Amazon Kindle Touch 3G Testbericht

Als ich das Amazon Kindle Touch 3G zum Testen bestellt habe, war ich zwiegespalten. Ich bin ein Bücherwurm. Ich mag das Rascheln und Knistern der Seiten, liebe den Geruch von alten, vergilbten Büchern und ich fresse Bücher in mich hinein wie andere Menschen Gummibärchen. Aus dem Bekanntenkreis hieß es immer wieder: „Schlag zu! Das Kindle ist klasse, das Display… DAS DISPLAY!!“. Auch da war ich skeptisch. Jedoch schon 5 Minuten nach dem Auspacken hatte mich das Kindle-Display für sich gewonnen und ich war gespannt, wie sich das Gerät als Ganzes handeln lässt und ob es mir meine Bücher ersetzt. Denn Eines stand fest, die 3000 Bücher für die der Kindle Platz bietet, würden als Druckversion zum Beispiel im Urlaub recht sperrig und schwer werden. Doch zunächst das Obligatorische, nämlich die technischen Daten.

Der Amazon Kindle Touch 3G kommt für 189 € mit folgenden Specs zu euch nach Hause:

  • 6 Zoll e-Ink Multitouch Display
  • Auflösung 600 x 800 Pixel bei 167 dpi (16 Graustufen)
  • Abmessungen 172 mm x 120 mm x 10,1 mm
  • Gewicht 220 Gramm
  • 4 GB interner Speicher (davon ca. 3 GB für Inhalte)
  • Akkulaufzeit von mehreren Wochen (4 Stunden Ladezeit)
  • WLAN b/g/n
  • Amazon Whispernet 3G/EDGE/GPRS via Vodafone Netz und Partnernetzen
  • Formate: Kindle AZW + AZW3, TXT, PDF, AA, AAX, MP3, HTML, DOC, DOCX, JPG, GIF, PNG
  • 3,5 mm Audio-Klinke
  • MicroUSB-Anschluss

Verarbeitung und Design

Das Kindle Touch 3G liegt sehr gut in der Hand. Jedoch sind mir persönlich die 220 g noch einen Tick zu schwer für das Handgelenk. Da war der erste Kindle einfach perfekt. Das Plastikgehäuse ist sauber verarbeitet, das Gerät wirkt wertig. Die Rückseite des Kindle ist beschichtet und somit gegen das Verrutschen auf glatten Unterlagen gewappnet. Der Powerknopf an der Unterseite des Gerätes steht leider zwei Millimeter heraus, sodass ein ebenes Abstellen auf dem Tisch nicht machbar ist. Das ist zwar kein großes Manko, aber im Test hat es mich doch etwas gestört.

Die Platzierung der Klinkenbuchse an der Unterseite ist bei diesem Gerät optimal. Bei Smartphones, die ich hauptsächlich hochkant in der Tasche trage, ist das etwas nervig, beim Lesen auf dem Kindle ist es gut so. Der Mittelbutton ist gut zu treffen und fungiert als Home-Taste. Da der Kindle Touch 3G mit nur einer Taste auskommt, erwischt man auch nicht versehentlich andere Tasten. Das ist mir dagegen beim TrekStor Pyrus schon öfter passiert. Der Touchscreen reagiert angenehm schnell und vor allem sieht man keine Fingerabdrücke auf dem Display. Davor hatte ich die meiste Angst, denn wenn man in der Sonne schwitzt, ist das mit den Fettfingern zumindest auf dem iPhone 4s schnell zu sehen. Der Screen des Kindle Touch 3G kommt damit aber super zurecht.

Viel mehr gibt es auch nicht zum Design zu sagen. Wenn ich schon ein „elektronisches Buch“ benutze, sollte es genauso sein wie das Kindle Touch 3G. Kein überflüssiger Schnickschnack, gute Bedienbarkeit und natürlich erstklassige Lesbarkeit in direktem Sonnenlicht.

Die Akkulaufzeit

Amazon selbst hält sich zur Kapazität des Akkus sehr zurück und so findet man im Netz so gut wie keine sicheren Werte. Angegeben wird der Kindle mit 1.440 Stunden Laufzeit bei eingeschalteter 3G-Verbindung. Ich selbst hatte das Gerät jetzt seit ca. 3 Wochen und musste es nicht einmal laden. Es sind sogar noch so 25 % Akkuladung vorhanden. Dabei habe ich mindestens eine Stunde am Tag gelesen, vom Gerät getwittert, Musik gehört und mich allgemein mit dem Menü auseinandergesetzt. Dafür ist die Laufzeit einfach nur top. Auch die Ladezeit von 4 Stunden ist voll in Ordnung.

Formate und Funktionen

Der größte Kritikpunkt vieler eBook-Reader-Freunde ist, dass das Kindle den offenen Standard ePUB nicht unterstützt. Somit kann man am Kindle nur Kindle-eBooks oder PDF’s und DOC’s lesen. Mir persönlich bereitet das wenig Kopfzerbrechen, denn ich besaß davor noch keine eBooks und habe jetzt erst bei Amazon die ersten erworben. Dennoch verstehe ich die Kritik, denn ich hätte natürlich auch gerne die Möglichkeit, anderswo gekaufte eBooks auf dem Gerät zu lesen. Amazon schottet seine Geräte hier klar ab. Dessen sollte man sich vor dem Kauf des Readers bewusst sein.

PDF’s und DOC’s lassen sich ganz einfach via Mail oder per PC und Kabel auf das Gerät übertragen, sind am Kindle selbst gut lesbar und machen Spaß. Wer das testen möchte, kann sich hier mein Lieblings Fan-eBook als PDF herunterladen und ausprobieren. Es heißt „Der Bunkerbewohner„. Wer nun aber dennoch seine ePUB Bücher auf einem Kindle lesen möchte, sollte sich den Calibre eBook-Manager ansehen. Dieser konvertiert nahezu alle Formate unter anderem auch in PDF. Wenn man die dann auf den Kindle überträgt, klappt es mit dem Lesen. Andererseits gibt es hierbei einen weiteren großen Kritikpunkt. Amazon eBooks sind DRM geschützt und lassen sich somit auch nicht auf anderen Geräten lesen. Ein Wort noch zu den sogenannten Beta-Funktionen des Kindle Touch 3G.

Hier stehen dem Nutzer ein Webkit-Browser, ein MP3-Player und Text-To-Speech Funktionen zur Verfügung. Dafür, dass diese Funktionen BETA sind, also noch nicht ganz fertig oder ausgereift, funktionieren sie ganz gut. Ich konnte, wie schon erwähnt über den Kindle-Browser auf Amazon einkaufen und twittern. Nutzt man diese Funktionen allerdings via 3G und dem Amazon Whispernet, können zusätzlich Kosten anfallen. Das Whispernet ist ausschließlich für die drahtlose Übertragung von Amazon-eBooks kostenfrei. Dazu gibt es auch noch eine PC-Suite zum Download, welche man aber nur braucht, wenn man auch am PC seine Amazon-eBooks lesen möchte.

Fazit

Wir nähern uns dem Ende des Tests und an dieser Stelle würde ich als Leser eine Kaufempfehlung erwarten. Diese ist eindeutig. Ein eBook-Reader muss für mich nun unbedingt in unseren Haushalt und ich bevorzuge derzeit den Kindle Touch. Den Touch deswegen, weil ich in den drei Wochen Testzeit das 3G-Modul nicht ein einziges Mal benötigt habe. Wer auf Browsing am Kindle verzichten kann, der sollte meiner Meinung nach zum 1. Kindle greifen, denn die Kombination von Preis in Höhe von 99 € und dem Gewicht von nur 170 g scheint mir perfekt zu sein. Wer ab und an aber doch mal einen Web-Browser benutzt, oder Randnotizen macht, der sollte den Kauf des Kindle Touch erwägen. Das Touch-Display ist wirklich klasse.

Und sonst noch?

Rund um die Kritik zu DRM, fehlender Sondervergütung an Autoren wegen der Text-To-Speech Funktion die theoretisch aus jedem eBook ein Audiobook macht, finde ich für mich persönlich nur zwei Tadel am Kindle Touch 3G. Zum einen das fehlende Licht. Ja ich weiß, Kindle ist anders konzipiert. Dennoch gehört für mich eine Art Beleuchtung an das Display für das Lesen dunklerer Umgebung. Nicht umsonst gibt es bei Amazon eine ganze Reihe von Angeboten eines Case mit integriertem Licht für das Kindle.

Der Zweite Kritikpunkt gilt der Empfindlichkeit des Geräts bzw. der PC-Verbindung. Man braucht zwar den Kindle nicht mehr unbedingt am PC anschließen, da man ja wie schon erwähnt, PDF´s per Mail an das Gerät schicken kann, aber ich habe es dennoch getan. Ich wollte einfach schauen wie sich die Übertragung von Dokumenten am PC so macht. Dabei ist mir beim ersten Mal der Kindle eingefroren und ich musste die Powertaste für über 20 Sekunden gedrückt halten. Beim zweiten Mal ist mein PC abgestürzt. Das kann natürlich am dusseligen Nutzer liegen, ärgerlich ist es aber trotzdem.

Für mich ganz wichtige Punkte habe ich natürlich auch gefunden. Das kostenlose integrierte Wörterbuch zum Instant-Übersetzten von fremdsprachigen Wörtern ins Deutsche, quasi auf Fingerdruck ist einsame Spitze. Außerdem ist das Display einfach klasse, perfekt zu lesen, nicht anstrengend für die Augen und richtig gut. Ich freue mich auf eine eventuelle Umsetzung von e-Ink in Smartphones.

Zu guter Letzt bleibt mir eine Frage. Wie lest ihr eure eBooks?

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