ITK-Markt 2017 mit weniger Wachstum

Bild: Pixabay / annca

Der Digitalverband Bitkom bekräftigt seine diesjährige Wachstumsprognose von 1,7% für den deutschen ITK-Markt. Für nächstes Jahr geht man von einem abgeschwächten Wachstum aus.

Auf seiner Herbstkonferenz vergangenen Dienstag, zog der Digitalverband Bilanz für das noch laufende Jahr. Angesichts der Zahlen blickt man grundsätzlich positiv auf den Informations- und Telekommunikationstechnik-Markt, geht aber für kommendes Jahr insgesamt von einem schwächeren Wachstum aus und hat einige Wünsche an die Politik, was die digitale Transformation und die Digitalisierung generell betrifft.

Der Umsatz hat dieses Jahr erstmals die 160 Milliarden überschritten (160,5 Mrd). Davon profitiert auch der Arbeitsmarkt, Ende des Jahres werden die Unternehmen der Bitkom-Branche über 20.000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Damit ist man immerhin industrieweit betrachtet der zweitgrößte Arbeitgeber.

Von den Zahlen sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen. Die Digitalwirtschaft ist in Deutschland nicht sehr ausgeprägt. Zieht man Vergleiche mit anderen Ländern, stehen wir eher schlecht da. In den USA wächst der Markt für Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK) zum Beispiel doppelt so schnell.

Die digitale Transformation gibt es nicht zum Null-Tarif. Wir brauchen mehr Investitionen in digitale Technologien, wenn die digitale Transformation gelingen soll.

Bitkom-Präsident Thorsten Dirks.

Smartphones: Sinkende Umsätze trotz Rekordverkäufe

Die Branche wächst zwar weiter, für nächstes Jahr prognostiziert man jedoch nur ein Wachstum von insgesamt 1,2%.

Die Rolle des Wachstumstreibers hat momentan die Informationstechnologie inne, sie kann im laufenden Jahr insgesamt um 3,6% zulegen. Besonders die Umsätze der Softwareanbieter wachsen hier überdurchschnittlich und legen um 6,2% zu. IT-Hardware wächst um 2,8% und IT-Services nehmen 2,7% zu. Letzter Punkt ist ein Gradmesser für den Fortschritt der Unternehmensdigitalisierung. Aufträge in diesem Zusammenhang spiegeln sich hier wieder.

Die Umsätze in der Sparte Telekommunikation werden um 0,4% schrumpfen. Das hat mit einer Entwicklung zu tun, die sich auf dem Smartphone-Markt zeigt. Trotz Rekordverkäufe sinken hier die Umsätze erstmals um 1,5%.

Die Nachfrage nach Smartphones ist weiterhin ungebrochen, die Absatzzahlen erreichen neue Rekordmarken. Doch angesichts sinkender Durchschnittspreise für die Geräte gehen die Umsätze zurück.

Das Geschäft mit TK-Endgeräten geht indessen um 2,1% zurück, die Sparte Festnetz- und Mobildienste um 0,3%. Die Umsätze mit Infrastruktursystemen legen hingegen um 2,1% zu.

Die gegenläufige Entwicklung bei den Umsätzen mit Diensten einerseits und Infrastruktursystemen andererseits macht ein Dilemma der Telekommunikationsbranche deutlich: Die Netzbetreiber müssen weiter stark in den Netzausbau investieren, während die Einnahmen aus ihrem Kerngeschäft mit Telekommunikationsdiensten rückläufig sind.

Das negative Wachstum der Unterhaltungelektronik schwächt sich dieses Jahr auf 0,9% ab.

Digitalisierung: Politik in der Pflicht

Bitkom-Präsident Dirks wirft noch einen Blick in die Zukunft. Er sieht die Politik in der Pflicht, die Digitalisierung stärker als bisher voranzutreiben und richtet einen Appell an sie: Bund und Länder müssen die Digitalkompetenz bereits im frühesten Schulalter fördern.

Geeignete Maßnahmen seien in seinen Augen Englisch-Unterricht ab der ersten Klasse und ein Pflichtfach Informatik ab der fünften Klasse. Auch schon Berufstätige sollen weitergebildet werden, und die Verwaltung in den Behörden generell muss einer digitalen Transformation unterzogen werden.

In unserer Behörden ist der Alltag in viel zu vielen Fällen noch analog, unvernetzt, ineffizient – eher 1996 als 2016.

Zumindest ein Strategiepapier soll derweil von der Kultusministerkonferenz beschlossen werden. Von entschlossenen Maßnahmen kann man also zur Zeit nicht sprechen, gerade was das Bildungssystem angeht, welches momentan ja eher mit chronischem Lehrermangel kämpft und die Lehrpläne schon jetzt vielerorts gar nicht mehr erfüllen kann.

Quelle: Bitkom

Teilen

Hinterlasse deine Meinung