Ein paar Worte zu Apples „Revolution“ des Bildungsmarktes

Auf dem Bildungs-Event hat Apple diese Woche eine neue Version von iBooks präsentiert und mit dieser auch neue Tools für Publisher vorgestellt. Mal davon abgesehen, dass sich das Unternehmen zurecht Kritik bei den Richtlinien gefallen lassen muss, da Apple mal wieder eine Kontrolle der Inhalte besitzt, finde ich die Idee gelungen.

Ich möchte hier jedoch weniger auf den Endbenutzer-Lizenzvertrag und dessen Nachteile für Anbieter eingehen, sondern vielmehr diskutieren, welche Möglichkeiten damit in Zukunft Studenten zur Verfügung stehen könnten.

Neben iBooks gibt es jetzt auch eine Applikation für iTunes U, die Apple folgendermaßen beschreibt: „iTunes U ist eine leistungsstarke Plattform für die Verteilung von Lerninhalten wie Vorlesungen, Sprachkurse, Filme, Hörbücher und Museumsführungen.“ Dieser Dienst ist nicht neu und existiert schon länger, aber gerade das iPad inklusive App ist das optimale Medium für die dort zur Verfügung gestellten Inhalte. Hier also ein kurzer Blick auf die Zukunft des Bildungsmarktes aus Sicht eines Studenten.

Das optimale Gerät zum Konsumieren

Bei mir persönlich ist das iPad 2 ein täglicher Begleiter in der Universität, Dokumente, Vorlesungen und Übungsunterlagen lade ich mir seit dem ich das erste iPad besitze in die Dropbox und habe diese so immer unterwegs dabei. Das iPad ist prädestiniert für das Konsumieren von Inhalten, es besitzt für mich die optimale Displaygröße, ist leicht und ich habe es in jeder Vorlesung und Übung dabei.

Auch an Orten wie der Bahn oder abends auf der Couch ist es nicht zu schwer und besitzt eine angenehme Größe. Zum Arbeiten greife ich natürlich meistens auf einen Laptop zurück, aber für Notizen oder zum Betrachten der Unterlagen hat sich bei mir das Tablet durchgesetzt. Als es Anfang des Jahres ein paar Tage in Reparatur war habe ich es sogar regelrecht beim Lernen vermisst.

Aufwändigere Arbeiten schreibe ich übrigens daheim am PC, ich bin kein großer Fan von vollwertigen Laptops und besitze für „Notfälle“ auch nur ein Macbook Air mit 11“.

Der Mehrwert

Mit iBooks sollen Bücher interaktiver werden und zusätzliche Inhalte (Videos, animierte Bilder, …) bieten, die über den Umfang eines normalen Buches hinaus gehen. Grundsätzlich eine gute Idee, für mich jetzt aber nicht die Revolution, die alles ändern wird. Der Aufwand für diesenn Mehrwert dürfte noch zu groß sein, da bereits erhältliche Werke überarbeitet werden müssen.

Ähnlich ist es bei iTunes U, der Mehrwert könnten aufgezeichnete Vorlesungen (Audio und Video) sein, die ich dann unterwegs oder auf der Couch konsumiere. Dafür muss die Bildungseinrichtung diese jedoch auch aufzeichnen, bearbeiten und anschließend verbreiten. Zumindest in Heidelberg und bei meinem Fachbereich lebt man hier noch in der Vergangenheit.

In iTunes U gibt es zwar auch gute Beispiele, wie sowas aussehen kann, bei den deutschen Universitäten hält sich das Angebot allgemein stark in Grenzen.

Zentrale Anlaufstelle

Statt in Zukunft die Inhalte von den Servern der jeweiligen Universität zu laden, würde einem Apple hier eine zentrale Anlaufstelle bieten, auf die jeder mit einem Apple-Gerät zugreifen kann. Der Nachteil ist aber im Umkehrschluss, dass diese Möglichkeit eben nur für Leute mit einem  Apple-Gerät funktioniert.

Wer also beispielsweise ein Galaxy Tab 10.1N sein Eigen nennt steht blöd da. Beginnt eine Bildungseinrichtung jedoch damit diese Inhalte auf mobilen Plattformen voranzutreiben, dann muss sie auch so viele wie möglich abdecken. Es entstehen Kosten und eine zentrale Anlaufstelle gibt es nunmal nicht.

iPads sind zu teuer

Mal davon abgesehen, ob man mit der Politik von Apple jetzt einverstanden ist oder nicht, die Produkte sind auch noch zu teuer für den Einzug in die Universität. Als Arbeitsgerät haben sich hier gerade die Laptops durchgesetzt und ich glaube auch nicht, dass sich dieses Jahr schon Tablets etablieren werden. Neben dem Laptop müsste man sich derzeit eben noch ein weiteres Gerät anschaffen.

Ich kann an dieser Stelle nur für mich sprechen, aber in Heidelberg sind Tablets (iPads) nur sehr selten zu sehen. Wenn jedoch einer eine Chance hat sich in diesem Bereich durchzusetzen, dann wohl Apple, da andere Hersteller ein Angebot wie iBooks oder iTunes U einfach noch anbieten und ein iPad nunmal das Wunschobjekt Nummer 1 in dieser Kategorie ist. Noch.

Laut Apple sind übrigens 1,5 Millionen iPads im Bildungswesen im Einsatz, ob diese auch für Bildung genutzt werden ist wieder eine andere Frage.

Alternativen?

Ich würde mir nichts lieber wünschen, als eine Alternative zum Apple-Universum. Sozusagen eine einheitliche Plattform von Universitäten, auf der Inhalte bereitgestellt werden und die ihr Angebot für alle Oberflächen zur Verfügung stellt. Das gibt es aber nicht. Der Aufwand wäre schlicht und ergreifend zu groß.

Bis jetzt muss man also auf eine Kombination aus mehreren Diensten zurückgreifen. Vielleicht habe ich auch einfach eine falsche Vorstellung und ich weiß auch, dass der Arbeitsaufwand am Anfang enorm wäre, aber eine zentrale Anlaufstelle mit iCloud-Funktion und zusätzlichen Features ist für mich die Zukunft.

Doch wie stelle ich mir die das überhaupt vor?

Ein Beispiel

Ich gehe jetzt mal von meinem Fall mit einem iPad aus. Vorlesungsfolien, Übungsunterlagen, Exkurse und aufgezeichnete Vorlesungen (Videos) stellt die Universität über iTunes U zur Verfügung. Immer aktuell und mit allen Geräten synchronisiert. In iBooks gibt es für jedes Fach eine Abteilung in der sich die empfohlenen Literatur, inklusive zusätzlichen Inhalten wie Videos, Tabellen, interaktiven Bildern, etc. befindet.

Der Vorteil ist, dass ich mir die Inhalte nicht mehr am PC zusammensuchen und bei einem Dienst wie Dropbox hochladen muss, sondern mich bei iTunes für ein Fach anmelde und dort entsprechendes Material über die verschiedenen Plattformen bereitgestellt bekomme. Alle Daten sind über mein iTunes-Konto synchronisiert, man wird bei einer Änderung direkt darauf hingewiesen und die Unterlagen gleichen sich automatisch ab.

Das Problem: Apple

So einfach das auf der einen Seite vielleicht auch klingt, das Problem sind nicht unbedingt die Universitäten mit ihren Inhalten. Es ist und bleibt Apple. Als Bildungseinrichtung will ich meine Inhalte vorher ungern bei einem Unternehmen vorlegen und einer Prüfung unterziehen lassen. Apple wird so eine Plattform aber kaum zur Verfügung stellen, ohne die Kontrolle zu behalten und dabei zu profitieren.

iTunes U hat bisher vor allem in Deutschland ein Schattendasein geführt und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Zum einen ist die Hardware mit dem angebissenen Apfel nicht gerade günstig, zum anderen ist man eben auf genau diese beschränkt und der wichtigste Punkt ist die Kontrolle von Apple.

Wird Apple den Markt revolutionieren?

Es wäre schön, wenn es eines Tages vielleicht eine Lösung gibt, die ansatzweise so funktioniert wie ich es beschrieben habe. Diese müsste jedoch dann hauptsächlich von den Universitäten selbst organisiert werden, da diese ihre Inhalte wohl kaum sehr ungern auf die Server von Apple laden werden und die Kontrolle aus der Hand geben.

Wie es sich auf lange Sicht entwickelt ist schwer abzusehen, da Apple hier ja vermutlich auch erst am Anfang steht. Auf kurze Sicht wird uns ein überarbeitetes iBooks aber wohl eher mehr allgemeine Literatur mit hübschen Büchern liefern und kein Mehrwert mit Fachliteratur für Studenten sein.

Apple wird den Bildungsmarkt nicht revolutionieren, aber vielleicht haben sie diese Woche ja genug Aufmerksamkeit für ein Umdenken bei den Universitäten erzeugt.

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