Smart Steps: O2 will Bewegungsdaten seiner Kunden an Werbeindustrie verkaufen

Der spanische Telekom-Konzern Telefónica wird heute den Mobilfunkbetreiber o2 an die Börse bringen, das bringt nicht nur neues Geld in die Kassen, sondern erhöht natürlich auch den Druck auf das Unternehmen, weiterhin an der Gewinnschraube zu drehen. Dies will man in Zukunft auch mit einem sensiblen Bereich schaffen, nämlich mit den Daten der eigenen Kunden.

Klingt erstmal weniger erfreulich, die Schritte für die Datennutzung sind allerdings bereits in die Wege geleitet. Der vor Kurzem gegründete Geschäftsbereich namens „Telefónica Dynamic Insights“ hat die Aufgabe Kundendaten zu analysieren und eventuelles Potential zu ergründen, diese für Kunden aus der Industrie interessant zu machen. Mit dem Produkt „Smart Steps“ will man im Bereich der Marktforschung aktiv werden.

In einem Werbefilm, der potentiellen Kunden gezeigt wird heißt es:

Mit Telefónica Dynamic Insights können Sie ab jetzt sehen, wohin sich Kunden bewegen, während sie sich bewegen. Sie erfahren, wo Ihre potenziellen Kunden wirklich sind, wann sie da sind – und wie oft.

In der Praxis wären mehrere Szenarien auf Basis dieser Technologie denkbar. Telefónica könnte zum Beispiel einem Geschäftsinhaber anonymisierte Daten über vorbeilaufende Kunden zukommen lassen. Woher kam der Kunde, wie lange stand er vor einem Schaufenster, welches Geschlecht hat der Kunde?. Richtig eingesetzt eine wahrer Datenschatz für Werbekunden. Ein entsprechender Bericht der Tagesschau sagt dazu:

Als erstes Unternehmen in Europa kombiniert Telefónica sogenannte Bestandsdaten – also etwa Alter und Geschlecht – mit Bewegungsdaten für die Werbeindustrie.

Die Deutsche Gesellschaft für Konsumforschung kurz GfK unterstützt Telefónica bei dem Vorhaben, allerdings wird es zunächst in Großbritanien eingeführt und soll erst später nach Deutschland kommen. Wann genau und in welcher Form steht laut Gfk allerdings noch nicht fest. Generell scheint sich das Unternehmen derzeit recht bedeckt zu halten.

Telefónica hält sich nach eigenen Angaben bei dem Vorhaben an die gesetzlichen Vorschriften und versichert, dass alle Daten bei „Smart Steps“ anonymisiert werden. Ein Prototyp von „Smart Steps“ ist bereits verfügbar und auch die ersten Gespräche mit Kunden aus der Industrie scheinen bereits zu laufen. Datenschützer wie Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert sind zurecht besorgt. Die Aussagen des zuständigen Bundesdatenschutzbeauftragten klingen erstmal beruhigend, denn dieser meint:

Eine Auswertung der Ortsdaten von Mobilfunkteilnehmern setzt entweder eine Einwilligung des Kunden oder eine vollständige Anonymisierung der Daten voraus.

Ganz so simpel ist es allerdings nicht, denn eine Einverständniserklärung sackt Telefónica im Kleingedruckten von den eigenen Kunden ein. Wer aktuell online bei o2 einen Vertrag abschließt stimmt nämlich zu, dass die eigenen Daten „Im Rahmen des Erforderlichen“ und auch für „Vermarktung“ sowie für „Marktforschung“ genutzt werden dürfen.

Diese Formulierung löst bei Datenschützer natürlich Kritik aus, denn diese wäre weder eindeutig, noch offensichtlich vom Kunden per Häkchen o.ä. abzuwählen. Im Gegenteil, wer online seinen Vertrag abschließt, müsse anschließend schriftlich gegenüber o2 die Nutzung seiner Daten einschränken.

Ich gehe mal davon aus, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Danke Denny!

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