/dev Interview – Philipp Noack zum Thema Android und ROMs

Endlich ist es wieder soweit und wir haben einen weiteren Kandidaten für ein /dev Interview an den Haken bekommen. Die große Android-Community dreht sich sehr oft um Custom-Roms und auch wir in der Redaktion sind verrückt danach. Nicht nur deswegen steht uns Rom-Koch Philipp Noack heute Rede und Antwort und schwatzt ein wenig über Android.

Hallo Philipp und herzlich Willkommen zu /dev Interview hier auf www.mobiFlip.de

Hallo Benno!

Du bist ja bekannt für dein Hamster-Rom auf dem Samsung Galaxy S und moderierst in deiner Freizeit beim Forum handy-faq. Was kannst du unseren Lesern sonst noch von dir berichten?

Ich studiere Wirtschaftswissenschaften an der TU Chemnitz und interessiere mich nebenbei sehr für Android. Ich bin 22 Jahre jung und glücklich vergeben. :)

Wie bist du denn überhaupt mit Android in Berührung gekommen?

Bis vor etwa einem halben Jahr war das beste Smartphone, das ich hatte das Nokia N95. Dann ist mein Vertrag ausgelaufen und ich wollte natürlich auch ein neues Handy. Bei einer Freundin hatte ich dann die Möglichkeit mal das Tmobile G1 auszuprobieren und war gleich begeistert von Android. Also hab ich recherchiert, welches neue Android Phone ich mir zu legen könnte. So bin ich zu Android gelangt. Die Wahl ist dann logischerweise auf das Samsung Galaxy S gefallen. Zunächst war es natürlich noch kein „Hamster-Phone“ :)

Okay, aber wie kommt man denn dazu, seine eigene „Android-Version“ zu basteln? Wie hat dein Einstieg da genau ausgesehen?

Ich hab mich schon immer dafür interessiert, Dinge an meinem Handy zu ändern. Deswegen hat es auch ungefähr 5 Minuten gedauert, bis ich mein neues Handy geflasht hatte. Danach kam dann die erste Custom Rom auf mein Handy und da ging es so langsam los. Da der Rom Chef keine Updates mehr gebracht hat, hab ich mir gedacht, dass ich mich mal einlese und so lernte ich dann Sachen über das Deodexen und Zipalignen, was alles so ziemlich die Grundausstattung eines ROMs ist. Danach fing ich an, es selber zu probieren.

Da bist du dann also auf den Geschmack gekommen. Was für Veränderungen hast du am Anfang vorgenommen und ab wann stand quasi dein erstes „Hamster-Rom“?

Am Anfang hab ich dann erstmal das Rom deodexed. Dadurch wird das System etwas schlanker und schneller. Dazu kommt das Zipaligning, das auch noch etwas Speed raus holen kann. Danach schaut man, welchen Kernel man in das Rom einbauen will und sichtet, ob das alles so läuft, wie man sich das vorstellt. Das Testen, ob es funktioniert und nochmal testen, ist sowieso das Wichtigste. Immer geht irgendwas nicht und man muss sich viel mit „try and error“ herum schlagen. Aber irgendwie weiß man dann auch, wo die Stolpersteine liegen und kann darauf achten. Damals habe ich mir dann noch ein Theme gesucht, das mir gefällt und das noch ein wenig auf mein Rom angepasst. Man muss sich ein Custom Rom auch eher wie einen Baukasten vorstellen. Man selber liefert die Basis und die Optimierung der Firmware und schaut natürlich, ob alles rund läuft.

Dein erstes Rom war also sozusagen schlank, schnell und hatte einen Kernel mit extra Features?

Ja, das erste Rom hatte das Ziel schnell und etwas schlanker zu sein, ohne auf Funktionalität zu verzichten. Mit einem Kernel, der das Handy nochmal um einiges schneller macht.

Wie hat sich das Hamster-Rom bis heute entwickelt? Bist du deinem Ansatz treu geblieben?

Im Prinzip entwickelt sich das Rom danach von alleine weiter. Die ersten Leute melden die ersten Fehler und wünschen sich neue Features. Manche versucht man dann auch einzubauen. Aber am meisten konzentriert man sich natürlich auf die Bugs. Wenn es dann eine neue Firmware von Samsung gibt, fängt man wieder an, seine Basis zu erneuern. Da kommt dann wieder der Testprozess bis alles läuft. So kommen dann im Laufe der Zeit immer wieder kleinere Updates mit neuen Fixes und manchmal auch neuen Features. Das Wichtigste meiner Meinung nach ist aber, dass man viel supported. Man will das Rom natürlich an den Mann bringen. Nur so kann man auch heraus finden, was die Leute wollen und was am Rom nicht richtig läuft. Das ist meiner Meinung nach auch der größte Teil er Zeit, den man braucht.

Okay, danke für den tiefen Einblick. Kommen wir nochmal zu Android selbst. Du hast ja nun auch endlich ein Motorola Xoom in den Händen und damit auch zum ersten Mal Android 3.0. Wie sind deine ersten Erfahrungen damit?

Ja, ich schreibe gerade meine Antworten auf dem Xoom. Das zeigt ja schon, dass es sehr angenehm ist damit zu schreiben. Ich finde die UI-Änderungen und -Anpassungen für das Tablet genial. Es sieht alles sehr schön aus und bietet auch tolle Funktionalität. Z.B. die Notification-Bar, die nach rechts unten gewandert ist und auf der man mit einem Klick schnell alles erreichen kann. Das macht es für mich sehr angenehm zu supporten und meine Mails zu lesen. So langsam kommen auch immer mehr tabletoptimierte Apps und es entwickelt sich etwas. Allerdings bin ich hier jetzt auch nicht der große Spieler. Ich nutze das Tablet zumeist nur zum Surfen und für meine Moderatorenpflichten. Aber eine Runde Angry Birds ist immer drin.

Das klingt sehr zufrieden. Wie gut stehen die Chancen eventuell auch ein Hamster-Rom für das Xoom zu sehen?

Ob es je ein Hamster-Rom für das Xoom geben wird, kann ich jetzt nicht sagen. Es ist erstmal wieder etwas ganz anderes, als mit dem Samsung. Außerdem hat Google die Sources noch nicht veröffentlicht. Deswegen gibt es noch kaum Optimierungen. Vor allem nicht für das europäische Xoom. Mal sehen, wie es aussieht, wenn die Sources veröffentlicht sind. Vielleicht juckt es mich dann in den Fingern.

Philipp, ich weiss nicht ob du schon einmal Kontakt mit anderen Tablets hattest, auf denen kein Android läuft, also z.B. ein iPad. Aber traust du dir zu, eine Einschätzung zu geben, wie sich der Tablet-Markt mit Android entwickeln wird?

Ich hatte mal ganz kurz ein iPad in der Hand. Aber das ist ja im Prinzip nix anderes als ein Iphone in groß. Aber ich denke, dass sich der Markt weiter in diese Richtung entwickeln wird. Es werden tolle Features kommen und die Geräte werden immer leichter und schneller. Android 3.0 steckt ja noch in den Kinderschuhen und läuft jetzt schon sehr gut und Google ist ja bekannt dafür, immer wieder ein neues Feature in der Hinterhand zu haben. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

Danke für diese Einschätzung, wir nähern uns nun auch langsam dem Ende des Interviews. Eines möchte ich dennoch von dir wissen. Was empfiehlst du einem angehenden „Rom-Koch“ ? Worauf sollte man unbedingt achten oder womit sollte man unbedingt anfangen?

Ich finde, dass man sich erst mal einlesen sollte. Siehe deodexen und so etwas. Das ist mit viel googlen und lesen verbunden, aber von nichts kommt nichts. Ich halte auf jeden Fall nicht viel davon, ein Rom zu kopieren, zwei Sachen zu ändern und es dann als eigenes Werk anzupreisen. Meist zeigt sich schon nach einer Woche, ob der Rom-Entwickler Ahnung hat oder nicht. Wer nur kopiert, weiß nicht, wie man Fehler ausfindig macht und dann auch behebt.
Vielen Dank Philipp, für deine Zeit und das Interview. Wie immer hast auch du nun die Chance, unseren Lesern etwas mit auf den Weg zu geben.

Erschreckt nicht vor den vielen Informationen die auf euch zukommen, wenn man anfängt sich tiefer mit Android zu beschäftigen. Ich hatte auch keinerlei Vorkenntnisse und hab mich relativ schnell zurechtgefunden. Man braucht eben Interesse, also bleibt am Ball! Ich wünsche euch noch einen schönen Tag. Bye Leute :)
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So, nun haben wir wohl einiges über Philipp gelernt. Wer dennoch Fragen rund ums Thema hat, der kann in den Kommentaren loslegen und den guten Mann ausquetschen. Wie immer war es mir eine Freude und diese Interviews machen einfach nur Spaß. Leider haben wir immer noch keinen Symbian-Entwickler, der sich uns zum „Fraß vorwirft“. Solltet ihr Lust haben, dann meldet euch bei uns!

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