Testbericht: Outdoor-Smartphone Motorola Defy

Bisher war das Milestone das einzige Android-Gerät von Motorola, welches ich über mehrere Monate als Hauptgerät genutzt habe. Dieses musste damals einem HTC Desire weichen. Zum Glück hatte ich nie Probleme oder die oftmals erwähnten Bugs mit meinem Stein, so dass meine Meinung zu Motorola-Geräte nicht darunter gelitten hat.

Da meine Freundin, die seit dessen Erscheinen mit einem Palm Pre unterwegs war, eh ein neues Smartphone benötigte, traf es sich ganz gut, dass das Motorola Defy hier zum Test aufschlug, denn genau dieses Gerät hatte ich für sie ins Auge gefasst.

Technische Daten

Die technischen Eckdaten vom Motorola Defy können sich durchaus sehen lassen und sind für ein Gerät, welches preislich im Mittelklassefeld angesiedelt ist, vollkommen okay.

  • Android 2.1 mit MotoBlur (Update auf 2.2 bestätigt)
  • 3,7 Zoll Display, 480 x 854 Pixel
  • 800 MHz OMAP 3610 Prozessor
  • 5 Megapixel Kamera mit Autofokus und LED-Blitz
  • 512MB RAM, 2GB ROM, 2GB microSD
  • Schutzklasse IP67 (kurzfristig unter Wasser, staubdicht und kratzfest)
  • 118 Gramm, 59 x 107 x 13.4 mm
  • 1540 mAh Akku

Erste Eindrücke

Der erste Eindruck war für mich vollkommen überraschend. Kaum war das Gerät aus der Spezialbox ausgepackt, war es auch schon verschwunden und zwar in den Händen meiner Freundin. Ich kann es verstehen, denn es fühlt sich nicht nur solide an und sieht durch die weiße Rückseite edel aus, sondern es ist auch sehr kompakt. Die Vorderseite besteht fast nur aus dem 3,7 Zoll Display und den berührungsempfindlichen Tasten. Damit ist das Gerät deutlich kompakter als das HTC Desire (Vergleichsfotos[1] [2] [3]) und nicht nur für kleine Frauenhände optimal geeignet.

Bis auf die Kamerataste fand ich die Verarbeitung vom Milestone schon klasse und auch das Defy, welches als Outdoor-Gerät natürlich robust sein muss, kann in diesem Punkt eindeutig überzeugen. Hochwertige Materialien sucht man zwar vergebens, der genutzte Kunstoff fühlt sich aber angenehm an und ist teilweise gummiert, so, dass ein versehentliches Aus-der- Hand-Gleiten verhindert wird.

Es fällt sofort auf, dass das Gehäuse auf die angegebene Schutzklasse ausgelegt ist, denn alle Öffnungen sind solide verschlossen und auch der Akkudeckel wird mit einem kleinen Schieber extra verriegelt.

Outdoor-Einsatz?

Das Gerät wird als Outdoor-Gerät verkauft und in diversen Tests wurden diese Eigenschaften bestätigt. Der Caschy hat sich mit etwas Sand und Wasser eine gefährliche Mischung angerührt, welcher auch das Defy nicht standhielt. Generell kann man sagen, dass das Teil sicher robuster als andere Smartphones ist, aber auch kein Wunderkind. Kurz unter Wasser kann es ab, auch Staub macht ihm nichts aus. Ich bin dennoch der Meinung, dass man es im täglichen Einsatz nicht unnötig strapazieren sollte, denn die Schutzklasse sagt zum Beispiel rein gar nichts darüber aus, wie es Stöße wegsteckt.

Wenn Ihr jetzt erwartet habt, dass ein Smartphone-Fan wie ich so ein Gerät durch die Gegend wirft, habt Ihr euch getäuscht. Das bringe ich einfach nicht übers Herz. Klingt komisch ist aber so. Wer sehen will, wie das Teil gequält wird, schaut mal hier vorbei.

Die inneren Werte

Um mal auf dem Boden zu bleiben, muss man den Tatsachen ins Auge sehen. Wie sich das Teil in der Hand macht ist nur die halbe Miete. Auch mein HTC Magic war ein geiles Device, aber die inneren Werte würde ich heute als schlechten Witz bezeichnen – Damals Top, heute Flop. Das geht manchmal schneller als man denkt und einem lieb ist. Darum lasst uns schauen, ob uns ein Gerät, welches zum Kampfpreis von knapp über 300€ zu haben ist, auch in weiteren Punkten überzeugen kann.

Kamera

Die Kamera in einem Smartphone ist für den Einen ein Kaufkriterium und für den Anderen vollkommen unwichtig. Für mich persönlich spielt sie keine große Rolle. Ein Schnappschuss knipsen hier, mal nen QR-Code scannen da, ist für mich ausreichend.

Das bietet auch die 5 Megapixel Linse vom Motorola Defy, mehr aber auch nicht. Die Bilder werden bei normalen Lichtverhältnissen ganz annehmbar, sobald es etwas trübe wird, hilft auch der LED-Blitz nicht viel. Dadurch, dass das Gerät keine Kamerataste besitzt, kann man den Autofokus nicht mit dieser aktivieren und ist so den automatischen Einstellungen des Gerätes ausgeliefert. Zumindest ist die LED schön hell und lässt sich auch als Taschenlampe gebrauchen.

Die Kameraoberfläche wurde von Motorola angepasst und wirkt aufgeräumt. Alles lässt sich schnell und einfach finden. Zudem gibt es jede Menge vordefinierte Profile.

Die Galerie ist die gleiche wie beim Milestone und wird im Querformat animiert dargestellt.

Hier einige Beispielfotos.

MotoBlur

Ein Thema, welches in der Vergangenheit oftmals für Diskussionen gesorgt hat, ist Motorolas hauseigene Android-Oberfläche MotoBlur. Während HTC für seine Sense-Oberfläche regelmäßig gelobt wird, bekommt Motorola Schelte, aber warum? Ich würde sagen: Vorurteile. Die hatte auch ich, denn was ich aus Werbung und Marketing von MotorBlur gesehen habe, gefiel mir einfach gar nicht. Nachdem ich das Defy dann in Betrieb hatte, empfand ich es als halb so wild.

Manche Veränderungen sind rein optischer Natur und andere bringen weitere Applikationen und Funktionen mit sich. Das  Gute vorweg: Die optischen Dinge muss keiner nutzen, bis auf den Launcher und selbst dieser lässt sich durch zusätzliche Launcher-Apps verstecken.

Um das Gerät überhaupt betreiben zu können, ist man allerdings gezwungen ein MotoBlur-Konto anzulegen. Über dieses werden persönliche Daten und Einstellungen gesichert und können bei Bedarf wiederhergestellt werden. Ein Mehrwert, welchen ich mir allerdings als Option und nicht als Zwang gewünscht hätte.

Auch wenn sie nützlich sind, die MotoBlur-Widgets sehen einfach bescheiden aus. Dieser Punkt geht klar an HTC, denn dort sind die Widgets einfach lecker und funktional. Die Motorola-Widgets funktionieren zwar auch, fügen sich aber optisch einfach nicht schön in das System ein. Ist wohl auch etwas Geschmackssache.

Nützlich sind auf jeden Fall Motorola-Apps wie der Akku-Saver, oder die Datenkontrolle und auch der Automodus ist auch durchaus zu gebrauchen.

Home- und Lockscreen

Der Home- und Lockscreen ist bereits von anderen Geräten in dieser Art bekannt. Neu ist, dass man am unteren Ende eine Leiste eingeblendet bekommt, sobald man hin und her streicht. So weiß man immer auf welchem Screen man sich gerade befindet und kann auch direkt zu einem springen. Nützlich, aber die Leiste blendet für meinen Geschmack einen Tick zu langsam wieder aus.

Telefonie

Ja, auch telefonieren kann man mit einem Android-Smartphone und mit dem Motorola Defy sogar ziemlich gut. Man versteht sein Gegenüber immer deutlich und klar, getestet im o2- und Vodafone-Netz. Zudem verfügt das Motorola Defy über CrystalTalk PLUS, mit intelligenter 2-Mikrofon-Sprachverstärkung und Geräuschfilterung.

Die Telefontastatur und das Telefonbuch sind von anderen Android 2.1-Geräten bereits bekannt und funktionieren zuverlässig. Besonders hervorheben kann ich den guten externen Lautsprecher, hierdurch ist ein Freispechen durchaus annehmbar und bei Weitem nicht so kratzend wie beim HTC Desire.

System, Speicher und Computer

Wie bereits erwähnt, läuft auf dem Motorola Defy noch Android in Version 2.1. Leider ist erst im zweiten Quartal 2011 mit einem Update auf 2.2 (Froyo) zu rechnen. Für alle, die sich für die Kernel-Version, Baseband und Co. interessieren, sollte folgender Screenshot hilfreich sein.

Auch nicht unwichtig und einer der größten Nervfaktoren derzeitiger Android-Geräte ist der interne Speicher. Hier trumpft das Defy mit 2GB auf, was für den normalen Nutzer durchaus ausreichend sein sollte. Damit kann man schon einiges an Apps auf das Gerät packen. Mit dem 2.2-Update kann man diese zukünftig noch auf die SD-Karte auslagern. Klarer Pluspunkt, auch in Hinsicht auf den geringen Preis.

Und schon wieder ein Pluspunkt, während mein HTC Desire an meinem Windows 7-Computer ohne extra HTC-Treiber nicht mehr als nen Massenspeichermodus kennt, so wurde das Defy sofort von Windows als Motorola-Smartphone erkannt, installiert und eingerichtet. Anscheinend ist es noch so neu, dass Microsoft noch keine aktuellen Daten zum Gerät zur Verfügung stellen kann, aber in Hinsicht auf Smartphone-Einsteiger ist das schon praktisch.

Wer zusätzlich Screenshots mit dem Android SDK machen will, benötigt diese offiziellen Treiber direkt von Motorola.

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Medien, DLNA und Phone Portal

Das Motorola Defy kann bereits Medien über die drahtlose DLNA-Schnittstelle wiedergeben. Wie Ihr sicher mitbekommen habt, beherrschen diverse aktuelle Smartphones DLNA. Dies ist ein Standard, der es dem Nutzer ermöglicht, drahtlos Medieninhalte auf ein TV-Gerät zu übertragen. Einziger Nachteil, das Empfangsgerät muss auch DLNA beherrschen, was bei älteren TV-Geräten nicht der Fall ist.

Die Funktionen von DLNA sind sehr vielfältig, so können zum Beispiel Medien von einem Netzwerkspeicher gestreamt werden, von Computern, Handys und Digitalkameras übertragen werden, oder auch Daten über ein W-Lan-Netzwerk gedruckt werden. Durch Geräte wie den HTC DG H100 Media Link kann man auch ältere Geräte DLNA-fähig machen.

Nicht zu vergessen ist auch das äußerst praktische Moto Phone Portal, welches es ermöglicht, das Defy ohne Zusatzsoftware und spezielle Treiber am Computer zu verwalten. Einzige Bedingung, das Smartphone und der Computer müssen sich im gleichen W-Lan-Netzwerk befinden. Unheimlich praktisch, kann aber auch mit alternativen Apps auf anderen Android-Geräten nachgerüstet werden.

Tastatur und Eingabe

Generell stehen dem Nutzer zwei Tastaturen vorinstalliert zur Verfügung. Einmal Swype, welche die Eingabe auf Touchscreengeräten schon fast revolutioniert hat und einmal die Motorola-eigene Multitouchtastatur. Letztere funktioniert recht zuverlässig, kommt meines Erachtens aber nicht an die HTC-Tastatur heran. Dieser Punkt ist aber zu vernachlässigen, da Swype so gut und flüssig auf dem Defy funktioniert, dass dies wohl die erste Wahl sein sollte.

Browser, Kalender und Symbole

Der Browser läuft flüssig und bietet mit Flash Lite sogar ein klein wenig Animationen. Unterm Strich ist es aber nur der Android Stock-Browser, der bis auf einige farbliche Anpassungen und einen RSS-Button kaum von Motorola verändert wurde. Genau so die Kalender-App, welche bereits genau so von anderen Geräten bekannt ist. Zuverlässig, nett animiert, solide wie gewohnt.

Ganz nett, aber eher Spielerei sind die angepassten Symbole für die Benachrichtigungsleiste. Generell hat Motorola einige Grafiken ausgetauscht, was sich aber verschmerzen lässt, da hier zum Glück grafisch nicht daneben gegriffen wurde.

Wecker

Der Wecker wurde etwas von Motorola aufgebohrt und alarmiert mit einem knalligen Bildschirm über das anstehende Event. Die Alarmtöne sind allesamt eher bescheiden und verhindern im Großen und Ganzen ein sanftes Aufwachen am Morgen. Da muss der Nutzer selbst Hand anlegen. Einen Wecker-Bug, wie es ihn beim Milestone gab, konnte ich beim Defy nicht feststellen.

Leistung

Die Leistung eines Smartphones ist zwar immer einen Tick subjektiv, aber das Quadrant-Benchmark liefert uns da einen kleinen Anhaltspunkt. Aus dem Stand packt das Motorola Defy bei diesem 1089 Punkte, was sich mit Android 2.2 in Zukunft noch steigern lassen dürfte. Generell kann ich sagen, dass ich bisher kein Spiel bzw. keine App im Android Market gefunden habe, die auf dem Defy nicht läuft.

Dies dürfte in erster Linie an der PowerVR SGX530 GPU liegen, die das Defy zu einem Spielegerät macht, welches mit seiner 800MHz CPU mehr Leistung bietet, als das HTC Desire mit 1GHz. Zudem ist das System im Allgemeinen auch sehr flott unterwegs. Einzig der Homescreen wechselt nicht so flott und elegant wie bei einem HTC-Gerät.

Und sonst noch?

Es gibt natürlich einige Details, welche ich jetzt nicht angesprochen habe. Ich teste ein Gerät in erster Linie nach den mir wichtigen Punkten. Daher hier noch weitere Infos zusammengefasst:

  • Es verfügt über einen Lagesensor, Kompass, Abstandssensor und Umgebungslichtsensor
  • Das aGPS findet recht flink den Standort und die Google Maps Navigation läuft astrein, der Speaker ist klasse
  • Das Defy verfügt über Stereo Bluetooth Klasse 2, Version 2.1 +DER (unterstützte Profile A2DP, AVRCP, HFP, HID, HSP, OPP, PAN, PBAP, SPP)
  • System-Updates kommen natürlich OTA, nicht wie bei Samsung umständlich über eine PC-Suite
  • Das Gerät ist in zwei Farben verfügbar, einmal nur Schwarz und einmal Schwarz/Weiß. Letztere gefällt mir persönlich eindeutig besser.
  • Unterstützte Medien-Formate: MP3, AAC, AMR WB, H.264, WMA9, MPEG-4, eAAC+ , AAC+
  • Es verfügt über ein UKW-Stereo-Radio
  • Der Akku hält bei intensiver Nutzung ca. 1,5 Tage, bei normaler Nutzung 2 Tage. Ist also vollkommen ausreichend
  • Viele Funktionen können via Sprachsteuerung bedient werden
  • Mit Hörgeräten über folgenden Technologien kompatibel: M3, T3; TalkBack, Kick Back und SoundBack
  • Schneller Datenupload via HSUPA bis 2.0 Mbps ist möglich
  • Diverse Social-Apps sind vorinstalliert, hauptsächlich um Fotos zu teilen, z.B. MySpace, Photobucket, Picasa, Facebook
  • Die Kontakte lassen sich aus Google Mail, Exchange, Facebook, Twitter, MySpace und lokal abgelegten kombinieren
  • Eure Fragen in den Kommentaren…

Fazit

Alle die den Schritt in die Android-Welt wagen wollen und dabei auch etwas auf den Geldbeutel achten, liegen mit dem Motorola Defy goldrichtig. Ich will soweit gehen und behaupten, dass das Gerät das erste solide Android-Smartphone für den Massenmarkt ist. Mal kein Device, bei dem man die üblichen Abstriche bei Displayauflösung, Verarbeitung, Prozessor, Android-Version oder ähnliches machen muss, sondern einfach ein kompakter Handschmeichler zum Kampfpreis.

Jeder der sich als Highend-Nutzer sieht und gerne alternative ROMs auf seine Smartphones flasht, für den ist das Defy allerdings nicht geeignet. Der gelockte Bootloader verhindert solche Modifikationen und im hochpreisigen Segment bekommt man derzeit Android-Boliden die noch mehr Rechen-Power haben.

Mein Frauchen ist von Ihrem Palm Pre auf das Defy umgesattelt und sehr zufrieden mit dem Gerät. Für jeden der am Anfang seiner Android-Reise steht, Abstriche bei der Kamera machen kann und auf ein gutes Preis/Leistungsverhältnis wert legt, ist das Motorola Defy erste Wahl und kann von mir empfohlen werden.

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