Gesammelte Eindrücke: Nokia E6 mit Symbian „Anna“

Seit ein paar Tagen habe ich das Nokia E6 im Einsatz und es wird Zeit meine ersten Erfahrungen mit dem Gerät niederzuschreiben. In Deutschland ist das E6 neben dem X7 das erste Symbian-Smartphone mit dem neuen „Anna“-Update, dieses Update wird im August dann auch für ältere Geräte verfügbar sein. Ich habe mich bewusst für das E6 entschieden, da ich wissen wollte, ob es ein würdiger Nachfolger für mein E72, übrigens noch immer ein wirklich tolles Business-Smartphone, ist.

Der erste Eindruck war bis jetzt jedoch schon von ein paar negativen Erfahrungen geprägt, die eigentlich wenig über das Gerät aussagen, sondern vielmehr Bugs sind. Größter Bug: Ich konnte mich auf dem Gerät nicht mit meinem Nokia-Account im Ovi Store einloggen und das ist durchaus ein wichtiger Bestandteil für einen Test. Symbian ist aber zum Glück kein geschlossenes System und da ich ein bisschen Erfahrung damit habe, habe ich mir einige Apps dann separat rausgesucht und auf dem Gerät installiert.

Erster Eindruck

Nokia hat das Feedback zur Verpackung des Nokia Booklet 3G damals wohl ernst genommen und designt seit dem alle Verpackungen in diesem Stil, das Blau und die Box gefällt mir gut. Öffnet man diese sieht man als erstes das Gerät selbst, Akku, Ladekabel und weiteres Zubehör sind dann darunter. Der Lieferumfang liest sich wie folgt:

  • Nokia E6-00
  • Nokia Akku BP-4L
  • Nokia Schnellladegerät AC-15E
  • Nokia Stereo-Headset WH-207
  • Nokia Micro-USB-Datenkabel CA-179
  • Kurzanleitung

Auf den ersten Blick sieht das E6 aus wie ein E72 und in der Hand fühlen sich die beiden auch fast identisch an, sie haben ja fast die gleichen Abmessungen und ein ähnliches Gewicht. Ein erster Schreibversuch auf der Tastatur kam einem ebenfalls sofort bekannt vor, das Keyboard der beiden ist ja auch (fast) identisch: Das E6 hat ein größeres Leerzeichen und dafür 2 Tasten weniger. Außerdem heben sich die Spezial-Tasten für Mail, Kalender und Co. nicht mehr ab, insgesamt ist das beim E6 ein Nachteil, da sich der Druckpunkt ein bisschen verschlechtert hat.

Design und Haptik

Optisch muss es im Gegensatz zum E72 ein bisschen einstecken finde ich, denn auf der Frontpartie ist alles in glänzendem Schwarz und das zieht sofort Fingerabdrücke an. Beim E72 hat man außerdem auch ein paar silberne Elemente eingebaut, gerade die Rückseite des E6 wirkt sehr langweilig und ist ebenfalls ein Magnet für Fingerabdrücke.

Doch es handelt sich hier um kein Design-Smartphone, sondern um ein Gerät für Business-User und denen sollten solche Kleinheiten egal sein. Wichtig ist die Haptik und die ist auch beim E6 gelungen, wer den Bericht bis hier hin gelesen hat wird sich nicht wundern: Großartig experimentiert hat man bei der Hardware ja auch nicht – muss man ja aber auch nicht.

Weitere Neuerungen

Das E6 besitzt zwar ein paar Megapixel mehr, dafür aber keinen Auto-Fokus, ein unverzichtbares Feature in einer Kamera meiner Meinung nach. Für Schnappschüsse sollte das aber ausreichen und wer sich Mühe gibt und ein paar Einstellungen vornimmt bekommt auch ordentliche Bilder mit dem E6 hin. Von der Geschwindigkeit sind beide Oberflächen eigentlich gleich auf, hier hat Nokia aber dank zahlreicher Software-Updates auch gute Arbeit beim E72 geleistet und das E6 steht noch am Anfang.

Kommen wir jedoch zum größten und entscheidenden Unterschied der beiden Geräte, dem Touchscreen. Wie bereits geschrieben besitzt das E6 die neuste Symbian-Software namens „Anna“, die auch für den kleinen Touchscreen angepasst wurde. Man merkt sofort die höhere Auflösung des E6, besonders beim Surfen sehr angenehm, mir kann die Auflösung in einem Smartphone aber eigentlich nie zu hoch sein ;)

Nach ein bis zwei Tagen mit dem E6 stand für mich jedoch sehr schnell fest: Dieser Formfaktor ist nicht unbedingt für Touchscreens geeignet. Beim Scrollen im Browser sicherlich ganz nett, ansonsten war für mich kein Vorteil zu erkennen. Es war sogar teilweise nervig, da man die Optionen am unteren Bildschirmrand nur noch über den Touchscreen auswählen kann. Ob Touchscreen oder nicht ist sicherlich Geschmackssache, mein Fall ist es nicht. Dann doch lieber einen Formfaktor wie beim E7, beim E6 hätte ich darauf gut verzichten können.

Symbian Anna

Nach einer Woche im Einsatz muss ich sagen, dass ich auch hier nicht wirklich einen Mehrwert bei der Nutzung hatte. Alle Aufgaben hätte ich so auch mit dem E72 lösen können. Symbian ist zwar mittlerweile optimiert für einen Touchscreen, meiner Meinung dazu steht jedoch ein paar Zeilen weiter oben.

Als Business-User ist Symbian auch weiterhin nur mit viel Einarbeitung oder entsprechenden Vorkenntnissen zu bedienen und zu empfehlen, mal eben schnell ein Google Konto für seinen Kalender, Kontakte und Mails einrichten ist nicht drin. Über die Auswahl an Anwendungen im Ovi Store kann ich hier nichts sagen, das Software-Angebot sollte jedoch dem des E72 entsprechen und das ist ausreichend. Wer neue und innovative Anwendungen (Instagram, …) oder Spiele (Angry Birds, …) sucht, der sollte nicht zum E6 greifen, ich denke der wird das Gerät aber auch nicht in die engere Wahl aufnehmen.

Erstes und letztes Fazit

Man wollte ein gutes und erfolgreiches Gerät besser machen und einen Nachfolger auf den Markt bringen, für mein Nutzungsverhalten sind die Neuerungen jedoch nicht relevant. Ein hochauflösendes Display ist zwar schön anzusehen, dafür bin ich auf den Touchscreen angewiesen und muss Abzüge bei der Kamera machen.

Ein Fazit möchte ich an dieser Stelle eigentlich nicht abgeben, für mich ist Symbian einfach nicht mehr auf dem Stand der Zeit und das wird sich vermutlich auch nicht mehr ändern. Symbian-Fans werden mit dem E6 ein solides Gerät bekommen, wer jedoch überlegt ein Upgrade von seinem E72 zu machen, dem würde ich persönlich an dieser Stelle davon abraten. Dazu kommt, dass ich nicht nur Probleme mit dem Ovi Store hatte, nach den ersten drei Tagen im Test hatte ich bereits 3 Hard Resets hinter mir.

Ich bedanke mich bei Nokia Deutschland für die Leihstellung des E6 und den Support, leider konnte ich das Problem mit dem Ovi Store nicht lösen und daher geht das Gerät erst mal wieder zurück zu Nokia und ich bleibe bei meinem E72. Sollte Nokia mit dem zweiten großen Update „Belle“ und den neuen Geräten nicht wirklich eine Überraschung parat haben, dann war das vielleicht auch mein letzter Test mit einem Symbian-Smartphone.

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