Telekom: Glasfaserausbau parallel zu den Stadtwerken

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Offenbar ist es nun zur festen Praxis geworden, dass Anbieter parallel zu der städtischen Glasfaserverlegung auch eigene Leitungen errichten. Offensichtlich mit unlauteren Vertriebsmitteln. Die Stadt Bamberg will das nicht länger hinnehmen.

Allen voran die Deutsche Telekom äußert ihren Unmut über die hohen Kosten, die durch den Glasfaserausbau entstehen. Allerdings liegen dem Portal Golem Berichte vor, in denen das Wettrennen um das beste Netz oftmals mit unlauteren Methoden geführt wird. Die Stadt Bamberg in Oberfranken bietet seit kurzem dem Kunden den Zugang zum frisch verlegten Glasfasernetz an. Die Stadtwerke Bamberg bemängeln nun aber, dass die Deutsche Telekom kurz nach Beginn der Modernisierungsmaßnahme ebenfalls den Bau eines Glasfasernetzes angekündigt hat.

Auffällig ist, dass das Netz der Telekom wesentlich leistungsschwacher ist, als das der Stadtwerke Bamberg. Während die Stadt selbst Fiber-to-the-Home (FTTH) anbietet und dem Kunden somit bis in den heimischen Keller Leitungen mit bis zu 200 Mbit/s ermöglicht, bietet die Telekom lediglich Fiber-to-the-Curb (FTTC), sprich nur eine Leitung zum Verteilerkasten auf der Straße, an. Somit muss für die sogenannte „Letzte Meile“ die wesentlich leistungsschwächere Kupferleitung genutzt werden.

Infolge der technologischen Entwicklungen werden bereits in wenigen Jahren die Anforderungen an die Bandbreitnetze derart hoch sein, dass sie nur mit Glasfasernetzen zu befriedigen sind, die bis mindestens in die Gebäude reichen.

Aggressive Verkaufstaktiken

Neben dem „spontanen“ Aufbau eines Glasfasernetzes bemängelt die Stadt Bamberg vor allem die oft zweifelhaften und teils sogar aggressiven Verkaufsmethoden und lässt derzeit prüfen, inwieweit unlautere Methoden verwendet wurden, die den Stadtwerken schaden und die Bürger nachhaltig verunsichern. Das sehr betriebliche Vorgehen wird grade dort beobachtet, wo sich kleinere, lokale Telekommunikationsanbieter den großen Konzernen „in den Weg stellen“. Die Art von Doppelausbau führt laut Stadtwerke-Sprecher Jan Giersberg nicht zu einem Gewinn für die Region und deren Einwohnern, sondern verringere die Geschwindigkeiten und sorge vielmehr dafür, dass ein flächendeckender Breitbandausbau sogar verhindert würde.

Verbesserung nicht in Sicht

Die Deutsche Telekom gibt sich ahnungslos. Telekom-Sprecher Phillip Blank gab klar zu verstehen, dass die Vorwürfe nicht den Tatsachen entsprechen.

Der Vorwurf des Rosinenpickens ist absurd. Die Telekom hat zugesagt, bis 2016 65 Prozent der Haushalte mit superschnellen Internetanschlüssen zu versorgen.

Tatsache ist aber, dass besonders Anbieter wie die Telekom auf Nachfrage zum Highspeed-Internet-Ausbau in ländlichen Regionen oft kein Interesse bekunden. Sobald aber regionale Anbieter in ein neues Netz investieren, verkündet die Telekom ebenfalls ein Netz aufbauen zu wollen. Laut Bundesnetzagentur-Chef Joche Homann kann eine Verbesserung nur erzielt werden, wenn Unternehmen, die bei der Verteilung von Fördermitteln kein Interesse an einem bestimmten Gebiet zeigen, sich einige Zeit an diese Aussage halten müssen.

Laut Telekom gab es allerdings im Vorfeld bereits Pläne in Bamberg FTTH anzubieten. Laut Konzern sei man auf die Stadtwerke in Bamberg zugegangen, diese hätten aber kaum Gesprächsbereitschaft gezeigt und ihrerseits hauptsächlich den Ausbau von FTTC vorangetrieben und nur sporadisch in FTTH investiert. Weiterhin gibt die Telekom zu verstehen, es gäbe kein „Ausbaumonopol“ und Überschneidungen seien völlig normal. Das wirft die Frage auf, ob finanzielle Interessen die des (potenziellen) Kunden übertreffen. Die Frage nach dem volkswirtschaftlichen Vorteil bei Doppelstrukturen scheint ebenfalls ungeklärt.

Ich vertrete die Meinung, dass grade lokale und regionale Anbieter die Chance haben sollten regional zu investieren und Produkte anbieten zu können, die der Region einen Mehrwert bieten. Der Wettlauf um die besten Ausbau-Zahlen und die beste Netzabdeckung sollte nicht zu Lasten der Infrastruktur und der Nutzer gehen und vor allem sollte die Politik konkrete Pläne für eine sinnvolle, flächendeckende Investition vorlegen. Denn viele Region sind noch überhaupt nicht versorgt. Was haltet ihr von der Machtstellung großer Konzerne?

Quelle Golem

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