Huawei P9 Testbericht

In den letzten Tagen und Wochen hat mich das Huawei P9 im Alltag begleitet und ich konnte mir somit einen guten Eindruck vom Flaggschiff machen.

Aus diesem Grund wird es Zeit für unseren Testbericht. Wie bei allen unseren, und meiner Meinung nach allgemein allen, Testberichten heißt das natürlich, dass dieser sehr subjektiv sein und meine persönliche Meinung widerspiegeln wird. Laborwerte interessieren mich dabei weniger, hier geht es um (m)einen Alltagsbericht.

Bevor ihr euch mit diesem Testbericht beschäftigt, empfehle ich euch vielleicht auch noch mal meinen ersten Eindruck, inklusive Unboxing, vom Huawei P9. Es handelt sich hier um das normale P9, nicht um das Plus und auch nicht das Lite. Doch bevor wir loslegen, gibt es noch mal ein paar Eckdaten für euch.

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Spezifikationen

  • Hersteller: Huawei
  • Modellbezeichnung: P9
  • Preis: Knapp 550,- Euro
  • Verfügbar: Seit Mai 2016
  • Größe: 145 mm x 70,9 mm x 6,95 Millimeter
  • Gewicht inklusive Akku: 144 Gramm
  • Betriebssystem: Android 6.0 Marshmallow inklusive EMUI 4.1
  • Akku: 3000 mAh
  • Display: 5,2 Zoll mit 1920 x 1080 Pixel
  • Kamera: 12 Megapixel Leica-Dual-Kamera f/2.2, Dual-Color-LED-Blitz
  • Frontkamera: 8 Megapixel Frontkamera f/2.2
  • Speicher: 32 GB, erweiterbar
  • CPU: HiSilicon Kirin 955 Octa-Core-CPU
  • RAM: 3 GB

Das sind nicht alle Spezifikationen des Huawei P9, weitere Informationen zum Gerät gibt es wie immer auf der entsprechenden Produktseite des Herstellers.

Testbericht in Videoform

Für alle, die sich die knapp 1600 Wörter sparen wollen, gibt es den Testbericht zum P9 auch in Videoform. In beiden Fällen ist das Ergebnis natürlich das gleiche.

Design, Verarbeitung und Haptik

Der erste Eindruck war sehr positiv und das hat sich in den Tagen danach auch so fortgesetzt. Mir gefällt das Design und die Haptik des P9. Das Gehäuse wirkt sehr hochwertig und das Gerät besitzt ein angenehmes Gewicht. Es ist, für meinen Geschmack, grenzwertig groß, geht aber gerade noch in Ordnung.

Wie das bei dünnen Aluminium-Smartphones so ist, ist auch das P9 etwas rutschig, das kenne ich schon vom iPhone und dafür habe ich dort eine gute Lösung. Doch dazu ein andermal mehr. Von der Haptik und Optik gefällt mir das Huawei P9 mit am besten von allen aktuellen Android-Flaggschiffen. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich HTC 10 noch nicht in der Hand hatte. Zum HTC 10 gibt es übrigens auch schon den Testbericht bei uns, diesen findet ihr an dieser Stelle.

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Zusammengefasst kann man sagen, dass sich Huawei hier in den letzten Jahren gut gemacht hat. Die Verarbeitung ist sehr gut, die Qualität der Materialien gefällt mir, die Tasten haben zum Beispiel einen guten Druckpunkt, und allgemein gesprochen bleibt nur abzuschließen, dass das P9 optisch gefällt, sich angenehm anfühlt, auf einem Level mit den anderen Flaggschiffen ist und bei mir bei der Haptik sogar an erster Stelle, und noch vor dem Samsung Galaxy S7, liegt.

Performance

Ein aktueller Prozessor mit acht Kernen und 3 GB Arbeitsspeicher sprechen glaube ich für sich. Klar, es gehen auch 4 GB, aber die 3 reichen aus. Alles läuft flüssig und ich hatte auch keine nennenswerten Ruckler in meinem Test. Hier und da gab es zwar mal einen kurzen Moment, in dem man warten musste, doch ich habe das Gefühl, dass das bei anderen Android-Flaggschiffen auch nicht anders ist.

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Das P9 ist nicht, zumindest was ich so bei Benchmark-Ergebnissen beobachtet habe, das schnellste Android-Flaggschiff da draußen, doch es erfüllt die Aufgaben, die es erfüllen soll, ordentlich. Zumindest in meinem Fall, ich muss aber auch sagen, dass ich kein Gamer bin und ein eine CPU und GPU selten komplett ausreize. Mir ist es jedoch wichtig, dass es im Alltag flüssig läuft und das ist hier der Fall.

Müsste ich die Performance in einem Satz zusammenfassen, so würde ich sagen, dass sie solide und ausreichend ist, allerdings auch keine neuen Maßstäbe setzt.

Display

Das 5,2 Zoll große IPS-Display gefällt mir. Ich bevorzuge noch immer LCD, doch der Unterschied zu AMOLED ist im Alltag nicht mehr so groß. Die Farben beim P9 sind natürlich, die Helligkeit gut und das Display besitzt gute Blickwinkel.

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Man sollte hier erwähnen, dass sich Huawei gegen QHD als Auflösung entschieden hat. Das P9 ist eines der letzten Flaggschiffe, welches wohl noch mit einem 1080p-Display erhältlich sein wird. Zumindest im Android-Lager. Das merkt man im Alltag nicht wirklich, doch mit Hinblick auf das Thema VR ist das natürlich ein negativer Punkt. Vor allem, wenn man VR und sein Smartphone lange Zeit nutzen möchte.

Für mich persönlich wäre es aktuell kein Kritikpunkt, der mich von einem Kauf des Huawei P9 abhalten würde, man sollte das bei so einem Preis aber bedenken.

Kamera

Huawei hat sich Leica als Partner geschnappt und macht damit viel Werbung. Man hat den Markennamen sogar auf die Rückseite gepackt. Es wurde schnell bekannt, dass da wenig Leica drin steckt. Am Ende ist das ein Marketing-Gag. Leica hat sich für das Geld entschieden, welches Huawei für den Namen bezahlt hat.

Das P9 setzt keine neuen Maßstäbe bei mobilen Smartphone-Kameras. Da gab es schon bessere Modelle, allerdings auch schlechtere Modelle. Das P9 liefert durchaus solide Ergebnisse und ich bin mit der Kamera auch sehr zufrieden. Sie ist schnell, liefert auf automatisch gute Bilder und erledigt ihren Job. Doch wie gesagt, das mit dem Leica-Schriftzug auf der Rückseite finde ich dann etwas übertrieben.

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Wer beim P9, vielleicht auch wegen Leica, davon ausgeht, dass er das mit Abstand beste Kamera-Smartphone auf dem Markt bekommt, wird enttäuscht sein. Man bekommt hier aber auch keinen Müll verkauft und davon könnt ihr euch, wie immer in unseren Testberichten, in unserem Album bei Google+ überzeugen.

Und falls ihr euch jetzt noch fragt: Wozu hat Huawei überhaupt zwei Kameras im P9 verbaut? Die eine macht ein normales Foto und die andere Linse ein Foto in Schwarz und Weiß. Beide werden dann kombiniert und es sollen bessere Ergebnisse, als mit nur einer Linse möglich sein. Vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen.

Zwei Sensoren – ein RGB-Sensor und ein Monochromsensor – fangen einfach mehr Licht ein. Das HUAWEI P9 nutzt einen besonderen Algorithmus, der intelligent die Farbstärke des RGB-Sensors mit der Detailgenauigkeit des monochromen Sensors kombiniert. So entstehen unglaubliche Fotos. […] Bei schwachen Lichtverhältnissen sorgen die 1,25 µ großen Pixel der 12-MP-Doppelkamera für optimale Fotos. Mit der IMAGEsmart 5.0-Technologie des HUAWEI P9 gelingen professionelle Aufnahmen unter allen Lichtbedingungen.

Die Frontkamera, die übrigens mit 8 Megapixel auflöst, macht sehr gute Selfies und die Kamera-Software bietet viele Spielereien, wie zum Beispiel Effekte, mit denen man die Fotos „verschönern“ kann. Da ist sehr viel Spielerei dabei, die man nicht unbedingt braucht, die aber auch nicht schadet und zum Verweilen einlädt.

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Akkulaufzeit

Hier würde ich beim Fazit im Grunde den gleichen Satz, wie bei der Performance nehmen. In einem Satz bedeutet das: Solide, aber nicht wirklich gut. Man kommt gerne auch mal über den Tag, je nach Nutzung, man hängt aber auch schon am Mittag, wenn man es intensiver nutzt, am (Not-)Ladegerät.

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Die Akkulaufzeit ist eine sehr subjektive Sache, da jeder sein Smartphone komplett anders nutzt. Der eine spielt mehr, der andere schraubt die Helligkeit hoch, der andere lässt so gut wie nichts pushen und es ist so nur schwer zu sagen, wie gut ein Smartphone hier bei jedem einzelnen Nutzer abschneidet.

Für mich persönlich ist immer wichtig: Komme ich damit über den Tag? Oftmals ja, aber leider auch viel zu oft nicht. Das P9 ist ein typischer Kandidat, bei dem ich ohne ein Notladegerät nur ungern das Haus für einen langen Tag in der Uni verlassen würde. Es ist, gefühlt, in etwa auf einem Level mit dem iPhone 6(s).

User Interface

Das P9 kommt, wie könnte es auch anders sein, mit der aktuellsten Version von Android daher, nämlich Marshmallow. Huawei hat diese aber stark angepasst und nennt das ganze EMUI 4.1. Kurz ausgedrückt kann man sagen: Android mit sehr vielen Elementen von iOS. Huawei scheint ein großer Fan von iOS zu sein.

Auch wenn ich aktuell ein iPhone 6s nutze, so bin ich der Meinung, dass Android nach Android aussehen sollte. Ich bin kein Fan von Anpassungen durch die Hersteller und auch wenn mir das UI des P9 durchaus gefällt, so würde ich jederzeit ein Android bevorzugen, welches nicht angepasst wurde.

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Das mit der iOS-Optik kann Huawei nicht so wirklich lassen und für mich ist das ein Kritikpunkt. Allerdings auch ein Kritikpunkt, der sich relativiert, denn zum einen lässt sich über Design nicht streiten und zum anderen lässt sich das User Interface bei einem Android-Smartphone komplett nach den eigenen Wünschen anpassen.

Für die Zukunft würde ich mir aber wünschen, dass Huawei vielleicht mal ein paar Designer einstellt, die ein eigenes Design entwickeln. Oder es ganz lassen.

Sonstiges

Die Position des Fingerabdrucksensors ist eine Frage der persönlichen Vorliebe. Ich bevorzuge diesen auf der Frontseite, mit dem Daumen erreichbar. Doch auch auf der Rückseite ist das noch in Ordnung, daran habe ich mich schon beim Nexus 6P sehr schnell gewöhnt. Der Sensor des Huawei P9 ist pfeilschnell.

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Das ist gut, wenn man sein Smartphone schnell entsperren möchte, das ist eher schlecht, dann man es durch eine kurze Berührung in der Hosentasche entsperrt. Man muss nämlich keine Taste zum Entsperren drücken. Ein einfaches Auflegen des Fingers reicht beim P9 vollkommen aus. Die Funktion kann auch deaktiviert werden.

Das Huawei P9 besitzt USB Type C, das ist schön, aber kein schnelles Laden, was ich bei der Akkulaufzeit wirklich begrüßt hätte. Diese Technologie ist bei Smartphones mit Android eigentlich schon Standard. Ein großer Kritikpunkt für mich. Es gibt auch leider keine anderen „Akku-Highlights“, wie zum Beispiel kabelloses Laden.

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Fazit

Ich habe es nach den Leaks und Teasern und auch der Vorstellung eigentlich nicht geglaubt, aber das P9 hat mir mehr Spaß gemacht, als ich gedacht habe. Ich nutze das Smartphone wirklich gerne und habe mir immer wieder Gedanken gemacht, ob es tatsächlich das beste Android-Flaggschiff diesen Sommer ist.

Das hängt am Ende davon ab, was man persönlich von einem Smartphone erwartet. Hier fehlen innovative Funktionen wie kabelloses Laden und die beste Kamera auf dem Markt bekommen jetzt auch nicht, aber das Gesamtpaket stimmt irgendwie.

Man muss allerdings auch sagen, dass Huawei-Smartphones nicht mehr über den Preis punkten und auf einem Level mit Samsung und Co starten. Wobei der Preis sehr schnell sinkt. Aktuell bekommt man das P9 zum Beispiel schon für 500 Euro.

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Ein Snapdragon 820, 4 GB Arbeitsspeicher und ein QHD-Display sind wohl die Punkte, die vielen fehlen, um das P9 zum besten Flaggschiff zu machen. Das alles braucht es aber nicht unbedingt. Ohne VR reicht 1080p aus und der Prozessor hat genug Power. Aber, das P9 muss sich eben mit anderen Flaggschiffen messen.

Machen wir es kurz: Das Design und die Haptik haben mich überzeugt. Das P9 ist, trotz kleiner Kritikpunkte, mein Favorit bei den Android-Flaggschiffen. Die Haptik spielt bei diesem Modell eine große Rolle. Es gibt aber eben auch sehr viele und für einige von euch entscheidende, Kritikpunkte bei diesem Modell.

Ein Snapdragon 820, 4 GB RAM, schnelles Laden und ein besseres User Interface hätten das Huawei P9 wohl zum besten Android-Smartphone gemacht. Das perfekte Smartphone gibt es aber eben nicht und so muss man immer Abstriche machen. Das Fazit zum Huawei P9 in zwei Wörtern lautet: Solides Flaggschiff.

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Wertung des Autors
Oliver Schwuchow bewertet Huawei P9 mit 4.0 von 5 Punkten.

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