Misfit Phase: Schlichte Hybrid-Uhr im Test

Vergangenes Jahr konnte ich mit dem Misfit Ray einen edel anmutenden Fitness-Tracker der seit einiger Zeit zu Fossil gehörenden Marke testen, kürzlich fand sich dann die Hybrid-Uhr Misfit Phase bei mir ein.

Wie smart das Wearable zum Preis von 179 Euro wirklich ist, möchte ich euch in den folgenden Zeilen erzählen.

Misfit Phase: Design & Verarbeitung

Bei der Misfit Phase handelt es sich um eine herkömmliche Uhr, die mit einigen Sensoren und einem Bluetooth-Modul auch zum Tracken der eigenen Aktivitäten verwendet werden kann. Demnach standen Design und Verarbeitung bei der Entwicklung des Produkts im Vordergrund, was auch ersichtlich wird, wenn man das Wearable das erste Mal auspackt.

Das robuste, aber nicht sonderlich dünne Metall-Gehäuse macht einen hochwertigen Eindruck und wird auf der Oberseite von einem Edelstahl-Rahmen geziert, der die Uhr optisch noch einmal ein bisschen interessanter macht. Ansonsten wirkt die Misfit Phase ziemlich schlicht, was unter anderem an den nicht gerade auffälligen Edelstahl-Zeigern und der in derselben Farbe wie das Gehäuse gehaltenen Lünette liegt. Dadurch eignet sich die Uhr zu jedem Outfit – dass sich in ihr smarte Funktionen verstecken, ist ganz und gar nicht ersichtlich.

Zum tollen Tragekomfort der Misfit Phase trägt auch das mitgelieferte Armband bei, welches mit zwei Druckknöpfen auf jeder Seite am Gehäuse befestigt werden muss. Hierdurch können keine Standard-Armbänder mit der Phase verwendet werden, jedoch bietet Misfit selbst zahlreiche Modelle, beispielsweise auch aus Leder, zu Preisen von 30 bzw. 40 Euro an. Das bei mir beiliegende Silikon-Armband war erstaunlich weich und bequem, zog Staub allerdings magisch an, weshalb man es ab und zu sauber machen sollte, um die schöne Optik nicht zu zerstören.

Misfit Phase im Preisvergleich

Misfit Phase: Das Fitness-Tracking

Wie ein herkömmlicher Fitness-Tracker ist die Misfit Phase in der Lage, die Aktivitäten ihres Trägers aufzuzeichnen und dabei auch zwischen diversen Sportarten zu unterscheiden. Möglich sind beispielsweise Joggen, Radfahren, Fußball und Tanzen, wobei dank einer Wasserdichtheit bis 5 ATM auch Schwimmen unterstützt wird. Möchte man dabei auch die Runden gezählt bekommen, muss allerdings ein In-App-Kauf mit einem Preis von 10,99 Euro getätigt werden, was meiner Meinung nach für ein so teures Wearable etwas unverschämt ist.

Aufgezeichnet werden die Daten gefühlt ziemlich genau, startet man eine Sportart muss man jedoch daran denken, dies der Phase über einen Druck auf einen Knopf mitzuteilen, damit diese korrekt identifiziert wird. Abgesehen davon ist die Verwendung als Fitness-Tracker simpel und bequem – hat man sein Ziel erreicht, wird man beispielsweise über eine Vibration der Uhr darüber in Kenntnis gesetzt.

Möchte man zwischendurch nachschauen, wie weit man bereits ist, drückt man einfach auf den oberen der beiden Knöpfe der Uhr, woraufhin die Zeiger den bisherigen Fortschritt in Prozent anzeigen und daraufhin wieder auf ihre normale Position zurückkehren. Hierbei störte es mich an besonders aktiven Tagen jedoch ein wenig, dass bei Überschreiten des Ziels lediglich ein Fortschritt von 100 Prozent angezeigt wurde, die Zeiger demzufolge keine Daten darüber hinaus anzeigen können.

Möchte man nämlich genauere Informationen haben, muss man dann das Smartphones aus der Hosentasche holen und einen Blick in die Misfit-App werfen. Diese stellt die getrackten Informationen übersichtlich dar und erlaubt die Konfiguration vieler Einstellungen. Unter anderem ist es möglich, eine Bewegungserinnerung zu aktivieren, woraufhin die Phase einen in regelmäßigen Abständen per Vibration darauf hinweist, dass man kurz aufstehen und sich bewegen sollte.

Etwas schade ist zu guter Letzt, dass Misfit im Gegensatz zu Withings bei der Steel HR keinen Herzfrequenzsensor verbaut. Das hat zur Folge, das man vor allem durchschnittliche Nutzer anspricht und die Ausrichtung als Uhr betont, ambitionierte Sportler werden somit aber wohl kaum zur Misfit Phase greifen. Das Weglassen des Features hat aber auch einen Vorteil: Bis zu 6 Monate hält die Hybrid-Uhr durch, ohne dass die verbaute Knopfzelle gewechselt werden muss. Sorgen um das nervige Aufladen muss man sich bei der Phase somit nie machen.

Misfit Phase: Das Schlaf-Tracking

Neben den sportlichen Aktivitäten zeichnet die Misfit Phase selbstverständlich auch den Schlaf auf, was ebenfalls ziemlich genaue Daten hervorbringt. Selbst ein kurzes Aufwachen in der Nacht ist am nächsten Tag in der Regel innerhalb der App zu sehen.

Gefühlt etwas schwächer als bei anderen Fitness-Trackern fällt der Vibrationsalarm der Misfit Phase aus, welcher mich nie aus meinem relativ tiefen Schlaf reißen konnte. Außerdem handelt es sich hierbei um keinen „intelligenten“ Wecker, der einen in einer Leichtschlafphase weckt, sondern um einen, der zu einer zuvor fest definierten Uhrzeit vibriert. Persönlich würde ich daher eher dazu raten, ihn als eine Art Timer zu verwenden – zumindest ich würde mich aufgrund der zu sanften Vibration nicht auf die Phase als alleinigen Wecker verlassen.

Benachrichtigungen auf der Misfit Phase

Misfit Phase mit roter Benachrichtigungsanzeige

Sinnvoller ist die Vibrationsfunktion dahingegen, um auf auf dem Smartphone eingegangene Benachrichtigungen hinzuweisen. Innerhalb der Misfit-App kann diese Funktion für einzelne Anwendungen aktiviert und deaktiviert werden, wobei jeder App eine Farbe aus einem begrenzten Farbspektrum von sechs Farben zugewiesen werden kann. Diese ist dann beim Eintreffen einer Benachrichtigung für kurze Zeit in einem kleinen unauffälligen Kreis auf der Lünette der Misfit Phase zu sehen.

Da Misfit anders als von mir ursprünglich vermutet wurde nicht auf eine Benachrichtigungs-LED setzt, sondern mechanisch einen kleinen, farbigen Kreis hinter die Aussparung in der Lünette schiebt, ist das Benachtichtigungs-Feature abgesehen von der Vibration absolut unauffällig gestaltet. Das macht es natürlich aber auch etwas schwieriger, die Farbe zu erkennen – gerade in dunklen Umgebungen ist das beispielsweise gar nicht mehr möglich.

Schön wäre es, wenn Misfit einem hier noch die Möglichkeit geben würde, die Vibration anzupassen, um auch ohne einen Blick auf die Uhr zwischen Benachrichtigungen verschiedener Apps unterscheiden zu können. Da das Misfit Ray bereits dieses Feature besaß, wäre eine Integration vermutlich relativ einfach umzusetzen.

Misfit Phase im Preisvergleich

Misfit Phase: Der Smart Button

Die Einstellungen für die Belegung des Knopfes

Zu guter Letzt kann die Misfit Phase auch noch dazu verwendet werden, einige Aktionen direkt vom Handgelenk aus zu steuern. Verwendet wird hierzu der untere Knopf auf der rechten Seite der Uhr, dessen Funktionalität innerhalb der Misfit-App konfiguriert werden kann. Eine Belegung ist mit bis zu vier Features möglich, wobei folgende Optionen zur Auswahl stehen:

  • Aktivität Taggen
  • Musik Remote
  • Selfie Button
  • Präsentations-Steuerung
  • Smartphone klingeln
  • Logitech Harmony
  • IFTTT

Gerade die letzten beiden Punkte bieten einem viele Möglichkeiten, die besonders praktisch sein könnten. So dürfte es mit Logitech Harmony unter anderem gelingen, den Fernseher über die Phase anzuschalten, und IFTTT bietet Zugriff auf eine Verknüpfung mit gefühlt endlos vielen Diensten. Hat man smarte Glühbirnen installiert, können diese beispielsweise direkt am Handgelenk an- bzw. ausgeschaltet werden.

Fazit zur Misfit Phase

Mein Fazit entspricht vielleicht nicht der Natur eines Techblogs, dennoch bin ich der Meinung, dass es nicht fair wäre, die Misfit Phase mit herkömmlichen Fitness-Trackern zu vergleichen. Hybrid-Uhren bilden ein Marktsegment, in dem zum Preis normaler Uhren nun deutlich smartere Produkte angeboten werden, bei denen das Design im Vordergrund steht. Sportler werden auch weiterhin zu hochpreisigeren Fitness-Trackern greifen, die dann teilweise mehr Aktivitäten unterstützen oder einen integrierten GPS-Chip besitzen.

Obwohl die Misfit Phase keine dünne Uhr darstellt, sagte mir das Design zu, auch kann der Tragekomfort als sehr angenehm bezeichnet werden. Des Weiteren macht das Wearable all das, was es kann, gut, wenn auch mit einem Fokus auf die Schlichtheit und Eleganz.

Etwas anders ging es da Withtings bei der Steel HR an, die mit einem Herzfrequenzsensor und einem kleinen Display weitaus mehr Features besitzt, dafür aber auch nicht mehr ganz so edel wirkt und eine deutlich kürzere Akkulaufzeit besitzt. Zu welchem der beiden Modelle man schlussendlich greifen sollte, muss schlussendlich vermutlich jeder selbst entscheiden.

Der Preis in Höhe von 179 Euro ist auf jeden Fall nicht günstig, für eine Hybrid-Uhr aber auch nicht außerordentlich teuer. Hier bezahlt man neben der Technik auch das Design – von normalen Uhren sind wir schließlich auch nichts anderes gewohnt.

Vielen Dank an Misfit für die Bereitstellung des Testgeräts. Dieses wurde nach der 3 Wochen langen Testphase wieder zurück an den Hersteller gesendet.

Wertung des Autors

Niklas Jutzler bewertet Misfit Phase mit 4.1 von 5 Punkten.

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