Amazon bleibt in der Gewinnzone

Lange Jahre hatte Amazon bei steigenden Umsätzen tiefrote Zahlen geschrieben, das waren Verluste nach Plan. Nun scheint der Onlinehandelskonzern im Plus bleiben zu wollen.

Nachdem verschiedene Tech-Konzerne mit ihren Quartalsergebnissen den Unmut der Aktionäre auf sich zogen, wusste Amazon zu begeistern. Seine Aktie schnellte nach Bekanntgabe der Zahlen von Q2 um 12% nach oben, das Papier schloss gestern immer noch 2,6% höher bei 548,90 Euro.

Weiterhin schwarze Zahlen

Amazon erlöste im abgelaufenen Quartal rund 29,1 Milliarden Dollar, gut eine Milliarde mehr als erwartet, ein Anstieg um 28%. Der Gewinn stieg auf 513 Millionen Dollar, im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch 57 Millionen Dollar Verlust gemacht.

Getrieben wird die positive Bilanz zu großen Teilen von AWS, die Amazon Web Services, unter diesem Label fasst Amazon seine verschiedenen Cloud-Storage / Computing-Dienste zusammen. Um 64% stieg deren Erlös, auf über 2,57 Milliarden Dollar, leicht mehr als erwartet. AWS avanciert für den Moment zur Cashcow des Unternehmens, verständlich, wenn man auf die Kunden schaut.

Firmen aller Größenordnungen setzen auf die Amazon-Cloud, nicht zuletzt Apple, das noch Ressourcen von Google, Microsoft und Amazon anmietet, um seine iCloud-Infrastruktur abzubilden. Pläne eine eigene Cloud-Infrastruktur zu errichten betreibt Cupertino verschiedenen Hinweisen nach mit Hochdruck, soll aber noch Jahre von einer Realisierung entfernt sein.

Amazon indes wird von AWS in die Gewinnzone getragen, der Überschuss dieses Geschäftsbereichs betrug in Q2 604 Millionen Dollar.

Grafik: Statista

Grafik: CC Statista

Verluste als Geschäftstradition

Der Wirtschaftsjournalist Niels Jacobsen nennt Amazon bei Meedia einen Internetdino und das trifft auch zu. Doch während andere Dinos wie Yahoo über die Jahrzehnte langsam ausbluteten, gelingt es Amazon auch nach fast 20 Jahren im Geschäft immer noch ganz oben mitzuspielen. Diese Agilität erwarb das Unternehmen des vielseitig aktiven  Jeff Bezos zu einem hohen Preis.

Während Amazon nun den vierten positiven Quartalsbericht geliefert hat, war das Handelsunternehmen lange für seine massiven, ständig weiterwachsenden Verluste bekannt. Diese entstanden, weil Bezos lange alle Überschüsse umgehend reinvestierte. Einerseits, um weiter zu wachsen, aber auch mit dem Fokus auf permanente Innovation bei gleichzeitiger ständiger Optimierung der Kaufroutinen, die das Shoppingerlebnis auf der Plattform ausmachen. Analysten hatten diesen Kurs lange lächelnd beobachtet, da sie um die Intention des Firmengründers wussten, aber auch sie zeigten sich angesichts immer weiter ausufernder Verluste am Ende hier und da leicht besorgt.

Letztlich war es das Geschäft mit der Cloud, die so weit vom ursprünglichen Kern des Onlinehändlers entfernt ist, die für den Moment eine Trendwende herbeiführte. Der Börsenwert des Unternehmens liegt derzeit bei geschätzten 318 Milliarden Dollar.

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