Smart Home Security: Piper nv Testbericht

Getreu dem Motto „My home is my castle“ habe ich mir ein bekanntes All-In-One Sicherheitssystem mal ein wenig genauer angeschaut.

Es handelt sich bei Piper um den Hersteller einer gleichnamigen All-in-one Lösung, was bedeutet, dass in einem einzigen Gerät alle notwendigen Funktionen sowie Sensoren vereint sind. Wie ihr später lesen werdet, lässt sich Piper mit Zubehör außerdem noch erweitern. Getestet habe ich den „Piper nv“  in der weißen Variante, das Kürzel „nv“ steht hierbei für Night Vision.

Der erste Eindruck

Wie für elektronische Geräte üblich, kommt auch Piper in einer Verpackung, die den Nutzer sofort über alle wichtigen Funktionen informiert. Zieht man dann die Umhüllung von der länglichen Verpackung ab, wird man mit einer edel aussehenden, orangenen Packung konfrontiert. Diese lässt sich nach oben abnehmen und offenbart den Piper.

Ich hatte direkt das Gefühl, dass auf eine edle Verpackung und ansprechende Präsentation des Gerätes sehr viel Wert gelegt wird. Unterhalb des Gerätes befindet sich noch eine kleine Schachtel mit dem notwendigen Zubehör.

Piper nv

Zum Gerät selber: Auf Fotos habe ich Piper immer für hässlich gehalten, muss aber gestehen, dass er in echt gar nicht so schlimm aussieht. Natürlich gibt es schönere Designs und obwohl das Gerät leider ziemlich deutlich als Kamera erkennbar ist, bin ich alles in allem doch recht zufrieden damit. Zumal der Standfuß aus Metall und der Korpus aus hochwertigem Kunststoff besteht. Alles in allem also ein recht rundes Paket.

Ein kleiner Kritikpunkt ist mir jedoch trotzdem aufgefallen: Es ist zwar eine Platte zur Wandmontage im Lieferumfang enthalten, diese ermöglicht es aber, genauso wie der Standfuß, nicht, die Kamera beliebig auszurichten. Hier wäre ein Standfuß mit einem flexiblen Gelenk auf jeden Fall geeigneter. Zum Glück relativiert sich das durch den enormen Weitwinkel aber wieder etwas.

Pipers technische Daten

Nach dem ersten Eindruck stehen natürlich die inneren Werte auf dem Programm. Das Wichtigste zuerst: Verbaut ist eine 3,4 Megapixel Kamera mit einer 180 Grad Weitwinkellinse, durch die man gefühlt jeden Bereich eines Raumes einsehen kann. Zusätzlich verfügt mein Modell über eine Nachtsichtfunktion, die ebenfalls gut funktioniert. Unter der Kamera befinden sich ein Bewegungsmelder, sowie Sensoren für Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Oben an dem Gerät ist eine 105 dB laute Sirene verbaut, die mir in einem Testlauf fast einen Gehörsturz verpasst hat und somit optimal zur Abschreckung möglicher Einbrecher geeignet ist.

Piper Verpackung

Kontakt zur Außenwelt erhält Piper mittels WLAN 802.11 b/g/n, ich hätte mir jedoch auch einen LAN-Anschluss gewünscht. Die Stromversorgung erfolgt ganz normal per Netzteil. Sollte ein potentieller Ganove jedoch auf die Idee kommen und dieses aus der Steckdose ziehen, ist noch längst nichts verloren: Vor der Inbetriebnahme müssen nämlich drei (im Lieferumfang enthaltene!) Akkus eingelegt werden. Wird die Stromversorgung also getrennt, können Sirene und Kamera noch ein wenig weiter betrieben werden.

Die Steuerung per App

Gesteuert wird der kleine Aufpasser natürlich über eine App. Das ist einerseits wirklich toll, andererseits ein Nachteil, denn die Steuerung erfolgt nur über die App. Habe ich also einmal keinen Zugang zu meinem Handy, habe ich auch keinen Zugang zu Piper. An dieser Stelle fehlt also definitiv eine passende Weboberfläche.

Zur Einrichtung: Piper wird mit den Akkus bestückt, und an die Steckdose angeschlossen. Danach läd man die App herunter und erstellt ein Nutzerkonto. Die App leitet dann durch den ungefähr zehnminütigen Aktivierungsprozess, in dem Piper mit dem W-LAN  und der App verbunden wird. Dabei kann der Nutzer dem kleinen Aufpasser auch einen Namen geben, ich habe ihn auftragsgemäß „Rex“ getauft.

Sinn und Zweck der Namensgebung ist, dass der Nutzer bei der Verwendung mehrerer Piper leichter den Überblick behält und zum Beispiel Namen wie Wohnzimmer  oder Flur  vergeben kann.

Piper Dashboard

Nachdem die Einrichtung abgeschlossen ist, landet man als Nutzer auf dem Dashboard. Von hier aus besteht ein direkter Zugriff auf die Kamera des Geräts (der betreffende Bereich ist hier weiß) und es können verschiedene Modi aktiviert werden. Außerdem wird die aktuelle Innen- und Außentemperatur angezeigt.

Bei den drei Modi handelt es sich einmal um die Situation, dass Piper aktiviert werden soll, man sich jedoch zuhause befindet. Zweitens, dass Piper aktiviert werden soll, man sich aber außer Haus befindet und drittens um einen „deaktiviert“ Modus.

Die Modi müssen zuvor jedoch erst einmal konfiguriert werden, Piper muss also wissen, wie er sich verhalten soll, wenn beispielsweise eine Bewegung erkannt wird. Im Detail kann man Aktionen für „Wenn Piper eine Bewegung erkennt“, „Falls die Temperatur sich ändert“ und „Falls lautes Geräusch festgestellt wird“ (oder ein bestimmtes Zubehörteil Alarm schlägt) festlegen.

Die dann möglichen Aktionen könnt ihr dem folgenden Screenshot entnehmen. Das rote Dreieck in der unteren Ecke aktiviert übrigens die Sirene. Einfach das Symbol nach links wischen und los gehts.

Piper Einstellungen

Wenn jemand Haustiere hat und diese gerne vor der Linse herum tollen, hat der Nutzer die Möglichkeit, die Sensitivität der Sensoren einzustellen. (Ob die Funktion hält was sie verspricht kann ich nicht beurteilen, da unsere Katze partout keine Lust hatte, mir bei dem Test zu helfen. Damit ihr aber trotzdem auf eure Kosten kommt, gibt es ein Bild von der Piper Homepage. ;-)

Piper-Pets-settings

Alle Geschehnisse werden in einer Zeitleiste  festgehalten. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine chronologische Auflistung der letzten dokumentierten Vorkommnisse. Der Nutzer kann sich hier noch einmal einen Überblick verschaffen und die aufgenommenen Videoclips ansehen.

Der Reiter Videoclips  bündelt noch einmal alle Aufnahmen an zentraler Stelle. Diese Clips können auch heruntergeladen werden, um sie zum Beispiel an die Polizei zu versenden. Des Weiteren gibt es einen Reiter namens Hausstatus, der einen Überblick über die Daten sämtlicher Sensoren geben soll. Diese Übersicht ist aber leider fast komplett unbrauchbar, da sie überhaupt nicht detailliert ist.

Ich bekomme zwar einen ganz groben Eindruck über des Status meines Wohnbereichs, mehr aber auch nicht. Hier ist auf jeden Fall noch Nachbesserung gefragt, die durch ein Update hoffentlich bald erfolgt, sodass ich einen detaillierten Einblick erhalten kann.

(Da ich Piper kurzzeitig deaktiviert hatte, sind hier nur die Online-Daten der Außentemperatur vermerkt, nach einem Tag füllen sich alle anderen Kategorien jedoch wieder.)

Piper Ereignisse

Alles in allem ist die App sehr ansprechend und vor allem übersichtlich gestaltet und bietet dem Nutzer eine gute Möglichkeit, seinen Piper im Griff zu behalten. Erhältlich ist sie natürlich sowohl für iOS, als auch für Android.

Der Praxistest

In meinem Praxistest hat sich Piper ziemlich gut geschlagen, und nur wenige Schwachstellen gezeigt. Er hat zuverlässig alle Geschehnisse gemeldet und die Aktion ausgeführt, die ich ihm vorgeschrieben hatte. Ein oder zweimal musste ich mich mit einer Einstellung etwas näher auseinandersetzen, bis ich sie vollends unter Kontrolle hatte, was aber kein Problem darstellte.

Die Nachtsicht funktionierte auch immer zu meiner Zufriedenheit. Ein cooles Feature ist außerdem die Möglichkeit, nicht nur die Geräusche in dem jeweiligen Raum mitzuhören, sondern auch Audio an Piper zu übertragen. Einfach im Videomodus den Button gedrückt halten und schon kann man vom Strand aus sein Haustier vom Tisch scheuchen oder dem netten Nachbarn sagen, welche Blume er vergessen hat zu gießen.

Hat der kleine Wachhund dann einmal eine von mir als meldungspflichtig eingestellte Aktivität erkannt, schaltet er in den sogenannten Alarm-Modus. Macht ja auch Sinn, denn wenn etwas verdächtiges passiert, ist man ja eigentlich doppelt so aufmerksam. Bei dem Gerät ist aber eigentlich das Gegenteil der Fall: Sobald eine Bewegung erkannt wurde, wird erst einmal ordnungsgemäß eine Videosequenz aufgenommen und der Nutzer per Push-Benachrichtigung informiert. Danach werden bei weiteren Bewegungen jedoch solange keinerlei weitere Videos von Piper aufgenommen, bis der Nutzer das Gerät wieder über die App reaktiviert.

Warum diese Funktion integriert wurde ist mir völlig schleierhaft (vermutlich um die Serverkapazitäten nicht auszureizen), denn bei einem Einbruch zählt doch jede Sekunde Videomaterial um die Kriminellen zu identifizieren. Wenn der Nutzer die Benachrichtigung gerade nicht sieht oder einmal das Internet am Handy ausgeschaltet hat, dann kann der Verbrecher so oft den Raum betreten wie er will und wird nur einmal aufgezeichnet.

Auf Anfrage beim Support erklärte man mir, dass eine „automatische Reaktivierung“ eingestellt werden kann. Bei dieser aktiviert sich Piper fünf Minuten nach einer ungewöhnlichen Aktivität von selbst wieder. Wenn man sich aber ins Gedächtnis ruft, wie lange Einbrüche zum Teil nur dauern, ist dieses Feature relativ nutzlos. Nachbessern bitte!

Piper SetUp

Ein Vorteil, den wahrscheinlich auch die meisten professionellen Sicherheitssysteme mittlerweile haben werden besteht darin, dass aufgenommenes direkt ins Internet hochgeladen wird. Zerstört ein Eindringling also die Kamere, hat dies keinen Einfluss auf bereits erstellte Videos. Die Qualität der Videos ist übrigens auf einem ausreichenden Niveau. Mit fast vier Megapixeln darf man natürlich keine gestochen scharfen Bilder erwarten, aber gefilmte Personen lassen sich ausreichend gut erkennen.

Es gilt ja sowieso: Je höher die Auflösung, desto mehr Datenverkehr entsteht und desto schwieriger ist ein Livestream zu realisieren. Dafür kann in einer Aufnahme herein und herausgezoomt und der Blickwinkel geändert werden. Der Nutzer kann ein Video sogar aus vier unterschiedlichen Blickwinkeln gleichzeitig betrachten.

Möchte man die Kamera in einer Wohnung nutzen, in der der WLAN-Zugang mit einem persönlichen Account (Nutzername und Passwort) versehen ist, sollte man eher nach einer anderen Lösung Ausschau halten. Es besteht nämlich keine Möglichkeit die erforderlichen Daten über die App einzugeben, sodass der Zugang zum Netzwerk verweigert wird.

Zugegebenermaßen habe ich mich während des Tests mit Piper im Zimmer manchmal ein klein wenig mulmig gefühlt. Dass ständig eine Kamera plus Mikrofon auf mich gerichtet ist entspricht einfach nicht meinen Privatsphäre-Empfinden. Gelöst habe ich das Ganze einfach, indem ich das Gerät über die App deaktiviert und dann in den Schrank gestellt habe, auf dem es Stand.

Da es eingesteckt blieb, brauchte ich es vor dem Verlassen der Wohnung nur wieder herauszuholen und über die App zu aktivieren. Kein Problem also.

Erweiterung durch Zubehör

Z-Wave Zubehör

Durchdacht ist die Erweiterung des Gerätes mit optionalem Zubehör. Der Nutzer kann jedes Z-Wave fähige Gerät mit Piper verbinden und direkt über die App steuern. Neben Sicherheitsrelevanten Dingen wie Tür- oder Fenster-Sensoren gibt es auch für den Alltag nützliches Zubehör wie einen Regensensor, smarte Steckdosen oder Glühbirnen. Auf der Piper Homepage werden einige Z-Wave Produkte angeboten, als Nutzer ist man durch die große Auswahl an Z-Wavefähigen Produkten jedoch nicht darauf beschränkt.

Fazit zu Piper nv

Für wen eignet sich das Gerät? Piper eignet sich für alle Menschen, die etwas mehr Sicherheit in ihr Leben und vor allem ihre eigenen vier Wände bringen möchten. Im Prinzip kann jeder Piper nutzen, ich würde ihn aber besonders Personen ans Herz legen, die in einer Wohnung leben. Hier kann der kleine Bewacher seine Stärken nämlich voll ausspielen.

Wer hingegen ein eigenes Grundstück mit Eigenheim besitzt, der sollte wahrscheinlich etwas mehr Geld ausgeben und eine professionelle Alarmanlage mit Außenkameras und ähnlichem installieren lassen. Das soll aber nicht heißen, dass Piper hier komplett fehl am Platz wäre. Denn besser ich habe ein Haus mit Piper, als ein Haus ohne Piper ;-)

Schaden kann es in keinem Fall, nur wird die Überwachung vielleicht nicht ganz so effektiv sein. Zumal Piper nur im Innenbereich eingesetzt werden kann. Eine wetterfeste Außenvariante ist noch nicht erhältlich.

piper-footer

Lobenswert ist noch die Produktpolitik des Unternehmens: Der Nutzer kauft sich das Gerät und muss mit keinerlei  Zusatzkosten, zum Beispiel in Form von monatlichen Gebühren, rechnen. Dafür ist aber auch der Anschaffungspreis nicht ohne.

Alles in allem kann ich Piper weiterempfehlen, es handelt es sich um ein solides und vor allem Innovatives All-In-One Sicherheitssystem. Die kleinen Schwächen, die sich im Test offenbart haben sind zum Glück fast ausschließlich auf die Software zurückzuführen, weshalb eine Verbesserung durchaus schnell und ohne Aufwand für den Kunden möglich sein sollte. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was zukünftige Updates mit sich bringen und werde das natürlich im Auge behalten.

Wertung des Autors

Tim Berghoff bewertet Piper nv mit 3.9 von 5 Punkten.

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