Honor 7X ausprobiert

Honor 7x Header

Anfang Dezember präsentierte Honor das 7X erstmals für den deutschen Markt. Es handelt sich dabei um ein Mittelklasse-Smartphone, welches vor allem durch den großen Bildschirm im 2:1-Format punkten soll. Was das Gerät sonst noch so drauf hat – und was nicht – konnte ich nun vier Wochen lang im Alltag herausfinden. Alle Eindrücke gibt es im nachfolgenden Testbericht.

Los geht es mit den technischen Daten des Honor 7X, welche quasi 1:1 vom Mate 10 Lite übernommen wurden:

  • 5,93″ IPS-Display mit 2.160 x 1.080 Pixeln
  • Kirin 659 SoC mit acht Rechenkernen und Mali-T830 GPU
  • 4 GB Arbeitsspeicher
  • 64 GB interner Speicher
  • Akku mit 3.340 mAh (12,85 Wh)
  • Hybrid-Slot: Dual-SIM oder microSD
  • Kameras:
    • 16 MP Hauptkamera
    • 2. Rückkamera mit 2 MP
    • 8 MP Frontcam
  • WiFi b/g/n (2,4 GHz), Bluetooth 4.1, LTE Cat. 4
  • Maße: 157 x 75 x 7,6mm (ohne Kameras)
  • Gewicht: 165 Gramm

Unboxing

Honor 7x Unboxing Karton

Die Verpackung des Honor 7X ist wenig spektakulär. Sie ist kaum größer als das Smartphone selbst und kommt in typischem Honor-Blau daher. Da wir das Testgerät direkt auf dem Launch-Event in London erhalten haben, weicht der Lieferumfang vermutlich etwas von den Geräten des freien Handels ab.

So waren als Zubehör lediglich ein Netzteil mit EU-Stecker sowie ein passendes microUSB-Kabel enthalten. Das Netzteil macht durch die unterschiedlichen Spaltmaße keinen allzu hochwertigen Eindruck, gibt bei 5V Ausgangsspannung aber immerhin 2A aus. Das 1m lange Ladekabel mit Huawei-Prägung macht einen guten Eindruck und wirkt durch den dicken Mantel recht robust.

Honor 7x Lieferumfang 2

Zusätzlich gab es nur noch eine Metallnadel zum Öffnen des SIM- bzw. Speicherkarteneinschubes. Seriengeräte werden hingegen mit weiterem Zubehör ausgeliefert:

  • durchsichtige Plastikschutzhülle
  • Headset
  • Papierkram, u.a. zu den Garantiebestimmungen

Erster Eindruck

Zumindest das schwarze Honor 7X macht auf den 1. Blick einen recht zurückhaltenden Eindruck. Ein Metallgehäuse ist in der 300€-Preisklasse absolut keine Seltenheit mehr und das große Display fällt vorm Einschalten sowieso nicht auf. Penetranter ist da schon der silberne honor-Schriftzug unter dem Display und auch auf der Rückseite gibt es eine (besser versteckte) Markenkennzeichnung.

Hauptsächlich stechen rückseitig aber drei Elemente ins Auge. Zum einen wäre da der Fingerabdrucksensor, welcher mittig platziert wurde und somit zehn mal besser zu gebrauchen ist als jener bei Samsungs Flaggschiffen. Zusätzlich gibt es einen einfachen LED-Blitz und die Dual Kamera mit zwei einzeln herausstehenden Linsen.

Honor 7x Kameras 2

Letzere sind gleich der erste Kritikpunkt. Mit den herausstehenden Kameras muss man zwar mittlerweile leben, aber die Umsetzung beim Honor gefällt mir nicht sonderlich gut. Sie stehen knapp 2mm (Korrektur: es sind nur ~1,1mm) aus dem Gehäuse hervor und besitzen eine recht scharfkantige Metalleinfassung. Möchte man das 7X nun z.B. mit einer Stoffhülle von Fitbag nutzen, verhaken sich die Kanten der Kamera regelmäßig. Immerhin kippelt das Smartphone aber bei Auflage auf glatter Oberfläche nur unwesentlich – so ist auch ein Tippen auf dem Tisch kein Problem.

Die obere Seite beherbergt beim 7X lediglich das Mikrofon, auf der linken Seite geht es dann ausschließlich mit dem Slot für nano-SIM-Karte(n) und ggf. microSD weiter. Lautstärkewippe und Power-Button als Bedienelemente gibt es dann rechts. Als langjähriger Samsung-Nutzer (Einschalter rechts, Lautstärke links) ist das zunächst etwas ungewohnt, aber ebenfalls gut bedienbar.

Honor 7x Seite

Sofern man das Datenblatt nicht zuvor schon studiert hat, folgt bei Blick auf die Unterseite Ernüchterung: Obwohl das Smartphone Ende 2017 auf den deutschen Markt kam, gibt es nur einen micro USB (2.0) Anschluss. Ja ja: Wer ein Mittelklasse-Smartphone kauft, besitzt nicht zwangsläufig zigtausend andere Geräte mit USB C sodass das zum Problem wird. Aber ehrlich: Langsam kann man sich doch mal auf den neuen Standard festlegen.

Micro Usb What Year

Immerhin ist der Anschluss mit der flachen Seite nach vorne verbaut – und nicht wie bei einigen Geräten verkehrt herum. So lässt sich das Honor 7X auch in universelle Ladestationen einsetzen. Als weiteren Anschluss gibt es unten noch die geliebte Klinkenbuchse, dazu kommen vier Lautsprecherlöcher und ein weiteres Mikrofon.

Honor 7x Anschluesse Unten

Trotz des großen Displays liegt das Honor 7X durch abgerundete Kanten gut in meiner großen Männerhand. Eine einhändige Bedienung ist in den meisten Situationen problemlos möglich. Die Statusleiste erreiche ich mit einer Hand problemlos. Nur wenn sich mal ein Button in der die linken obere Ecke versteckt, muss kurz umgegriffen werden.

Zwei Kritikpunkte passen noch gut in dieses Kapitel: Die schwarze Rückseite ist sehr anfällig für Fingerabdrücke, beim blauen Gerät sieht es eventuell anders aus. Deutlich mehr stört mich aber das „2,5D-Glas“ beim Display. Dieses geht nicht nahtlos, sondern in Form eines deutlich spürbaren, scharfkantigen Übergangs in den Metall-Unibody über. Das fühlt sich absolut nicht sexy an und stört den ansonsten sehr wertigen Eindruck.

Hardware & Performance

Auf dem Datenblatt ist das Honor 7X mit Kirin 659 (gleicher SoC wie bei Nova 2 und Mate 10 Lite) für die Preisklasse recht perfomant ausgestattet und das bestätigt sich auch in der Praxis. Ein Ruckeln im Android-System ist nicht festzustellen und selbst das Durchscrollen komplexerer Websites im Browser stellt das Gerät nicht vor Herausforderungen. Dank 4 GB RAM ist ein Wechsel zwischen aktiven Anwendungen und Browser-Fenstern fast immer ohne Ladezeiten möglich. Auch sonst starten Apps aber meist in wenigen Sekunden und damit nur etwas langsamer als bei den Flaggschiffen.

Honor 7x Screenshot 23

Im AnTuTu-Benchmark erreicht das 7X trotz schlechtem Grafik-Wert solide 62.000 Punkte

Trotz des recht hohen Wertes von über 60.000 Punkten im AnTuTu-Benchmark ist das 7X kein Gaming-Monster. Grafiklastige Spiele wie Asphalt 8 laufen nur mit niedriger Grafikqualität flüssig und sehen dann entsprechend bescheiden aus. Dies ist wohl auf den vergleichsweise alten Grafikchip zurückzuführen. Die Mali-T830 MP2 ist bald zwei Jahre alt und wird z.B. schon im 150€ teuren Huawei P8 Lite (2017) verbaut.

Für mich persönlich ist das absolut kein Problem, da ich, wenn, dann sowieso fast nur 2D-Spiele auf dem Smartphone nutze. Wer aber sein Smartphone auch als mobile Konsole sieht, gerne schicke Spiele spielt (und ggf. das ganze Taschengeld in In-App-Käufe steckt), der könnte sich an der maximal mittelmäßigen Spiele-Performance doch stören.

Honor 7x Speicherkarte

Recht großzügig bemessen ist der interne Speicher. Dieser fasst laut Datenblatt 64 GB an Daten, bei Ersteinrichtung stehen davon noch rund 50 GB zur Verfügung. Selbst wenn man von der Dual-SIM-Funktionalität Gebrauch machen möchte, ist ausreichend Platz für Apps, Fotos und mehr. Vor allem die Lesegeschwindigkeiten des Speichers können sich zudem durchaus sehen:

Honor 7x Speicher Geschwindigkeit

Display

Das Display des 7X misst 5,93″ in der Diagonale. Durch das längliche 2:1-Displayformat ist dieser Wert nicht ganz mit dem von 16:9-Geräten vergleichbar. Festzuhalten gilt aber: Das Display ist wirklich groß und das Gerät somit ebenso. Und auch, wenn Honor das Ganze durch geschickte Pressefotos gut verbergen kann: „Randlos“ ist das Gerät auch an den Seiten keinesfalls.

Honor 7x Display

Das IPS-Panel insgesamt zu überzeugen. Die Auflösung von 2.160×1080 Pixeln ist bei der Größe völlig angemessen und auch kleine Texte erscheinen ausreichend scharf. Die Farben sind trotz IPS-Technik ziemlich blass, die Schwarzwerte insgesamt ok. Einen starken Farbstich konnte ich nicht feststellen. Wer möchte, kann die Farbtemperatur aber über die Einstellungen nach Belieben verändern.

Bauartbedingt ist die Blickwinkelstabilität sehr gut. Selbst aus einem 85°-Winkel zum Display verfälschen die Farben nicht, werden nur allesamt etwas dunkler. Damit hat man den teuren Flaggschiffen mit AMOLED-Panel einiges voraus. Dort verwandeln sich gern alle Inhalte ins Bläuliche, wenn man das Display nur etwas kippt.

Apropos dunkel… Insgesamt könnte das Display gerne etwas heller sein. Das fällt vor allem bei der Verwendung im Freien auf. Bei starkem Sonnenschein wird es teilweise schwer, die Inhalte auf dem Display noch zu erkennen. Insgesamt ist die Displayqualität der Preisklasse angemessen und weder ein großer Plus-, noch ein Minuspunkt.

Software

Honor liefert das Honor 7X mit Android 7.0 aus. Ein Update auf Android 8 Oreo ist geplant, soll allerdings erst im 2. Quartal 2018 ausgerollt werden. Das ist erstaunlich schwach für ein solch frisches Gerät, in der Praxis merkt man den Unterschied aber kaum. Oreo ist trotz des Versionssprungs ein nur kleines Update und neue Funktionen gibt es systemseitig kaum.

Honor und Huawei sind nicht gerade für ein reines Android-Erlebnis bekannt. Die hauseigene EMUI 5.1 überlagert das System in fast allen Anwendungsfällen. Das System selbst ist – wie so oft – Geschmackssache. Ich persönlich komme mit EMUI ganz gut zurecht, auch wenn mir die Optik an vielen Stellen nicht zusagt. Dafür sind die eigenen Apps wie MP3-Player und Wetter ganz gelungen. Ein App Drawer ist standardmäßig nicht vorhanden, in den Einstellungen aber aktivierbar.

Nervig ist die große Menge an Bloatware. Verschiedene Apps wie Booking.com, Facebook und Instagram sowie verschiedene Gameloft-Spiele sind bei Einrichtung bereits vorinstalliert. Glücklicherweise kann dieser Schrott ohne Probleme deinstalliert werden, während bei anderen Herstellern nur eine Deaktivierung möglich ist. Zusätzlich möchte einem der Setup-Assistent noch weitere Apps wie Wish.com, Flixbus und kaufDA andrehen, für die man vermutlich gute Provisionen erhält.

Noch nerviger als die Bloatware ist aber eine andere Software-Funktion. Standardmäßig startet das 7X 95% der Apps erst einmal im 16:9-Format mit schwarzen Balken. Erst nach einem Klick auf „in Vollbild anzeigen“ bei erstmaliger Verwendung der App wird sie dann angepasst und nimmt mehr Displayfäche ein. Da es bei keiner App zu Darstellungsfehlern kam, ist dieser zusätzliche Schritt meines Erachtens absolut unnötig – und auch in den Einstellungen ist kein standardmäßiger Vollbild-Start aktivierbar.

Ausdauer

Waren die Akkus von Mittelklassegeräten früher meist recht klein, bieten die Geräte mittlerweile nicht selten Akkulaufzeiten von bis zu zwei Tagen. Der Akku des Honor 7X fasst knapp 13Wh (3.340 mAh bei 3,85V) und ist damit recht großzügig bemessen. Zum Vergleich: Das Samsung Galaxy S8+ als ähnlich großes Flaggschiff bietet mit 13,5 Wh einen minimal größeren Akku, muss aber deutlich leistungsfähigere Hardware versorgen.

Honor 7x Ladegeraet

Insgesamt kam ich mit dem Honor 7X auch im Urlaub sehr gut über den Tag. Nach 3h aktivem Display und der Aufnahme einiger Fotos fiel die Akkustandsanzeige auf 34%. Bei ähnlicher Nutzung war das Galaxy S8 stets schon im Energiesparmodus angelangt, kam also nur noch auf maximal 15% Ladung. Besonders gut ist der geringe Verbrauch im Standby. Bei Nichtnutzung verlor das Gerät (im WLAN) nur knapp 15% Ladung pro Tag.

Insgesamt bin ich mit dem Akku des 7X somit sehr zufrieden. Das gute Abschneiden bei der Laufzeit ist sicher auch auf verschiedene Stromsparmechanismen der Software zurückzuführen. Während diese in der Vergangenheit teilweise dazu sorgten, dass z.B. einige Benachrichtigungen nicht eintrafen, konnte ich dies im Test nicht feststellen.

So gut der Akku auch ist, deutliche Defizite gibt es beim Ladevorgang. Auf eine Schnellladefunktion verzichtet der Hersteller komplett und demenstprechend lange benötigt man, um einen komplett leeren Akku wieder zu füllen. Bei angeschaltetem Gerät (und inaktivem Display) konnte ich den Ladevorgang wie folgt verfolgen:

  • 10% nach 15min
  • 33% nach 46min
  • 50% nach 1h 8min
  • 75% nach 1h 41min
  • 85% nach 2h
  • 100% nach 2h 40min

Dabei spielt es keine Rolle, ob das Honor 7X mit dem beigelegten 10W-Netzteil oder einem schnelleren Quick-Charge-Ladegerät aufgeladen wird.

Heutzutage können die meisten Smartphones in 30 Minuten wieder halb voll geladen werden. Dass das Honor 7X dafür mehr als doppelt so lange benötigt ist in der Praxis ein enormer Nachteil. Schnell mal zu Hause beim Essen oder unterwegs per Powerbank laden ist nicht drin – stattdessen muss bis zu 3h lang das Kabel an der micro-USB-Buchse baumeln.

Honor 7x Screenshot 16

Und ohne Kabel geht beim 7X ja sowieso nichts. Eine induktive Lademöglichkeit ist vom Hersteller nicht vorgesehen. Der praktische Qi-Charger auf dem Schreibtisch ist somit komplett nutzlos und es muss doch stets ein Kabel griffbereit sein.

Kamera

Wie schon der Vorgänger ist das Honor 7X rückseitig mit gleich zwei Kameras ausgestattet. Der Hauptsensor kommt auf eine Auflösung von 16 MP (im 4:3-Format), der sekundäre löst nur mit 2 MP auf. Diese Kombination ermöglicht es, Fotos mit einem künstlichen Unschärfe-Effekt zu versehen und soll Low-Light-Aufnahmen verbessern.

Sonderlich gut klappt das allerdings nicht, denn Aufnahmen mit dem 7X sind in der Dunkelheit ein reines Glücksspiel. Da kein optischer Bildstabilisator vorhanden ist, verwackeln die meisten Nachtaufnahmen. Die Automatik tendiert – wie auch bei der Konkurrenz – dazu, Nachtbilder unnötig aufzuhellen. Es ist aber auch ohne den Pro-Modus möglich, die Helligkeit etwas zu reduzieren. Unnötigerweise taucht der Helligkeits-Slider dazu erst nach kurzer Wartezeit auf.

Honor 7x Screenshot Kamera 6

Gelingt ab der Dämmerung doch mal ein gutes Bild, ist das Rauschen zwar auffällig, die Qualität für ein Mittelklasse-Smartphone aber insgesamt noch in Ordnung. Bei guten Lichtverhältnissen ist die Qualität erwartungsgemäß überzeugend. Durch die hohe Auflösung werden auch viele Details eingefangen und es wird kein übertriebener Scharfzeichner eingesetzt.

Die Kamera-Software ist größtenteils gelungen. Vorteilhaft sind viele verschiedene Fotomodi wie Foto, Profi-Foto, HDR, Panorama, Lichtmalerei (nur mit Stativ brauchbar), Zeitraffer und so weiter. Auch mit der generellen Bedienung kann ich mich gut anfreunden: Die vielen Modi sind per Swipe nach rechts erreichbar, auf der anderen Seite sitzen die Einstellungen. Auch die Möglichkeit, Sättigung, Kontrast und Helligkeit für alle Fotos auf einmal regeln zu können gefällt.

Zwei Dinge stören mich. Zum einen ist es zwar möglich, die Auflösung der Bilder zu verändern – aber nur in sechs verschiedenen Stufen. Gedacht hat man nur an 4:3 (max. 16 MP), 1:1 (max. 12 MP) und 18:9 (max. 11 MP). Es gibt keine Möglichkeit, Bilder ohne nachträgliches Zuschneiden direkt im 16:9-Format zu speichern. Wer hat sich das denn ausgedacht?

Weniger schlimm, aber auch ungünstig gelöst: Nach 30 Sekunden aktiver Anzeige verschwindet die Kamera-App automatischer in einer Art Standby-Modus. Erst nach einem Tippen auf das Display wird die Kamera-App dann wieder aktiviert und Aufnahmen sind möglich. Wenn man z.B. für ein Foto auf eine einfahrende U-Bahn wartet, wäre das Deaktivieren der Funktion sehr hilfreich.

Der Portrait-Modus mit Fake-Bokeh ist meiner Meinung nach nahezu unbrauchbar. Die Abgrenzung zwischen Person und Hintergrund geschieht gefühlt komplett willkürlich und dementsprechend sieht das Foto auch aus. Auf nachfolgendem Foto-Ausschnitt rutschen die Haare zwar in die Unschärfe ab, dafür wird die Straße scharf abgebildet:

Honor 7x Portrait Modus

Die Frontkamera schießt 8-MP-Fotos, die Bildqualität ist in Ordnung.

Und sonst noch?

Der (meines Erachtens etwas zu hoch platziere) Fingerabdrucksensor arbeitet ausgezeichnet. Es genügt schon, einen kleinen Teil des Fingers aufzulegen und schon ist das Gerät entsperrt. Auch die Einrichtung gelang problemlos – bei anderen Herstellern brauchte ich meist mehrere Anläufe bis der Finger korrekt erkannt wurde. Ob der Sensor im Gegenzug weniger sicher ist als die in Konkurrenzprodukten kann ich nicht beurteilen.

Honor 7x Fingerabdrucksensor

Das Display des Honor 7X ist laut Hersteller per Gorilla Glass geschützt – welche Version zum Einsatz kommt verrät man nicht. Obwohl ich das 7X einen Monat lang nur in einer Fitbag-Schutzhülle benutzt habe, sind schon jetzt einige längere Kratzer auf dem Bildschirm sichtbar. Das Galaxy S8 zeigt auch ein halbes Jahr nach dem Kauf keine solche Gebrauchsspuren.

Screenshot 20171226 161011

Des Weiteren sind festzuhalten:

  • Eine farbige Benachrichtigungs-LED ist vorhanden und informiert über Nachrichten sowie den Akkuladestand.
  • Double-tap-to-Wake ist standardmäßig inaktiv, kann aber in den Einstellungen aktiviert werden
  • Es gibt einen Modus zur Einhandbedienung
  • Das Feature „App-Twin“ ermöglicht die Benutzung von u.a. Messengern mit zwei verschiedenen Accounts
  • Die Qualität des Mono-Lautsprechers auf der Unterseite ist wenig überzeugend
  • Die Sprachqualität bei altmodischer Telefonie ist gut
  • Keine negativen Überraschungen gab es bei der Empfangsqualität im Mobilfunknetz
  • Die Anordnung der Navigationstasten kann variiert werden
  • „Geplantes Ein- / Ausschalten“ ist wie bei vielen MediaTek-Geräten möglich
  • UKW-Radio wird unterstützt, ein angeschlossener Kopfhörer dient dann wie üblich als Antenne

Am interessantesten (und traurigsten) ist beim Honor 7X allerdings ein Blick auf alle die Features, welche nicht vorhanden sind.

Kein NFC

In Deutschland ist die Zahlung per Smartphone bislang noch wenig verbreitet. Die meisten Nutzer werden über den fehlenden NFC-Chip daher noch gut hinweg sehen können. Ich nutze die Funktion hauptsächlich zur Kopplung des Smartphones mit der kompakten Canon-Kamera. Das ist zwar wenig intuitiv und erfordert jedes mal eine Berührung mit dem NFC-Chip, klappt aber noch deutlich besser als ohne NFC.

Das Fehlen eines solchen Chips ist für mich daher schade, aber noch verzichtbar.

Kein Gyrosensor

Selbst ein Gyrosensor ist entweder nicht verbaut oder nicht nutzbar. Das kannte ich so zwar von besonders günstigen Geräten wie dem Moto G5, habe es in der Preisklasse um 300€ jedoch nicht erwartet. Der Gyrosensor ist dazu da, die Position und Orientierung des Gerätes im Raum zu erfassen. Das ist beispielsweise wichtig für AR-Anwendungen, um eine Drehung des Geräts zu erkennnen. Zum Test habe ich die App „Google Street View“ auf dem 7X installiert. Diese ermöglicht auch die Aufnahme von 360°-Panoramen mit Unterstützung des Gyrokops.

Da solch ein Sender im Honor 7X nicht nutzbar ist, versucht das Gerät anscheinend, die Daten mit Hilfe von Kompass und Beschleunigungssensor zu berechnen. Das genügt zwar für eine ganz grobe Bestimmung im Raum, zu mehr aber auch nicht. Praktisch ist die App auf dem Gerät damit nicht nutzbar.

Bei XDA Developers wird davon berichtet, dass ein Gyrosensor tlw. doch verbaut ist und durch ein Software-Update freigeschaltet wird. Bislang traf auf dem Testgerät kein solches Update ein – und in diesem Zustand wird es bewertet.

Kein 5-GHz-WLAN

Ebenfalls nicht unterstützt werden WLAN-Netzwerke im 5-GHz-Netzwerk. In der Theorie ist das weniger ein Problem, wären doch auch darüber Übertragungsraten von zumindest 72 MBit/s möglich. Praktisch habe ich allerdings andere Erfahrungen gemacht. Bei der alltäglichen Nutzung zu Hause merkte man bis auf etwas langsamere Downloads mit der 400 MBit/s-Leitnung kaum einen Unterschied zu anderen Geräten.

Bei der Nutzung an öffentlichen Plätzen zeigte sich aber ein komplett anderes Bild. Besonders extrem ist der Unterschied an großen Flughäfen wie in Tegel und Frankfurt am Main. Bei Nutzung des Galaxy S8 war ich von der guten Verbindungsgeschwindigkeit in den Lufthansa Lounges an beiden Airports überrascht.

Der Versuch, mit dem Honor 7X noch einige essentielle Apps zu laden, führte hingegen zu jeder Menge Frust. Teilweise waren der Play Store und Seiten im Browser gar nicht erreichbar – wenn doch blieb er extrem träge. Beim Speedtest zeigte sich: Während das Galaxy S8 über 60 MBit/s im Downstream erreichte, dümpelte das 7X bei gerade einmal einem Prozent dessen herum.

Speedtest S8 Vs 7x

Honor 7X (links) vs Galaxy S8 (rechts) im WLAN-Vergleich

Mit ausführlichem Fachgesimpel zu den Hintergründen kann ich leider nicht dienen. Vermutlich ist das 2,4-GHz-Band an den Flughäfen heutzutage einfach völlig überlastet, was zum schlechten Abschneiden führte. Im 5-GHz-Netz gibt es zudem deutlich mehr verfügbare Kanäle, was zu weniger Problemen führt. Fest stteht jedenfalls: Das WLAN-Modul des Honor 7X war an mehreren deutschen Flughäfen praktisch nicht zu gebrauchen.

Fazit zum Honor 7X

Auf den ersten Blick handelt es sich beim Honor 7X um ein ziemlich ordentliches Mittelklasse-Smartphone. Bislang gibt es im Preissegment bis 300 Euro nicht viele Smartphones mit Display im Format 18:9 (2:1). Das große Displaypanel ist der Preisklasse angemessen, es gibt ein gut verarbeitetes Metallgehäuse und der Fingerabdrucksensor arbeitet schnell und präzise.

Die technische Ausstattung mit 64 GB Speicher und 4 GB RAM ist zudem recht großzügig und die Kamera macht zumindest bei Tageslicht wie erwartet gute Fotos. Mit dem 3.340-mAh-Akku ist das Gerät ordentlich ausdauernd und sollte bei fast allen Nutzern erst abends wieder an die Steckdose müssen. Dennoch gibt es Situationen, in denen Quick Charge nützlich wäre.

Honor 7x Kameras 4

Zusätzlich verzichtet man auf jede Menge Funktionen, die ich im Jahr 2017 (bis auf evtl. die unteren drei) als essentiell voraussetze:

  • 5-GHz-WLAN
  • Quick Charge
  • NFC
  • USB C
  • Gyrosensor (eventuell nur softwareseitig deaktiviert)
  • Induktives Laden
  • IP67-Zertifizierung
  • Optischer Bildstabilisator

Obwohl das 7X in vielen Punkten überzeugen kann oder zumindest einen soliden Eindruck macht, wurde ich mit dem Gerät daher insgesamt nicht sonderlich warm. Auf der einen Seite der gute Fingerabdrucksensor, 4 GB RAM, 64 GB Speicher – auf der anderen kein 5-GHz-WLAN, NFC oder Quick Charge: Das passt einfach nicht zusammen.

Statt wichtige Funktionen zu implementieren, verbaut Honor lieber eine Dual-Kamera, welche bis auf den miesen Portrait-Modus keinen praktischen Nutzen erfüllt. Den Einführungspreis von 299€ halte ich daher nicht für gerechtfertigt. Und selbst nach Abzug der 50€ Cashback (die Berichte zu solchen Aktionen sind nicht sonderlich positiv) ist das Gerät meiner Meinung nach noch zu teuer.

Interessant ist das Gerät im derzeitigen Zustand nur, wenn man unbedingt ein riesiges 18:9-Display im recht kompakten Gehäuse wünscht. Wer darauf verzichten kann, wirft lieber einen Blick auf die ähnlich teuren Alternativen

Eine davon ist das Moto G5(S) Plus. Dieses bietet zwar kein gestrecktes Display und lässt bspw. USB C und Gyrosensor vermissen, dafür aber andere Features. Einen Blick wert ist auch das Huawei P10 Lite. Hier gibt es ebenfalls ein kleineres Display und nur micro-USB, dafür aber NFC, 5 GHz-WLAN und Quick Charge.

Mein Vorschlag an Honor: Nächstes mal zehn Euro mehr in die Komponenten investieren und den Preis im Gegenzug etwas anheben. Vermutlich möchte man das aber gar nicht, um nicht mit teureren Produkten von Honor und Huawei zu konkurrieren.

Vielen Dank an Honor für die Bereitstellung des Testgerätes.

Wertung des Autors

Peer Linder bewertet Honor 7X mit 3.5 von 5 Punkten.

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