Studio-Kopfhörer Yamaha HPH-MT8 im Test

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Yamaha HPH-MT8

Yamaha hat uns vor einigen Wochen den aktuellsten Sprössling seiner MT-Studio-Kopfhörer-Serie für einen Test als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Der Hersteller wirbt mit einem komfortablen, faltbaren Monitor-Kopfhörer und eigens entwickelten Wandlern, für eine präzise, natürliche Wiedergabe. Ob der rund 180 Euro teure Klanggeber den vollmundigen Versprechungen gerecht wird, erfahrt ihr in diesem Review.

Inhalt und Produkt-Daten

Der Yamaha HPH-MT8 kommt in einer relativ unspektakulären Verpackung daher. Neben dem Kopfhörer selbst, wurden noch die folgenden Accessoires beigelegt:

⦁ 1,2m langes Spiralkabel (3,5mm Klinke)
⦁ 3m langes, gerades Kabel (3,5mm Klinke)
⦁ Adapter: 3,5mm auf 6,35mm Klinke
⦁ ABS-Schutzhülle
⦁ Multilinguale Kurzanleitung

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Bei der Wahl des Zubehörs kann man den Hersteller auf jeden Fall schon einmal loben. Hier wurde an die meisten denkbaren Nutzungsszenarien gedacht. Hervorzuheben ist auch, dass ein wirklich gut verarbeiteter Aufbewahrungsbeutel in Kunstlederoptik beigelegt wurde. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Eine Hardshell-Box wäre allerdings noch besser gewesen.

Bevor wir nun tiefer in den Test eintauchen, vorab schon mal die wichtigsten Daten:

⦁ Over-Ear-Kopfhörer
⦁ Gewicht: 350g (ohne Kabel)
⦁ Anschluss: 3,5mm Klinke
⦁ Frequenzbereich: 15Hz – 28kHz
⦁ Maximale Eingangsleistung (bei 1kHz): 1600mW
⦁ Impedanz (bei 1kHz): 37 Ohm
⦁ Treiber: 45mm CCAW-Schwingspule

Design und Aufbau

Beim Auspacken hinterlässt der HPH-MT8 direkt einen sehr positiven Ersteindruck. Das zum Großteil in schwarz gehaltene Gehäuse besteht mehrheitlich aus hochwertig wirkendem, stabilen, Kunststoff, das mit einem matten Finish überzogen wurde. An der Außenseite des Kopfbügels, der den Yamaha-Schriftzug trägt, findet man hingegen Kunstleder. Erfreulicherweise zieht die Oberfläche Fett und Fingerabdrücke weniger stark an, als eingangs befürchtet.

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Heraus stechen die silberfarbenen, beweglichen Aluminium-Druckguss-Arme, an denen die Ohrmuscheln befestigt sind, sowie die ebenfalls in silber-metallic gehaltenen Hersteller-Logos an den Außenseiten der Hörer.

Der verstellbare Kopfbügelschieber besteht an der Innenseite aus Kunststoff und wurde außen mit Metall verstärkt. Das Konstrukt ist sehr stabil, der Bügel hält auch stärkerer Dehnung und Verwindung stand, ohne nervige Geräusche von sich zu geben oder gar zu brechen. Auch beim Tragen und Bewegen konnte ich keinerlei Knarzen vernehmen.

Auffällige Spaltmaße sucht man ebenfalls vergeblich. Allgemein kann man sagen, dass sich der Yamaha-Kopfhörer bei der Materialwahl und der Verarbeitung auf höchstem Niveau befinden. Das eher unauffällige Design, mit seinen silberfarbenen Highlights, gefällt mir persönlich sehr gut.

Tragekomfort und Isolierung

Mit 350 Gramm (ohne Kabel) ist der Kopfhörer zwar kein Leichtgewicht, dafür aber trotzdem sehr bequem. Die Ohrmuscheln, wie auch die Innenseite des Kopfbügels, sind mit einem sehr soften Proteinleder-Bezug ausgestattet. Obwohl es kein echtes Leder ist, sind die Isolationseigenschaften sehr gut.

Zudem ist es für ein Lederersatzprodukt überraschend atmungsaktiv – man schwitzt jedenfalls nicht mehr, als mit einem Überzug aus gegerbter Kuhhaut. Bei Bedarf lassen sich die Ohrpolster aber auch ganz einfach tauschen.

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Proteinleder ist ein sehr hochwertiges Lederimitat, das immer häufiger – auch bei hochpreisigen Kopfhörern – Anwendung findet. Sofern die Qualität stimmt, bietet es eine gleichwertige Samtigkeit und Robustheit wie echtes Leder. Das von Yamaha verwendete Proteinleder ist mMn. nicht von gutem, soften Echtleder zu unterscheiden.

Der verwendete Schaumstoff ist sehr weich und komfortabel, der Anpressdruck eher mäßig, was ich persönlich jedoch begrüße. Bei Bedarf lässt sich der Bügel aber auch nachträglich noch zusammenstauchen, um einen festeren Sitz zu ermöglichen.

Die Polsterung hätte dicker ausfallen dürfen. Meine äußeren Ohrmuschelränder berühren leider permanent die nur mit einem dünnen Akkustikstoff überdeckten Lautsprecher, was sich nach längerem Tragen durch ein unangenehmes Drücken an den betroffenen Stellen bemerkbar macht.

Die innere Aussparung der Ohrmuscheln beträgt in etwa 6×4,5cm (jeweils an der breitesten Stelle gemessen).

Durch die in allen Dimensionen beweglichen Ohrhörer schmiegt sich der HPH-MT8 perfekt an den Kopf an. Um Ein-Ohr-Monitoring zu ermöglichen, können die Muscheln über das große Gelenk auch nach außen gedreht werden.

Lange Sessions sind kein Problem, sofern man sich nicht an dem etwas höheren Gewicht stört. Den Punkt, an dem ich nach längerem Tragen gar nicht mehr richtig wahrnehme, dass ich eigentlich einen Kopfhörer aufhabe, erreiche ich dadurch, und wegen der anstoßenden Ohrränder, allerdings nicht.

Relativ einzigartig auf dem Markt der Studio-Kopfhörer dürfte sein, dass sich die Ohrmuscheln des HPH-MT8 nach innen falten lassen. Dadurch lässt er sich bei Bedarf leicht verstauen und mitnehmen. Ob das nun ein Feature ist, auf das die Tontechniker und Musiker dieser Welt gewartet haben, kann ich nur schwer abschätzen. Ich finde es jedenfalls „nice to have“.

Anschlüsse und Technik

Angeschlossen wird der Kopfhörer über einen eindrehbaren 3,5mm-Anschluss. Man steckt den Klinken-Stecker in der richtigen Position in die Buchse und dreht ihn um ca. 30°. Die Verbindung rastet leicht ein, wodurch sowohl das unbeabsichtigte Herausdrehen, wie auch ein versehentliches Abziehen verhindert wird.
Das Entfernen des Kabels ist aber ebenso einfach mit einem Handgriff möglich.

Die Steckerummantelung ragt einen guten Zentimeter ins Gehäuse des Kopfhörers hinein; ein Verbiegen oder Abbrechen des Steckkontakts ist dadurch fast unmöglich.

Der vergoldete 6,35mm-Adapter lässt sich bei Bedarf mittels Gewinde auf das andere Ende des jeweiligen Kabels aufschrauben.

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Beim HPH-MT8 wurden zwei 45mm große Treiber mit sogenannten CCAW-Schwingspulen, aus kupferbeschichtetem Aluminum verbaut. Diese wurden laut Yamaha speziell für dieses Modell entwickelt. Sie sollen einen weiten Frequenzbereich von 15Hz bis 28kHz, sowie eine hohe Wiedergabetreue ermöglichen.

Klangbild

Das führt uns auch direkt zum wichtigsten Kapitel diese Tests: der Beurteilung des Klangs.

Wie immer sei darauf hingewiesen, dass die Beschreibung hier auf meinem subjektiven Empfinden und dem Vergleich mit einem guten Dutzend anderer Kopfhörer basiert, die ich die letzten Jahre besessen bzw. getestet habe. Ich habe kein tiefgründiges Fachwissen im Bereich der Tontechnik und erhebe auch keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit bei der Verwendung der beschreibenden Adjektive.

Um es direkt vorweg zu nehmen: Das Klangbild des HPH-MT8 hat mich so ziemlich auf ganzer Linie überzeugt. Ich habe zwar bisher keinen Vergleich zu hochohmigen HiFi-Kopfhörern oder generell zu Exemplaren jenseits der 300-400 Euro Marke anstellen können, aber ich tue mich nach meinem nun ausgiebigen Test durch alle Genres der Musik doch schwer, nennenswerte Kritikpunkte zu finden.

Wer meine anderen Kopfhörertests gelesen hat weiß, dass ich einen linearen Frequenzgang, also eine „natürliche Wiedergabe“ bevorzuge – ohne übermäßiges Bass-Enhancement, betonte Mitten oder Ähnliches. Genau das liefert der HPH-MT8 in meinen Ohren.

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Das Klangbild wirkt außerordentlich voluminös und kraftvoll. Die Lautsprecher erzeugen durch ihren offenen Klang ein echtes Mittendrin-Gefühl.

Die Mitten sind sowohl im unteren und mittleren, als auch im höheren Bereich präzise und detailreich. Gerade orchestrale Stücke profitieren ungemein davon. Auch die Balladen von „The Corrs“ strahlen damit die vom Interpreten gewollte Wärme aus.

Im Rock&Pop-Genre machen die Kopfhörer generell eine sehr gute Figur. Durch die hochauflösenden Mitten machen sowohl Gitarrenstücke, als auch durch Gesang dominierte Lieder einfach Spaß beim Hören.

Selbst bei sehr basslastigen Songs, wie etwa „Breathe“ von „The Prodigy“, wirkt der HPH-MT8 keinesfalls dünn oder schwachbrüstig. Im Gegenteil: Selbst tiefste Bässe werden druckvoll und gleichzeitig detailliert wiedergegeben.

Lediglich im unteren Hochton-Bereich kann man Kritik auf hohem Niveau üben, da bei manchen Songs, wie etwa „Red Flag“ von „Billy Talent“, die S- und T-Laute leicht zischig wiedergegeben werden.

Aber ein derartiges Verhalten fiel mir nur bei einigen, wenigen Liedern auf und dann auch nur in schwacher Ausprägung. Ansonsten sind die Höhen meiner Meinung nach sehr ausgewogen und keinesfalls überdominant. Nicht zuletzt deswegen sind die Kopfhörer auch für Electro-House & Co. uneingeschränkt zu empfehlen.

Hatte ich schon erwähnt, dass der HPH-MT8 richtig laut ist? Über meine Soundkarte höre ich mit etwa 6-12% Volume. Bei rund 18-24% hat man gefühlt schon Konzertlautstärke erreicht. Wenn ihr also zu der Fraktion gehört, die regelmäßig ihre Flimmerhärchen vorsätzlich und irreversibel plattfegt, kommt ihr hier in jedem Fall voll auf eure Kosten.

Prädikat: Hammer Sound

Der Yamaha HPH-MT8 ist ein absolut top verarbeiteter Studiokopfhörer, mit äußerst angenehmen, weichen Ohrpolstern und einem bequem sitzenden Kopfbügel, der nirgends drückt und trotz seines hohen Gewicht einen sehr guten Tragekomfort bietet. Bei größeren Ohren muss man allerdings damit leben, dass sie unter Umständen am harten Lautsprecher anliegen.

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Die Auswahl des Zubehörs ist recht üppig und ermöglicht eine vielseitige Nutzung. Die Anschlüsse sind hochwertig, die Befestigungsmechanismen der Kabel und Adapter durchdacht.

Yamahas Flaggschiff der MT-Reihe zählt definitiv zu den besten Kopfhörern, die ich bisher probehören und testen konnte. Das ausgewogene, neutrale, aber auch ausgesprochen detaillierte Klangbild überzeugt von Anfang bis Ende. Meckern auf hohem Niveau lässt sich allenfalls bei selten auftretenden, leicht zischelnden S- und T-Lauten, die aber eigentlich nur dann „ins Ohr fallen“, wenn man tatsächlich darauf achtet.

Bei einem Preis von aktuell rund 180 Euro kann ich eine klare Kaufempfehlung für den Yamaha HPH-MT8 aussprechen.

Wertung des Autors
Patrick Jaus bewertet Yamaha HPH-MT8 mit 4.6 von 5 Punkten.

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