Google sieht Android-Geschäftsmodell bedroht

Da ist sie also nun, die Rekordstrafe für Google. Doch das ist nicht das Problem von Google, das große Problem sind die Auflagen der Europäischen Kommission.

Eine Geldbuße in Höhe von 4,34 Milliarden Euro wird Google mit Sicherheit irgendwie wegstecken können, da bin ich mir sicher. Doch nach der Meldung war ich vor allem auf die Antwort von Google gespannt. Und die folgte ziemlich schnell. Man twitterte direkt nach der Bekanntgabe über alle Kanäle und dann folgte ein eigener Blogpost.

Und der Blogeintrag vom Google-Chef (Sundar Pichai) ist durchaus interessant. Vor allem der letzte Abschnitt, in dem man betont, dass Android gut für die Konsumenten sei. Man setzt auf ein kostenloses Modell und musste bisher kein Geld von den vielen Herstellern verlangen. Doch der Satz von Sundar beginnt mit einem „bisher“:

So far, the Android business model has meant that we haven’t had to charge phone makers for our technology, or depend on a tightly controlled distribution model.

Danach rudert er ein kleines bisschen zurück und stimmt zu, dass man bei Google eine große Verantwortung hat und bereit ist gewisse Kompromisse einzugehen:

We’ve always agreed that with size comes responsibility. A healthy, thriving Android ecosystem is in everyone’s interest, and we’ve shown we’re willing to make changes.

Danach kommt aber direkt die Ansage, dass man beunruhigt ist. Diese Entscheidung könnte die „Balance“ zerstören, die man bei Android so sorgfältig aufgebaut hat.

But we are concerned that today’s decision will upset the careful balance that we have struck with Android, and that it sends a troubling signal in favor of proprietary systems over open platforms.

Eine Offensive wie heute habe ich selten bei Google gesehen. Während sich viele auf die Rekordstrafe konzentrieren, so wird hier klar: Google hat Angst. Nicht vor der hohen Strafe, sondern man sieht ein verdammt lukratives Geschäftsmodell bedroht.

Google verdient Geld mit Daten

Google verdient nicht mit Android, sondern mit den Daten der Nutzern das große Geld. Und wenn hier in Zukunft wichtige Daten wegfallen, dann bedeutet das für Google im Umkehrschluss: Weniger Einnahmen. Man hat nun 90 Tage Zeit, um das Problem zu lösen. Doch der Blogeintrag klingt nicht so, als ob man eine Lösung parat hat.

Was sich meiner Meinung nach wie eine kleine Warnung an die Partner und Nutzer von Android liest, dürfte am Ende ein Bluff sein. Ich glaube nämlich nicht, dass Google nun Geld für Android verlangen wird. Ich denke man will damit nur etwas Druck aufbauen und hofft so vielleicht auf die Unterstützung von einflussreichen Partnern.

Ich glaube aber irgendwie auch nicht, dass Google nun untätig zuschaut. Google gibt zwar an, dass Standard-Apps schnell entfernt und Alternativen schnell installiert sind, doch umgekehrt will man sowas nicht riskieren. Google Chrome ist nämlich genauso schnell wie Opera installiert. Warum verlässt man sich also nicht auf die Nutzer?

Ein großer Teil wird sicher treu bleiben und Apps wie die Suche, Maps und Co nutzen, aber Hersteller wie Samsung könnten die Chance nutzen und ihre eigenen Apps noch mehr pushen. Google entwickelt zwar das OS, doch bei der Hardware besitzt man mit den Pixel-Smartphones einen extrem kleinen Marktanteil.

Wird Google in Zukunft etwas für Android von Samsung und Co verlangen? Wird man eine andere Lösung finden, um sicherzustellen, dass man weiter die gewohnten Daten sammeln kann? Ich bin gespannt, wie Google nun reagieren wird.

Teilen

Hinterlasse deine Meinung
Du kannst auch als Gast kommentieren (Anleitung). DISQUS respektiert „Do Not Track“ und bietet einen Datenschutz-Modus an. Informationen zum Datenschutz auf mobiFlip.de findest du hier.