Auch grüne Männchen können offline navigieren

Was macht man, wenn man zwar nicht an den Arsch der Welt muss, ihn aber von dort aus gut sehen kann, und sich kurz vorher heraus stellt, dass das iPhone, was man zum navigieren nutzt, keinen Saft hat? Na man hofft einfach, dass René kommt und einen fragt, ob man denn nicht mal eine Android Navigation testen kann. Da sagt man nicht nein und keine 4 Minuten später hat man das Programm auf dem grünen Männchen und lernt es kennen, um wenig später fröhlich ins Auto zu steigen und sich von der netten Dame den Weg zeigen zu lassen. Hier nun das, was mir aufgefallen ist.

Getestet habe ich mit eine Google G1 die App NavDroyd der OneStepAhead AG. Sie ist aktuell in Version 1.2.2 verfügbar und kostet bei uns 4,99 Euro. Das ganze ist nur 3,2 MB groß. Ein wenig klein für ein vollwertiges Navi? Also ein Navi, was eine Netzverbindung benötigt? Weit gefehlt. Jederzeit kann der User sich die benötigten Karten aus der ganzen Welt nachladen. Diese liegen im Netz und warten darauf, dass man sie auf seine SD Karte läd. Dies kann sowohl über das Netz, als auch den PC erfolgen. Das Material stammt von OpenStreetMap, dem größten Anbieter von frei zugänglichen Kartenmaterialien. Dies hat den Vorteil, dass jeder Nutzer die Karten auf den neusten Stand bringen kann und so nicht immer neue Karten gekauft werden müssen, wie sich jedoch zeigt, aber auch Lücken vorhanden sein können. Deshalb warnt die App auch zu Beginn.

Es konnte also los gehen. Bisher nutze ich immer Navigon EU 10 für iPhone. Dies ist natürlich ein wenig teurer, dafür muss ich aber nicht viel machen, als starten Adresse eingeben. Karten sind ja schon alle da. Aber auch hier geht das orientieren sehr schnell. Beim ersten Start merkt die App, das keine Karten verfügbar sind und leitet einen automatisch auf die nötigen Seiten. Ganz interessant ist die Möglichkeit weltweite Karten zu installieren, aber, sollte man nur eine kleine SD-Karte haben, nur ein Teil, einzelne Bundesländer zum Beispiel, zu laden. Ich habe mich, weil es schnell gehen sollte, entscheiden, nur die Karten von Sachsen-Anhalt zu laden, da ich das Land nicht verlassen wollte. Der eben schon erwähne Vorteil, dass jeder die Karten ergänzen kann, stellte sich schnell als Nachteil für mich heraus.

Weder meine Wohnsiedlung, obwohl seit 15 Jahren existent und auch schon rudimentär in Google eingezeichnet, noch der Zielort im Detail ist verzeichnet. Nun gut, da ich weiß, wie ich aus dem Ort heraus komme, war das erste kein Problem und das Ziel war auch eher als Dorf mit 2 Straßen zu bezeichnen. Trotzdem ärgerlich. Auch unterwegs konnte ich anhand der Karte sehen, dass viele Straßen in den Orten nicht verzeichnet waren, dafür noch alte Straßenführungen genutzt wurden. Lustigerweise war die Ortsumgehung Zeitz, B2, die erst vor wenigen Wochen komplett für den Verkehr freigegeben wurde, schon verzeichnet und ich konnte sie nutzen. Ich nehme mal an, das ein solches Phänomen, dass gerade in kleinen Orten Straßen fehlen, oder falsch eingezeichnet sind, kein Einzelfall ist. Dies ist aber auch fast schon unausweichlich. Doch nun zur App.

Die Auflistung zeigt, sie kann so ziemlich alles, was die großen teuren Programme auch können und ist somit als vollwertige Turn by Turn Navigation zu verstehen. Das Interface ist recht einfach und schlicht aufgebaut. Die Eingabe der Route könnte ein wenig besser gelöst sein, da man nicht direkt sieht, ob der Ort verfügbar ist. Aber da der „Los“-Button erst verfügbar ist, wenn die Daten existieren, auch ein guter Anhaltspunkt. Die Berechnung der Route verlief sehr schnell, was sicherlich auch an den wenigen Karten und der kurzen Strecke lag.

Die Darstellung der Route ist sehr übersichtlich mit den wichtigsten Daten, wie Geschwindigkeit, Entfernung und Anweisungen. Das G1 findet sehr schnell das Signal und schafft das auch im Raum sehr gut. Die Navigationsstimme hat mich doch ein wenig überrascht. Sie ist der Navigon Stimme doch recht ähnlich, nur ein wenig bestimmter und hört sich mehr nach Computer an. In wie weit hier der Lautsprecher des G1 Schuld ist, kann ich nicht sagen.

Bei der Navigation fällt auf, dass der Pfeil, der das Auto symbolisieren soll, mit jedem Sprung sich nach hinten und wieder zurück dreht, als würde man kurzzeitig die Richtung gewechselt haben. Warum dies so ist, kann ich nicht sagen, vielleicht liegt es an der Hardware des G1. Die Ansagen könnten ein wenig eher und genauer sein. Bei Navigon wird einem ca. 50 Meter vorher gesagt, dass man jetzt abbiegen soll. Dies gibt es hier nicht, auch die Häufigkeit der Ansagen könnte besser sein, da man entweder sehr lange vorher, oder sehr kurz vorher die Anweisung bekommt.

Am Timing könnte man hier ein wenig arbeiten, die Ansagen hinken immer ein wenig hinterher. Grundsätzlich ist aber an der Navigation nichts auszusetzen. Sie funktioniert anhand der Daten, die vom Server geladen wurden, sehr ordentlich. Die Routenneuberechnung könnte einen Tick schneller erfolgen, aber sonst okay. Ich habe an der Berechnung der Zeit für eine Strecke vorher nichts verändert und muss sagen, dass auch diese sich den unterschiedlichen Fahrstilen anpasste und genau die Zeit zeigt, zu der ich tatsächlich ankam.

Ich muss also sagen, dass die App sehr gelungen ist. Sie richtet sich sicherlich nicht an Geschäftsreisende, oder Vielfahrer, die auf ein Navi angewiesen sind. Aber für Leute, wie mich, die nicht immer ein Navi brauchen, eine gute Lösung. Man muss halt immer mögliche fehlende Straßen einberechnen, aber die kann man zur Not ja selber nachtragen. Und für 5 Euro ein Offline-Navi, da kann man auch nichts falsch machen. Ich bleibe aber trotzdem bei meinem iPhone, denn auf dem habe ich die vollständigen Navigon-Karten bereits installiert, was, wenn man in einem ländlichen Gebiet wohnt, von Vorteil sein kann und der Akku hier doch länger als 70 Minuten Navigation aushält, neuere Android-Geräte schaffen das sicherlich auch.

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