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Testbericht: Slider-Smartphone BlackBerry Torch 9800

Auf den Tag genau vier Wochen ist der BlackBerry Torch 9800 nun in meinem Besitz. Da ich noch ein paar andere Geräte hier rumkullern habe und ich mir gerade beim Torch viel Zeit nehmen wollte, gibt es jetzt erst den Testbericht zum Gerät. BlackBerrys sind für mich fast Neuland, denn neben dem Storm 2 war bei mir noch keiner längere Zeit in Nutzung. Umso gespannter war ich natürlich, wo RIM gerade steht mit seinen Geräten. Füllen die Teile immer nur noch die Geschäftsecke aus, oder sind sie mittlerweile eine Konkurrenz zu den Massensystemen wie Symbian, Android und iOS?

Diesen und weiteren Fragen will ich etwas auf den Grund gehen und diesmal sage ich vorweg, wenn Ihr was Objektives lesen wollt, dann geht zu Chip und Co., hier gibt es nur meine Meinung und persönliche Einschätzung, die sich ganz einfach nach meinem Geschmack und Bedürfnissen richtet. Sollte eigentlich klar sein, wer sich aber die Kommentare beim N8-Bericht durchliest, versteht diesen Hinweis. 😉

Unboxing

Etwas in Eile aber dennoch in einem Filmchen festgehalten, das Auspacken vom BlackBerry Torch.

Technische Daten

  • Farbe: Schwarz
  • Speicher: 512 MB interner Speicher, 512 MB RAM, 4 GB eMMC + 4 GB SD-Karte, Speicher mit microSD Karte auf 32 GB erweiterbar
  • WLAN: 802.11 b/g/n, WPA/WPA2 Personal und Enterprise, Cisco CCX zertifiziert, Unterstützung für UMA (Unlicensed Mobile Access, abhängig vom Betreiber)
  • Akku/ Typ: Lithium-Ionen-Akku 1300 mAh (auswechselbar)
  • Akkulaufzeit GSM: GSM-Sprechzeit: bis zu 5.5 Stunden, GSM Stand-by: bis zu 18 Tage
  • Akkulaufzeit UMTS: UMTS-Sprechzeit: bis zu 5.8 Stunden, UMTS Stand-by: bis zu 14 Tage
  • Display: SurePress-Touchscreen, 3,2″ (8,1 cm) HVGA-Display, 480 x 360 Pixel, mehr als 65.000 Farben
  • Tastatur: Bildschirmtastatur – SureType im Hochformat, QWERTZ, Handytastaturmodus, QWERTZ im Querformat, QWERTZ im Hochformat, Slide-out QWERTZ Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung, Trackpad
  • Kamera: 5 Megapixel Kamera für Foto- und Videoaufnahmen mit Autofokus, Blitz , Bildstabilisierung, 2-fach Digitalzoom, Bildstabilisierung, Videofunktion, 11 Motivprogramme
  • Anschluss für Headset: Ja, kompatibel mit Bluetooth-Headsets
  • Klingeltöne Polyphone/MIDI Klingeltöne, MP3 Klingeltöne, Vibrationsmodus, LED Indikator, durch den Benutzer konfiguirierbar
  • Sicherheit: Passwordschutz mit Tastensperre, Sleep Modus, AES oder Triple DES Verschlüsselung mit BlackBerry® Enterprise Server,
  • optionale Unterstützung von S/MIME, FIPS Validierung
  • GPS: Integriertes GPS mit Assisted-GPS-Funktionen, beinhaltet BlackBerry Maps
  • Media Player Videoformate: MPEG4, H.263, H.264, WMV3
  • Audioformate: MP3, AMR-NB, AAC-LC, AAC+, eAAC+, WMA, WMV, Flac, Ogg Vorbis
  • Bluetooth: Bluetooth v2.1 + EDR
  • Bluetooth Profile: Mono-/Stereo-Headset, Freisprechfunktion, Adressbuch, Zugriffsprofil- (PBAP) und Serial Port Profile-Unterstützung, Bluetooth-Stereoaudio (A2DP/AVCRP), Dial-up networking DUN
  • Headsetanschluss: 3,5 mm Stereo-Headset Klinkenbuchse
  • Netzgerät: + 5V DC/500 mA AC mit austauschbaren länderspezifischen Netzsteckern
  • Mobilfunknetze: Tri-band 3G UMTS Netzwerke: 2100/1900/850/800MHz, Quad-band GSM/GPRS/EDGE Netzwerke: 850/900/1800/1900MHz
  • Größe geschlossen (H x B x T) Ca.: 111 x 62 x 14.6 mm
  • Größe geöffnet (H x B x T) Ca.: 148 x 62 x 14.6 mm
  • Gewicht: 161 g (inklusive Akku)
  • Lieferumfang: BlackBerry Torch 9800, Akku, Micro USB Kabel, Micro USB Ladegerät mit EU Adapter, 3.5mm stereo Headset, 4GB Micro SD Speicherkarte, Mini CD mit Dokumentation, Start Here Guide und Safety Information Booklet

Promo-Video

Hardware

Die Hardware kann spontan überzeugen, es sei denn, man ist kein Freund von Slidern. Das Gerät ist wirklich kompakt und astrein verarbeitet. Keine Spaltmaße, kein Knarzen, keine Kanten, kurz gesagt alles prima. Echte klickbare Tasten, ein optischer Joytsick, eine gummierte Rückseite, dies sind alles Dinge, für dich leicht zu haben bin und auch die QWERTY-Tastatur kann schnell überzeugen. Selbst mit dicken Männerfingern ist ein sauberer Druckpunkt immer zu spüren.

Die microSD-Karte, die SIM-Karte und der Akku sind gut über die Rückseite zu erreichen, wie in folgendem Foto zu sehen ist.

Die gummierte Rückseite liegt wirklich super in der Hand und verhindert somit, dass das Gerät einem aus den Fingern gleitet. Das mag ich bei meinem HTC Desire schon, hier beim Torch ist es durch die leichte Riffelung allerdings noch besser gelöst.

Die Größe des Torch ist optimal gewählt. 3,2 Zoll reichen gut aus, um das Teil per Touchscreen zu bedienen, aber eben auch um eine zusätzliche Tastatur unterzubringen. Meine Freundin, welche aktuell noch einen Palm Pre nutzt, der aber wohl bald die Mücke macht, war sofort begeistert. Lag wohl aber auch an den Materialien, denn Chrome, Gummierung und ein Touchscreen haben eben Ihren Charme.

Der optische Joystick reagiert sehr gut ist und wirklich hilfreich in den manchmal etwas verschachtelten Menüs. Wie bereits erwähnt sind die Druckpunkte aller Tasten super, diese lassen sich problemlos und spürbar auch beim Laufen bedienen, was bei den typischen Sensor-Tasten leider nicht immer der Fall ist. Fast schon Retro sind die Telefon-Tasten, denn eine Abheben- und Auflegen-Taste findet man bei aktuellen Smartphones kaum noch.

Kamera

Die Kamera löst mit 5 Megapixel auf und reicht für Schnappschüsse aus. Der Autofokus ist oftmals ein reines Glücksspiel, daher ist es fast unmöglich, erst eine Nahaufnahme und kurz darauf eine Aufnahme in die Ferne zu machen. Hinter das System bin ich nicht so recht gestiegen. Zumindest reagiert sie sehr schnell und hat einen LED-Blitz und eigene Kamera-Taste, welche allerdings auch mit anderen Funktionen frei belegbar ist.

Hier findet Ihr ein paar Testfotos in hoher Auflösung.

Noch zu erwähnen wäre die Displaysperre, welche sich als Taste links oben befindet und die Stummschaltung, welche sich rechts oben befindet. Gerade die Displaysperre ist etwas ungünstig positioniert bzw. reagiert zu leicht, denn ich habe sie bei normaler Nutzung des Öfteren unbeabsichtigt aktiviert.

Software

Auf meinem Testgerät läuft das BlackBerry OS in Version 6.0.0.246. Wie bereits weiter oben erwähnt, ist dieses Betriebssystem relatives Neuland für mich. Dafür macht es zwar keinen schlechten Eindruck, ist aber mit dem meiner Meinung nach größeten Nachteil von sämtlichen BlackBerrys kombiniert. Ich benötigt um alle Funktionen eines BlackBerrys nutzen zu können, einen speziellen BlackBerry-Mobilfunktarif. Für manche ist dies selbstverständlich und dies begründet sich unter Umständen mit gewissen Verschlüsselungen und BlackBerry-Diensten, für mich persönlich ist das allerdings neudeutsch ein No-Go.

Jetzt könnte man den schwarzen Peter natürlich den Netzbetreibern zuschieben, finde ich aber unfair, denn BlackBerry sind nun mal die einzigen, die solch ein Süppchen kochen. Die Frage ist nur für was? Kontakte, Termine und E-Mails bekomme ich heute über Exchange von Microsoft und kostenlos von Google beliebig gepusht. In einigen Firmen mag es sicher noch BB-Typische Anforderungen geben, um im Massenmarkt Fuß zu fassen, muss man sich aber davon verabschieden bzw. es nur noch optional anbieten.

Aber kommen wir zum Aufbau. Für manche von euch eventuell ein alter Hut und für andere Neuland. Ich will euch hier die wichtigsten Eckpunkte zeigen.

Der Homescreen ist aufgeräumt und schlicht, es gibt keine Widgets, aber die wichtigsten Infos auf einen Blick. Am unteren Bildschirmrand kann man ein Menü per Fingerstreich öffnen und sich in diesem per Rechts-Links-Swype bewegen. Recht nützlich ist die Gruppierung, so kann man sich entweder alle Menüpunkte auf einmal anzeigen lassen oder zum Beispiel, wie im Screenshots zu sehen ist, nur die Punkte die zu dem Medienzugriff gehören.

Es sind bereits einige Apps vorinstalliert und weitere kann man über die BlackBerry App World nachinstallieren, hierfür ist allerdings der bereits genannte BlackBerry-Tarif notwendig. Großer Vorteil, es können alle Programm auch unkompliziert auf das Gerät geschoben und installiert werden. Eine Übersicht über verfügbare Apps findet Ihr zum Beispiel hier auf mobiFlip.de. Nachfolgend möchte ich euch einige System-Apps zeigen.

Die Textnachrichten zeigen sich wie die gesamte Oberfläche schlicht und aufgeräumt. Da ich kaum SMS schreibe, war es ganz gut, dass ich auf der Test-SIM noch ein paar ältere hatte. 🙂

Die Einzelansicht einer Nachricht erlaubt das Antworten in Chatlayout, was man heutzutage von vielen Systemen gewohnt ist.

Nicht unwichtig, neue Kontakte anlegen. Denn im Gegensatz zu anderen aktuellen Systemen könnte Ihr beim BlackBerry OS nicht einfach die Daten von Drittanbietern wie Google und Co. angeben und erhaltet so alle Daten automatisch auf’s Smartphone. Ihr müsst den Weg über einen Desktop-Manager, BlackBerry Enterprise Server oder einen umständlichen Import gehen. Leider liegen die Daten dann auch nur auf dem Gerät. Das heißt, regelmäßiges Backup ist angesagt und das nervt in Zeiten von Cloud-Computing gewaltig.

Der Kalender ist schlicht und übersichtlich aufgebaut. Nachteil auch hier wieder, wer das Gerät privat nutzt und nicht über einen BlackBerry Enterprise Server, speichert alles nur lokal auf dem Gerät und muss manuell abgleichen. Zumindest gibt es ein paar vorinstallierte Apps für soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook, mit den Versionen für die Konkurrenzsysteme könne diese allerdings bei Weitem nicht mithalten.

Was ganz gut gelungen ist, ist die Medienverwaltung, alles lädt schnell und lässt sich flüssig bedienen. Hier kann dasOS auch mal seine Stärken ausspielen, denn mehr Eye-Candy als bei Symbian bekommt man beim sonst recht schlichten BlackBerry OS schon geboten.

Bei der ganzen Surferei heutzutage ist schnell mal die Telefonfunktion vergessen, nicht so beim Torch. Das Teil ist nen Traum beim Telefonieren. Glasklare Übertragung, keine Abbrüche, kein Rauschen, einfach top. Zudem kann man Ihn ja in zwei Zuständen ans Ohr halten, so dass eigentlich jeder zufrieden sein dürfte.

Instant Messaging Programme und ein paar Spiele sind bereits vorinstalliert und funktionieren soweit auch ganz gut. Zudem ist natürlich die gesamte Bandbreite an Geschäfts-Apps an Bord. Notizen, Aufgaben, Rechner, Word, PowerPoint, Excel, Sprachsteuerung, Passwortsafe und vieles mehr. Alles was man im Geschäftsalltag sicher des Öfteren, bei privater Nutzung aber fast nie benötigt.

Der geschäftliche Fokus des Gerätes schlägt sich auch in den tief verschachtelten Einstellungsmöglichkeiten nieder. Zwar ist alles übersichtlich und schnell zu finden, an manchen Punkten ist man aber leicht überfordert und weiß gar nicht so recht, was man denn jetzt eingeben soll. Im Großen und Ganzen findet man aber alle gewünschten Optionen.

Zusammenfassung

Der BlackBerry Torch ist ein Tier, genauer gesagt ein Arbeitstier. Mit seinen Materialien, seiner Verarbeitung und dem Betriebssystem leistet er genau das, wofür er gebaut wurde. Er kann im geschäftlichen Umfeld viele aktuelle Smartphones im Regen stehen lassen, der gleiche Punkt raubt Ihm aber gleichzeitig die Chance auf dem Massenmarkt Erfolg zu haben.

Was bei größeren Firmen Normalität ist, ist es eben beim normalen Nutzer nicht, daher verstehe ich nicht so recht, ob und wenn ja wie, BlackBerry den Spagat zwischen professionellem Einsatz und Lifestyle schaffen will. Ein Gerät, für das ich einen extra Tarif benötige, auf dem ich meine Daten nur per Enterprise-Server oder Desktop-Software abgleichen kann und kaum Apps für eine private Nutzung finde, dürfte nicht bei vielen Menschen auf der Wunschliste stehen. Wem das aber alles nicht so wichtig ist, wer gerne alles lokal hat oder das Teil eh beruflich nutzt und zudem auf schicke Hardware steht, der kann auf jeden Fall zugreifen.

BlackBerry Torch 9800 bei Amazon

PS: Ich habe das Gerät noch hier und werde es in den nächsten Tagen auf mobiFlip.de verlosen. Wer Fragen oder Kritik hat, kann mich das gerne wissen lassen. Wie gesagt, das System war auch Neuland für mich und daher können sich da schon mal Fehler einschleichen.

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