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Asus Zenfone 2 (ZE551ML) Testbericht

Zenfone_2_Back

Anfang des Jahres stellte Asus mit dem Zenfone 2 im Rahmen der CES 2015 ein vielversprechendes Smartphone vor, welches damals noch mit seinem 4 GB großen Arbeitsspeicher für Schlagzeilen sorgte. Nachdem es nach und nach in verschiedenen europäischen Ländern in den Handel kam, ist es nun, knapp elf Monate nach der Präsentation, auch in Deutschland verfügbar. Die Frage, ob das Gerät trotz der immensen Verspätung noch einen Blick wert ist, möchte ich nun in den folgenden Zeilen beantworten.

Technische Daten

  • 5,5 Zoll IPS-Display mit 1920 x 1080 Pixeln
  • 2,2 GHz Intel Atom Z3580 Quad-Core-SoC
  • 4 GB Arbeitsspeicher
  • 32 GB interner Speicher, erweiterbar per microSD-Karte
  • 13 Megapixel Hauptkamera, 5 Megapixel Frontcam mit 85°-Weitwinkel
  • 3.000 mAh Akku
  • Android 5.0 Lollipop mit ZenUI-Oberfläche
  • LTE Cat 4, Wlan b/g/n/ac, Bluetooth 4.0
  • 152,5 x 77,2 x 3,9 -10,9 mm, 170 Gramm
  • UVP: 379 Euro

Verarbeitung und Design

Während sich die Hersteller im Premium-Segment bemühen, ihre Smartphones möglichst auffällig und wertig zu gestalten, lässt sich das Asus Zenfone 2 im Vergleich als graue Maus beschreiben. Verpackt in ein Polycarbonat-Gehäuse mit abnehmbarer Rückseite liegt das Oberklasse-Smartphone aus Taiwan gut in der Hand, die im Metall-Look gestaltete und etwas texturierte Kunststoff-Abdeckung kann aber auf keinen Fall mit einem Aluminium-Gehäuse, wie es beispielsweise HTC verwendet, mithalten.

Zenfone_2_Powerbutton

Nimmt man das Smartphone das erste Mal in die Hand und möchte es anschalten, muss man sich erst einmal auf die Suche nach dem Power-Button begeben. An der rechten Seite? An der linken Seite? Auf der Rückseite? – Fehlanzeige. Natürlich hat man sich die am besten zu erreichende schlimmste Position ausgesucht und den Knopf am oberen Ende des Smartphones platziert – genau in der Mitte! Möchte man also nicht versuchen, das mit einen 5,5 Zoll großen Display nicht gerade kleine Smartphone irgendwie in der Hand zu balancieren, um mit seinem Finger den Power-Button zu erreichen, nutzt man die glücklicherweise integrierte „Double-Tap-To-Wake“-Funktion. Diese arbeitet stehts zuverlässig und lässt das Zenfone 2 auch nach einem doppelten Tipp auf die Statusleiste in den Stand-By-Modus verschwinden.

Nun, da die Power-Taste gefunden ist, geht es weiter mit den Lautstärkereglern. Wie bereits von einigen LG-Smartphones bekannt, sind diese auf der Rückseite unterhalb der Kamera zu finden, wobei es sicherlich schlauer gewesen wäre, den An- und Ausschalter ebenfalls an dieser Stelle zu platzieren. Zumindest besitzen alle Knöpfe einen ordentlichen Druckpunkt und scheinen gut verarbeitet zu sein.

Display

Gelangweilt von dem ganzen Geschwafel rund um das eher langweilige, aber relativ gut verarbeitete Gehäuse? Dann kommen wir nun zum Display des Asus Zenfone 2. Dieses misst wie bereits erwähnt 5,5 Zoll in der Diagonalen, was in der heutigen Zeit als Quasi-Standard beschrieben werden kann. Demzufolge ist das Smartphone mit seinen Abmessungen von 152,5 x 77,2 mm nicht gerade kompakt, was auch durch die relativ großen Displayränder bedingt wird. Zudem setzt Asus beim Zenfone 2 auf unterhalb des Displays angebrachte Soft-Touch-Tasten, die das Gerät nochmals in die Länge ziehen.

Doch wie ist nun die Qualität des verbauten IPS-Panels mit FullHD-Auflösung? Alles in allem relativ gut. Inhalte kommen bei 400 ppi selbstverständlich scharf rüber und die maximale Helligkeit sowie Farbdarstellung gehen absolut in Ordnung. Sollte man dennoch selbst noch einmal kleinere Anpassungen vornehmen wollen, kann dies über die vorinstallierte Splendid-App erledigt werden. Innerhalb der Anwendung können verschiedene Farbprofile ausgewählt werden, unter anderem ein Modus mit knalligeren Farben oder einer, bei dem das für die Augen anstrengende blaue Licht zurückgefahren wird.

Performance

Als das Asus Zenfone 2 Anfang des Jahres vorgestellt wurde, hielt so gut wie jeder den 4 GB großen Arbeitsspeicher für überdimensioniert. Nutzt man das Smartphone jedoch im Alltag, hat viele Apps geöffnet und auch einige Chrome-Tabs am Laufen, dann wird klar, wieso man nicht 3 oder sogar 2 GB RAM verbaut hat. Oftmals sind mehr als 3 GB des riesigen Arbeitsspeichers belegt, sodass es schlussendlich eine gute Idee war, diese Größe zu wählen.

Doch nicht nur der Arbeitsspeicher beeinflusst die Performance eines Smartphones direkt, entscheidend ist auch der verbaute SoC und hier setzt Asus auf den nicht häufig gesehenen Intel Atom Z3580 mit vier 2,2 GHz schnellen Kernen. Diese sorgen alles in allem für eine gute Systemperformance und ermöglichen ein schnelles Arbeiten mit dem Gerät. Dennoch gönnte sich das Zenfone 2 während der Testzeit beim Öffnen einer App einige Male eine kleine Gedenksekunde, was jedoch nicht weiter störend auffiel. Großartige Ruckler waren nicht erkennbar, Apps starteten in der Regel zügig und selbst starkes Multitasking funktionierte stets ohne Performanceeinbußen.

Zenfone_2_Kamera

Kamera

Da ich neben dem Asus Zenfone 2 auch noch das Motorola Moto X Play und Lenovo ZUK Z1 im Einsatz hatte, musste sich das Smartphone im Kamera-Bereich mit einigen Konkurrenz-Produkten, welche im selben Preis-Segment angesiedelt sind, messen. Während das Fazit zur Cam des Motorola Moto X Play inklusive einiger Beispielbilder bereits im Testbericht des Geräts nachgelesen werden kann, wird ein ausführlicher Artikel zum ZUK Z1 erst in Kürze publiziert werden, sodass ihr euch hier zumindest vorerst leider mit meiner subjektiven Meinung zufrieden geben müsst.

Beginnen wir mit der Kamera-App des Asus Zenfone 2, welche wie die meisten System-Apps stark von der normalen Kamera-Anwendung abweicht. Möchte man das erste Foto mit dem Oberklasse-Gerät knipsen, dürfte man von den vielen Einstellungsmöglichkeiten überschlagen werden. Etliche verschiedene Szenen-Modi für die speziellsten Momente werden von einem manuellen Modus und dem üblichen Automatik-Modus flankiert. Letzterer sorgt in der Regel für gute Bilder, möchte man dennoch selbst einmal Hand anlegen, lohnt es sich den manuellen Modus auszuwählen, in dem ISO, Belichtung, Verschlusszeit, Weißabgleich sowie der Fokus selbst geregelt werden können.

Vergleicht man die Bilder der 13-Megapixel-Hautpkamera des Asus Zenfone 2 mit der 21-Megapixel-Cam des Motorola Moto X Play, fällt sofort wieder auf, dass das Motorola-Smartphone im Kamera-Bereich deutlich besser abschneidet als die meisten Smartphones dieser Preisklasse. Das Asus Zenfone 2 macht seine Arbeit nicht schlecht, der Unterschied zu hochpreisigeren Modellen fällt im Hinblick auf die Bildqualität jedoch besonders auf. Diese ist als mittelklassig zu beschreiben und wird dem Preis des Geräts somit eigentlich gerecht.

Zenfone_2_Front

Akku

Nachdem ich eben schon für die Kamera keine wirklich lobenden Worte aussprechen konnte, kommen wir nun zu einem Punkt, der mich deutlich mehr enttäuschte. Auf dem Datenblatt lesen sich die 3.000 mAh des fest verbauten Akkus noch einigermaßen gut, in der Praxis hält die Kombination aus Display, SoC und Akku bei meiner Nutzung jedoch kaum einen ganzen Tag durch. So kam ich auf ungefähr 3 Stunden Screen-on-Time, wobei ausschließlich Anwendungen wie Chrome, Falcon Pro und WhatsApp genutzt wurden. Zusätzlich musste mir das Zenfone 2 auf dem Weg zur Uni und zurück immer noch 2 Stunden als LTE-Hotspot dienen, was schlussendlich darin resultierte, dass das Smartphone spätestens auf dem Heimweg wieder an einer Powerbank nachgeladen werden musste.

Solltet ihr euer Smartphone lediglich durchschnittlich nutzen oder zumindest weniger als ich, dann dürfte das Asus Zenfone 2 bei euch den Tag locker durchstehen. Dennoch fällt mein Fazit – durch das Moto X Play und das ZUK Z1 vielleicht auch ein wenig verwöhnt – in diesem Bereich nicht allzu positiv aus.

Software

Lieferte Asus die eigenen Android-Geräte jahrelang mit einem reinen Android aus, findet man seit einiger Zeit die hauseigene ZenUI auf allen Smartphones und Tablet des Herstellers vor. Da ich die Oberfläche bereits von meinem Test des MeMO Pad 7 (ME572CL) kannte, ging ich eigentlich ohne große Befürchtungen an das Zenfone 2 heran. Als die Einrichtung dann jedoch abgeschlossen war, landete innerhalb weniger Stunden direkt der Nova Launcher auf dem Smartphone.

Zwar mag die ZenUI für bestimmte Anwendungsgebiete ihren Sinn erfüllen, persönlich möchte ich jedoch kein Gerät mit einem nicht gerade modern wirkenden „TouchWiz 2.0“ nutzen. Mit ihren bunten Icons drängt sich die Oberfläche einem gefühlt auf, auch die zahlreichen vorinstallierten Bloatware-Apps trüben die Freude über das eigentlich solide Gerät. So gut wie jedes Designelement von Android erhält mit der ZenUI einen neuen Anstrich, sodass man selbst mit dem Nova Launcher nicht ganz vor den Einflüssen fliehen kann. Zieht man beispielsweise die Benachrichtigungsleiste herunter, springt einem dennoch sofort das standardmäßig eingestellte Türkis der Bedienelemente ins Auge.

Da es aber scheinbar auch Menschen gibt, denen Herstelleroberflächen lieb sind, möchte ich auch nicht die guten Seiten der Asus ZenUI verschmähen. Diese ermöglicht es dem Nutzer nämlich unter anderem durch Themes kleinere Änderungen am Design vorzunehmen. Negativ fielen dahingegen wieder die zahlreichen vorinstallierten Asus-Apps auf, von denen ich viele (Zen Chat, etc.) als Bloatware abstempeln würde.

Und sonst noch?

  • Das Asus Zenfone 2 kann zwei microSIM-Karten aufnehmen
  • Der Lautsprecher ist auf der Rückseite positioniert, liefert aber dennoch einen ordentlichen Klang

Zenfone_2_Lieferumfang

Fazit

Nun, da ich in den letzten Absätzen nochmal so richtig über das Zenfone 2 hergezogen habe, kommen wir zum abschließenden Fazit und dieses fällt überraschenderweise gar nicht so schlecht aus. Zu einer UVP von 379 Euro bietet das Smartphone eine gute Ausstattung der Oberklasse, kann jedoch nicht ganz mit den Flaggschiff-Modellen von Apple, LG, Samsung und Co. mithalten. Dazu ist die Performance, trotz der groß beworbenen 4 GB RAM, nicht ganz konstant genug, die Kamera schießt etwas schlechtere Bilder und auch die Akkulaufzeit liegt nicht ganz auf einem Niveau mit den aktuellen Top-Geräten. Dennoch erhält man mit dem Zenfone 2, vorausgesetzt man kann mit den Kritikpunkten leben, ein wirklich rundes Gesamtpaket, dessen Preis in den kommenden Wochen sicherlich noch etwas fallen wird.

Abschließend möchte ich aber noch einmal an Asus appellieren, interessante Smartphones wie das Zenfone 2 nächstes Mal schneller nach Deutschland zu bringen. Wäre das Gerät im Frühling hierzulande auf den Markt gekommen, hätte man es deutlich einfacher gehabt und die Werbung mit den „4 GB RAM“ wäre sicherlich aufgegangen. Jetzt konkurriert man allerdings mit den immer günstiger werdenden Flaggschiff-Smartphones dieses Jahres und hat seinen Vorteil verspielt.

Wertung des Autors

Niklas Jutzler bewertet Asus Zenfone 2 mit 3.9 von 5 Punkten.

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