Onlinehandel: Impulse statt Bedrohung für Offlinegeschäft

Amazon tötet den heimischen Buchhandel, so heißt es verschiedentlich, wenn man Konsumenten nach ihrer Meinung zum Internethandelsriesen befragt, für den einst mit Büchern alles begann. Doch es ist nicht ganz so simpel.

Abgesehen von dem nicht unerheblichen Umstand, dass die existenziellen Bedrohungen für kleine Einzelhandelsbetriebe schon lange vor der Internetwirtschaft in Form von Kaufhäusern und später Supermärkten und Shopping-Centern am Horizont auftauchte, gibt es tatsächlich Grund daran zu zweifeln, dass Amazon und co. in der Hauptsache am vielerorts zu beobachtenden Aussterben der Innenstädte Schuld tragen.

Nachbar Onlineshop

Tatsächlich wagen zunehmend originäre Händler aus dem Onlinesegment den Schritt in die physische Welt und eröffnen Ladengeschäfte. Hier ist in erster Linie nicht Amazon mit seinen noch (sehr) spekulativen eigenen Buchläden zu nennen, sondern vielmehr deutsche Shops und Versender wie der IT-Verkäufer Cyberport mit derzeit 15 Ladengeschäften in Deutschland oder der Notebookversender notebooksbilliger.

Ein Cyberport Store

Ein Cyberport Store

Auch die Schokoladenmanufaktur Chocri aus Berlin, deren Geschäftsmodell aus dem Versand individualisierter Mischungen besteht, hat inzwischen einen eigenen Verkauf eröffnet, laut Geschäftsführer Michael Bruck eine absolut positive Entscheidung. Ähnlich verhält es sich mit Mymuesli, einem Versender individualisierter Frühstücksflocken, er betreibt inzwischen 36 Mymuesli-Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Nach Einschätzungen des Handelsforschungsinstituts EHI aus Köln stellt diese Entwicklung einen messbaren Trend dar, gerade wenn es darum geht bestimmte Käuferschichten zu adressieren, für die das physische „Begreifen“ eine besondere Rolle spielt.

Demnach gebe es sowohl bei technikaffinen, als auch Gadgetverliebten „Hipstern“ häufig das Bedürfnis ein Produkt vor dem Kauf anzufassen respektive zu verkosten.

Kein isoliertes Wachstum

Diese vereinzelt eröffneten Shops tragen aber nicht nur an ihrem Standort zur Belebung von Innenstädten bei, die Produkte innovativer Onlinehändler gelangen auch ins Sortiment von traditionellen Supermärkten. Diese sterben Dank des konstanten, sehr realen Bedarfs an Lebensmittel zwar nicht so schnell aus, diese Entwicklung zeigt aber, dass man sich um die Existenz physischer Points of Sale in näherer Zukunft nur bedingt zu sorgen braucht.

Natürlich, und das darf nicht übersehen werden, bedarf es heute einer gesteigerten Fantasie und Flexibilität, um ein Geschäft erfolgreich zu führen. Dies gilt allerdings für Offline wie Onlinehandel gleichermaßen.

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