Acer Liquid E700 Trio im Test

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In der unteren Mittelklasse ist der Wettbewerb besonders hart und man tut sich schwer, in der 200 €-Preisklasse mit wirklich guten Geräten herauszustechen. Als Verkaufsargumente müssen dann zum Teil Gimmicks herhalten. Ob das Acer Liquid E700 mit seinen drei SIM-Karten-Plätzen dazugehört, klären wir in unserem Test.

Packungsinhalt und technische Daten

Die Box ist klassentypisch eher leer. Außer dem Android-Smartphone selbst liegen nur noch ein Netzteil plus Datenkabel, ein In-Ear-Headset mit flachem Kabel und ein paar Heftchen zu Bedienung und Garantie bei.

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In der Ausstattung kann das E700 mit ein paar Besonderheiten auftrumpfen:

  • Es sind 2 GB RAM und 16 GB interner Speicher (plus Erweiterung per Micro-SD) verbaut, was eher untypisch ist
  • Das 5“-IPS-Display in 720p-HD-Auflösung ist hell und klar
  • An der Frontseite hat man der 2MP-Kamera eine LED spendiert
  • Der Akku ist mit 3.500 mAh üppig dimensioniert
  • Da Dual-SIM offenbar nicht gereicht hat, setzt man auf Triple-SIM

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Ansonsten ist das E700 solide Durchschnittskost. Auch wenn es das Design anders suggeriert, sind an der Front keine Stereolautsprecher verbaut. Nur einer der beiden, nämlich der untere, gibt den Ton laut aus. Der MediaTek-Quadcore-Prozessor mit 1,2 GHz Taktung wird von einer Mali 400-GPU begleitet. Mit 147,3 x 73 x 9,9 mm Größe und 155g auf der Waage ist das Acer sicher nicht das kleinste Gerät unter der Sonne, liegt für 5“ Displaygröße aber noch im Rahmen.

Die 8-MP-Kamera auf der Rückseite wurde zum Start anscheinend sehr gescholten, das soll sich aber mit dem Update stark gebessert haben, welches auf meinem Testgerät bereits installiert war. Dazu später mehr.

Äußerlichkeiten

Das Acer Liquid E700 macht einen gut verarbeiteten Eindruck. Zwar glänzt das Display, der Rest des Smartphones ist in unserem Falle in mattem Schwarz gehalten, das Fingerabdrücke recht zuverlässig verhindert. Eine rote Version wird ebenfalls angeboten, wenn die Farbe mit der roten Version des Liquid S2 vergleichbar ist, sollte es dort ebenfalls keine Probleme geben.

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Ein mittelschweres Minus gibt es von mir für die Tatsache, dass man den Powerknopf und die 3,5mm-Klinkenbuchse oben auf das Gerät und den Micro-USB-Anschluss nach rechts über die Lautstärkeregelung gesetzt hat. Klar ist so etwas immer Geschmackssache, aber ich stecke meine Handys nunmal „Kopf nach unten und Gesicht nach innen“ in die Hosentasche, da verheddert sich ein Kopfhörerkabel nur unnötig.

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Entsperren wäre mit dem Knopf oben ein ziemlicher Akt, immerhin hat aber Acer an der Rückseite unter der Kamera den sogenannten RapidKey verbaut, der über kurzes Drücken das Gerät auf den Homescreen aufweckt. Langes Drücken startet die Kamera (es ist sonst keine Kamerataste verbaut), beiderlei Verhalten lässt sich aber auch in den Einstellungen den eigenen Wunschvorstellungen anpassen.

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Die Softkeys unter dem Display sind in der Standard-Android-Belegung Zurück, Home, Letzte Apps verbaut und nicht beleuchtet. Das ist ein Fauxpas, den ich mir so nicht erklären kann. Unter der Haube ist der Akku fest verbaut, man bietet so nur den Zugriff auf drei Steckplätze für Micro-SIM-Karten sowie einen für die Micro-SD-Speicherkarte. Meine 128 GB-Karte wurde zwar nicht problemlos erkannt, wie beim Liquid S2 auch reichte aber eine Formatierung im Gerät um 119 GB verfügbaren Speicher anzuzeigen.

Das Display ist sehr hell, die Auflösung völlig ausreichend und die Farbwiedergabe gut. Einzig die Ablesewinkel könnten besser sein. Toll: Es wird der Handschuhmodus unterstützt, der im Test einwandfrei funktioniert hat. Im Winter muss man sich bei der Bedienung also nicht die Finger abfrieren.

Innere Werte

Auf dem Liquid E700 läuft Android der Version 4.4.2 KitKat mit Anpassungen durch Acer. Dazu gehören neben dem Launcher, der ein paar nette Aufbesserungen bietet, leider auch diverse Apps, die nur mit einem Acer-Konto nutzbar sind und meiner Meinung nach hervorragend dafür geeignet sind, den Anwender zu verwirren. Möchte man sich ein Foto ansehen, bietet das E700 von Haus aus drei Apps dafür: Fotos, Galerie und abPhoto. Es gibt den Browser – und es gibt Chrome. Mehr zum Deaktivieren und dem Gerät an sich habe ich für euch im Bewegtbild festgehalten:

Auf dem Homescreen prangt das Acer Portal für BYOC, der Überbegriff für die abApps (abDocs, abFiles, abMusic, abPhoto und abVideo). Die Abkürzung steht für Build Your Own Cloud und ist eine Lösung, bei der Inhalte über den Heim-PC auf alle verbundenen Geräte synchronisiert werden. Für den Zugriff von unterwegs muss dieser allerdings dann angeschaltet sein.

Weitere Apps im Schnelldurchlauf:

  • SnapNote erkennt seitlich aufgenommene Bilder bei Präsentationen und rechnet sie automatisch in Frontalansicht um.
  • Die Funktion Einfacher Hotspot bietet die Möglichkeit, per QR-Code andere Geräte mit dem E700 zu verbinden, um dessen Internetleitung zu nutzen.
  • FM-Übertragung ist nicht, wie man zuerst denken könnte, die Fähigkeit, Musik vom Handy ans Radio zu übertragen, sondern schlicht eine UKW-Radio-App. Diese bietet allerdings die Möglichkeit, vom Radio aufzunehmen.
  • Mit LiveScreen kann man ein Foto oder den momentanen Standort mit anderen teilen – aber man muss wieder ein Konto anlegen.
  • POLARIS Office 5 ist vorinstalliert, um Office-Dateien anzusehen und zu bearbeiten.

Der Launcher ist mit einer Reihe von Floating Apps ausgestattet, auf die man über das Multitasking Zugriff hat. Praktische Geschichte, um z.B. schnell mal etwas auszurechnen oder zu zeichnen. Eine Reihe an Widgets zeigt Uhrzeit und Wetter an, in den Benachrichtungen hat man fünf direkte Schnellzugriffe sowie einige weitere nur einen Klick entfernt. All die vorinstallierten Apps haben natürlich ihren Preis: Von den 16 GB internem Speicher sind ca. 4 direkt ab Start belegt. Immerhin bietet das E700 aber die Möglichkeit zum Verschieben auf Speicherkarte an.

Ein extremes Problem des Geräts, das sich durch die gesamte Software zieht, sind fehlende Übersetzungen. Für den geneigten Enthusiasten ist das vermutlich weniger ein Mangel, ich selbst nutze in diesem Text wohl auch mehr Anglizismen als nötig wäre. Aber muss der oben angesprochene Handschuhmodus „Glove Operation“ heißen? DTS Studio Sound ist komplett englisch, warum? Muss ich mich in den Einstellungen mit „Personalize“ herumschlagen, wenn danach der Menüpunkt Anpassen heißt?

Beim RapidKey mit „Short press“ und „Long press for Camera“? Rhetorische Fragen, hier sollte Acer dringend die Benutzeroberfläche in den Griff bekommen. Das gleiche gilt für YouTube, denn diese App ist auf dem E700 quasi unbenutzbar. Das Video stockt manchmal, dann läuft der Ton aber dennoch weiter. Ergebnis: Innerhalb kürzester Zeit ist die Wiedergabe asynchron.

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Die SIM-Verwaltung ist recht eingängig. Von den drei Karten kann immer nur eine im Datennetz aktiv sein. Mit welcher der SIMs Anrufe und SMS getätigt werden sollen, bleibt frei wählbar, fest definierbar oder sogar pro Kontakt einstellbar. Telefonie an sich ist kein Problem, ich konnte meinen Gesprächspartner gut verstehen. Einzig der Empfang macht mir etwas Sorgen, welcher gefühlt in keinem Fall so gut war wie den anderen Geräten im Haus.

Schnellmodus

Diesem Teil der Software möchte ich einen eigenen Absatz widmen, da er recht interessant ist. Acer hat als Teil des Launchers beziehungsweise als Alternative dazu einen Moduswechsler für verschiedene vereinfachte Ansichten. In jeder Ansicht öffnet Nachlinkswischen die Kamera.

Im Kindermodus ist nur der Schnellzugriff auf sechs Kontakte sowie SMS möglich. Zudem gibt es eine Taste, die nicht näher beschriftet ist, hier in der Mitte. Auch die Bedienungsanleitung des Acer Liquid E700 konnte mir darüber keinen Aufschluss bieten.

Nach Drücken hatten sowohl Hannes als auch ich eine SMS mit dem Inhalt „Mich bitte zurückrufen.“ auf unseren Telefonen, René hingegen nicht. Das Gerät scheint den ersten zwei Kontakten im Kindermodus diese Nachricht zu verschicken. Die Einstellungen, wie z.B. der Wechsel auf andere Modi, sind per PIN (Standardeinstellung 0000) geschützt,der Schnellzugriff auf die Einstellungen über die Benachrichtigungsleiste nicht. Die letzten Apps, und damit die Floating Apps inklusive Browser, sind ebenfalls abrufbar. Mit Verlaub: Dann kann man sich die PIN auch sparen.

Im Seniorenmodus sieht es ähnlich aus, hier hat man aber drei Kontakte (sowie Zugriff auf das Telefonbuch) und eine frei wählbare App neben Nachrichten, Telefon, Wetter, Uhr und Lupe.

Der Ziffernfeldmodus ist ebenso wie der klassische Modus nicht PIN-gesichert, hier ist wie der Name schon andeutet direkt eine Zifferntastatur eingeblendet. Der klassische Modus ist dann eigentlich nur eine größere Anordnung von Apps im Gitter, die nach Kategorien sortiert sind.

Acer sollte den Kindermodus konsequenter absperren, wenn sie ihn an besorgte Eltern vermarkten möchten, ansonsten halte ich die Funktion für gelungen. Die großen Flächen erleichtern die Bedienung, dann müssen allerdings noch die Apps entsprechend aussehen.

Akku und Leistung

Licht und Schatten liegen bei dem 3.500 mAh starken Akku nah beieinander. Zweimal passierte es im Test, dass die Anzeige noch recht viel Restakku versprach. Dann jedoch, im ersten Fall, schien sich das Display wegen einer Benachrichtigung aktiviert zu haben und ging nicht wieder aus. Nicht drauf geachtet, und innerhalb kurzer Zeit war das E700 von 30% auf 0 runter. Der zweite Fall war noch ungewöhnlicher: Beim Verfassen dieser Zeilen nach der IFA hatte ich es schon zwölf Tage an und etwa sechzig Prozent verbleibend.

Während ich durch die Apps wechselte, bemerkte ich plötzlich eine Anzeige von 27% in der Benachrichtigungsleiste. Verwundert hielt ich inne und konnte beobachten, wie alle zwei Sekunden ein weiteres Prozent wegbrach, bis das Gerät bei 22% unvermittelt ausging. Nach Reanimation per Netzteil war es absolut runter und fing mit 1% an zu laden. Dafür habe ich nur zwei mögliche Erklärungen: Entweder funktioniert die Restanzeige nicht zuverlässig, oder ein schwerwiegender Bug hat das Acer-Smartphone innerhalb von Sekunden gekillt.

Ansonsten kann ich nur gutes über die Akkuleistung des E700 sagen. Im Laufzeittest mit eingeschaltetem WLAN, drei eingebuchten SIMs, Display auf maximaler Helligkeit und YouTube-Video an kam das Gerät auf 5 Stunden und 23 Minuten. Liegenlassen, bis es ausgeht, konnte ich es leider nicht, da es wie eben erwähnt auch nach zwölf Tagen nicht wesentlich verlor. Typischerweise kommt man bequem zwei Tage hin, möglicherweise auch einen dritten. Das hängt eben vom Einsatzzweck ab und je länger das Display an ist, desto kürzer natürlich die Laufzeit.

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Im täglichen Betrieb ist das Acer Liquid E700 ausreichend motorisiert, mit anderem Launcher sogar recht flott. Die 2 GB RAM machen sich hier bemerkbar. Der MediaTek-Prozessor MT6582 ist eher für preisgünstige Smartphones gedacht. Niemand gibt natürlich etwas auf Benchmarks, und dennoch schaut man sie sich immer wieder gern an:

Kamera

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Und wo wir schon bei Hinschauen sind: Hier sind einige Fotos, welche die Kameras des E700 produziert haben.

Das zweite unbeleuchtete Flipfie ist mit der Beautification-Einstellung aufgenommen worden, viel hat’s aber nicht gebracht. Insgesamt ist die Kamera bei Tageslicht ausreichend und fällt bei Dunkelheit völlig auseinander.

Die Kameraanwendung bietet eine Reihe von Modi und Einstellungen (vieles wieder nicht übersetzt) und eine Favorite Shot genannte Schnellwahl kann man neben Foto- und Videofunktion ebenfalls festlegen.

Fazit

Das Acer Liquid E700 Trio ist mittelklasse. Es kann von allem ein bisschen und brilliert in einzelnen Disziplinen (Akkuleistung und Display). Es macht nur wenig falsch, dann aber richtig (nicht beleuchtete Tasten und Übersetzung). Eine klare Kaufempfehlung für alle, die nicht zwingend auf multiple SIMs angewiesen sind, muss leider ausbleiben, da ich im Erfahrungsaustausch mit einem anderen Nutzer von weiteren Problemen hinsichtlich Abstürzen und fehlerhafter Funktionen hörte. Wenn Acer es schafft, mit zukünftigen Updates zumindest diese Schnitzer sowie die Übersetzungen zu korrigieren, ist das E700 definitiv einen Blick wert.

Wertung des Autors
Mike Demuth bewertet Acer Liquid E700 mit 3.6 von 5 Punkten.

Wir danken Acer für die freundliche Bereitstellung des Testgeräts. Partnerlinks im Beitrag

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