Aktenzeichen illegal: Unisters unrechtmäßiges E-Mail-Marketing

Der Onlinehandelskonzern Unister hatte bereits vor seiner Insolvenz häufig negative Schlagzeilen gemacht. Bei der Abwicklung der diversen Unternehmen fallen nun noch weitere unangenehme Details des Geschäftsgebarens auf.

Unister, das Unternehmen hinter zahllosen Seiten wie geld.de, Flüge.de und dem für einige Zeit in diversen TV-Spots aufdringlich präsenten Ab-in-den-Urlaub-Angeboten, scheint nicht überleben zu können, ohne dass die beiden im Flugzeug abgestürzten Firmenchefs die Fäden zusammenhalten. Nach ihrem Tod meldete die Mutter-Holding Insolvenz an und ihr taten es nach und nach die meisten Ableger nach.

Das wird als Strategie des Insolvenzverwalters die Unternehmen bei laufendem Geschäftsbetrieb neuen Eigentümern zu vermitteln, die die aufgelaufenen Schulden nicht mit übernehmen (Asset-Deal), gesehen.

Illegale Nutzung von E-Mail-Adressen

Unister betrieb während der letzten Jahre offenbar intensives Newsletter-Marketing. Rund 13,3 Millionen Adressen von insgesamt 27,8 Millionen Datensätzen sollen von Unister illegal genutzt worden sein. Es handelt sich hier anscheinend um Adressen, die im Rahmen des Geschäftsbetriebes erhoben wurden, aufgrund nicht eingeholter Zustimmungen für den Mail-Empfang der Nutzer nicht hätten verwendet werden dürfen, wie der Datenschutzbeauftragte des Unternehmens bereits in einem Bericht von April 2015 festhielt. Diese Adressen hätten gelöscht werden müssen.

Lucas Flöther, Insolvenzverwalter von Unister, bestätigte diesen Umstand gegenüber Golem und erklärte, er habe das Unternehmen angewiesen, die fortgesetzte Nutzung dieser Adressen abzustellen. Inzwischen teilte der sächsische Datenschutzbeauftragte mit, dass Unister zusätzlich zu seinem eigenen Adressenbestand noch etwa 194 Millionen Datensätze von Adresshändlern zugekauft hatte. Ein Prüfverfahren wurde eingeleitet.

Ehemalige Mitarbeiterin: Wünsche mir, dass es vorbei ist

Unister, gegen das bereits früher aufgrund seiner Geschäftspraktiken ermittelt wurde, wird auch von ehemaligen Mitarbeitern als wenig empfehlenswerter Reiseveranstalter beschrieben. So war es gängige Praxis, Kunden kostspielige Zusatzversicherungen zu buchen, die man kaum wieder loswerden konnte.

Auch zeigte das Buchungssystem systematisch veraltete, niedrigere Preise, die sich Wochen nach der Buchung deutlich erhöhten oder es fielen übertriebene Kreditkartengebühren an. Die Liste fragwürdiger Geschäftspraktiken, denen sich die diversen Unternehmungen der Unister-Familie befleißigten, ist lang und das an Betrug grenzende Konzept blieb den Angestellten nicht verborgen.

Mitarbeiter im Service, denen diese Vorgehensweise auffiel und die Kunden durch manuelles Stornieren oder Ausbuchen von Posten entgegenkamen oder die Kunden schlicht vor einer Buchung warnten, hatten einen schweren Stand. Eine Mitarbeiterin erklärte gegenüber Golem.de: „Ich wünsche mir, dass Unister wirklich Pleite geht, damit das alles endlich ein Ende hat.“

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