• WhatsApp: Warum ein Wechsel eben doch sinnvoll ist

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    Facebook ist ja besonders in unseren Kreisen nicht sonderlich beliebt. Daher sorgte der Kauf von WhatsApp durch den blauen Riesen auch für viele negative Reaktionen. Einige verwiesen auf Alternativen und kündigten an, WhatsApp nicht mehr nutzen zu wollen. Viele hingegen betonten, dass WhatsApp ja vorher schon auf Datenschutz keinen hohen Wert gelegt hat und dies bei Facebook ja nicht viel schlimmer werden kann. Ich möchte hier einmal erklären, warum ich einen Wechsel dennoch als Sinnvoll erachte.

    Mein Beitrag hier ist insbesondere eine Antwort auf diesen Artikel bei AndroidPit.de:
    Darum verwende ich weiterhin Whatsapp„. Der Autor behandelte das Thema meiner Ansicht nach zu oberflächlich und bezeichnete darüber hinaus die panischen Wechsler indirekt als naiv und unterstellte ihnen, nicht richtig nachgedacht zu haben. Ich hingegen bin der Meinung, dass der Autor etwas zu oberflächlich dachte.

    Seine Argumentation baute unter Anderem darauf auf, dass WhatsApp Daten wie die Telefonnummer ja eh schon sehr wenig geschützt hatte und diese bereits in den Händen von „Bösen Menschen“ wären. Daher macht es keinen Unterschied, ob Facebook oder WhatsApp mit unseren Daten Schindluder betreibt, sicher sind sie in keinem Fall. Das war im Grunde auch schon alles. Einen Seitenhieb kassierten auch noch alle Hangouts Nutzer, da Google schließlich ebenso ein Datensammler wäre wie Facebook. Soviel also dazu. Komme ich nun zu meinem Standpunkt:

    Die Daten alleine sind nicht das Problem

    Ich vertrete die Auffassung, dass es nie wirklich gut ist, all seine Daten nur einem Unternehmen in den Rachen zu schieben. Sei es Google, sei es Facebook,  sei es Apple. Denn diesen Unternehmen wird ermöglicht, ein sehr umfassendes Profil über die Persönlichkeiten seiner Nutzer zu erstellen. Durch WhatsApp weiß Facebook in Zukunft also nicht bloß mit wem wir so abhängen, sie kennen auch unsere detaillierten Gespräche mit diesen Personen, welche viele Menschen heute nicht mehr über Facebook führen. Ohne diese Gespräche kann Facebook – je nach Verhalten der Nutzer im sozialen Netzwerk – nicht wirklich genau sagen, wie wir zu welchen Menschen stehen, oder was wir so den lieben langen Tag machen. Denn auch wenn es einem aufgrund ihrer Nervigkeit immer anders vorkommt: Zumindest in meinem Umfeld sind die „Alles muss gepostet werden!“ Nutzer eine deutliche Minderheit.

    Gleichzeitig konnte WhatsApp über seine Nutzer kein genaues Profil erstellen. Es fehlten Dinge wie der vollständige Name, Schule, Arbeitsplatz (sofern man dies nicht alles wieder und wieder bei Whatsapp geschrieben hat), das Surf-Verhalten im Netz etc. Damit war auch das Profil bei WhatsApp eher unvollständig. Zudem unterstelle ich dem 55 Mann Unternehmen, dass sie über keine fortschrittlichen Tools zur Analyse von Gesprächen verfügen, welche Facebook mit Sicherheit besitzt.
    Durch das zusammenführen dieser Informationen kennt Facebook viele Nutzer jetzt besser als jeder Andere. WhatsApp ist ein derart beliebtes Kommunikationsmedium geworden, dass diese Daten in Verbindung mit Facebooks Beständen so ziemlich alles über eine Person aussagen, was es so zu sagen gibt.

    Viele fragen sich natürlich dann wie üblich: „Na und? Ich habe nichts zu verbergen.“ Ist auch eine Einstellung, und wer diese vertritt, der ist nicht dumm oder sonst etwas, sondern vertritt nur eine Andere Meinung. Allerdings kann man heute doch kaum wissen, inwiefern diese Daten in Zukunft gefährlich für einen werden können.
    Das klassische Beispiel: In 20 Jahren bin ich ein einflussreicher Politiker. Meine politischen Gegner bekommen aus meinem Persönlichkeitsprofil bei Facebook gegen Geld entscheidende Informationen zugespielt, die meinen politischen Untergang zur Folge haben werden. In Deutschland reicht dazu ja bekanntermaßen eine mutmaßlich geschönte Doktorarbeit.

    Dieses Beispiel greift auch dann, wenn man sich einfach mal „mit den falschen Leuten anlegt“, nämlich solchen, die Zugriff zu diesen Informationen haben und einen erpressen können. Aber auch das Thema „Überwachungsstaat“ kann natürlich ein Problem sein. Die Regierung müsste nur bei entsprechenden Unternehmen eine Anfrage stellen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass diese Person sich als Gefahr für das derzeitige Regime herausstellt.

    Alles Paranoid? Ich denke, die Vergangenheit und das was teilweise aktuell auf der Welt passiert zeigt eindeutig: Alles, was möglich ist, wird auch gemacht. Was tut man also dagegen, dass Facebook mehr über einen weiß als der Partner? Oder Google, oder sonstwer?

    Keine Daten sind die beste Lösung – geteilte Daten die zweitbeste

    Wie ich bereits dargelegt habe sind einzelne Daten meiner Ansicht nach nicht das Problem. Es ist die Masse an Daten, die gefährlich wird. Aus diesem Grund halte ich es für eine gute Lösung, einfach dafür zu sorgen, dass die Daten auf möglichst viele Orte verteilt werden. Verschiedene Anbieter, idealerweise solche, die nicht alle im selben Land stationiert sind. Durch verteilte Daten wird es schwerer, über eine Person ein genaues Profil zu erstellen. Für die NSA heißt dies vermutlich, dass ein bis zwei Tastendrücke mehr erforderlich sind,  aber bei 10 Millionen Leuten die es so machen kommt da schon einiges zusammen.

    Natürlich wäre es am besten, gar keine Daten zu hinterlassen. Aber ich persönlich nutze gern die Dienste, die mir etwa von Google dafür geboten werden, dass sie meine Daten erhalten. Google Now, Google Maps und viele andere Dienste sind nur deswegen so gut, weil sie den Nutzer eben kennen. Das sind Annehmlichkeiten, die ich gerne behalten möchte. Doch man muss es mit der Daten-Schleuderei ja nicht übertreiben, weshalb ich zum Beispiel auch Google Hangouts nicht nutze und Gmail nur meine Spam-Adresse ist. Meine Gespräche landen bei anderen Anbietern. Wenige bei Facebook, viele bisher bei Whatsapp, welches nun  bei mir von Telegram und Threema abgelöst wird.

    Im Prinzip ist derzeit jede Alternative zu Whatsapp besser, selbst solche, die es mit dem Datenschutz ebenfalls nicht so genau nehmen (abgesehen natürlich von Hangouts). Am besten sind natürlich die komplett verschlüsselten, aber aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit und der Kosten lassen sich viele Nutzer nicht dazu bewegen. Ein guter Kompromiss ist meiner Ansicht nach Telegram, welches so einfach ist wie WhatsApp und eine Zusatzoption für verschlüsselte Chats bietet. Aber ich möchte hier keine Werbung machen, nutzt das, was auch gefällt.

    Wie seht ihr das? Macht das Sinn in euren Augen, oder seid ihr komplett anderer Meinung? Diskussionen sind natürlich sehr willkommen.

    Darüber hinaus würde ich mich natürlich freuen, wenn ihr diesen Beitrag teilt und eventuell sogar meinem Blog folgt: Tesnex.de. Die Zahl der Teilungen, Gefällt mir, +1 und Follower ist schließlich das einzige, was mich dazu motivieren oder davon abhalten kann, in Zukunft weitere Artikel zu schreiben.

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