Der Klassenprimus – Navigon EU für iPhone im Test

Neben Mail, Telefon und SMS ist die Navigation für mich die wichtigste Funktion an einem Smartphone. Entsprechende Software gibt es für viele mobile Betriebssysteme wie Sand am Meer. Von gratis bis sehr teuer, von OpenStreetMap über Google Maps bis hin zu eigenem Kartenmaterial ist einiges erhältlich. Wer täglich darauf angewiesen ist, kommt hier schnell in die Qual der Wahl und gibt oftmals Geld unnötig aus.

So ist es auch mir ergangen. Ich habe bereits fünf Navigationssysteme für mein iPhone getestet und bisher hatte noch jedes seine, wie ich finde unerträglichen Schwächen. Doch bevor ich ins Detail gehe, erläutere ich gern noch kurz, was ich von Navigationssoftware am Smartphone erwarte. Ich bin in diesem Punkt leider sehr von Android verwöhnt. Dort lässt mich Google Maps Navigation nichts missen. Ich brauche ein Navigationssystem, welches auch bei schlechter Verbindung zum mobilen Internet seinen Dienst tut.

 

Am besten wäre ohnehin eine offline Unterstützung. Positionstreue, schnelle Neuberechnung von Routen, sofortige unkomplizierte Auswahl von Alternativrouten durch bestimmte Kriterien, Navigation zu Adressen im Adressbuch des iPhones, all das sind Dinge, die mein Navigationssystem bieten sollte. Einfache Menüführung, ein paar Extra-Informationen sowie der aktuelle Verkehr und die Stauumgehung sind „nice-to-have“, aber entbehrlich. Ebenso wie alle anderen Extra-Features, die eine Software bieten kann. Was ich bisher getestet habe und welches das größte Manko für mich war, seht ihr in folgender Übersicht:

  • Skobbler (1,59 €): Sehr ungenau, sehr schlechte Streckenwahl
  • Dynavix (39,99 €): lässt sich vor Ende der Navigation nicht abbrechen und navigiert dann in der Hosentasche weiter (Beim Geschäftstermin im Büro des Chefs „Jetzt links abbiegen“ – super!)
  • Navfree (kostenlos): OpenStreetMap Karten sind leider gar nicht das Gelbe vom Ei. Die Streckenwahl erscheint oft sehr unlogisch.
  • Global Navigator (kostenlos, in-App Kauf 2,39 €): fast keine Konfiguration möglich und schlechte Streckenwahl

Kunden der Telekom erhalten für ihr iPhone kostenlos eine abgespeckte Version der Navigon-Software über den AppStore. Kunden anderer Provider, einschließlich mir, haben diesen Vorteil leider nicht. Netterweise haben mir die Jungs von Navigon die EU10-Ausgabe ihrer Navigationssoftware spendiert und diese habe ich in den letzten zwei Wochen exzessiv im Urlaub getestet. In einer Gegend in der ich noch nie war, musste das Navigationssystem zeigen, wozu es im Stande ist. Hier zunächst die Features der Software:

  • einfache, intuitive Benutzerführung
  • Portrait- und Landscape-Modus
  • präzise Sprachansagen
  • intelligente Adresseingabe
  • Reality View Pro (reale Darstellung von Autobahnkreuzen und Ausfahrten)
  • Fahrspurassistent Pro
  • Reale Beschilderungsanzeige
  • Geschwindigkeitsassistent (konfigurierbar)
  • Tag-/Nachtmodus
  • Adressbuchnavigation
  • automatische Weiterführung der Navigation nach Telefonaten
  • 2D + 3D Kartendarstellung
  • Sonderziele in der Umgebung
  • POI (Points of Interest)
  • hoch konfigurierbare Routenplanung
  • Text-To-Speech
  • erweiterte Fußgängernavigation
  • Google lokale Suche
  • Koordinatennavigation
  • Live Traffic (via in-App Kauf)
  • MyRoutes
  • Enthaltene Karten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweiz, Schweden

Soweit zu den Herstellerangaben. Um das Wichtigste gleich vorweg zu nehmen, der Mobile Navigator EU10 ist vollständig offline nutzbar, sofern man keinen Live-Traffic o.ä. benötigt. Das war für mich der wichtigste Punkt überhaupt, denn was nützt mir das Navigieren in Bulgarien, wenn eine permanente Internetverbindung nötig ist. Die Zusatzkosten dieser Navigation währen wohl richtig teuer. Insgesamt hat die Software mich absolut überzeugt.

Die Positionsangaben, Ansagen und der Fahrspurassistent sind sehr präzise. Ich war auch gerade vom Fahrspurassistenten und der „Reality View“ sehr begeistert, denn die meisten Navigationslösungen zeigen bei Ausfahrten oder Autobahnkreuzen lediglich ein abstraktes Rechts oder Links an, aber nicht so, wie die Strecke in Wirklichkeit aussieht. Das macht die Software einfach klasse und ich habe mich im kompletten Urlaub nicht einmal Verfahren.

 

Die Navigation zu Adressen aus dem Adressbuch hat leider nicht so gut funktioniert, was wohl am Google-Format der Adressen in meinem Adressbuch liegen dürfte. Oft wurden die Adressen von der Software nicht verstanden und so konnte auch nicht navigiert werden. Mir ist allerdings noch nicht klar, wie ich die Adressen formatieren müsste, damit das funktioniert. Toll gelöst ist auch das Multitasking der Applikation. Bei einem Anruf werden alle Ansagen leiser geschaltet, bleiben verständlich und trotz Gespräch navigierbar.

Die Benutzerführung durchs Menü ist beim einfachen Punkt-zu-Punkt-Navigieren super einfach. Sobald man allerdings von der einmal berechneten Route abweichen will, zum Beispiel weil man noch eine Sehenswürdigkeit besuchen möchte, wird es schwierig. Auch die in den Features angegebene erweiterte Fußgängernavigation habe ich gar nicht erst gefunden. In Großstädten absolut genial ist das „Clever Parking“-System. Es lotst nicht nur zum nächst besten Parkplatz, sondern zeigt ebenso Öffnungszeiten sowie Gebühren an.

 

So habe ich in einer deutschen Großstadt für nur 6 € einen Tagesparkplatz in Zentrumsnähe gefunden. Ebenfalls klasse und verdammt schnell ist die Neuberechnung von Routen, wenn man falsch abgebogen ist, weil man zu trottelig war :D. So schnell habe ich es von keinem unserer TomTom-Navigationsgeräte fürs Auto gesehen.

Ein weiteres nettes Feature, das mich Google Maps Navigation weniger vermissen lässt, ist die Google Local Search. Damit könnt ihr einen Ort suchen, der bei den POI nicht vertreten ist. In meinem Fall war dies das Wildgatter Chemnitz. Einmal gefunden ermittelt Navigon die entsprechende Adresse und führt euch zielsicher dort hin. Die POI können alternativ interaktiv auf die Navigationskarte eingeblendet werden, um eine sehr gute Orientierung zu ermöglichen. So könnte rechts die große Sparkassenfiliale, links das Amtsgericht angezeigt werden. Was ich gut finde, allerdings bei der genauen Streckenführung der Software selten nötig sein wird. Aber wie gesagt, dies ist konfigurierbar.

 

Negativ zu bewerten ist dagegen das Alternativ-Routen-System. Nach Eingabe einer Adresse schlägt einem Navigon drei Routen vor, nach unterschiedlichen Kriterien, wie etwa kürzeste Entfernung o.ä. Nach der Auswahl kann es sofort losgehen. Die gewählte Strecke ist nur schwer bzw. umständlich zu ändern. Bis hier die richtige Option gefunden wurde, um die Route anzupassen, ist schnell ein Unfall passiert. Das sollte man auf keinen Fall während der Fahrt machen.

Andere Navigationssysteme können das wirklich besser. Ein weiterer Nachteil ist der Preis der Software. Normalerweise schlägt die EU10-Version mit 74,99 € zu Buche. Für den Live-Traffic werden nochmal 14,99 € fällig. Navigon hat aber durchaus immer mal wieder Angebotswochen, in denen es die Version für 49,99 € gibt. Das empfinde ich für die gebotenen Leistungen als angemessenen Preis. Wenn ich alle anderen Fehlkäufe mal zusammen rechne, komme ich fast auf diese Summe.

Den Navigon Mobile Navigator gibt es in verschiedenen Ausführungen mit unterschiedlichen Karten. Ich habe hier noch eine kleine Video-Test-Galerie für euch zusammen gestellt, die euch einen guten Eindruck von der Software vermittelt.

Insgesamt bin ich persönlich mit der Software mehr als zufrieden. Derzeit würde ich Navigon Mobile Navigator EU10 meinem TomTom-Gerät vorziehen und auch Besitzern eines entsprechenden Smartphones den Kauf uneingeschränkt empfehlen, sofern sie nicht Telekom-Kunde oder Wenignutzer sind. Derzeit unterstützt Navigon sowohl iOS, als auch Android, Windows Phone 7 und Windows Mobile. Für Android-Nutzer kann ich schon einmal ankündigen, dass es demnächst eine tolle Navigationslösung zu gewinnen gibt. Also schön brav weiter mobiFlip lesen ;).

Solltet ihr noch Fragen haben, immer rein damit in die Kommentare. Mich interessieren auch eure Ideen und Erfahrungen. Welche Navigationslösung bevorzugt ihr derzeit? Verwendet ihr lieber Software auf dem Smartphone oder ein externes Navigationsgerät?

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