Hisense Sero 5: Mittelklasse-Smartphone im Kurztest

hisense sero 5 header

Bereits auf der vergangenen IFA in Berlin präsentierte das chinesische Unternehmen Hisense mit dem Sero 5 ein Mittelklasse-Smartphone. Nun hat uns der Hersteller das 5-Zoll-Gerät mit einem Verkaufspreis von rund 200 Euro für einen Test zur Verfügung gestellt. Was es so drauf hat, erfahrt ihr also in den folgenden Zeilen.

Zuerst aber wie immer die technischen Daten:

  • 5 Zoll IPS-Display mit einer Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln (295 ppi)
  • Snapdragon 400 mit 4 x 1,2 GHz
  • 1 GB Arbeitsspeicher
  • 8 GB interner Speicher, per microSD erweiterbar
  • Akku mit 2.500 mAh
  • 8 Megapixel Haupt- und Frontkamera
  • Konnektivität: LTE-Unterstützung bis zu 150 Mbit/s, NFC, Bluetooth 4.0
  • Gewicht: 133 Gramm
  • Android 4.4.2

Verpackungsinhalt und erster Eindruck

hisense sero 5 ovp

Mit einem Foto des Geräts und einem Hinweis auf irgendein Fußball-Sponsoring heben sich die Chinesen bei der Produktverpackung nicht ab. Immerhin weiß der Kunde aber schon kurz, was ihn erwartet, denn auch die Geräte-„Highlights“ bringt man unter. Überraschungen gibt es hier aber keine, zwei Siegel belegen den Neuzustand beim Kauf und sorgen dafür, keine B-Ware angedreht zu bekommen.

In der OVP begrüßt einen, wie bei jedem Smartphone-Kauf, das Objekt der Begierde, etwas anders als bei vielen Herstellern ist der Mechanismus gehalten, der das Zubehör freigibt. Statt unter dem Smartphone ist dafür bereits daneben eine Aussparung vorhanden, überrascht hat mich das doch recht dicke Handbuch, welches zwar mehrsprachig gehalten ist, aber doch einige mehr Funktionen erklärt als üblich.

hisense sero 5 zubehör

Nicht ganz so toll ist hingegen das weitere Zubehör. Das mitgelieferte Netzteil macht einen etwas billigen Eindruck und liefert leider nur einen Ampere. Das 120 cm lange USB-Ladekabel könnte so jedoch genau mit einem 20-Euro-Gerät von Aliexpress mitgeliefert werden und wirkt alles andere als hochwertig. Die Kopfhörer habe ich aus hygienischen Gründen nicht angerührt, aber immerhin: es ist eines dabei. Positiv hebt man sich durch die beigelegte Displayfolie inklusive Plastikkarte zum Anbringen und Mikrofasertuch hervor. Daumen nach oben.

Beim Design des Smartphones begehen die Designer kein Neuland, liefern aber ein rundes Gesamtpaket ab. Durch einen grauen Balken um die Displayfront wirkt das Sero 5 nicht komplett 08/15 und kann von anderen China-Geräten immerhin gut unterschieden werden. Das Hersteller-Logo auf Vorder- und Rückseite lässt sich natürlich auch Hisense nicht ergehen; auch, wenn 90 Prozent des Nicht-Nerd-Umfelds wohl nichts mit der Marke anfangen dürften.

hisense sero 5 rückseite

Auf der Rückseite prangt, wie gewohnt, mittig die Kamera, darum Mikrofon und ein einfacher LED-Blitz sowie unten rechts ein Lautsprechergitter. Als Material für die abnehmbare Rückseite kommt ein harter Kunststoff daher, der sich zwar nicht gummiert anfühlt, aber dennoch relativ rutschfest in der Hand liegt. Trotzdem wirkt das Ganze etwas billig, was in der Preisklasse aber keine Seltenheit ist. Power- und Lautstärke-Buttons befinden sich rechts, Klinkenbuchse freundlicherweise oben und micro-USB-Anschluss leider weit oben auf der linken Seite.

In der Höhe liegt das Hisense Sero 5 trotz „nur“ 5 Zoll großem Display mit 143,5 mm fast gleichauf mit dem LG G3 (5,5″). Durch Einsparung von einigen Millimetern in der Breite fühlt sich das Gerät jedoch trotzdem deutlich kompakter an und bleiben wir mal bei dem Vergleichsgerät, machen die lediglich 133 Gramm Gewicht doch einen recht starken Unterschied in der Handhabung aus.

hisense sero 5 ausgeschaltet

Hisense verzichtet auf On-Screen-Tasten und verbaut stattdessen Buttons für Menü, Home- und Zurück-Funktionalität. Das ist zwar sowas von 2011, ist mir aber immer noch lieber als ein schwarzer Balken mit Hersteller-Logo (soll es ja auch geben). Ein Multitasking-Knopf hätte es aber trotzdem gern sein dürften.

Das Smartphone war ausreichend vorgeladen, sodass es nach Einsetzen des entnehmbaren Akkus sowie einer SIM-Karte auch schon losgehen kann. Beim Hochfahren ertönt ein nerviges Gedudel mit der Stimme „Life just gets better, everyday Hisense“. Ist das überstanden, begrüßt den Nutzer der bekannte Android-Einrichtungsassistent und anschließend ein klassischer Vanilla-Homescreen, denn auf Bloatware verzichtet man komplett – feine Sache. Ins Auge sticht dabei…

Display

… erstmal wenig, denn das Sero 5 bietet kein wirkliches Alleinstellungsmerkmal. Nichtsdestotrotz kann sich das Display sehen lassen, die Auflösung von 1. 280 x 720 Pixeln bietet für die Preisklasse völlig ausreichende Schärfe, das Ausmachen von Pixeln fällt bis auf Situationen mit ganz kleinem Text wirklich schwer.

hisense sero 5

Die Farben des IPS-Panels kommen nicht zu blass rüber und sind dank guter Helligkeit auch im Sonnenlicht noch ablesbar. Das Sero-5-Display ist etwas gelbstichig, absolut blickwinkelstabil und insgesamt meines Erachtens im Mittelklasse-Segment mit sehr gut zu bewerten, kaum ein Gerät macht das besser, also eine tolle Sache.

Hisense verzichtet leider auf das bekannte Gorilla Glass, wodurch ich zwar ebenfalls keine Mikrokratzer in das Testgerät bekam, die Scheibe vor dem Display fühlt sich jedoch etwas rauer an als sonst üblich, der Unterschied fällt allerdings gering aus.

Software

Erster Schritt: Die nervige Musik bei jedem Hochfahren beenden, damit man das Gerät auch mal an öffentlichen Orten neustarten kann, ohne alle zu nerven. Wie bereits angemerkt, kommt das vorinstallierte Android 4.4.2 ohne einen eigenen Launcher aus, im Vergleich zum reinen Android gibt es lediglich ein paar Anwendungen mehr.

Dazu gehören beispielsweise die Softwareupdate-Suite, TouchPal X als brauchbare Tastatur, ein digitales Handbuch sowie WPS Office zum Anzeigen und Erstellen von Office-Dateien. Die vorinstallierte Taschenlampen-App verweigerte mit der Meldung „TaschenLampe wurde beendet“ komplett ihren Dienst und lässt sich auch nicht deinstallieren.

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Aufgrund der älteren Bedientasten wird das bekannte Multitasking-Menü über einen doppelten Druck auf die Home-Taste aufgerufen, während ein einfaches Tippen den Home-Bildschirm anzeigt, ein längerer Druck hingegen Google Now öffnet. Aufgrund der wenigen Modifizierungen gibt es hier kaum mehr Worte zu verlieren, bis auf die Tatsache, dass zu einer Lollipop-Aktualisierung leider keine Details bekannt sind.

Hardware und Performance

hisense sero 5 mit akku

Das Hisense Sero 5 bietet einen abnehmbaren Akkudeckel, dieser ist vergleichsweise schwer abzubekommen, die kleine Aussparung dürfte mit sehr langen Fingernägeln schwer zu bedienen zu sein. In der Abdeckung integriert befindet sich die NFC-Antenne, welche wie üblich mit zwei Pins bei geschlossenem Deckel verbunden ist.

Darunter verbirgt sich der große Akku, welcher entnommen werden muss, um die Micro-SIM-Karte einzusetzen. Speicherkarten können hingegen auch im Betrieb gewechselt werden, der Schacht dafür befindet sich oberhalb. Mehr gibt es dort nicht zu bestaunen, ein Aufschrauben dürfte dank handelsüblicher Kreuzschlitzschrauben kein Problem darstellen.

Der Snapdragon 400 gehört zur Standardausstattung von Mittelklasse-Smartphones mit Android, die vier Rechenkerne dürften später an ihr Limit stoßen, als der relativ magere, 1 GB große, Arbeitsspeicher. An den technischen Daten bestätigt es sich, dass das Sero 5 als direkter Konkurrenz zu Motorolas Moto G (der 2. Generation) ausgelegt ist.

sero 5 antutu

Benchmark-Freunde dürfen sich über knapp 20.000 AnTuTu-Punkte freuen, andere vertreiben sich die Zeit mit simpleren bis etwas anspruchsvolleren 3D-Spielen, welche ohne Performance-Einbrüche auskommen. Gut fünf Gigabyte des internen Speichers können nach Belieben gefüllt werden, mehr geht per microSD.

Die Bedienung im Alltag klappt absolut ruckelfrei, Anwendungen, wie Twitter, starten genau so schnell, wie auf dem Galaxy Note 4 mit Top-Hardware. In Spielen wird der Unterschied mit längeren Ladezeiten deutlicher, auch dies hält sich jedoch im Rahmen. Scrollen im Chrome-Browser klappt so flüssig wie das Wasser in der Sprudelflasche, mit welchem man das Sero lieber nicht überschütten sollte.

Akku(laufzeiten)

hisense sero 5 screenshot akku

Gemessen an der recht begnügsamen Hardware bietet das Hisense-Smartphone einen vergleichsweise großen Akku mit 2.500 mAh bzw. 9,5 Wh. Das sind gerade einmal knapp vier Prozent weniger als beim Samsung-Flaggschiff Galaxy S6, welches damit deutlich leistungsstärkere Hardware versorgen muss.

Im Alltag resultiert dies in sehr guten Akkulaufzeiten. An einem Testtag mit dem einen oder anderen Spielchen, Surfen, Nachrichten schreiben und gut drei Stunden UKW-Radio kam ich am Abend nach anderthalb Stunden Display-On-Zeit noch auf eine Akkuangabe von 60 Prozent. Mit dem Akkumonster Note 4 abends auf etwa ein Drittel Restkapazität.

Das Vergleichen mit anderen Geräten ist immer so eine Sache, gefühlt hielt der Akku jedoch um einiges länger, als bei vergleichbaren Mittelklasse-Smartphones wie dem Motorola Moto G oder auch der Android-Oberklasse mit stromhungrigeren Komponenten.

Auch wenn zwei Tage Nutzung mit dem Sero 5 also bei normalem Gebrauch möglich sein sollte, muss das Sero natürlich irgendwann wieder zurück an die Steckdose. Während man beim Akku selbst alles richtig macht, ist die maximale Stromstärke von einem Ampere beim Laden leider etwas gering, eine Vollladung braucht demzufolge um die zwei Stunden – schade.

Kameras

Verbaut ist eine 8-Megapixel-Kamera mit Offenblende von f/2.0. Dass sich bei Tageslicht brauchbare Bilder schießen lassen, ist mittlerweile bei fast jedem Smartphone der Fall und kaum noch der Rede wert. Fotos sind in dem Fall schnell gespeichert und geben die Farben gut wieder, lediglich das Bild zu vergrößern versucht man am Besten gar nicht erst.

Setzt die Dämmerung langsam ein, lässt die Fotoqualität deutlich nach, Bildrauschen überlagert die Aufnahmen, es entstehen aber noch teilweise brauchbare Aufnahmen. Ein paar Minuten länger gewartet und die Fotos mutieren in vielen Fällen zu Pixelmatsch. Bei Aktivierung des Fotoblitzes fand man sich in der Aufnahme direkt im Rotlichtmileu wieder, die LED taugt somit nur als Taschenlampenersatz.

Frontkamera? Nutze ich nicht, löst mit 2 Megapixeln auf und ist für Videotelefonie sicher brauchbar. Insgesamt ist die Kamera einer der Punkte, der, wie es zu erwarten war, weniger überzeugen kann. Wer nur bei optimalen Lichtbedingungen ein Bein vor die Tür setzt, kann das ignorieren.

Und sonst noch?

  • Durch den seitlichen micro-USB-Anschluss ist ein Aufladen in der Hosentasche oder üblichen Dockingstationen nicht möglich
  • Die Bedientasten sind beleuchtet, durch die sehr geringe Helligkeit fällt dies jedoch leider kaum auf.
  • 5-GHz-WLAN wird nicht unterstützt, was zwar absolut kein Problem darstellt, bei entsprechender Leitung jedoch auffällt.
  • UKW-Radio ist integriert und bietet einen guten Empfang, also holt die Kopfhörer raus.
  • Die Lautspecher mit ihrem großen Gitter klingen deutlich besser als erwartet, wer andere Leute mit lauter Musik in der Straßenbahn belästigen möchte, ist mit dem Sero 5 also gut beraten.
  • GPS ist natürlich mit an Bord und eignet sich prima für Runtastic und ähnliche Zwecke

Fazit

Bis auf die Kamera leistet sich der hierzulande noch recht unbekannte Hersteller Hisense mit dem Mittelklasse-Smartphone keine großen Schwächen. Die Bedienung klappt ruckelfrei, das Display kann überzeugen, der große Akku sorgt für sehr gute Laufzeiten und insgesamt macht die Bedienung trotz kleinerer Kritikpunkte Spaß.

Trotzdem dürfte es der Newcomer schwer haben, sich gegen die Konkurrenz wie dem Moto G der 2. Generation durchzusetzen. Im direkten Vergleich punktet das Hisense Sero 5 durch einen deutlich stärkeren Akku und die LTE-Unterstützung. Zieht man hingegen das G 2014 LTE zum Vergleich heran, ist der Akku-Unterschied marginal, allerdings hält sich das Motorola-Gerät konstant bei 199 Euro.

Das Sero 5 ist dagegen um etwa 12 Euro günstiger erhältlich, Amazon verlangt beispielsweise gut 187 Euro, im Marketplace lassen sich wenige Prozent sparen. In Anbetracht dessen täte es der Bekanntheit vermutlich gut, den Verkaufspreis leicht zu senken, um gleichauf mit dem Moto G ohne LTE zu liegen.

Für wen ist das Sero 5 also etwas? Schwere Frage, vermutlich entscheiden letzten Endes einfach persönliche Vorzüge, beispielsweise zu Bedientasten oder Optik. Sofern die Kamera auf der Prioritätsliste weit unten steht, macht man mit dem getesteten Smartphone auf jeden Fall nichts falsch.

Vielen Dank an Hisense für die Bereitstellung des Testgerätes.

Wertung des Autors
Peer Linder bewertet Hisense Sero 5 mit 3.9 von 5 Punkten.

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