Wie ich 98 Euro in den Müll geworfen habe

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Amabrush

Vor nicht ganz zwei Jahren habe ich 98 Euro in die Hand genommen, um eine Idee zu unterstützen, die im ersten Moment interessant schien. Das Geld war für die Tonne.

Am 14. Juli 2017 bestätigte mir Kickstarter, dass ich 98 Euro für eine Amabrush ausgegeben habe. Das Projekt hatten wir hier im Blog erwähnt und ich fand es interessant. In 10 Sekunden per Vibration Zähneputzen, das klang fast zu schön, um wahr zu sein, aber dennoch irgendwie so, als stecke da eine Logik dahinter.

Amabrush Kickstarter

Lieferverzögerungen

Anfang März dieses Jahres war es dann soweit, meine Amabrush landete nach reichlich Verzögerung bei mir.

Die Entwickler hatten viele Details nochmal komplett geändert und hatten wohl immer wieder Probleme mit Fabriken in Asien, welche die Zahnbürste zusammenbauen. Das war für mich okay, denn mit so etwas rechne ich bei Kickstarter im Grunde bereits.

Im Vorfeld hatte ich einige negative Berichte dazu gelesen, war aber dennoch ziemlich gespannt darauf, wie sich diese „Zahnbürste“ in der Praxis schlagen wird.

Erster Eindruck: Sehr gut

Ich war erstmal überrascht, und zwar positiv. Die Aufmachung und die Verpackung wirkten ziemlich wertig. Nach dem Auspacken der Amabrush war ich zudem durchaus angetan davon. Ich hatte ein billiges, klappriges Gadget erwartet. Die Verarbeitung wirkte aber astrein. Sollte es eventuell doch kein Griff ins Klo gewesen sein?

Ich packte die Amabrush aus. Ich steckte sie zusammen. Das Mundstück mit seinen Silikonbürsten, das Zahnpasta-Reservoir, alles hatte einen festen Sitz, nichts wackelte. Das gefiel mir.

Dann schaute ich mir die App genauer an. Diese bot mir erstmal ein Firmware-Update für die Amabrush an, was ich auch einspielte. Die Hoffnung, dass solche Updates die Leistung stetig verbessern, schwingt da natürlich mit. Über die App habe ich den Standard-Reinungsmodus zudem mal auf 20 Sekunden gestellt.

Amabrush®
Preis: Kostenlos

Der Praxiseinsatz

Okay, nun konnte es losgehen. Ein erster Putzversuch stand an. Mundstück befeuchten, Zahnpasta „reinpumpen“ und ab in den Mund.

Was mir direkt auffiel, war das enorm große Mundstück. Ich bekam das in meine große Klappe zwar rein, aber es drückt unangenehm im hinteren Bereich. Wie das Personen mit kleinerem Kiefer überhaupt in den Mund bekommen sollen, ist mir schleierhaft.

Amabrush

Amabrush

Dann konnte es losgehen. Der Moment war gekommen. Ich stand vor meinem Badezimmerspiegel, in meinem Mund hing die Amabrush, ich drückte – ich gebe zu etwas erwartungsvoll – die Powertaste und dann vibrierte es los.

Bis zu diesem Punkt hatte ich wirklich eine leise Hoffnung, dass die Amabrush etwas kann. Eventuell nicht das, was der Hersteller verspricht, aber vielleicht eine Art „Grundreinigung“. Etwas, was man am Abend nochmal schnell durchführen kann, wenn man nur noch ins Bett fallen möchte.

Dass das Fluorid der Zahnpasta in 10 Sekunden kaum eine Wirkung entfalten könnte, dachte ich mir irgendwie schon. Dass die Amabrush aber rein gar nichts im Mund anstellt, hat mich doch ein wenig überrascht. Ja, sie vibriert, aber mit gar nichts meine ich wirklich gar nichts.

Die weichen Silikonborsten decken weder alle Zähne rundherum ab, noch führen sie in irgend einer Art eine Reinigung durch. Nicht mal das Verteilen der Zahnpasta bekommt die Bürste hin. Das Benutzen einer Mundspülung bietet gefühlt mehr Reinigungsleistung und führt zu mehr Frische im Mund, als diese „10-Sekunden-Zahnbürste“.

Ich weiß nicht, ob es schon deutlich genug rüberkam, daher nochmal: Die Amabrush macht bei mir gar nichts, was irgendwie im Zusammenhang mit einer Reinigung der Zähne steht.

Luftnummer

Es ist rückblickend betrachtet meines Erachtens unmöglich, dass dies dem Hersteller bei Tests nicht aufgefallen sein soll. Eventuell haben sich die Entwickler der Amabrush auch wirklich mit dem ganzen Projekt verhoben und konnten ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr zurückrudern. Das ist dreist, schade und sehr ärgerlich zugleich.

Ich habe mit der Amabrush jedenfalls 98 Euro in den Müll geworfen. Sie erfüllt keines der gegebenen Versprechen. Sie ist für mich reiner Elektroschrott. Jeder, der sie gekauft hat, ist daher zu bemitleiden. Jeder, der vorhatte sie zu kaufen, sollte das sein lassen.

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