Das Nokia Lumia 800 verkauft sich schlechter als gedacht (Kommentar)

Laut einem Bericht bei Forbes erwartet Analyst Pierre Ferragu, dass Nokia mit seinem ersten Windows Phone Lumia 800 einen ähnlichen Verlauf wie damals beim Nokia N8 einschlagen könnte und die Nachfrage nach dem Gerät im Weihnachtsgeschäft einfach nicht groß genug ist. James Faucette, Analyst bei Pacific Crest, spricht sogar davon, dass das Unternehmen keine 2 Millionen Einheiten im Einzelhandel verkaufen wird und laut dem Bericht bei Forbes werden es weniger als 500.000 Geräte, die bis Jahresende über die Ladentheke gehen.

Nokias Aktie fiel nach dieser Meldung um um 49 Cent (7,5%) auf 6,02 US-Dollar. Keine guten Nachrichten für das Unternehmen aus Espoo (Finnland), welches 2012 mit einem ganzen Lineup an Windows Phones auf den Markt kommen möchte. Das Lumia 800 sollte der Befreiungsschlag werden, mit diesem Gerät wollte man sich wieder auf dem hart umkämpften Smartphone-Markt beweisen.

Dabei hat man mit November einen optimalen Zeitraum für den Release von einem neuen Smartphone getroffen, betreibt aktives Marketing und hat auch bei der Ankündigung und Auslieferung alles richtig gemacht. Dazu kommt, dass Nokia für viele immer noch eine anerkannte Marke ist und ich von den Medien schon lange nicht mehr so ein große Interesse an einem Nokia-Smartphone gesehen habe.

Laut Pierre Ferragu sind die Gründe unter anderem die enorme Konkurrenz auf dem HighEnd-Markt und das Lumia 800 soll preislich zu hoch angesiedelt sein. Die Marke Nokia ist da wohl weniger Schuld dran, wohl eher das (im Vergleich zu iOS und Android) uninteressante Ökosystem. Außerdem ist das 800 bisher nur in 6 Ländern erhältlich und Nokia hat sich mit der Entscheidung MeeGo fallen zu lassen auch keine Freunde bei seinen Stammkunden gemacht.

Doch wir befinden uns erst am Beginn eines zweiten Neuanfangs von Microsoft und dem Windows Phone OS, wir betrachten hier immerhin die Aussagen von Analysten und diese müssen ja nicht zwangsläufig eintreffen. Ich bin gespannt, ob wir irgendwann auch offizielle Zahlen von Nokia oder Microsoft bekommen werden, glaube es aber nicht.

Persönliche Meinung:

In Deutschland wird sich das Lumia 800 dank Werbung „ganz gut“ verkaufen, dieser Nachfrage stehen jedoch auch die hohen Kosten für das aktive Bewerben in den Shops, im TV und in Zeitschriften entgegen. Der Preis für das Lumia 800 wird außerdem sehr schnell die 400er-Grenze unterschreiten, Nokia konnte in der Vergangenheit durch Preissenkungen auch seine alten Symbian-Phones pushen.

Der Kunde denkt mittlerweile jedoch immer weniger über die Marke nach, das OS rückt immer weiter in der Vordergrund. Und wer an ein Smartphone denk, denk vermutlich entweder an das iPhone mit iOS oder hat bei seinem Umfeld auch schon Gefallen an einem Androiden gefunden. Windows Phone 7 ist nicht so weit verbreitet und daher nicht in den Köpfen der breiten Masse.

Dafür muss man aggresiv vorgehen und ständig mit seinen Produkten präsent sein (sei es eben im Shop, im TV, Internet oder einer Zeitschrift). Und das wird richtig Geld kosten, ist aber vor allem für Microsoft und das Wachstum von Windows Phones sehr wichtig. Daher ist man den Deal mit Nokia eingegangen und ich glaube das fließt richtig viel Geld nach Finnland und in die Partnerschaft.

Bei Nokia war man sich wohl spätestens seit dem N8 bewusst, dass man es mit Symbian nicht schaffen werde (weniger wegen dem OS, sondern vielmehr wegen der extrem langsamen und kostenintensiven Entwicklung) und musste eine Entscheidung treffen. Da waren dann also Google und Microsoft und hätte Microsoft hier nicht mehr Geld auf den Tisch gelegt, dann hätte man mit Windows Phone 7 gleich einpacken können.

Statt also auf einen erfolgreichen Zug aufzuspringen, entschied man sich einen in Fahrt gekommenen zu untersützten. Das Problem bei Nokia ist, dass nicht mehr die Innovationen zählen, das Unternehmen muss sich Gedanken über seinen Gewinn machen und kann daher weniger experimentieren. Das beste Beispiel ist das Nokia N9 und MeeGo.

Die Entwicklung geht also nicht mehr in innovative Oberflächen und das OS, sondern einzig und allein in die Services und Zusatzleistungen. Man wird zu einem Hardware-Produzenten wie Samsung oder HTC und versucht sich nur noch mit gewissen Extras abzuheben. Diese Entscheidung kann richtig gewesen sein (im Bezug auf den Gewinn), aber Nokia ist nicht umsonst das weltweit erfolgreichste Unternehmen in dieser Branche geworden. Die Produkte und Innovationen aus Finnland haben einst die Branche verändert.

Eine Analyse zu der allgemeinen Entwicklung mit Windows Phone 7 ist im Moment schwer, denn das OS entwickelt sich gut, bekommt positive Kritiken und die Werbemaschinerie ist gerade erst angelaufen. Android und iOS entwickeln sich jedoch mindestens genauso schnell weiter. Und Blackberry wird sich sicherlich auch nicht einfach hinstellen und zuschauen, hier wird man 2012 seine Popularität in den USA nutzen und ebenfalls einen Neuanfang wagen.

 

Update

Gegenüber Reuters äußerte sich Nokia zuversichtlich, man sei mit den Verkäufen in Großbritannien sehr zu frieden:

„Lumia 800 sales in the U.K. are off to an excellent start. Based on earliest data the sales start of the Lumia 800 is the best ever first week of Nokia smartphone sales in the U.K. in recent history. By our measures, we have gained significant smartphone sell-out share in the channels in which we are operating in the U.K.“

via Gigaom Quelle Forbes

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