farben werden verfälscht wiedergegeben.

Doch obwohl der Nachtmodus des Motorola One Vision nicht mit jenen der aktuellen Flaggschiffe mithalten kann, bietet das Smartphone für ein Mittelklasse-Modell eine sehr gute Kamera-Performance. Das gilt übrigens auch für die Frontkamera, welche scharfe Selfies bei einer Auflösung von 25 Megapixeln schießt. Hier kann sogar manch Oberklasse-Modell qualitativ nicht mithalten.

Software des Motorola One Vision

Motorola One Vision Software 1

Motorola setzt bei seinen Smartphones seit einiger Zeit konsequent auf das Android One-Programm – so auch beim Motorola One Vision. Vorinstalliert ist darauf daher das aktuelle Android 9.0 Pie zusammen mit dem Sicherheitspatch vom 5. Mai. Regelmäßige Sicherheits-Updates sind für 3 Jahre garantiert, ebenso wie Android-Updates für die nächsten 2 Jahre. Legt man sich das Smartphone zu, kann man sich also darauf verlassen, dass dieses 2020 noch ein Update auf Android R erhalten wird.

Die Update-Garantie ist aber nicht das einzig Lobenswerte an der Software des Motorola One Vision. Wie es für Android One-Geräte üblich ist, wurde das Betriebssystem optisch von Seiten des Herstellers nicht angerührt. Auch ohne die Installation eines zusätzlichen Launchers kann man sich daher über die intuitive und zugleich schlichte Vanilla Android-Oberfläche freuen.

Ganz konnte es Motorola mit den Anpassungen dann aber doch nicht sein lassen. Trotz Android One sind beim Motorola One Vision nämlich die unter dem Begriff Moto Actions zusammengefassten Software-Features mit an Bord. Sie erlauben es beispielsweise die Taschenlampe mit einer Hack-Bewegung oder die Kamera-App durch ein zweimaliges schnelles Drehen des Smartphones zu starten. Das geht bereits nach wenigen Malen leicht von der Hand und findet im Alltag immer wieder Verwendung.

Außerdem gibt es beim Motorola One Vision dank Android One Zugriff auf das Digital Wellbeing-Dashboard von Google. Diese Übersicht fasst die eigene Smartphone-Nutzung zusammen und hilft dabei, sie im eigenen Interesse etwas herunterzufahren. Des Weiteren wurde von Motorola auch noch eine alternative Gestensteuerung implementiert, die zumindest mir im Vergleich mit dem Google-Original unter Android 9.0 Pie deutlich mehr zusagte.

Ein besseres Software-Paket wie beim Motorola One Vision kann man sich kaum wünschen. Dank Android One und der wenigen Moto-Features kann das Mittelklasse-Smartphone hier in vollem Maße überzeugen.

Akku des Motorola One Vision

Motorola One Vision Battery

Ohne Makel ist das Motorola One Vision dann aber doch nicht. Obwohl 3.500 mAh erst einmal nach einer leicht überdurchschnittlichen Akku-Kapazität klingen, fiel die Laufzeit im Test ziemlich ernüchternd aus. Maximal 4,5 Screen-On-Time konnte ich erreichen, meist war allerdings bereits nach 4 Stunden Schluss.

Damit dürfte das Smartphone einen durchschnittlichen Nutzer zwar durch den Tag bringen, allzu viel Reserve ist dann am Abend aber nicht mehr vorhanden. Nutzt man das Smartphone hingegen intensiv, kann es gar passieren, dass es kurz nachgeladen werden muss, bevor man abends wieder durch die Haustüre tritt.

Dank der Unterstützung für den Schnellladestandard TurboPower mit einer maximalen Ladeleistung von 18 Watt ist der Energiespeicher des Motorola One Vision zumindest relativ schnell wieder aufgefüllt. Ist das Smartphone vollständig geleert, wandern innerhalb der ersten 30 Minuten rund 40 Prozent in den Akku. Bis dieser die 100 Prozent erreicht, muss man sich ca. 1:45 Stunden gedulden.

Und sonst noch?

Motorola One Vision Fingerprint

  • Obwohl auf der Front sicherlich noch Platz gewesen wäre, besitzt das Motorola One Vision keine Benachrichtigungs-LED. Das ist im Alltag aber gar nicht mal sonderlich störend, da das Display bei eingehenden Benachrichtigungen kurz aufleuchtet. Nimmt man das Smartphone in die Hand oder tippt es an, werden aktuelle Benachrichtigungen ebenfalls übersichtlich angezeigt.
  • Der Fingerabdrucksensor des Motorola One Vision ist auf der Rückseite angenehm zu erreichen und entsperrt das Smartphone stets zuverlässig und schnell.
  • Das Motorola One Vision verfügt lediglich über einen Mono-Lautsprecher, der auf der Unterseite verbaut wurde. Er klingt allerdings ziemlich gut und eignet sich daher sogar zum kurzzeitigen Musikhören.
  • Dank des vorhandenen Hybrid-Slots hat man beim Motorola One Vision die Wahl, ob man entweder den 128 GB großen internen Speicher per microSD-Karte erweitern oder aber eine zweite SIM-Karte verbauen möchte.
  • In vielen Flaggschiff-Smartphones ist sie bereits verschwunden, das Motorola One Vision hat allerdings noch eine Klinkenbuchse verbaut. Kopfhörer können daher auch ohne Adapter verwendet werden.

Fazit zum Motorola One Vision

Motorola One Vision Fazit

Das Motorola One Vision kann mit einem runden Gesamtpaket überzeugen, das abgesehen von der leicht unterdurchschnittlichen Akkulaufzeit nur wenig Raum für Kritik bietet. Highlights sind hier auf jeden Fall das vorinstallierte Vanilla-Android mit der Update-Garantie dank Android One und wie versprochen die beiden Kameras, welche in Anblick des Preises sehr schicke Fotos schießen.

Zählt man sich nicht gerade zu den Hardcore-Usern und kann daher die Kritik an der Laufzeit verschmerzen, sollte man vor dem Kauf trotzdem noch ein paar Gedanken durchgehen. Denn mit seinem Punch-Hole-Display im 21:9-Format schaut das Motorola One Vision nicht nur besonders aus, sondern ist anfangs auch noch etwas ungewöhnlich in der Handhabung.

Persönlich konnte ich mich zwar recht schnell daran gewöhnen, dennoch halte ich es für möglich, dass manch einer sich auch langfristig an der doch ziemlich groß geratenen Notch für die Frontkamera stören könnte. Schätzt man sich im Bezug darauf als eher empfindlich ein, sollte man lieber zu einem anderen Modell greifen.

Abgesehen davon können wir jedoch eine Kaufempfehlung für das Motorola One Vision aussprechen. Der Preis ist mit 299 Euro fair angesetzt und durchaus gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass eine langfristige Nutzung dank der Update-Garantie kein Problem darstellt.

Vielen Dank an Motorola für die Bereitstellung des Testgeräts. Dieses wurde nach der zweiwöchigen Testphase an den Hersteller zurückgesandt.

Wertung des Autors
Niklas Jutzler bewertet Motorola One Vision mit 4.2 von 5 Punkten.

Teilen

Hinterlasse deine Meinung
Du kannst auch als Gast kommentieren (Anleitung). DISQUS respektiert „Do Not Track“ und bietet einen Datenschutz-Modus an. Informationen zum Datenschutz auf mobiFlip.de findest du hier.