• Das Ding mit den Android-Updates

    Robotisierten Leckerbissen Die Android-Statuen auf dem Google Campus.

    Robotisierten Leckerbissen Die Android-Statuen auf dem Google Campus.

    Neuerdings wurde es über mehrere Kanäle bekannt gegeben, dass HTC das Flaggschiff-Handys aus dem letzten Jahr HTC One x nicht mehr mit der neuesten Versionen von Android bestücken wird. Daraufhin ging eine riesige Shitstorm-Welle auf HTC los. Auf einmal fühlte sich jeder dafür zuständig, Smartphone-Markt zu analysieren und das schlechte Karma für das Unternehmen zu prophezeien bzw. die aktuellen Verluste in Verbindung damit zu bringen. Ist dem auch so? Wie wichtig sind die System-Updates für Android und welche Rolle spielen sie für den Erfolg des Unternehmens bzw. für die Zufriedenheit Endnutzer? Dieser Frage ist dieser Artikel gewidmet.

    Vorweg: Es geht nicht um HTC, sondern um jedes einzelnes Unternehmen auf dem Markt wie Sony oder LG, die genau so (oder auch noch leichtsinniger) mit dem Thema „Updates“ umgeht.

    In diesem Artikel liest Du kein Wort über das alte Lied “Hürden eines Updates: Provider, Google usw.”, da es langsam Allen wirklich auf den Sack geht. Wenn du fühlst, Du hättest zu wenig Information diesbezüglich, dann informiere dich z.B. hier.

    Faktor 1: „Willdasneuestedinghaben“-Effekt

    “New is always better” (c) The oldest and the coolest rule of Barney Stinson

    Diesen komischen Phänomen kennt man aus fast allen Lebensbereiche. Als Kind wünscht man sich stets neue Spielzeuge, später sind es die Handys, Autos, Frauen oder was weiß Gott noch man sich wünschen kann. Die Tatsache ist aber: es gibt einen natürlichen Drang nach der Neuerungen und Abwechslung, der auf eine interessante, gar komische Weise zusammen mit der Suche nach der Sicherheit in Jedem von uns lebt. Wie man damit umgeht, ist jedermanns Sache – der Eine geht fremd, der Andere kauft sich massenweise Klamotten. Wir, Geeks, tendieren dazu, die neuste Hard- und Software zu wollen. Selbst wenn Diese nicht bzw. nicht sonderlich besser als die alte ist, will man es oft trotzdem haben. Das Beispiel der Android Updates beweist dieses Phänomen wieder und wieder.

    So zum Beispiel brachte JellyBean 4.2 so gut wie keine Neuerungen (Lock-Screen Widgets und einige weitere unwichtige Features), aber schaut man bei jedem thematischen Forum der Update-Zeit vorbei, so brennen wegen der Aufregungen nach dem Motto »waaaaaaaaann!?!?!11?!« einem die Augen. Vollkommen egal, dass ein Jahr später man Android 4.2 als schwarzen Schaf unter der Android-Versionen nennt…Lieber Leser, denk bitte immer nach!

    Faktor 2: Nutzen der Updates

    Die ganze Nerd-Welt wartet seit über einem Jahr darauf, dass Google den Markt revolutioniert und mit Android 5 wieder die Rahmen des Möglichen sprengt. Leider passierte Dies bis jetzt nicht, und wird in nächster Zeit kaum passieren. Gründe dafür gibt es wie Sand am Meer – das ist ein Thema für einen gesonderten Artikel. Was für uns jetzt wichtig ist, dass seit Android 4.1 keine Must-Have-Features hinzugefügt wurden; die meisten Neuerungen befinden sich unter der Haube des Systems und sind überwiegend als Hilfe für die App-Entwickler gedacht, als die Selling-Points der Android-Handy gegenüber der Rivalen. Klar, es findet sich eine bestimmte Nische, für die die Unterstützung von ART oder AppOps für verdammt wichtig erscheint, aber diese Funktionen sind nach wie vor für die Meisten unwichtig bzw. heute irrelevant.

    Aber nicht nur Das mindert den Stellenwert der Updates. Schon seit geräumter Zeit befasst sich Google mit der Frage der Fragmentierung des Systems. So versucht es mit 2 Lösungen die Situation nachzubessern: Einerseits erscheinen immer mehr GPe Geräte (Google Play Edition), für die langfristig Updates gewährleistet sind (mindestens 18 Monate), andererseits werden immer mehr relevante Komponente außerhalb des System ausgelagert. Neben vielen Google-Apps, die nach und nach im Play Store erscheinen, und nicht fest im System integriert sind,  können heute auch Google-Play-Dienste ohne System-Update frisch gehalten werden.

    Dies bedeutet nichts weiteres, als dass neue APIs für Google Apps hinzugefügt werden können, ohne ein lästiges System-Update durchzuführen. Der mutigste Schritt ist dabei allerdings die Auslagerung des hauseigenen Launchers namens Google Experience. Zwar ist es zurzeit nur für Nexus 5 verfügbar, wird es sich aber im Laufe der Zeit ändern.

    Die Erzfeinde als GPe-Geräte - HTC One und Samsung Galaxy S4 (Foto bei The Verge)

    Die Erzfeinde als GPe-Geräte – HTC One und Samsung Galaxy S4 (Foto bei The Verge)

    Dies führt dazu, dass dank der Bemühungen von Google der Nutzer eines Android-Smartphones ab der Version 4.1 eine einheitliche Erfahrung bekommt: Die Menüführung, die meisten Features, die Apps – Alles bis auf die Kleinigkeiten bleibt gleich. Es sind also nicht mehr DIE Updates von früher. Apropos früher…

    Faktor 3: Das träge Denken

    Was die Updates heute darstellen, ist oben schon aufgeführt. Aber was waren sie vor 3 Jahren?

    Nun, Android ist ein sehr junges Betriebssystem, wenn man es mit Größen wie Windows oder Linux vergleicht. Und wie es jedem System am Anfang geht, waren die ersten Updates zum Teil radikaler Art. Planmäßig rottete Google eine Schwäche nach der anderen: Die früheren Android Versionen brachten Neuerungen in Funktionalität des Systems – App2SD, mehrere Eingabesprachen, bessere Unterstützung der hohen Display-Auflösung, Auslastung der Mehrkernprozessoren und letztendlich die simultane Unterstützung der mehreren Google-Konten. Der große Übergang zum neuen Holo-Design samt den neuen Richtlinien für Drittanbieter brachten ab ICS (Ice-Cream Sandwich) eine komplette Umgestaltung der äußeren Erscheinung des Systems, und Project Butter im JB (Jelly Bean) beflügelte die Arbeitstempo des Ganzen.

    Was haben diese Veränderungen gemeinsam? Sie ließen Handys komplett anders nutzen und aussehen, zudem gab es keine Möglichkeit, die Funktionalität mit einer App oder einem Hack nachzurüsten. Somit waren die Android-Updates jener Zeit  einfach essenziell. Diejenige Hersteller, die ein Update zu dieser Zeit gar verweigert haben, begingen tatsächlich den Image-Selbstmord. So könnte zum Beispiel HTC Desire HD einen viel glorreicheren Werdegang haben, wäre der versprochene ICS-Update rechtzeitig erschienen.

    Ice-Cream Sandwich - das bis dato größte Überholung von Android

    Ice-Cream Sandwich – das bis dato größte Überholung von Android

    Dieser Hintergrund multipliziert mit menschlicher Tendenz zur Musterbildung ergab bei Vielen folgenden Denkmuster: kein Update mehr – Handy wegwerfen. Nicht immer, aber sehr oft eine falsche Einstellung.

    Faktor 4: iOS FTW

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    iOS vs. Android – Thema für „Holy Wars“ №1. Auch im Bereich Updates.

    Sehr oft sind Stimmen zu hören, die uns belehren wollen: »jedes iOs- Gerät bekommt die Updates 3 Jahre lang«. Dem kann auch so sein, keine Frage. Aber es gibt nun einige wichtige Punkte, die man auch wissen muss, wenn man die Situation beurteilen will.

    Erstens, wie von Apple gewollt, fangen alle iOs Geräte nach dem Update auf das neueste Betriebssystem wie auf Kommando zu ruckeln. Während viele Androiden nach Updates sogar schneller arbeiten (zum Beispiel bei JB durch den besagten ProjectButter oder die Low-RAM-Geräte mit Kitkat durch die RAM-Optimierung), sind die alten iOs Geräte oft einfach unmöglich. Ein iPhone 4 war schon mit iOs 6 kaum das Gerät, das man mit iOs 4 kannte.

    Mit iOS 7 senkt die Geschwindigkeit dermaßen, dass das Handy kaum für die tagtäglichen Aufgaben taugt (einen Videoverlgeich von Chip.de kann man hier anschauen). Und wegen der fehlenden Möglichkeit des Downgrades (eine “Abrüstung” auf die frühere Version) hört man immer öfter die Aussage “ich sollte dieses Update nicht installieren”. Was iPhone 4S angeht, ist es noch O.K., was die Geschwindigkeit angeht, da es noch vertrieben wird. Aber sobald es nicht mehr angeboten wird, kommt ein Update und verdirbt den Spaß. Dies passierte mit jedem iOs-Device bis heute und zu erwarten, dass in der Zukunft irgendwas sich ändert wird, ist naiv.
    Zweitens, da Apple die alleinige Kontrolle über dem System hat, wird es jedes Mal entschieden, welche Komponente des neuen Systems für das jeweilige Gerät übernommen werden. Sprich: iOs 7 ungleich iOs 7.

    So bekamen das iPhone 4s und iPad 2 keine AirDrop-Funktionalität. Verursacht von Hardware? Kaum. Auch ist es kaum zu glauben, dass Siri so ressourcen-gierig ist, dass es nicht auf iPhone 4 lauffähig wäre. Das Unternehmen manipuliert Kunden  u.A. durch Updates stets so, dass die neuen Geräte pünktlich über die Ladentheke gehen: Marketing at its best.

    Und zur guter Letzt ist die App-Kompabilität zu beachten. Sind die Apps bei Android oft über Jahre hinweg von alten Systemen unterstützt, so zwingt Apple oft zum Update. Das letzte Beispiel ist die Weihnachtsaktion-App “14-Tage”, die in Winterferien kostenpflichtige Apps, Bücher und Musik verschenkt hat. Diese schöne App war nur für die Geräte mit dem neuesten System verfügbar. Und wenn man denkt, es wäre das einzige Beispiel, liegt man bei Weitem nicht richtig…

    Somit hinkt der Vergleich zu iOs an jeder Ecke: Apple ist in dieser Hinsicht (wie auch in fast jeder anderen) weder besser, noch schlechter – es ist anders. Anhand der Update-Politik für ein der beiden Systemen sich zu entscheiden ist jedoch nicht richtig.

    Bonus-Faktor: Die Firma XY leidet unter Verluste wegen mangelnden/verzögerten Updates

    Die Aussage ist generell falsch. Die Produktpflege ist ohne wenn und aber ein wichtiger Aspekt der Produktpolitik eines Unternehmens, aber die Updates stehen ganz unten in der Liste der Produktpflege.

    Obwohl jeder Nutzer eigene Prioritäten setzt, ist es objektiv gesehen für den Unternehmenserfolg eines Smartphone-Herstellers viel wichtiger, dass die gute Qualitätskontrolle (Hallo, iPhone 5 mit abgenutzten Ecken) und die sichere Garantie (Hallo, Arvato-Reparatur) gewährleistet werden, als ein Modell mit einem rechtzeitigen Update zu beliefern. Gibt es bestimmte Probleme oder wird eine Sicherheitslücke gefunden, so ist ein Update unabdingbar, aber wenn das Handy auch so gut läuft, so kann ein Update auf sich warten lassen, ohne Image-Schaden zu verursachen.

    Fazit

    Das Thema »Updates« wird noch viel virtuelles Blut fließen lassen und einige Holy Wars verursachen. Aber ist es mit Rücksicht auf oben genannten Fakten heute noch sinnvoll? Verdient ein Hersteller, der brillante Hardware und Software kreiert hat, soviel Hass wegen eines ausbleibenden Updates? Die meisten Contra-Argumente aus der Diskussion über Updates beruhen entweder auf der Unkenntis, oder auf dem jeweiligen Denkfehler des Diskutierenden. Ich habe mich schon entschieden: Solange das Gerät gut läuft, sehe ich alle Updates als nettes »DankeSchön« für den Kauf des Gerätes, und nicht als eine Notwendigkeit und Gegebenheit. Und Du?

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