Ausprobiert: Aerofly 2 – Der beste Flugsimulator für Android-Geräte

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Mit der Cessna über die Golden Gate Bridge – nur eine der Möglichkeiten von Aerofly 2

Halbwegs realistische Flugsimulatoren sind vor allem für Android-Geräte immer noch Mangelware. Durch Zufall bin ich im Google Play Store kürzlich auf Aerofly 2 gestoßen und habe meinen neuen Favoriten gefunden.

Während die einen am Computer Tage in Shootern verbringen, macht es anderen Spaß, stundenlang mit dem virtuellen Flugzeug zu kreisen. Ich selbst kann mich mit beiden Gruppen identifizieren und war umso erfreuter, als die X-Plane 10 Mobile als Ableger der Desktop-Version endlich mobile Geräte erreichte.

Die Android-Version befindet sich allerdings immer noch in Planung, sodass nur auf die Vorgängerversion zurückgegriffen werden kann, mittlerweile nicht mehr auf aktuellstem technischen Stand. Eine gute Alternative stellte bisher der Infinite Flight Simulator dar, welcher mit Aerofly 2 nun endlich eine mindestens ebenbürtige Konkurrenz erhielt.

Worum geht es?

Flugsimulator halt. Von einem Airport zum anderen düsen, eine ordentliche Landung versuchen, die Landschaft genießen, auf eine andere Art und Weise die Zeit vertreiben oder gar ein bisschen für das echte Leben üben. Letzter Punkt dürfte bei mobilen Umsetzungen sowieso kaum von Relevanz sein, nicht umsonst ist es als Spiel gelistet.

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Natürlich kann ein Spiel für mobile Endgeräte nicht die Komplexität einer Version für den heimischen Computer bieten. 80 GB Speicher für eine komplette Abdeckung der Erde mit Kartenmaterial sind auf dem Smartphone einfach nicht drin und ebenso wenig stehen zig Tasten zur Belegung diverser Funktionen zur Verfügung.

Fans von Flugsimulatoren dürfte der Name „Aerofly FS“ eventuell bereits untergekommen sein, ein Flugsimulator, welcher ausschließlich die Schweiz abdeckt. Bereits vor einiger Zeit veröffentlichte man eine gleichnamige iOS-App, der Nachfolger ist nun für beide großen Betriebssysteme angekommen.

Genug der Einleitung und gleich zur ersten Hürde: Für die Simulation werden einmalig 4,99 Euro fällig, ein Preis, den ich sehr gerne ausgebe, aber es soll ja leider immer noch Leute geben, die nach dem Motto „das beste und bitte kostenlos“ leben. Trotz des nicht unbedingt geringen Preises kann noch einiges Geld bei den In-App-Käufen gelassen werden, aber dazu gleich mehr.

Umfang

Einer der bedeutendsten Faktoren für eine Anwendung dieser Art ist natürlich der Funktionsumfang. Die Spielwelt von Aerofly 2 erstreckt sich über einen kleinen Teil der US-Westküste rund um San Francisco. Der Entwickler gibt die Fläche mit etwas mehr als 100.000 Quadratkilometern an, also etwas mehr als Österreich.

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Darauf verteilen sich mehr als 70 Flughäfen und -plätze, vom San Francisco International Airport bis zum Yolo County Airport ist fast alles dabei und auch Militär-Flughäfen lassen sich ausmachen. An vielen dieser lassen sich auch Gebäude ausmachen, teilweise sind auch Details wie Fluggastbrücken modelliert.

Zugegeben, die Schweiz als 2. Heimat wäre mir auch lieber, aber das gibt es zumindest für Android nun mal nicht. Durch die recht kompakten Abmaße ist ein Flug von der einen zur anderen besiedelten Kartenseite mit der F-18 in 15 Minuten erledigt, das schafft man auch gut ohne Krampf in den Fingern (nur wer fliegt schon strikt geradeaus?).

Ebenfalls zum Umfang gehört natürlich die Auswahl an zur Verfügung stehenden Flugzeugen. Zum Lieferumfang von Aerofly 2 gehören insgesamt 6 Modelle, vom Segelflugzeug bis zum Learjet ist auch dort schon einige Abwechslung enthalten:

  • Pitts Special S-2B
  • Schleicher ASG 29
  • Beechcraft Baron 58
  • McDonnell Douglas F/A-18
  • Cessna 172
  • Learjet 45

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Als In-App-Kauf (wird natürlich im Account gespeichert) gibt es dann vor allem noch größere Flugobjekte wie den A320 oder auch eine 747.

  • F4U Corsair
  • Extra 330 LX
  • Aermacchi MB-339
  • Marganski Swift S1
  • P-38 Lightning
  • Boeing 737-500
  • Airbus A320
  • Boeing 747-400
  • King Air C90 GTx
  • Sopwith F.1 Camel
  • Airbus A380 ist in Planung

Teilweise stehen auch mehrere Bemalungen zur Auswahl, vor allem bei A320, B737 und B747 ist mit Auswahl mit beispielsweise British Airways,  Swiss, der Lufthansa oder auch Gulfair sehr groß. Aber auch die Cessna steht beispielsweise in verschiedenen Optiken zur Verfügung.

Gameplay

Zum Beginn des Spiels bietet sich die angebotene „Flugschule“ an, welche vor allem einen Einstieg in die Steuerung bietet. Durch eine Bewertung der Manöver, beispielsweise in Bezug auf die Kurvenlage wird man dazu motiviert, die Übungen mehr als einmal abzuschließen, alternativ bietet sich natürlich auch das bewährte Learning-by-Doing an.

Dann geht es also los. Nach der Auswahl des Flugzeugs muss es natürlich auch irgendwo losgehen, hierzu kann entweder direkt in der Luft gestartet werden oder aber auf einem Airport. Nach Klick auf einen Flughafen auf der Karte eröffnet sich eine Detailansicht, welche es ermöglicht, die Startbahn festzulegen.

Natürlich kann auch die Uhrzeit eingestellt werden, dies versteckt sich etwas im Wetter-Menü, zudem muss man erst einmal die Umrechnung in die UTC-Zeit raus haben. Natürlich ist sie aber nicht der einzige Punkt in diesem Menü, zusätzlich ist das Einstellen von Sichtweite, Wind, Windrichtung und Thermikstärke (natürlich vor allem für die Segelflieger interessant) möglich.


Wer will, stattet noch dem Navigationsmenü einen Besuch ab, dort kann ein Zielflughafen mitsamt gewünschter Landebahn festgelegt werden. Die Routenführung erleichtert anschließend die Navigation und wird zuvor auf der Flughafen-Karte dargestellt.

Und los geht es (nach einem Ladekringel) mit dem freien Spiel. Bis auf die Flugschule bietet Aerofly nämlich gar keine anderen Möglichkeiten, was so eher an X-Plane vom PC erinnert. Ich hätte mich gefreut, wie im FSX ein paar zusätzliche Missionen wie Linien- oder Rundflüge absolvieren zu können, dafür stehen weiterhin nur Casual Games im Play Store zur Verfügung.

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Also: Startbahn. Eine Flugsicherung existiert nicht, Multiplayer ist ebenso wenig vorhanden, sodass nicht viele andere Optionen offen bleiben, als den Schubregler nach vorne zu schieben, im Idealfall Klappen zur Erhöhung des Aufriebs zu setzen und das langsame Anrollen mitzuverfolgen.

Wer zuvor bereits das Tutorial abgeschlossen hat, weiß schon, dass ein Neigen des Geräts nach vorn den Startflug einleitet, alle anderen finden das früher oder später raus. Dann machen auch schon die ersten Winde auf sich aufmerksam, das Flugzeug wackelt leicht hin und her und der Start ist gemeistert.

Die Steuerung erfolgt nämlich zum Großteil über die Neigung von Smartphone oder Tablet. Querruder-Verstellen klappt per Neigung an die Seite,das Seitenruder kann entweder automatisch oder über ein separates Steuerelement (s. Einstellungen) angesteuert werden. Am oberen Bildschirmrand finden sich die wichtigsten Fluginstrumente wie virtueller Horizont, Geschwindigkeitsanzeige, Höhenmesser und so weiter wieder, dazu gibt es noch einen Pointer zum nächstgelegenen Flughafen.

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Seit der jüngsten Aktualisierung hat man den Rest des Interfaces etwas umgestaltet. Fanden sich wie im Artikel-Hedaer zu sehen zuvor noch acht Buttons am Rand rechts und unten wieder, gibt es nun nur noch drei. Einer davon erlaubt das Verändern der Kameraposition, beispielsweise ins Cockpit mit animierter Pilotin. Oder aber auch an die Position des Flughafen-Towers, der Passagierkabine, eines Verfolges, hier wird wirklich viel geboten.

Weitere Button am rechten Rand: Der Autopilot. In Aerofly 2 grundsätzlich bei jedem Flugzeug vorhanden, erlaubt er die Computersteuerung von Kurs, Geschwindigkeit, Steig- bzw. Sinkrate und Höhe. Er macht das Ganze natürlich in größeren Maschinen um einiges sicherer, die ganze Zeit zugucken dürfte aber kaum Sinn des Spiels sein.

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Irgendwann geht es dann an die Landung: (Brems-)Klappen ausfahren (Schubregler ganz unten halten), sofern möglich Fahrwerk raus oder alternativ einfach irgendwie auf der Landebahn zu stehen kommen. Geht das mal ordentlich schief, wird das Flugzeug automatisch zurückgesetzt, je nach Unfall kann vorher auch schon mal die Tragfläche abreißen. Seit dem neuen Update gibt es auch Callouts, also Höhenansagen während des Landeanflugs.

Qualität und Performance

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Qualität? Ohne Frage: Sehr gut. Alle Flugzeuge steuern sich natürlich unterschiedlich und während man die kleine Cessna schon irgendwie auf den Boden bekommt, ist das genaue Zielen beim A320 umso bedeutender. Auch bei der Geräuschkulisse gibt es nicht zu meckern, die Motoren klingen alle unterschiedlich und lassen direkt Rückschluss auf das aktuelle Modell zu.

Auch die Grafik kann sich sehen lassen, hier überzeugen vor allem die extrem detailreichen Flugzeugmodelle, bei denen die Entwickler wirklich an alles gedacht haben. Sogar die kleinen Metallstäbe zur statischen Entladung an den Flügenenden lassen sich erkennen, Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Flugzeugmodellen gibt es nicht.

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Auch die Gebäude an Flugzeugen sind dreidimensional modelliert und zeigen einige Details wie bereits erwähnte Fluggastbrücken. An diese kann man zwar nicht andocken, auch eine kleine „Rundfahrt“ auf dem Flughafen gestaltet sich jedoch grafisch angenehm. Während auch die Landebahnen scharfe Kanten aufweisen, mittlerweile sind sogar PAPI-Lichter zur Einhaltung des richtigen Gleitpfades integriert.

Nicht ganz so schick sind hingegen die Bodentexturen. Diese wirken selbst mit Detailstufe auf hoch ziemlich matschig, was allerdings erst bei Annäherung an den Boden auffällt, 30.000 Fuß darüber gibt es selbstverständlich keine Probleme. Das macht die Konkurrenz besser, insgesamt ist die Spielwelt aber doch recht ansehnlich. Auch einige Hochhäuser sind in 3D modelliert, zusätzlich beispielsweise die Golden Gate Bridge, dort zeigen sich dann wieder die Stärken von Aerofly.

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Und natürlich: Je nach eingestellter Zeit wird es auch irgendwann dunkel. Hier zeigt Aerofly 2 großes Potential, Gebäude kommen seit der Aktualisierung mit beleuchteten Fenstern daher, was die Spielwelt sehr realistisch wirken lässt und für ein wahres Lichterspiel sorgt. Von den beleuchteten Landebahnen mal abgesehen,diesen Anblick liebe ich sowieso.

Ein anderer Punkt ist da die Performance. Vom Note 4 bin ich es gewohnt, die Grafikeinstellungen regelmäßig auf das Maximum zu drehen und auch dann von einem flüssigen Spielvergnügen zu profitieren. Das will bei Aerofly nicht klappen, bereits bei mittleren Grafikeinstellungen gibt es nur noch eine gerade so zufriedenstellende Aktualisierungsrate in der Nähe größerer Flughäfen – an anderen Orten läuft es.

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Auf „mittel“ gibt es aber bereits wenig Grund zu meckern, Schatten fallen scharf aus, erwähnte Flugzeugmodelle sind super gelungen und auch Flughäfen detailreich. Hier Unterschiede zu erkennen, fiel mir ziemlich schwer, für ein Smartphone-Spiel absolut überzeugend und trotzdem bleibt der berechtigte Warnhinweis, vor Aerofly alle anderen Apps zu beenden und es nur auf Geräten wie dem Nexus 9 zu probieren.

Grund dürfte dafür vor allem die QHD-Auflösung sein, mit 1920×1080 Pixeln kommt das ZTE Blade S6 (Testbericht folgt) besser mit dem Spiel klar. Da Infinite als direkter Konkurrenz mit einer (etwas) schlechteren Grafik auskommen muss, kann man diesen Punkt aber auch nicht dem Spiel anlasten. Dennoch erstaunlich, eigentlich denkt man doch, man hätte mit dem Snapdragon 805 an CPU-Power ausgesorgt.

Was noch fehlt:

  • Zwar kann beispielsweise die Windgeschwindigkeit angepasst werden, Niederschlag ist jedoch nicht implementiert
  • Das Einstellen verschiedener Defekte am Flugzeug wäre sicher interessant
  • ein schneller Zugriff auf die Navigationsarte, die die Menüführung über das Hauptmenü ist alles andere als innovativ
  • Trimmung der verschiedenen Ruder
  • Multiplayer – ja, wird sicher niemals kommen, wäre aber trotzdem klasse

Fazit

Gute Grafik, viele Funktionen, diverse Flugmodelle und Liebe ins Detail – so lässt sich Aerofly 2 mit nur wenigen Worten wohl am besten beschreiben. Die Entwickler haben einen sehr gelungenen FluSi für Android-Geräte geschaffen, welcher aktuell das Oberhaupt dieser Kategorie darstellt. Mindestens wohl bis zum Release von X-Plane 10 Mobile und möglicherweise auch noch nach diesem Zeitpunkt.

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Infinite Flight bietet zwar in einigen (vor allem nebensächlichen) Punkten mehr Funktionen als Aerofly 2, kann aber insgesamt kein so rundes Gesamtpaket vorweisen, vor allem mit der Leiste am oberen Bildschirmrand hebt man sich auch im Punkt UI ab. Wer mit dem Genre etwas anfangen kann, dem sei empfohlen, die 4,99 Euro in das Spiel zu stecken.

Ich bin für die abendlichen Runden nun auf Aerofly umgestiegen und werde nur noch für die eine oder andere Multiplayer-Partie auf die Konkurrenz zurückgreifen. Aerofly 3 hat mich vollends überzeugt, sodass ich wohl in Kürze auch mal die Desktop-Version ausprobieren muss. Diese ist mit 40 Euro aber natürlich einen ordentlichen Happen teurer.

Upps... Das ging schief

Upps… Das ging schief

Aerofly 2 steht auch für iOS zur Verfügung, der Test erfolgte jedoch nur auf Android-Geräten.

Aerofly 2 Flugsimulator
Preis: 3,99 €+
Aerofly FS 2 Flugsimulator
Preis: 2,99 €+

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