/dev Interview – Raphael Thierjung zum Thema BlackBerry OS

Lange musstet Ihr warten und jetzt ist es  endlich so weit. Ein weiterer Entwickler hat sich bereit erklärt, sich meinen Fragen zum Thema BlackBerry OS in einem Interview zu stellen.

Aber fangen wir an und fühlen wir Raphael etwas auf den Zahn!

Hallo Raphael, ich begrüße dich zu einer neuen Ausgabe von /dev Interview für mobiFlip.de.

Hallo :)

Wir haben dich zum Interview eingeladen, denn du programmierst für das BlackBerry-Betriebssystem von RIM. Stell dich doch bitte unseren Lesern kurz vor.

Meine Name ist Raphael Thierjung. Ich bin 25 Jahre alt und wohne zur Zeit in der tiefen Pfalz. Ich bin hauptberuflich Software Entwickler und programmiere in meiner Freizeit aus Spaß für mobile Endgeräte.

Gibt es denn schon eine bekannte App, oder ein Projekt von dem du uns erzählen möchtest?

So kleinere Spielereien habe ich schon einige programmiert. Aber ich denke so am bekanntesten ist der „Random Music Reminder“ den ich zusammen mit 2 Freunden entwickelt habe.

Das klingt nach einem nützlichen Tool. Was macht es denn genau?

Es beseitigt den Mangel eines jeden Weckers, jeden Morgen mit dem selben Ton/Musikstück geweckt zu werden. Stattdessen wird man mit einer zufällig zusammengewürfelten Liste von Musikstücken geweckt. Damit man sich dann nicht auf einmal morgens Kapitel 5 auf HdR Band 3 antun muss, kann man diese Menge an Musikstücken noch entsprechend eingrenzen (z.B. durch Wahl eines bestimmten Genres).

Das klingt ungeheuer praktisch! Außerdem bringt es mich gleich zu einem Thema, das mir beim BlackBerry OS sehr unter den Nägeln brennt. Ist für dich als Entwickler das BlackBerry-Smartphone wirklich nur ein reines Business-Tier?

Ein reines Business-Tier nicht mehr. RIM hat in den letzten Jahren viel dafür getan die Blackberry-Plattform auch unter den Standardnutzern zu etablieren.

Dennoch fallen mir besonders in dem Bereich große Defizite auf, wie etwa die Akkuleistung solcher Geräte, oder deren Dimensionierung. Denn was nützt ein Multimedia-Smartphone mit kleinem Display oder geringer Akkulaufzeit. Siehst du RIM da in der richtigen Spur auf dem Weg zum Otto-Normalanwender?

Akkuleistung ist ein Problem, welches in der Fläche bei jedem Hersteller zutrifft. Ich habe bei meinen Geräten bisher keiner ausschlaggebend negative Erfahrung gemacht. Auf der anderen Seite was spricht gegen Multimedia auf einem kleinen Display? Ich persönlich habe auf meinem iPod Nano Serien angeschaut und dessen Display ist noch eine gute Ecke kleiner als das von meinem aktuellen BOLD 9700.

Oha! Mir würde das keinen Spaß machen. Aber da sind wir eben verschieden! Wie beurteilst du denn die Entwicklung des BlackBerry-Betriebssystems mit den letzten Evolutionsstufen in den Versionen 5 und 6? Sind da durchweg positive Neuerungen für den Entwickler dabei oder gibt es auch negative Seiten?

Zum Einem muss man sagen, dass RIM einige Fortschritte in Sachen IDE gemacht hat. Das angebotene Blackberry-Plugin für Eclipse funktioniert mittlerweile reibungslos. Die Integration von Simulatoren ist sehr einfach und die entsprechenden Konfigurationsmöglichkeiten dieser Simulatoren vielfältig. Leider hat RIM immer noch keinen GUI-Editor bereitgestellt, wie es in den SDKs von iOS, Windows Phone 7 und Android der Fall ist.

Gerade die GUI-Entwicklung nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, da man für eine Vielzahl von Auflösungen entwickeln muss. Im Bereich der Sprache sind in den letzten Stufen einige Schnittstellen hinzugekommen. Leider nicht fortentwickelt hat sich die Sprache selbst. So bietet das Java von RIM immer noch ein Java, was zwischen der Version 1.3 und 1.4 der Desktopfassung steht. So sind z.B. keine Generics sowie andere nützliche Funktionen möglich.

Das heißt du entwickelst auch für andere mobile Systeme und hast so also die Möglichkeit gut zu vergleichen?

Ja klar. Auf anderen Plattformen gibt´s auch viele spannende Sachen zu entdecken ;) Den besten Einblick neben BB-OS habe ich bisher in Android erlangt. Dort ist die verwendete Sprache die gleiche und daher bietet sich hier z.B. ein hohes Potential BB-Anwendungen zu portieren. In Windows Phone 7 habe ich bloß ein wenig rumgespielt. Aber auch dort wird einem als Entwickler viel geboten.

Du würdest also sagen, dass Systeme wie z.B. Android dem BlackBerry OS gegenüber im Vorteil sind, weil die jeweilige Programmiersprache und das SDK es dem Entwickler einfacher machen?

Soweit würde ich nicht gehen. Für ein Blackberry-Gerät zu entwickeln, ist gerade für einen Java SE-Entwickler, besonders leicht. Da die Architektur, die man aufbaut, sehr sehr ähnlich ist. Android verfolgt in vielen Bereichen andere Konzepte, die an sich sehr durchdacht und gut sind, aber nun mal schwieriger zu verstehen und effektiv einzusetzen sind. Auch hat RIM immer noch ein großes Ass mit ihrer Push-Architektur im Ärmel, welches man nicht verachten darf. Auch im Bereich von Firmen-Internen Anwendungen macht die Nutzung eines Blackberry mit dem BES Sinn. Man muss selbst wissen, welche Plattform für die angestrebte Idee die beste ist.

Mit welchen Geräten außer dem BOLD 9700 bist du denn noch unterwegs?

Ich besitze noch ein Galaxy Tab und ein Bold 9000. Letzteres ist bei meiner Freundin in Dauerleihe ;)

Hast du das BlackBerry PlayBook auch schon in den Händen gehalten?

Nein. Ich habe lediglich mal erfolglos versucht den angebotenen Simulator zu starten.

Oh. Das sind ja dann rosige Aussichten für selbst programmierte Anwendungen auf diesem Device. Spielst du denn mit dem Gedanke, dir ein PlayBook anzuschaffen?

Bisher nicht. In Sachen PlayBook warte ich erstmal ab.

Okay. Geräte abgehandelt :) Wie schaut es denn mit der Zukunft des BlackBerry OS aus? Schätzt du das System als zukunftsweisend ein, oder meinst du, RIM wird kämpfen müssen um konkurrenzfähig zu bleiben?

Noch kann RIM auf das Standbein ihrer Architektur (BES) setzen. Auf längere Frist müssen Sie schon mehr bieten als dies. Mit dem Blackberry OS 6 haben sie schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Aber prinzipiell müssen sie sich mittelfristig für eine neue Plattform entscheiden. Man hat bei Windows Phone schließlich gesehen, wie schädlich es sein kann, wenn man seine Plattform vernachlässigt. Die Ankündigung, dass das OS vom Playbook auf die anderen Geräte eventuell portierbar ist, ist vielleicht schon eine Ankündigung, dass in Sachen BB OS bald grundlegende Neuigkeiten zu erwarten sind.

Gleichzeitig müssen sie natürlich auch aufpassen, dass sie ihre Firmenkunden, die ihren BB immer noch innig lieben, nicht verprellen. Die Gute Integration der Geräte in das Firmennetzwerk (z.B. im Verbund mit einem Exchange-Server) muss gewährleistet bleiben. Einer Vielzahl von Kunden nutzt halt ein 720p-Film auf einem Bold recht wenig, wenn die Termine nicht mehr vernünftig gesynct werden.

Eine Analyse in Stein gemeißelt. Du sprichst mir da aus vollem Herzen. Wir sind nun auch schon am Ende des Interviews, lieber Raphael. Möchtest du unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

Wenn jemand einen Importeur von gutem niederländischen Vanille Fla kennt => Contact me!

Ha ha :) mit einem Lacher entlasse ich dich nun ins Wochenende und wünsche dir alles Gute für deine Karriere!

Ich danke :) Schönes Wochenende mit viel Schnee. :lol:

Ja, das hat mir, wie Ihr lesen könnt, Spaß bereitet. Verzweifelt warte ich immer noch auf einen Entwickler, der sich mir zum Thema Symbian stellt. Natürlich versuche ich vorurteilsfrei zu sein. Also, wenn Ihr Lust habt, meldet euch für die nächste Ausgabe vom /dev Interview und wenn ihr Fragen habt, einfach rein damit  in die Kommentare!

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