Ortur Obsidian 3D Drucker im Test

Ortur Obsidian 3d Drucker Header

Es ist gefühlt schon wieder viel zu lange her, dass ich einen 3D-Drucker auspacken und ausprobieren durfte. Mit dem Ortur Obsidian steht nun aber endlich wieder ein Test ins Haus und ich bin schon ganz hibbelig, was der Drucker so taugt.

Lieferumfang

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Verpackung

Fangen wir wie immer mit dem Lieferumfang an. Auch der Ortur Obsidian kommt typisch verpackt und eng ummantelt mit schwarzem Schaumstoff an. Jedes Teil hat sein eigenes Fach, alles ist eng verpackt und sollte die (lange) Reise gut überstehen.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Lieferumfang

Mit ein wenig Geschick lässt sich der Drucker in einer guten halben Stunde auspacken und zusammenbauen. Das nötigste Werkzeug ist im Lieferumfang enthalten und auch der typische Kartenleser und die blaue Zange nebst einer kleinen Rolle Test-Filament sind im Paket enthalten.

Auf meiner MicroSD-Karte war dieses mal kein Video vom Zusammenbau agespeichert, sondern lediglich zwei Testdateien für den ersten Druck. Zwei DinA4 Papierseiten mit einer bebilderten Anleitung mussten zur Montage genügen. Ob dies an meiner frühen Lieferung liegt (das Gerät ist ja eben erst frisch auf dem Markt) kann ich nicht beantworten. Aber wie vorhin geschrieben ist der Zusammenbau auch so schnell erledigt.

Vor dem Zusammenbau habe ich aber wie üblich das Gerät auseinander gebaut, um einen Blick ins Innere des Hauptgehäuses zu erhaschen. So könnt ihr euch gleich ein Bild von der verbauten Hardware machen.

Die installierte Firmware (Marlin 2.1.6 und Free RTOS) macht echt was her! Sie ist optisch etwas aufgehübscht und irgendwie eine Mischung aus Marlin und der schon bekannten MKTS Touchscreen-Firmware.

Belohnt wird der Anwender dann auch mal mit schicken Grafiken über den Heizverlauf und dergleichen.

Es gibt aber auch einen klitzekleinen Nachteil. Entweder hätte der Displayrahmen etwas größer ausfallen oder die Firmware für die Touchbedienung noch ein wenig optimiert werden dürfen. Beispiel gefällig? Ganz oben links im Eck ist meist der Zurück- oder ein Menü-Button und der ist mit den Patscherchen oft nicht allzu leicht zu treffen, weil eben direkt daneben und darüber der Metallrahmen des Gehäuses kommt.

Aber das ist meckern auf hohem Niveau. Die Firmware macht das drucken sehr viel leichter. Auch während des Druckvorgangs können Temperatur, Lüfter, etc. ganz bequem via Touchscreen geregelt werden. Und alles ist eben durch die Software und das schöne Display leichter verständlich.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Druckjob

Neu ist hierbei auch der silberne Knopf neben dem Display. Dieser ist ein kleiner Hauptschalter, der dem Drucker Strom gibt oder ihn vom Strom trennt. Und das alles noch zusätzlich zum Stromschalter direkt neben dem Stromkabel. Ich persönlich habe die Drucker trotzdem immer noch an einer 3- oder 5-fach Steckdose mit eigenem Stromschalter. Wenn möglich sogar noch mit integrierter Sicherung in der Steckdosenleiste. Nur für den Fall der Fälle.

Zum jetzigen Zeitpunkt wandert der Ortur Obsidian für 263,- EUR über die virtuelle Gearbest-Ladentheke. Das ist sicherlich nicht der günstigste Drucker, aber das möchte der Obsidian auch gar nicht sein! Vielmehr habe ich das Gefühl, dass von den Entwicklern des Druckers endlich mal aufgehorcht wurde. Viele Modifikationen, die Anwender normalerweise nach dem Kauf am Drucker selbst vornehmen, wurden hier schon von Werk aus integriert. Das gefällt mir sehr gut!

Im Detail fängt das an bei dem oben schon erwähnten schicken Touchscreen inkl. Firmware und geht beispielsweise weiter mit der kleinen weißen LED-Lampe, die die Heizplatte und damit das aktuell im Druck befindliche Objekt beleuchtet. So etwas hatte ich beispielsweise beim Anycubic Mega-S nachträglich selbst reingebaut. Beim Obsidian schaut das von Werk aus so aus:

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer (26)

Dazu kommt, dass der Druckkopf, ein Direct-Extruder ist und damit das Filament direkt in den Druckkopf transportiert. Testweise war auch TPU mit dem Drucker überhaupt kein Problem.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Druckkopf

Ich habe mir eine Rolle grünes TPU bei Amazon geordert und konnte gleich beim ersten mal damit einen kleinen Arsch mit Ohren drucken.

Ortur Obsidian Drucktest Arsch Mit Ohren.jpg Irf

Den Arsch mit Ohren nutze ich übrigens gern, weil er in der Größe in knapp 30 Minuten gedruckt ist und zugleich zeigt, ob der Drucker gut in der Luft druckt (das Ohrläppchen beispielsweise) und ob er zwischen den Ohren gegen Ende zu Fäden zieht. Beim TPU war das teilweise der Fall. Das wird aber ziemlich sicher an meinen Einstellungen gelegen haben, da ich vorher noch nie TPU gedruckt hatte.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass man richtig langsam drucken und eine dicke Wandstärke nehmen soll. Das klappte, aber der zweite Versuch in grün oben war dann mit 30mm Speed und 1mm Wandstärke und brachte deutlich bessere Ergebnisse. Generell gefällt es mir sehr, wie der Drucker mit TPU umgeht. Mal sehen, was mir da noch so an Druckobjekten einfällt.

Mein verwendetes TPU Filament war übrigens dieses hier von Sunlu. Das fast transparente Filament vom zweiten Arsch mit Ohren war das dem Drucker beigelegte PLA Filament. Der Druck war vom Start weg absolut perfekt!

But wait… Perfekt ist dezent übertrieben, da ich den Drucker im ersten Level-Vorgang nicht richtig eingestellt bekommen hatte, weil der Autolevel-Sensor von Werk aus zu hoch festgeschraubt war und der Druckkopf deshalb dann zu tief mit dem Testdruck begonnen hatte.

Ortur Druckplatte Kratzer

Bis ich das aber bemerkt hatte, war die schöne Ortur Druckplatte schon mit PLA-Spuren versehen. Naja – wo gehobelt wird… Nachdem ich den ersten Druck bzw. Fehlversuch entfernt, den Autolevelsensor etwas nach unten versetzt und ein zweites mal Auto-gelevelt hatte, klappte alles problemlos.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Autolevelsensor

Die oben sichtbaren Kratzer sind nur oberflächlich und so hielt jeder weitere Druck trotzdem noch wunderbar fest. Allerdings ist mir was Ähnliches auch schon mit der letzten Ortur Druckplatte passiert. Die beschichteten Glasplatten anderer Hersteller halten solche Fehlversuche gefühlt deutlich besser aus. Aber es sollte kein Problem sein, hier eine andere Druckplatte drauf zu packen. Die kosten nicht die Welt und schon sind die Kratzer (vorerst) wieder Geschichte.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer (8)

Es gibt auch einen Filament-Sensor, der leider etwas fummelig im Weg ist, wenn man das Filament wechseln möchte. Man kann zwar von oben mit einer Pinzette o. ä. reinfassen, aber dennoch gelingt es vor allem bei TPU meist nicht beim ersten mal das Filament auf dem Foto von links nach rechts durch den Schlauch zu transportieren. Eventuell hätte man das Gehäuse des Sensors doch nicht drucken sollen, um etwaige Toleranzen besser einhalten zu können?

Manche Drucker machten sich einen schlechten Ruf, weil sich die Kontakte am Heatbed nach mehreren Drucken lösten und schmorten, weil die Kabel durch die Bewegung des Hotbeds immer an derselben Stelle geknickt werden.

Dies wird oft mit kleinen Führungen verhindert, die von den Käufern gedruckt und nachgerüstet werden. Auch hier hat Ortur schon selbst eine Führung gedruckt und am Obsidian angebracht. Dadurch werden die Kontakte an der Heizplatte nicht mehr so sehr beansprucht.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Druckbett Kabelhalterung

Viele sonst üblichen Kabelchen hier und dort wurden beim Obsidian durch Flachbandkabel ersetzt. Egal ob an der Z-Achse oder später dann zum Druckkopf hin. Alles schicke, schwarze Flachbandkabel.

Ein zusätzlicher Riemen verbindet oben die beiden Z-Achsen und soll dafür sorgen, dass die Drucke genauer ausgeführt werden.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Z Riemen

Etwas unscharf auf diesem Foto oben zu erkennen wurde auch direkt noch ein Tragegriff mitgeliefert, welcher mit Schrauben an der Querverstrebung zwischen den beiden Z-Achsen montiert wird. Damit kann der (durchaus schwere) Drucker einfacher transportiert werden.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Tragegriff

Der Endstop für die Z-Achse muss beim Zusammenbau auch noch montiert werden. Das ist mit zwei Schrauben und dem einstecken vom dazugehörigen Kabel erledigt. Interessanterweise ist nur der Sensor für die Z-Achse kein mechanischer Sensor.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Z Sensor

Hinten links am Gerät wird der mitgelieferte Filamentrollenhalter angeschraubt. Von der Größe her sollten dort die gängigsten Rollen drauf passen. Diese 2kg-Dinger dürften eventuell knapp werden. Aber die nutzt ja auch nicht jeder zu Hause.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Filamentrollenhalter

Was auch noch erwähnt werden sollte, sind die einfach justierbaren X- und Y-Achsen. Sollte hier mal ein Riemen nicht mehr richtig festgezurrt sein, genügt die manuelle Nachjustage via Schräubchen an der jeweiligen Achse.

Ortur Obsidian 3d Drucker Printer Achsenverstellung

Viele günstigen 3D-Drucker haben kleine Schrauben am Druckbett zum manuellen Leveling. Auch hier wurden im Obsidian gleich von Werk aus größere Schraubköpfe inkl. Aufdruck was in welcher Richtung passiert verbaut und somit das produktive Arbeiten erleichtert.

Verglichen mit meinem Anycubic Mega-S ist der Obsidian deutlich lauter. Daran sind nicht die Steppermotoren schuld, vielmehr die verwendeten Lüfter für das Netzteil und vermutlich auch die Lüfter am Druckkopf. Auch hier gilt wieder, dass das Meckern auf hohem Niveau ist. Steht der Drucker nicht direkt neben einem leiseren Drucker, oder dem Anwender selbst, sollte der Geräuschpegel schon noch in Ordnung gehen.

Druckergebnisse

Ortur Obsidian Drucktest Arsch Mit Ohren.jpg Irf

Der Drucker druckte einmal korrekt eingestellt absolut problemlos und fehlerfrei. Selbst TPU war dank des Direct Extruders kein Problem. Probeweise habe ich noch einmal mein organgenes PLA eingelegt und die kleine Vase gedruckt – auch die wurde anstandslos und mit Standard-Einstellungen gedruckt.

Ortur Obsidian Vase

Alle Objekte haften auch auf der leicht verkratzten Druckbettoberfläche. Hier gibt es nichts zu meckern. Weitere Erfahrungen und Druck-Ergebnisse seht ihr übrigens sicher wieder in einem der folgenden 3D-Drucker-Roundups.

Fazit

Der Ortur Obsidian 3D-Drucker läuft astrein. Preislich gefällt er mir ebenso sehr gut, da hier nicht einfach nur ein höherer Preis angepeilt wurde, sondern auch schöne Features diesen Verkaufspreis rechtfertigen.

Der Autolevel-Sensor und die schöne Firmware nebst dem Touchscreen machen Spaß beim Drucken und ich hab im Grunde nur die Lautstärke und den etwas fummeligen Filamentsensor als negativen Punkt auf der Liste.

Für den Preis von unter 300 EUR kann ich den Drucker wirklich empfehlen. Günstiger kommt ihr selbstverständlich mit irgendeinem Ender XYZ in das Thema 3D-Drucker rein. Aber bei diesen Geräten wird es sicher nicht lange dauern, bis ihr die eine oder andere Funktion nachrüstet und dann könnt ihr im Grunde auch direkt das Komplettpaket kaufen.

Wertung des Autors

Michael Meidl bewertet Ortur Obsidian mit 4.3 von 5 Punkten.

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