Vernee Mars ausprobiert

Vor allem durch das Apollo Lite erlangte der chinesische Smartphone-Hersteller Vernee zumindest etwas Bekanntheit. Mit dem Mars schickte das Unternehmen nun sein mittlerweile drittes Telefon auf den Markt und benennt es nach dem römischen Kriegsgott.

Dank Vernee konnten das Gerät bereits einem Test unterziehen und präsentieren wie üblich zuerst die technischen Daten:

  • 5,5″ IPS-Display mit FHD-Auflösung
  • Helio P10 Octa Core
  • 4 GB Arbeitsspeicher
  • 32 GB Speicher
  • Akku mit 3.000 mAh
  • Hybrid-Slot: Dual-SIM oder microSD
  • 13 MP Hauptkamera + 5 MP Frontcam
  • Maße: 151,6 x 73 x 7,6 mm
  • Gewicht: 161 Gramm

Vernee Mars Unboxing

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Im Gegensatz zu Konkurrenzunternehmen wie Meizu oder Xiaomi richtet sich Vernee mit seinen Produkten auch direkt an deutsche Kunden. Während Kunden hierzulande aus dem deutschen Warenlager beliefert werden, hatte unser Testgerät noch eine lange Flugreise vor sich. So kam es auch, dass bei Erhalt der Sendung durch DHL Express noch Einfuhrabgaben von gut 35 Euro fällig wurden.

Dennoch gehe ich davon aus, dass der Lieferumfang des Produkts sich nicht großartig von dem unseres Testexemplars unterscheidet. So erhalten Käufer neben des Smartphones selbst auch USB-Netzteil mit Quick Charge und USB-C-Ladekabel mit recht hochwertiger Anmutung. Dazu gibt es den typischen Metall-Piekser zum Einlegen von SIM- und Speicherkarte.

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Eine deutsche Bedienungsanleitung liegt dem Gerät nicht bei, lediglich ein kleines Blättchen auf Englisch existiert. Für weitergehende Infos verweist Vernee auf die offizielle Android-Anleitung Googles. Der separat beigelegte Holzständer ist auf der Liste des üblichen Lieferumfangs nicht wiederzufinden und macht bis auf eine fehlende Gumminoppe auf der Unterseite einen recht schicken Eindrück.

Erster Eindruck des Vernee Mars

Das Vernee Mars kommt dem iPhone 7 optisch recht nahe und setzt auch auf ähnliche Materialien. Die Rückseite des Aluminiumgehäuses wird durch zwei Kunststoff-Streifen zur Empfangsoptimierung unterbrochen und kommt vergleichsweise dunkel daher („space grey“). Die hervorstehende Kameralinse mitsamt Dual-LED-Blitz platziert man in der oberen Ecke, sodass ein großer Abstand zum Hersteller-Logo am unteren Rand bleibt.

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Obwohl Seitenfläche und Rückseite ein einziges Bauteil ergeben, ist beim Übergang eine Kante erspür- und sehbar. Dadurch liegt das Gerät merklich schlechter in der Hand als die Konkurrenz, bei der Ergonomie gibt es also erste Abzüge. Ansonsten wirkt das Smartphone auch durch das Gewicht von 161 Gramm sehr wertig und fühlt sich materialbedingt kühl an.

Auf der linken Seite platziert Vernee den SIM-Einschub, oben eine Klinkenbuchse und rechts eine ganze Menge an Elementen. Eine Lautstärkewippe sollte bekannt sein, der Power-Button fällt meines Empfindens etwas klein und scharfkantig aus und dann wäre da noch der schmale Fingerabdrucksensor direkt darunter.

Weitere Elemente: Mikrofon auf der Unterseite, USB-C-Anschluss mittig daneben und fünflöchriger Ausgang für den Lautsprecher. Frontseitig gibt es Kamera, Hörmuschel und Display mit jeweils 2mm Abstand zu den Seitenrändern (Herstellerangabe: 1 mm) und leichten Abrundungen. Hardware-Bedientasten sind nicht vorhanden.

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Der nicht ganz mittig platzierte Fingerabdrucksensor

Was die Verarbeitungsqualität angeht, gibt es an den meisten Stellen nichts zu meckern, aber doch einen kleinen Mangel. So ist der Sensor für den Fingerabdruck beim Testgerät nicht ganz bündig in der Aussparung platziert, sodass es zu unregelmäßigen Spaltmaßen kommt. Und wo wir schon beim Meckern auf hohem Niveau angekommen sind: Das Display des Testgeräts weist eine ganz leichte Krümmung auf, was dann sichtbar wird, wenn das Mars mit Displayseite auf einen Tisch gelegt wird.

Performance des Vernee Mars

Mit seinem Helio P10 von MediaTek ist das Vernee Mars im direkten Konkurrenzvergleich nicht herausragend potent ausgestattet, sondern liegt im Mittelfeld. Das ähnlich teure Apollo Lite aus dem gleichen Hause setzt beispielsweise auf einen Helio X20 mit höherer Rechenleistung, bei Geräten wie dem Elephone P9000 oder Meizus M3 Note wird der gleiche P10-Chip verbaut.

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Im Alltag laufen die meisten Anwendungen auf dem Vernee Mars mit Helio P10 dennoch angenehm schnell, sei es Google Chrome, Twitter oder eine Runde Crazy Taxi. Der Verzicht auf verschiedene Google-Anwendungen oder weitere Hersteller-Modifikationen dürfte sich dabei positiv auf die Reaktionsgeschwindigkeit auswirken. Dazu trägt auch der schnelle, 32 GB große interne Speicher bei, dessen Schreib- und Leseraten bei 80 bzw. 217 MB/s liegen.

Bei direkter Gegenüberstellung des Mars mit ZTEs Axon 7 fallen Ladezeiten auf dem Flaggschiff durchschnittlich 10 bis 20 Prozent kürzer aus. Ein paar Sekunden Lebenszeit gehen dem Nutzer hochgerechnet also schon verloren, zu keinem Zeitpunkt empfand ich dies jedoch als störend oder nahm ein Ruckeln wahr. Der großzügig bemessene Arbeitsspeicher sorgt für eine schnelle Verfügbarkeit bereits laufender Anwendungen und kann so einige Chrome-Tabs aufnehmen.

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Auch 3D-Spiele laufen auf dem Vernee Mars erstaunlich flüssig. Im Gegensatz zum Meizu M3 Note mit gleichem Chipsatz ließ sich das grafikhungrige Dead Trigger 2 auch auf mittleren Grafikeinstellungen noch flüssig spielen, selbst auf „hoch“ halten sich die FPS-Einbrüche in Grenzen. Im AnTuTu-Benchmark erreicht das Mars knapp 50.000 Punkte und liegt damit auf der Höhe zwei bis drei Jahre alter Oberklasse-Smartphones.

Software und Bedienung

Freunde des reinen Android-Erlebnisses dürften sich bei Vernee sofort wohlfühlen. Der Hersteller installiert ein fast unangetastetes Android 6.0 Marshmallow auf dem Mars vor, mitsamt all seinen Vorteilen und Tücken. Ich stieß nur mehr oder weniger durch Zufall auf die Möglichkeit, die mobilen Daten zu aktivieren, was ausschließlich über die Benachrichtigungsleiste und nicht das Einstellungsmenü klappen wolllte – ein Softwareupdate Ende Oktober löste das Problem. Die App-Icons hätten auch mal wieder ein Update verdient.

Vernee schmeißt Nutzer des Geräts nach dem Unboxing direkt ins kalte Wasser. Völlig unverständlich ist für mich, wieso man auf den bekannten Android-Einrichtungsassistent verzichtet, um eine WLAN-Verbindung herzustellen oder den Gerätenamen festzulegen. Auch nach einem Reset auf Werkseinstellungen landet der Käufer direkt auf dem Homescreen und darf sich erst einmal durch die Settings wühlen.

Auf Google-Anwendungen wird von Werk aus fast vollständig verzichtet, selbst den Chrome-Browser, Google Maps oder Gmail sucht man im App Drawer vergeblich. All diese Apps können aus dem vorinstallierten Play Store aber problemlos nachträglich bezogen werden. Auf diese Weise werden Speicher und Akku etwas geschont, zumal ich auf Play Books etc. gut verzichten kann.

Vernee-Geräte sollen mit regelmäßigen Software-Updates versorgt werden. Tatsächlich traf wenige Tage nach Lieferung bereits eine 25 MB große Aktualisierung over-the-air ein. Diese fügte unter anderem besagte Option zum einfacheren Aktivieren mobiler Daten hinzu und soll auch die Kameraqualität optimiert haben (von letzterem bemerkte ich nichts). Dennoch sind aktuell lediglich die Android-Sicherheitspatches mit Stand April 2016 installiert.

Ein Update auf Android 7.0 Nougat ist geplant und soll voraussichtlich im Dezember erscheinen. Aktuell läuft bereits der firmeninterne Betatest.

Display des Vernee Mars

Das in der Diagonale 5,5 Zoll lange Display löst mit 1920×1080 Pixeln auf und basiert auf der IPS-Technologie. Full-HD-Auflösung kann im Preissegment über 200 Euro mittlerweile erwartet werden, mehr bleibt aber unrealistisch und bietet kaum noch Vorteile. Sicherlich, ein AMOLED-Display wäre noch etwas brillianter, sorgt dann aber auch für entsprechende Preise.

Der Bildschirm des Vernee Mars bleibt selbst aus extrem flachem Blickwinkel noch gut ablesbar und verfälscht die kräftige Farbwiedergabe auch dann nicht. Bei Wiedergabe großer schwarzer Flächen gefallen guter Schwarzwert und gleichmäßige Ausleuchtung, die beiden kleinen Lichthöfe in den Ecken fallen kaum ins Gewicht. Bei starkem Sonnenlicht stört die vergleichsweise niedrige maximale Helligkeit.

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Das Displaypanel wird durch Gorilla Glass 3 von Corning geschützt. Was in der Theorie eine besonders gute Kratzresistenz verspricht, schützt im Alltag nicht mehr als jedes andere Displayglas. Mikrokratzer lassen sich ohne Schutzfolie sowieso nicht vermeiden, nach einmaligem Transport in der Jackentasche kam es gleich zu eine dickeren Kratzer.

Dem hätte Vernee beispielsweise dadurch vorbeugen können, dass man das Gerät direkt mit vormontierter Displayschutzfolie montiert verkauft. Im Lieferzustand waren sogar gleich zwei davon übereinander angebracht, gerade die entscheidende Untere dieser beiden ist jedoch für den Alltagsgebrauch unbrauchbar.

Ausdauer des Vernee Mars

Der Akku des Vernee Mars fasst 3.000 mAh und sorgt durch die stromsparende Hardware für sehr gute Laufzeiten. So überstand das Gerät meine durchschnittlichen Unitage mit fast immer über 20 Prozent Restkapazität. Das sind sehr gute Werte, die wieder einmal zeigen, dass es nicht auf die reine Akkukapazität kommt.

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Dass das Galaxy S7 Edge im direkten Vergleich kürzer durchhält, ist in Anbetracht der Leistung weniger verwunderlich. Überraschend kam für mich jedoch die deutlich bessere Laufzeit als beim Meizu M3 Note, welches ebenfalls mit Helio P10 ausgestattet ist, mit laut Datenblatt 4.100 mAh aber den deutlich größeren Akku besitzt.

Die Unterstützung für Schnellladevorgänge sorgt dafür, dass ein komplett geleerter Akku innerhalb von anderthalb Stunden wieder voll ist. Für die ersten 45 Prozent werden exakt 30 Minuten benötigt. Entgegen einiger anderer Hersteller befindet sich das passende Schnellladegerät direkt im Lieferumfang – dieses lädt mit bis zu 12V bei 1,5A.

Kamera des Vernee Mars

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Dass ein Smartphone bei guten bis sehr guten Lichtbedingungen klare Aufnahmen schießen kann, gehört mittlerweile selbst bei Einsteigergeräten zur Selbstverständlichkeit. Etwas höhere Anforderungen kann man an ein Mittelklasse-Gerät also durchaus stellen – erst recht, wenn es beim Hersteller heißt: „Mars delivers marvelous photographing experience“.

Hinter der hervorstehenden Kameralinse des Vernee Mars verbirgt sich ein IMX258 von Sony. Dieser 13-Megapixel-Sensor ist noch recht frisch auf dem Markt und wird beispielsweise auch im Mi 4c von Xiaomi verbaut. Wie erwartet, sorgt dieser bei Tageslicht für eine gute Abbildungsqualität – auch bei nahezu dauerhafter Bewölkung der letzten drei Wochen. Eine Vergrößerung der Bilder ist dann immer noch gut möglich.

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Spannend wird es ab der Dämmerung, wenn sich zeigt, was die Kamera mit f/2.0-Blende so leisten kann. Trotz der hoch gesteckten Werbeversprechen kann sich die Bildqualität nicht merklich von der gleich teuren Konkurrenz abheben. Ein starkes Bildrauschen dominiert bei eintretender Dunkelheit das Bild, Details sind kaum noch erkennbar.

Dafür bleibt die Farbwiedergabe erstaunlich akkurat, was dem Meizu M3 Note weniger gelingt. Wartet man noch ein paar Minuten bis zur kompletten Dunkelheit, verbessert sich der Eindruck wieder. Ein Nachtsichtgerät ist die Kamera natürlich nicht, beleuchtete Bereiche bleiben aber gut erkennbar und die tatsächliche Lichtsituation wird richtig festgehalten.

Und sonst noch?

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  • Geräte, welche über den Reseller Vernee.de erworben werden, sind von einer 12monatigen Garantie abgedeckt.
  • WLAN wird nach den Standards a/b/g/n unterstützt, ac fehlt also. Dennoch ist eine Verbindung zu 5-GHz-Netzwerken problemlos möglich
  • Double Tap to Wake wird nicht unterstützt ( :( )
  • Entgegen vieler Konkurrenzgeräte aus Fernost unterstützt das Mars alle in Deutschland genutzten LTE-Frequenzbänder
  • Der Fingerabdrucksensor ist aus meiner Sicht absolut nicht zu gebrauchen. Das liegt nicht an der ungewöhnlichen Platzierung, sondern einer Fehlerquote von über 90 Prozent bei der Erkennung.
  • Was den Empfang angeht, liegt das Vernee Mars gleichauf mit Oberklasse-Geräten wie dem ZTE Axon 7
  • Die Lautstärketasten sind ungewöhnlich hoch angebracht und damit nur schlecht zu erreichen
  • Telefonate können mit dem Gerät natürlich auch geführt werden, dabei gab es keine negativen Überraschungen
  • der neben der USB-Buchse platzierte Lautsprecher ist besser als vermutet

Fazit zum Vernee Mars

Ich denke, die Einschätzung des Vernee Mars bleibt vor allem eine Preisfrage. Für die bei Vernee aufgerufenen 299 Euro erhalten Käufer bereits ein LG G4, auch das Galaxy S6 ist als gutes Schnäppchen bereits zu diesem Kurs erhältlich. Nur bei diesem Preis sind aber Garantie und Gewährleistung mit inbegriffen, der Service also, den man bei beiden genannten Alternativen ebenso erwartet.

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Interessant ist das Vernee daher, wenn man als Käufer ein gewisses Risiko in Kauf nehmen möchte und auf Garantieleistungen verzichtet. Dann gibt es das Gerät je nach Händler für etwa 200 Euro, bei Gearbest auch direkt aus dem EU-Warenlager. Zu diesem Preis bietet das Gerät ein gutes Display, hohe Konnektivität und eine reine Android-Erfahrung mit Update-Aussichten.

Der Speicherchip schreibt schnell, MediaTeks Helio P10 sorgt für eine genügende Rechenleistung und als großer Pluspunkt ist der ausdauernde Akku hervorzuheben. Große Patzer erlaubt sich das Mars auch sonst nicht, für Abwertungen sorgen vor allem einige Kleinigkeiten. So liegt das Gerät nicht optimal in der Hand, die Kamera bleibt leicht hinter den Erwartungen zurück und der Fingerabdrucksensor funktioniert überhaupt nicht.

Vernee Mars im Gearbest-Shop

Wertung des Autors
Peer Linder bewertet Vernee Mars mit 4.0 von 5 Punkten.

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